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Am Freitag, dem 4. Dezember 2009 luden das Staatliche Museum Schwerin, die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die OstseeSparkasse Rostock in die Mittelaltersammlung auf Schloss Güstrow ein, um die „Auferstehung“ eines der größten und kunsthistorisch bedeutendsten mittelalterlichen Altarwerke Norddeutschlands zu feiern: den Abschluss der Restaurierungsarbeiten am so genannten Neustädter Altar. In zwei Etappen haben die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die OstseeSparkasse Rostock mit ihrer Förderung sowie das Restauratorenteam Fred Kluth und Jörg Schröder dafür gesorgt, dass mit der Weihnachtszeit 2009 die Feiertagsseite des Schnitzaltars in ihren ursprünglichen Dimensionen mit einer Spannweite von 7,60 m und einer Höhe von 2,47 m erlebbar wird.

Die religionsgeschichtlichen, politischen und sogar die restaurierungsgeschichtlichen Zeitläufe haben dem einstigen Doppelflügel-Hochaltar aus der Jakobikirche in Lübeck zugesetzt und ihm irreversible Schäden und unwiederbringliche Verluste zugefügt. Mit der Einführung der Reformation in Lübeck 1530 hatte der prächtige, mit Gold und Farben gefasste Schnitzaltar seine liturgische Funktion verloren, verblieb aber, später teilweise auseinander genommen, in der Jakobikirche.
1736 verschenkte man ihn nach Neustadt (Glewe), wo er den bei einem Brand zerstörten Altar der dortigen Stadtkirche ersetzen sollte. Nur 24 Jahre lang stand der eigentlich zu große Lübecker Altar im Chor der Kirche. In eine Materialkammer gebracht, stolperte 1840 der Schweriner Archivrat Lisch buchstäblich über ihn und sorgte für seine Überweisung in die Großherzogliche Altertümersammlung.
Bereits damals fehlten zehn der geschnitzten Halbfiguren und das zweite Flügelpaar mit der Inschrift des Vollendungsdatums 1435. Die anderen Figuren und der Altarschrein hatten stark gelitten.
Großherzog Paul Friedrich von Mecklenburg-Schwerin ließ den Altar erstmals restaurieren. In den 1870er und 80er Jahren wurde dieser im Hinblick auf seine Präsentation in dem 1882 eröffneten Großherzoglichen Museum zu Schwerin in einem weitaus radikaleren Eingriff abgelaugt und neu gefasst. Vor 1922 entfernte man diese Fassung wieder und ließ die Skulpturen seither holzsichtig.
An einigen der Halbfiguren sind noch immer ursprüngliche Farbreste zu sehen, aber nur die Hl. Katharina lässt die hohe künstlerische Qualität der ursprünglichen Fassung erkennen. Die gemalten Tafeln hatte man zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom Altar getrennt, um sie museal als Gemälde präsentieren zu können, eine Zergliederung, die bei der derzeitigen Restaurierung absichtlich nicht rückgängig gemacht wurde. Von 1938 bis 1946 befand sich der Altar im Schweriner Schloss.
Bei der von der sowjetischen Militäradministration befohlenen, eiligen Räumung nahm man den Altarkasten auseinander und verwahrte ihn seitdem im Depot des Museums.
In einem ersten Restaurierungsschritt wurde 2005 der Mittelschrein wieder zusammengefügt und dessen rechte Hälfte restauriert, in diesem Jahr folgten die beiden Flügel und die Konservierung der linken Schreinhälfte. Damit ist der Flügelaltar nach mehr als 60 Jahren erstmals wieder in seinem Zusammenhang zu sehen.

Die geschnitzte und ursprünglich reich vergoldete Festtagsseite des Mittelschreins zeigt im Hauptgeschoss die Krönung Marias durch Christus, flankiert von stehenden Aposteln und Heiligen, im Sockelgeschoss Halbfiguren von weiblichen und männlichen Heiligen. An Sonntagen war das Schnitzwerk von den zugeklappten Flügeln mit ihren gemalten Außenseiten bedeckt, so dass dem Kirchbesucher Szenen aus dem Marienleben und der Passion Christi vor Augen geführt wurden.
Die Künstler des Altars sind nicht bekannt. Es ist jedoch sicher, dass er in einer der führenden Werkstätten Lübecks entstand. Künstlersignaturen waren in den Jahrzehnten nach 1400 noch selten: man arbeitete zur Ehre Gottes und zum Gedächtnis derer, die solche Altarwerke errichten ließen und finanzierten.

Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung ist ein Gemeinschaftswerk aller Sparkassen Sachsens, Brandenburgs, Mecklenburg-Vorpommerns und Sachsen-Anhalts. Seit ihrer Errichtung im Jahre 1995 hat die Stiftung gemeinsam mit den Sparkassen vor Ort mehr als 1.312 Projekte mit einer Gesamtfördersumme von über 40 Millionen Euro unterstützt. Davon wurde allein im Land Mecklenburg-Vorpommern für 205 Projekte eine Gesamtsumme von über 6 Millionen Euro bereitgestellt. Die für die Projekte erforderlichen Finanzmittel werden aus Erträgen des Stiftungsvermögens, dem überörtlichen Zweckertrag der Sparkassenlotterie PS-Lotterie-Sparen" und den projektbezogenen Zusatzspenden der Sparkassen aufgebracht. Die Sparkassenorganisation unterstreicht damit ihre Rolle als größter nicht-staatlicher Kulturförderer in Deutschland.

Anlässlich der Restaurierung erscheint eine Publikation des Staatlichen Museums Schwerin mit dem Titel „Der Marienkrönungsaltar aus St. Jakobi zu Lübeck – Neustädter Altar“, Umfang 80 Seiten, zum Preis von 17 €.

Quelle: Staatliches Museum Schwerin Schloss Güstrow