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Hamburger Architektur Sommer 2019

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„Man muss ein Leben gelebt haben, um so Chansons singen zu können...“, sagte ein Zeitgenosse über Sandra Kreisler. Und „Sandra stört immer durch Mitdenken.“ hieß es in Wien, der Stadt, der sie schon lange den Rücken kehrte. Weil sie eben ein Leben lebt und mitdenkt. Und genau so kommt auch ihr Jüdisches Programm daher.

Schum davar bedeutet „Keine Sache“ oder auch „gar nichts“ aber Schum ist auch das hebräische Wort für Knoblauch – viel mehr „des Juden Speise“ als die Zwiebel, wie Wilhelm Busch einst abfällig dichtete. Und Schum ist auch der Name, den die Chassidischen Juden einst dem großen Städtetriumvirat Speyer, Worms und Mainz gaben, jenen drei Städten in denen die religiöse Chassidische Bewegung so florieren konnte. Das ist das Spannungsfeld, in dem die mehrfach preisgekrönte Diseuse ihr Programm ansiedelt. Entlang dieses Bogens thematisiert sie das heutige Judentum, den deutschen „Ethnotouristen“ – der so gern Klezmerkonzerte besucht und im selben Atemzug den Konflikt mit den Palästinensern allein Israel anlastet – aber auch die Frage, ob Lieder schon „jüdische Lieder“ sind, nur, weil ein Jude sie schreibt oder singt.

Dieses Programm kommt nicht streichelweich daher, aber dennoch lässt es nicht die Leichtigkeit und den so berühmten jüdischen Humor vermissen. Ein Galgenhumor, ein schwarzer Humor, aber auch skurriler und Querdenkerischer Humor. Kurz, die Kreisler zeigt sich in diesem Programm ganz in der Tradition ihres berühmten Vaters Georg Kreisler, dessen Lieder ebenso selbstverständlich dabei sind wie aktuelle, noch völlig unbekannte Songs und hunderte Jahre alte Stetl – Niguns. Denn das Jüdische lässt sich eben nicht nur mit Verweisen auf Religion, Israel und/oder den Holocaust beantworten. Lässt sich überhaupt beantworten wie es sein kann, dass eine Gruppe von weniger als 0,2 % der Weltbevölkerung so nachhaltig und auffällig diskutiert wird? Und was ist überhaupt passiert? Gar nichts? Der Besucher wird in diesem Programm mehr mit Fragen konfrontiert als mit Antworten - denn das Mitdenken muss man schließlich üben. Sandra Kreisler ist prädestiniert, diese Fragen mit ihren Liedern zu stellen, und sie stellt sie mit Witz, Charme und einem boshaften Blitzen in den Augen. Man muss eben ein Leben gelebt haben, um so Chansons singen zu können. 

SANDRA KREISLER: „Schum Davar“ - Jüdische Lieder und Chansons
POLITTBÜRO
Kartenvorbestellung: 040 280 55 467, Adresse: Steindamm 45, Hamburg
Hauptbahnhof / ZOB / U-Bahn Lohmühlenstrasse
20,- / erm. 15,- Euro

Lale Andersen Preis, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Hessischer Kleinkunstpreis (Jury & Publikum). Gennadij Desatnik (Geige, Bratsche, Gitarre, Gesang), Valeriy Khoryshman (Akkordeon, Cajon, Arrangements).

Quelle: Auschwitz Komitee

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