Neue Kommentare

rene füsli zu Thomas Gainsborough – die moderne Landschaft: vergleiche fördern bewusstsein und wahrnehmung. ...
Eva zu Kunst oder Pornographie? "Die nackte Wahrheit und anderes" Aktfotografie um 1900: Das Wort Knaben trifft auch für männliche Jugen...
Herbert Klimmesch zu Kunst oder Pornographie? "Die nackte Wahrheit und anderes" Aktfotografie um 1900: "Zudem entstanden Kinder- und Knabenakte in unsch...
Nora Seibert zu Thomas Gainsborough – die moderne Landschaft: Man muss nicht immer Dinge vergleichen, die nicht...
Stipe Gojun zu „La Vérité” Hirokazu Kore-eda und der Mythos Familie : Ach, wie gern würde ich heute ins Kino gehen. Ob...

Hamburger Architektur Sommer 2019


Meinung

mail aus riga - Nebels Welt XXV

Drucken
(130 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 24. Juni 2014 um 10:18 Uhr
mail aus riga - Nebels Welt XXV 4.3 out of 5 based on 130 votes.
mail aus riga - Nebels Welt XXV

Von Theaterabenden im Allgemeinen und im Besonderen, von hedonistischer Lebensart im ursprünglichen Sinn und davon, was man sich leisten kann.

Es ist ja so: Ins Theater geht man - bei der Oper wallfahrtet man sogar - um eine gut besprochene Inszenierung zu sehen; manchmal reicht auch das Skandalöse.

Das Drumherum ist eher nebensächlich, wie beispielsweise ein Restaurantbesuch oder sonst etwas Teures. Das Gegenteil ist richtig. Und das mit
dem Teuren soll an einem konkreten Beispiel widerlegt werden. Im Berliner Ensemble – der Bühne Bertolt Brechts - steht seit Jahren „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist auf dem Spielplan. Klaus Maria Brandauer ist in Hauptrolle als Dorfrichter Adam zu sehen. Da macht man nichts falsch, wenn man da hingeht. Zunächst ist es günstig ein Theaterabonnement zu haben, aber auch das Drumherum ist günstig zu gestalten. Vor der Aufführung empfiehlt es sich in der Theaterkantine zu essen; sie ist für alle geöffnet. In einem einfachen Raum mit Holzgestühl agieren zwischen den externen Besuchern bereits geschminkte Figuren und per Lautsprecher wird der oder die aufgerufen, dringend nach da und dort zu kommen. Ein Boeuf Stroganoff beispielsweise kostet 4.90 €, für Theaterangehörige 2.90 €. Die Portionen sind reichlich und eher mehr für landwirtschaftliche Tätigkeiten bemessen. Obwohl - wie erwähnt - schon lange auf dem Spielplan, war das Theater ausverkauft.

Auch wer das Stück bereits vor Jahren gesehen hat, es ist immer noch faszinierend von der dargestellten Realität. Das fängt mit echten Hühnern im ersten Akt an und endet mit dem hinreißenden Bühnenbild, auf dem der enttarnte Dorfrichter Adam über ein Schneefeld flieht.
Von der schauspielerischen Leistung der Protagonisten ganz zu schweigen. Wenn es etwas zu meckern gab, dann darüber, dass Klaus Maria Brandauer einen Vollbart trug - aus welchen Gründen auch immer. So war seine Mimik halbiert. Doch zurück zum Drumherum. Eine Pause wird nicht gewährt - was sonst nur bei „modernen“ Aufführungen der Fall ist. Ein Bonmot besagt, dass man damit die Flucht des Publikums in der Pause verhindern will. Dieser Verzicht auf die Pause wäre also hier nicht nötig gewesen. Danach um die Ecke - ein Absacker in der STÄV. Das ist ein Kölschlokal mit „echt“ kölschen Gerichten; alles kleinteilig und die Geldbörse schonend. Dekoriert ist es mit den Großen der Bonner Republik. STÄV - oder in Langform „ Ständige Vertretung“, so hieß seiner Zeit die „Botschaft“ der BRD in der DDR. Das Ganze hat natürlich auch eine Geschichte. Friedel Dautzburg, ein Gastronom aus Bonn hatte dort das „Inlokal“ Schumann Klause. Hier traf sich vor allem die politische Promminenz.

Als es um die Abstimmung im Deutschen Bundestag ging, ob die gemeinsame Hauptstadt des wiedervereinten Deutschland Bonn oder Berlin sein sollte, ergriff Dautzburg für Bonn die Stimme. Er war auch an Demonstrationen gegen Berlin beteiligt. Wieso nun plötzlich Berlin? Die Fama besagt, dass er eine Brandenburgerin kennen gelernt und sie auch geschwängert habe. Das verändert schon die Blickrichtung. Aber dies wäre nun wieder eine ganz andere Geschichte.

Ihr Klaus Peter Nebel


Prof. Dipl.-Bibl. Prof. h.c. Klaus Peter Nebel ist Leiter des Studiengangs Kultur- und Medienmanagement an der Lettischen Kulturakademie in Riga/Lettland. Von 2007 bis 2010 arbeite er als Professor für Marketing- und Unternehmenskommunikation an der UMC (University of Management and Communication), Berlin, Potsdam; In den Jahren 2007 und 2008 war er als Direktor der Konzernkommunikation der maxingvest AG, Hamburg tätig (Holding für Beiersdorf AG, Tchibo GmbH, tesa AG) und Leiter der Unternehmenskommunikation der Tchibo GmbH, Hamburg. Über 20 Jahre, von 1983 bis 2007 war er Leiter Presse & Public Relations der Beiersdorf AG in Hamburg.

Hinweis: Die Inhalte dieser "Kolumne" geben die Meinung der jeweiligen Autoren wieder. Diese muss nicht im Einklang mit der Meinung der Redaktion stehen.

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > Meinung > mail aus riga - Nebels Welt XXV

Mehr auf KulturPort.De

Axel Simon: Eisenblut
 Axel Simon: Eisenblut



Das alles für was?
„Eisenblut“ ist der erste Band einer Reihe, in der Gabriel Landow, gefallener Sohn einer ostpreußischen Getreidejunker-Dynastie, als Er [ ... ]



The Henry Girls: Shout, Sister Shout
 The Henry Girls: Shout, Sister Shout



Sie sind Irish, sie sind Geschwister, sie sind gut!
In dem Dreihundert-Seelen-Nest Malin (Irish: Málainn), in der Grafschaft Donegal, ganz im äußersten Norde [ ... ]



Meine kleine Schwester im Herzen, Regy Clasen. Ein persönlicher Nachruf von Purple Schulz
 Meine kleine Schwester im Herzen, Regy Clasen. Ein persönlicher Nachruf von Purple Schulz



Meine kleine Schwester im Herzen, Regy Clasen, hat am vergangenen Samstag ihre Flügel ausgebreitet und ist davongeflogen wie das Rotkehlchen vor ihrem Fenster,  [ ... ]



Anime: Psycho Pass – Sinners of the System
 Anime: Psycho Pass – Sinners of the System



Ein spannender Cyperpunk-Thriller, angesiedelt im 21ten Jahrhundert und gepaart mit actiongeladener Science-Fiction erzählt von drei verschiedenen Fällen rund  [ ... ]



Die letzten zehn Tage im Leben einer Ikone: „Ach, Virginia“. Ein Roman über Virginia Woolf
 Die letzten zehn Tage im Leben einer Ikone: „Ach, Virginia“. Ein Roman über Virginia Woolf



Virginia Woolf (1882-1941) ist eine Ikone der literarischen Moderne. Wie kaum eine andere Frau ihrer Zeit steht sie für das Ringen um Eigenständigkeit und Raum [ ... ]



BuchDruckKunst 2020 – Das Magazin
 BuchDruckKunst 2020 – Das Magazin



Menschen, Bücher, Sensationen: An diesem Wochenende, vom 27. bis 29. März 2020, sollte die renommierte BuchDruckKunst im Museum der Arbeit stattfinden. Ein Hig [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.