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Wagner Sehen und Hören – DVD Empfehlungen I

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Freitag, den 27. September 2013 um 10:26 Uhr
Wagner Sehen und Hören – DVD Empfehlungen I 4.4 out of 5 based on 158 votes.
Richard Wagner

Besonders Wagner-Neulingen ist empfohlen, die Opern des Meisters zunächst mal anzusehen und anzuhören, als nur auf reine CD-Klänge zu vertrauen.
Man muss Wagner erst mal sehen – er ist ein Dramatiker für die Bühne – der Eindruck der Musik wird durch die Handlung noch größer und man versteht eher was Wagner ausmacht. Daher sollen in unseren Empfehlungen für den heimischen Wagner-Genuss zunächst die DVD stehen – zum Glück hat man eine breite Auswahl fast aller großen Wagner-Inszenierungen auf DVD und die neueren sogar auf Blue Ray Disc zur Verfügung – für den Opernabend zuhause.

Ich beschränke mich in meiner Auswahl auf exemplarische Aufführungen, die mir persönlich gut gefallen haben. Natürlich gibt es eine viel breitere Auswahl – doch die hier vorgestellten DVDs zeigen Inszenierungen von hoher künstlerischer Qualität und sind außerdem geeignet Wagner gut kennenzulernen.
Noch eins – man sollte beim Genießen der DVD immer die Möglichkeit der deutschen Untertitel beim Ansehen der Opern nutzen – ein elektronisch mitgeliefertes Libretto sozusagen. Man versteht besser was gesungen wird und so auch die Feinheiten des Textes im Zusammenhang mit der Musik.

Wir beginnen mit dem ‚Fliegenden Holländer’ einer Inszenierung von Bayreuth aus dem Jahr 1985. Sie wurde von dem Regisseur Harry Kupfer in Szene gesetzt der seit dieser Aufführung die 1973 zum ersten Mal gezeigt wurde zu den meistbeschäftigten Wagner-Gestaltern zählt.

Harry Kupfer inszenierte Wagner seit 1978 in Bayreuth
Harry Kupfer wurde 1935 in Berlin geboren. Er begann seine Karriere in den 50er Jahren in der DDR. Mehr als 175 Inszenierungen hat er inzwischen erarbeitet. Neben seinem Wirken in Berlin gastierte er noch zu Zeiten der DDR in Graz, Kopenhagen, Amsterdam, Cardiff, London, Wien, Salzburg, Barcelona, San Francisco, Moskau, Zürich und auch in Westdeutschland.
Bei den Bayreuther Richard-Wagner-Festspielen inszenierte er 1978 den ‚Fliegenden Holländer’ und 1988 den ‚Ring des Nibelungen’. Kupfer ist Mitglied der Akademie der Künste in Berlin, der Freien Akademie der Künste Hamburg und Professor an der Berliner Musikhochschule.
Harry Kupfer stellt die Figur der Senta in de Mittelpunkt des Holländer-Geschehens – eigentlich findet die ganze Geschichte als einziger wirrer – suizidaler Traum in ihrem Kopf statt. Ich halte diese Inszenierung für eine der spannendsten dieser Oper die man erleben kann.
Die Aufführung ist hochkarätig besetzt. Besonders interessant ist die Wahl des schwarzen Bassisten Simon Estes für die Titelrolle. Er gibt dem Hollaender ein ganz spezifisches wildes ‚Blues’-Feeling. Ein weiterer Höhepunkt der Aufnahme ist der Sänger der den norwegischen Kauffahrer Daland verkörpert – er gehört mittlerweile zu den Heroen des Wagner Theaters überall in der Welt: Matti Salminen.

Matti Salminen wurde 1945 im finnischen Turku geboren. Von 1976 bis 1988 sang er in mehr als 150 Vorstellungen bei den Bayreuther Festspielen. Matti Salminen war zweimal an der Auszeichnung mit einem Grammy in der Kategorie der besten Opern-Aufzeichnung beteiligt:

1983 für den ‚Ring des Nibelungen’ (Bayreuther Festspiele) und 1992 für die ‚Götterdämmerung’ (Metropolitan Opera New York). Mit der Zeit wurde er zu einem der weltweit anerkanntesten und gefragtesten Künstler seines Fachs und steht regelmäßig in nahezu allen großen Opernhäusern und Festivals auf der Bühne.
Die Oper steht unter der musikalischen Leitung von Woldemar Nelsson (1938 - 2006). Nelsson war ein russischer Dirigent, der ab 1976 in Deutschland und zahlreichen weiteren Ländern tätig war. Er wurde bekannt – so die Kritik - durch seine ‚eminente Werkkenntnis’ und einen ‚elegant-flüssigen Gestus, der sich mit einem eindringlichen Espressivo und mit feiner Klangsensualität’ verband.
1980 holte ihn Wolfgang Wagner nach Bayreuth zu den Richard-Wagner-Festspielen. Nelsson, der vorher nie eine Oper dirigiert hatte, nahm die Herausforderung an. Bis zum Jahr 1985 dirigierte Nelsson in Bayreuth die Opern ‚Lohengrin’ und ‚Der fliegende Holländer’.

DVD Richard Wagner ‚Der Fliegende Holländer’, Bayreuther Festspiele 1985 mit u.a. Simon Estes (Hollaender), Lisbeth Blaslev (Senta), Matti Salminen (Daland), Robert Schunk (Erik), Graham Clark (Steuermann) und Anny Schlemm (Mary). Musikalische Leitung: Woldemar Nelsson.
Zu bekommen bei Unitel/Deutsche Grammophon unter der Bestellnummer B0004357-09.


Unsere nächste Aufführung auf Blue Ray Disc des ‚Tannhäuser’ wurde für die Bühnen des Festspielhauses in Baden-Baden 2008 von einem weiteren bekannten und viel gefragten Wagner Regisseur gestaltet. Später werden wir noch auf seine ‚Lohengrin’- und ‚Parsifal’-Inszenierungen für das gleiche Haus hinweisen.

Nikolaus Lehnhoff wurde 1939 in Hannover geboren und ist ein deutscher Opernregisseur. Nach seinem Studium wurde Lehnhoff 1963 Regieassistent an der Deutschen Oper Berlin und bei Wieland Wagner in Bayreuth. 1966 wechselte Lehnhoff an die Metropolitan Opera in New York City. Lehnhoffs ‚Der Ring des Nibelungen’ 1984 in San Francisco war in einer an Caspar David Friedrich orientierten Ausstattung angesiedelt. 1987 arbeitete er beim Ring Bayerische Staatsoper mit ihm und Wolfgang Sawallisch dann aber mit Erich Wonder zusammen. In den letzten Jahren arbeitete Lehnhoff mehrfach am Festspielhaus Baden-Baden. Lehnhoff sieht seinen Tannhäuser als “Faustischen Geist” als Provokateur und gesellschaftlichen Außenseiter.

Der Regisseur dazu im Begleitheft der DVD: „Tannhäuser ist der klassische existenzielle Außenseiter, der von der Gesellschaft als Provokation und Bedrohung empfunden wird. Im Gegensatz zum Sinnsucher Parsifal, der durch die Dimension des Mit-Leidens zu neuen Lebenserkenntnissen kommt, bleibt Tannhäuser anmaßend und kompromisslos in seinen Lebenszielen, bis er schließlich ins Leere läuft und innerlich verblutet.“

Der Sänger wird brillant von dem 1955 in Indianapolis in den USA geborenen Tenor Robert Gambill dargestellt der mittlerweile zu den bekanntesten Wagner Tenören zählt. Gambill ist einer der wenigen Sänger dieser Stimmlage, die es sowohl im lyrischen Belcanto-Fach als auch als Heldentenor zu einer international bedeutenden Karriere gebracht haben.
Als Venus kann man auf dieser DVD die bekannteste und meist beschäftigte deutsche Wagner Sopranistin erleben – Waltraut Meier, die an allen Opernhäusern der Welt so ziemlich alle schwierigen und fordernden Sopran Partien in Wagners Opern gesungen hat und singt.Waltraud Meier wurde 1956 in Würzburg geboren. 1983 begann sie ihre Weltkarriere in Bayreuth als Kundry in Richard Wagners Parsifal. In dieser Rolle brillierte sie in den folgenden zehn Jahren jährlich bei den Bayreuther Festspielen. 1993 wechselte sie in das dramatische Sopranfach, woraufhin die Sängerin die Rolle der Isolde in der Inszenierung von Heiner Müller übernahm und bis 1999 verkörperte. Im Jahr 2000 folgte ebenfalls in Bayreuth der ‚Millennium-Ring’, inszeniert von Jürgen Flimm und dirigiert von Giuseppe Sinopoli, in welchem Meier die Sieglinde in der ‚Walküre’ an der Seite von Plácido Domingo sang. Lange Jahre bildete sie bei den Festspielen mit Siegfried Jerusalem das sogenannte Bayreuther Traumpaar.
Mit Jerusalem war sie in ‚Parsifal’ (1987–1988, Regie: Götz Friedrich, Dirigent: James Levine und Daniel Barenboim), in der ‚Götterdämmerung’ (1988–1992, Regie: Harry Kupfer, Dirigent: Daniel Barenboim), sowie in ‚Tristan und Isolde’ (1993–1999, Regie: Heiner Müller, Dirigent: Daniel Barenboim), zu erleben.
Heute gilt die in den Rollen der Kundry (Parsifal), Isolde (Tristan), Ortrud (Lohengrin), Venus (Tannhäuser)und Sieglinde (Ring) gefeierte Sängerin als eine der international bedeutendsten Wagner-Interpretinnen.
2007 eröffnete sie mit der Titelrolle in ‚Tristan und Isolde’ die Saison an der Mailänder Scala in der Regie von Patrice Chéreau unter der Leitung von Daniel Barenboim.
Der ‚Tannhäuser’ aus Baden-Baden steht unter der musikalischen Leitung des Schweizer Dirigenten Philippe Jordan der an vielen Häusern so auch der Staatsoper Unter den Linden beachtete Wagner Aufführungen dirigiert hat. Mit Beginn der Spielzeit 2014/15 wird Philippe Jordan Chefdirigent der Wiener Symphoniker.

2 Blue Ray DVD Richard Wagner „Tannhäuser“ , Festspielhaus Baden-Baden 2008 mit u.a. Robert Gambill (Tannhäuser), Camilla Nylund (Elisabeth), Waltraud Meier (Venus), Roman Trekel (Wolfram von Eschenbach), Musikalische Leitung: Philippe Jordan.
Zu haben bei Art Haus Opera unter der Bestellnummer 101 351.
 

Meine nächste Empfehlung für die Aufführung des ‚Lohengrin’ stammt ebenfalls wieder aus Baden-Baden und wurde im Juni 2006 aufgezeichnet.

Regisseur ist wiederum Nikolaus Lehnhoff der sich in seiner Auffassung dieser Oper besonders auf die Auseinandersetzung zwischen Elsa und ihrem ‚Traumritter’ bezieht, der in dieser Aufnahme ein unnahbares Ideal – ein selbstbezogener Idealmensch ist, der in der Hochzeitsnacht mit Elsa lieber am Flügel sitzt, als sich um seine junge Braut zu bemühen.

Lehnhoff zu seinem Konzept im Begleitheft der DVD: „Aber wer ist dieser Gralsritter?, Eine Marionette, eine Kunstfigur oder ein zur Liebe fähiger Mensch? Elsa soll Lohengrin akzeptieren und erlösen was nur möglich ist, indem sie die Frage nach seiner Identität bewusst nicht stellt. Die Tragödie ist unausweichlich vorgezeichnet.“


Klaus Florian Vogt singt die Heldentenor Partien Wagners – so hier den ‚Lohengrin. Besonders beeindruckend neben Waltraud Meier als Ortrud ist auf dieser Aufnahme ein junges Sängerpaar, das wohl zu den besten Stimmen der neuen Wagner-Szene zählt. Einmal der Tenor Klaus Florian Vogt in der Titelrolle und zum anderen Solveig Kringelborn in der Rolle der Elsa.

Klaus Florian Vogt wurde 1970 in Heide, Holstein geboren. Er ist ein deutscher jugendlicher Heldentenor, der insbesondere als Lohengrin – wie hier in der Aufnahme von Baden-Baden – große Erfolge feiert. Einen Durchbruch bedeutete für Vogt das Debut in dieser Rolle am Theater Erfurt im Jahr 2002. Mit dieser Partie gastiert er seitdem in der ganzen Welt und hat sein Repertoire inzwischen um weitere Partien des jugendlichen Heldentenor-Fachs erweitert, wie den Stolzing in Richard Wagners ‚Meistersingern von Nürnberg’ und den ‚Parsifal’. Seit 2003 ist. 2007 gab der Sänger sein Debüt als Stolzing bei den Bayreuther Festspielen. 2012 erhielt er für sein erstes Solo CD Album den Echo Deutscher Musikpreis Klassik in der Sparte Sänger des Jahres.

Solveig Kringlebotn wurde 1963 in Norwegen geboren und ist unter ihrem Künstlernamen Solveig Kringelborn mittlerweile eine gefeierte junge Sopranistin die mit führenden Orchestern auf Festivals in Edinburgh, Salzburg und Glyndebourne aufgetreten ist. Sie sang bereits in jungen Jahren die ‚Donna Elvira’ in Mozarts Oper ‚Don Giovanni’ an der Met in New York und ist in der Produktion des ‚Lohengrin’ von 2006 in Baden-Baden eine vielschichtige, strahlende aber auch menschlich überzeugende Elsa.

Musikalischer Leiter der Lohengrin Aufführung ist Kent Nagano, ein US-amerikanischer Dirigent japanischer Herkunft, der demnächst in Hamburg arbeiten wird.
Nagano ist ein vielbeschäftigter und gefragter Star unter den internationalen Dirigenten. Neben seinen jeweiligen Leitungsfunktionen dirigiert er auch die angesehensten Orchester der Welt.

Die vorliegende Aufnahme des ‚Lohengrin’ versteht es, ohne völlig abgedrehte Regie-Abstrusen im Stil der Ratten-Verunstaltung dieser Oper in Bayreuth 2012, eine moderne Auslegung der Geschichte des Gralsritters zu liefern, die absolut schlüssig und überzeugend ist.

2 Blue Ray DVD Richard Wagner „Lohengrin“ , Festspielhaus Baden-Baden 2006 mit u.a. Klaus Florian Vogt (Lohengrin), Solveig Kringelborn (Elsa), Waltraud Meier (Ortrud), Tom Fox (Friedrich von Telramund), Musikalische Leitung: Kent Nagano.
Zu haben bei Opus Arte unter der Bestellnummer QA BD 7026 D.


Die ‚Tristan & Isolde’ Aufnahme die ich nun im Folgenden empfehlen mochte wird der Wagner Begeisterte sich nicht mehr vergessen, wenn er sie einmal in den DVD Player gelegt hat – sie gehört zu den absolut besten Aufführungen, die von dieser Oper jemals auf die Bühne gebracht worden sind und ist mittlerweile legendär. Nicht nur deshalb weil sie das oben bereits erwähnte ‚Bayreuther Traumpaar’ Siegfried Jerusalem (Tristan) und Waltraud Meier (Isolde) vereinigt. Sondern auch weil der Regisseur Heiner Mueller es verstanden, hat diesen Tristan zu einem Theaterereignis erster Güte zu gestalten. Dazu das Dirigat von Daniel Barenboim – es wird sicherlich unvergesslich und nur sehr schwer zu erreichen sein ein solches Zusammenspiel von Sägern, Ausstattung und musikalischem Höhenflug jemals wieder auf die Bühne zu bringen.
So gut war mal Bayreuth – das ist leider lange her – diese Fassung wurde 1990 bei den Festspielen dort gegeben.

Heiner Mueller (1929 – 1995) wurde von Wolfgang Wagner verpflichtet und hatte sich einen Namen als Theaterregisseur in der damaligen DDR gemacht.
Er war einer der führenden Dramatiker des ostdeutschen Theaters gewesen. Mueller war schon 60 Jahre alt und hatte nie zuvor eine Oper inszeniert. Auch Siegfried Jerusalem und Waltraud Meier hatten ihre Partien noch nie vorher gesungen. Mueller stand kritisch zu der Geschichte der Oper und wollte die ‚Hitze’ aus dem tragischen Liebesdrama herausnehmen, um die Handlung klarer und durchsichtiger zu machen. Er beschäftigte den japanischen Modedesigner Yamamoto mit den Kostümen und gab der Oper einen Anstrich des traditionellen japanischen Theaters.
Mueller war der Ansicht das: ‚Wagners Text überhaupt kein Schwachsinn, sondern so etwas wie der Kubismus in der Malerei ist’. Er schuf eine weitgehend nicht realistische Inszenierung, wie man sie zuvor in Bayreuth noch nicht gesehen hatte.
Sein ‚Tristan’, Siegfried Jerusalem, wurde 1940 in Oberhausen geboren und ist ein echter Glücksfall als Wagner-Tenor. 1976 debütierte er als Lohengrin in Darmstadt und Aachen und sang bereits 1977 in Bayreuth bei den Richard-Wagner-Festspielen. Die späte, aber rasche Karriere führte Jerusalem an alle bedeutenden Opernhäuser der Welt. In Bayreuth hat er sich in allen großen Heldenpartien seines Fachs, ausgenommen „Tannhäuser“, vorgestellt.
2 DVD Richard Wagner „Tristan & Isolde“ , Bayreuther Festspiele 1995 mit u.a. Siegfried Jerusalem (Tristan), Waltraud Meier (Isolde), Uta Priew (Brangaene), Matthias Hoelle (Koenig Marke), Falk Struckmann (Kurwenal), Musikalische Leitung: Daniel Barenboim. Zu erhalten bei Unitel/DeutscheGrammophon unter der Bestellnummer 00440 073 4439.


In meiner Empfehlung für ‚Die Meistersinger von Nürnberg’ dirigiert wiederum Daniel Barenboim das Solistenensemble, den Chor und das Orchester der Bayreuther Festspiele in einem Live Mitschnitt von 1999.
Der bereits hochbetagte Wolfgang Wagner hat diese Oper sozusagen als Vermächtnis inszeniert und sich dafür das Beste an Sängern und Musikern an Land gezogen, die damals für Wagner-Aufführungen zur Verfügung standen. Und es zeigt sich hier wieder mal deutlich, mit welcher mühsamen Schießbude man es mittlerweile in Bayreuth zu tun hat, wenn man diese ausgewogene, spannende und musikgerechte Inszenierung mit dem – mit Verlaub – „Inszenierungs-Schrott“ vergleicht, der da heutzutage auf die Bühne kommt.
Ich will jetzt gar nicht erst von Pappkameraden mit Blut beschmiert in der Ventilator-Fabrik im ‚Holländer’ anfangen, wie sie 2012 in Bayreuths „Festspiel“-Premiere zu erleben waren.

Daniel Barenboim zu loben, heißt wahrlich Wagner-Büsten nach Bayreuth zu tragen, er ist wohl – Thielemann mag so gut sein wie er will – nach wie vor der größte und bedeutendste Wagner Dirigent der Zeit. Auch was er hier musikalisch aus den Meistersingern herausholt ist schier unglaublich.
Ich habe wirklich vielmals in meinem Leben – eigentlich kaum zu zählen – diese Oper gesehen und gehört – nie wie auf diesem Mitschnitt unter Barenboim!
Auch die Sänger übertreffen alles – Robert Holl als Hans Sachs ist in diese Rolle wirklich geboren. Seine sonore Altersweisheit mit viel stimmlicher Verve ist schlicht grandios. Eva, Emily Magee, ist auf der Höhe ihrer Sanges-Kunst als Eva und dann Peter Seiffert als Stolzing! Da fehlen mir langsam die Worte!
Diese Sänger ist einfach Weltklasse – ich kenne selbst zur Zeit keinen besseren Wagner-Tenor, der diese Rolle so brillant ausfüllen kann. Auch die anderen Rollen sind toll besetzt: Beckmesser singt und spielt mitreißend komisch Andreas Schmidt und alle Meistersinger sind vom Besten, teils ebenfalls mit großen Namen bekannt, wie Matthias Hölle als Pogner oder Roman Trekel als Konrad Nachtigall. Bezaubernd und begeisternd auch als Sachsens Lehrbub David (Endrik Wottrich) und Lene, seine Verlobte und Amme Evas (Brigitta Svenden).
Es gibt meiner Ansicht nach im Moment keine bessere Aufnahme dieser Oper, namentlich auf DVD. Die Bildqualität ist hervorragend genau wie der digital aufgearbeitete Ton.
Wer das Vergnügen hatte, wie ich, diese DVD an einem sehr schönen Sonntag mit Bose-Kopfhörern und auf einem großen, modernen hochauflösenden Flachbildschirm zu sehen, der wird genauso begeistert sein.

Das sind wirklich Bayreuther Festspiele, wie sie sein sollen, für zuhause. Ich frage mich, warum man all diese modernistischen missverstandenen Regie-Idiotien heute in Bayreuth braucht und nicht einfach solche Inszenierungen und Interpreten wie die oben beschriebenen zum Vorbild nimmt.

2 DVD Richard Wagner „Die Meistersinger von Nürnberg“ u.a. mit Robert Holl (Hans Sachs, Peter Seiffert (Stolzing, Emily Magee (Eva) in der Bayreuth-Inszenierung von 1999 von Wolfgang unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim.
Zu erhalten bei Medici Arts – keine Bestellnummer angegeben.


Ihr Herby Neubacher


Herby Neubacher stammt aus Wuppertal und wurde in Salzburg zum Musikliebhaber: Mit sieben Jahren hat er als Sopranist im Salzburger Dom Bach-Kantaten aufgeführt. Nach einem Kunststudium arbeitere er 20 Jahre in der Musikindustrie. Heute ist er als Journalist und PR-Experte tätig. Seit 2012 schreibt er regelmäßig für Kultur-Port.De über Alte Musik, Barock bis zur Romantik. Er lebt und arbeitet in Vietnam.

Hinweis: Die Inhalte der "Kolumne" geben die Meinung der jeweiligen Autoren wieder. Diese muss nicht im Einklang mit der Meinung der Redaktion stehen.
Fotonachweis: Portrait Richard Wagners

Galerie: Cover der DVD-Vorstellungen

 

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