Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 624 Gäste online

Neue Kommentare

Manfred Köck zu Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali: falsch, das erste Konzert der Tour hatte lange vo...
Ulrich Blumenbach zu Dorothy Parker: „Denn mein Herz ist frisch gebrochen“ – Zwischen Sehnsucht und Satire: Vielen Dank für die schöne, fundierte und zitat...
Herby Neubacher zu Kang Mu-xiang: „Unlimited Life“ – Monumentale Plastik auf Hamburgs Rathausmarkt: Schoen das der Bauschutt aus Taipeh ein neues Zuh...
Herby Neubacher zu Zu Ehren von John Neumeier: Nijinsky-Gala: ... und ausserdem steht Neumeier fuer den geschma...
Peter Watzen zu Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali: Kommentar vom 18.4. und das erste Konzert ist am ...

Meinung

Richard Wagner - Musikalischer Revolutionär und rätselhaftes Ärgernis: Wahn und Weihe

Drucken
(142 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 18. Juli 2013 um 09:32 Uhr
Richard Wagner - Musikalischer Revolutionär und rätselhaftes Ärgernis: Wahn und Weihe 3.8 out of 5 based on 142 votes.
Richard Wagner - 1861 in Paris

Wissen was Wotan will
Er wäre in diesem Jahr 200 Jahre alt geworden und er ist – offensichtlich – nach wie vor ein deutsches Problem – der Komponist Richard Wagner (geboren am 22. Mai 1813 in Leipzig, gestorben am 13. Februar 1883 in Venedig).

Denn wenn man die „tiefbraune Sauce“ liest, die sich durch die Kulturkolumnen ergießt die Wagner ja eigentlich nur „ehren“ wollen, sich aber an ausgiebigen Darstellungen der Wagner Liebe der Nazis und Wagners (angeblicher) Judenhetze, die seine Musik zu Hitlers Lieblingsklängen gemacht hat, ergehen, der kann dem ‚Führer Wort’ folgen: „Solange Wagners Musik erklingt, wird man sich meiner erinnern...“, Adolf Hitler (1889-1945)

Die medialen Wagner-Elogen gedeihen zu Wahn und Weihe des Dritten Reiches – und machen letztlich nur eins wirklich – gute PR für die Nazis.
Mir ist das alles eigentlich gleich – ich liebe Wagners Musik. Punkt.

Wagner, der latente deutsche Problemfall. Darf man Wagners Musik überhaupt gut finden, wo Hitler den doch auch so gerne hören mochte? Die deutsche Oper am Rhein in Düsseldorf versteigt sich im Wagner-Jahr daher zu einer Inszenierung des ‚Tannhäuser’ in Nazi-Uniformen – die gottesfürchtigen Pilger auf dem Weg nach Rom in dieser Oper wurden zu Juden auf dem Weg in die Gaskammer ‚künstlerisch’ umgestaltet.
Einige im Publikum bekamen deshalb gleich Herzbeschwerden und der Spiegel-Kommentator Jakob Augstein meinte dazu zynisch: „Sie hätten im Dritten Reich sicher keine Herzbeschwerden bekommen, wo man die Juden tatsächlich nach Auschwitz schaffte...“

In diesem Stil geht das weiter – die ZEIT veröffentlicht ein Sonderheft in dem Wagner gar als „genialer Gauner“ apostrophiert wird und natürlich reichlich über Adolf Hitler und seine Liebe zu Bayreuth zu lesen steht.

Das gibt es nur in Deutschland und es entsteht aus dem gleichen selbstzerstörerischen, kulturellen Bodensatz der Ratten im ‚Lohengrin’ über die Bühne wuseln lässt und Menschenzoos auf Hamburgs Kampnagel aufmacht. Letzteres hat zwar nichts mit Wagner zu tun – entspringt aber der gleichen zynischen und menschenverachtenden, kulturell dekadenten Mentalität.
Dabei ist Wagner einer der echten ‚Hitschreiber’ der Opernwelt – er füllt jedes (Opern-) Haus bis zum letzten Platz und sein Monumental Werk, der 17-stündige ‚Ring des Nibelungen’ ist immer wieder Herausforderung und willkommener Ideenlieferant für die besten Theaterleute der Welt.
Siehe nur die enorme Ring-Inszenierung im vergangenen Jahr an der Metropolitan Opera ‚Wagners Dream’ in New York, die für fast ein Kinofilmbudget von 16 Millionen US-Dollar auf die Bühne gestellt wurde und auch in internationalen Lichtspieltheatern zum Kassenknüller wurde.

Wagner ist vielleicht der größte Musiktheaterdramaturg aller Zeiten, Drehbuchautor, Komponist und Regisseur in einem – der Erfinder des musikalischen Gesamtkunstwerks, das bis heute trotz aller negativen Propaganda Opernfans aus aller Welt anzieht.

Wagner wäre heute bestimmt ein millionenschwerer, hoch erfolgreicher Hollywood-Regisseur und würde sicher das Medium Kino zu ganz neuen Ufern führen – der abgegriffene Begriff „Klassik“ bekommt da eine ganz neue Bedeutung.

Ich persönlich habe Inszenierungen an der Staatsoper Berlin, dirigiert von Daniel Barenboim sehen dürfen, in denen das Publikum in der Tat aus der ganzen Welt angereist ist – Japaner, Koreaner, Amerikaner, Kanadier, Australier kamen in hellen Scharen, um Barenboim Wagner dirigieren zu sehen. Nur die Deutschen haben ein Problem...


Aus dem Prolog der “Götterdämmerung”Zu End' ewiges Wissen!
Der Welt melden Weise nichts mehr.
Hinab! Zur Mutter! Hinab!


Aus dem Prolog der “Götterdämmerung”

Die Nornen. (Abb. aus „Die Helden und Sagen des Nordens oder Das Buch der Sagen“ von Amalia Schoppe, 1832)



Ihr Herby Neubacher

Herby Neubacher stammt aus Wuppertal und wurde in Salzburg zum Musikliebhaber: Mit sieben Jahren hat er als Sopranist im Salzburger Dom Bach-Kantaten aufgeführt. Nach einem Kunststudium arbeitere er 20 Jahre in der Musikindustrie. Heute ist er als Journalist und PR-Experte tätig. Seit 2012 schreibt er regelmäßig für Kultur-Port.De über Alte Musik, Barock bis zur Romantik. Er lebt und arbeitet in Vietnam.

Hinweis: Die Inhalte der "Kolumne" geben die Meinung der jeweiligen Autoren wieder. Diese muss nicht im Einklang mit der Meinung der Redaktion stehen.
Fotonachweis Header: Richard Wagner, 1861 in Paris. Detail aus einem Foto von Pierre Petit (1832-1909), welches er anlässlich der Premiere von 'Tannhäuser' aufnahm.

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > Meinung > Richard Wagner - Musikalischer Revolutionär ...

Mehr auf KulturPort.De

Trio Laccasax: In Music At Home
 Trio Laccasax: In Music At Home



Einen Ort zu haben, an dem man zuhause ist, ist an Wert kaum zu überschätzen. Ein Ort, an dem man die Seele baumeln lassen kann, an dem man ganz selbst sein da [ ... ]



„Edgars und Aina Šēnbergi. Modernisti" im Lettischen Architekturmuseum Riga
 „Edgars und Aina Šēnbergi. Modernisti



Eine kleine, aber feine Ausstellung ist im Lettischen Architekturmuseum in der Altstadt von Riga zu sehen. Gezeigt werden Arbeiten, Zeichnungen und Modelle des A [ ... ]



„The Cleaners” – Oder die Schattenindustrie digitaler Zensur
 „The Cleaners” – Oder die Schattenindustrie digitaler Zensur



Unsere Bilderflut ist apokalyptisch: Jede Minute 500 Stunden Video auf YouTube, 450.000 Tweets auf Twitter. Nicht alles was hochgeladen wird, bleibt. Die Silicon [ ... ]



Der wahre Reichtum – „Wir Sonnenkinder – Authentische Lebensbilder“
 Der wahre Reichtum – „Wir Sonnenkinder – Authentische Lebensbilder“



Vor mir liegt der Lebensbericht – der Autor Harry Popow nennt ihn „authentische Lebensbilder“ eines Zeitgenossen, der vom wahren Leben in der DDR berichtet [ ... ]



Still in the Woods: Rootless Tree
 Still in the Woods: Rootless Tree



Indie-Jazz – Musik, die Weite kennt, auch innerhalb der bekannten Spielräume. Mit dem Debüt-Album „Rootless Tree“ kappen die vier Musiker aus Berlin, Dre [ ... ]



Karl Marx zum 200. Geburtstag: „Karl Marx 1818-1883. Leben. Werk. Zeit.“
 Karl Marx zum 200. Geburtstag: „Karl Marx 1818-1883. Leben. Werk. Zeit.“



Ein Gespenst geht um in Trier: Karl Marx, vor 200 Jahren am 5. Mai 1818 in Trier geboren, braust wie ein Orkan über das Städtchen an der Mosel hinweg. Allerdin [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.