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Meinung

mail aus riga - Nebels Welt XVI

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Donnerstag, den 04. April 2013 um 09:44 Uhr
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mail aus riga - Nebels Welt XVI

Von der Bandbreite der Kultur, von der Lust, das Publikum auf hohem Niveau zu unterhalten und von der Absicht Kultur erfolgreich – auch finanziell – zu gestalten.
Zugegeben: Die Methodik zu dieser Kolumne habe ich von Plutarch (45-125 n. Chr.) ĂŒbernommen. Er schrieb Parallelbiografien ĂŒber „große Griechen und Römer“. Und da wir jetzt mit kultur-port.de verbandelt sind und somit potentiell 500.000 User im Monat erreichen können, ist Ă€ußerste Korrektheit das Gebot der Stunde. Also merke: Fußnote Plutarch.
Im Stil von Plutarchs Biografien wird hier die kleinere Kunst im Vergleich zur grĂ¶ĂŸeren in Beziehung gesetzt, weil die ganze Bandbreite der Kultur in ihren Extremen deutlich deutlicher wird.

Es ist Sonnabend, der 13. MĂ€rz 2013. KĂ€lte und Schnee prĂ€gt den Tag, aber auch die Sonne, die mĂŒhsam gegen die KĂ€lte anarbeitet.
Um 11.00 Uhr beginnt das 9. KulturfrĂŒhstĂŒck im Altonaer Theater, das von den „Freunden des Altonaer Theaters“ organisiert wird. Zum Eintrittspreis von 13 € (fĂŒr Mitglieder 10 €) – mit zwei belegten BrötchenhĂ€lften und Kaffee satt – treten die Schauspielerin Marla Weedermann und der Clown (eigene Bezeichnung) Broder Zimmermann auf. Ihr Programm: Sturmzucker – Lyrik, Lieder, Liebe, Meer. Die Dekoration sparsam – nur ein aufgepumptes Schlauchboot und zwei Ruder. Wortwitz und Melodien stehen im Mittelpunkt zum AmĂŒsement der Zuschauer. Besonders viel Beifall gab es fĂŒr den Song der SeerĂ€uberjenny aus Brechts Dreigrossenoper. Hier sollten die Interpreten mit ihren beiden Akkordeons ansetzten – es lohnt sich bestimmt.
Brecht und Weil als der Beginn der Moderne; und Stimmen und Spiel der beiden Protagonisten tragen das. 50 Zuschauer waren jedenfalls restlos begeistert.

Ganz anders der Ballettabend in Kiel. Ausverkaufte RĂ€nge – und das neue DUO an der Spitze der Ballettcompany Yaroslov Ivanenko und Hather Jurgensen, 6. Jahrgang im internationalen Studiengang, (beide frĂŒher die Stars bei John Neumeiers Hamburg Ballett) schafften exzellentes Neues. Das Theater mit nahezu 400 PlĂ€tzen ausverkauft.

Den ersten Teil choreografiert die Slowakische KĂŒnstlerin Natalia Horencna. Zu Klangkörpern bewegten sich TĂ€nzerinnen und TĂ€nzer. Der Titel des StĂŒckes war Programm: Jenseits der TĂŒr weist auf die Konflikte hin, die sich in einer Familie abspielen. Vater erschießt Mutter, was nicht gerade als Vorbild dienen sollte.

Danach die Inszenierung von Yaroslov Ivanenko. Hier wurde mit großem Ernst heiteres produziert. Der Titel war „Auf dem Wasser tanzen“.
Es war schon umwerfend komisch wie zum Wiener Walzer auf BĂŒro-RollstĂŒhlen mit gekonnter BĂŒhnentheatralik die TĂ€nzer ĂŒber die BĂŒhnen rollten. Sehr schön auch Tschaikowskis Schwanensee (ohne ihn geht es einfach nicht). Erst tanzten die Frauen die Szenen mit den vier JungschwĂ€nen in unglaublicher PrĂ€zession; dann wurde die Szene mit TĂ€nzer im TĂŒtĂŒ wiederholt; aber ernsthaft getanzt ohne die „Schwuchteleien“, die sich durchaus anböten.

Ein gelungener Abend, der die Reise aus Hamburg gelohnt hat. Es wĂ€re zu wĂŒnschen, dass diese Inszenierung auf Reisen geht, weil es viele Zuschauer begeistern wĂŒrde. Insbesondere wĂŒrde sich Wien anbieten – allein schon wegen des Strauss’ Walzers, den alle ja aus den Neujahrskonzerten kennen. Ob das gelingt, wĂ€re nun wieder eine ganz andere Geschichte.

Ihr Klaus Peter Nebel


Prof. Dipl.-Bibl. Prof. h.c. Klaus Peter Nebel ist Leiter des Studiengangs Kultur- und Medienmanagement an der Lettischen Kulturakademie in Riga/Lettland. Von 2007 - 2010 arbeite er als Professor fĂŒr Marketing- und Unternehmenskommunikation an der UMC (University of Management and Communication), Berlin, Potsdam; In den Jahren 2007 und 2008 war er als Direktor der Konzernkommunikation der maxingvest AG, Hamburg tĂ€tig (Holding fĂŒr Beiersdorf AG, Tchibo GmbH, tesa AG) und Leiter der Unternehmenskommunikation der Tchibo GmbH, Hamburg. Über 20 Jahre, von 1983 bis 2007 war er Leiter Presse & Public Relations der Beiersdorf AG in Hamburg.

Hinweis: Die Inhalte dieser "Kolumne" geben die Meinung der jeweiligen Autoren wieder. Diese muss nicht im Einklang mit der Meinung der Redaktion stehen.

Fotonachweis: Claus Friede
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