Neue Kommentare

Ada Rompf zu „The Rider”. Die zärtlich-raue Poesie der Chloé Zhao : Besser kann man meinen Lieblingsfilm dieses Früh...
yolo 456 zu Die Juden vom Altrhein: man sollte einen artikel erst einmal lesen bevor ...
yolo123 zu Die Juden vom Altrhein: Das jüdische Leben in Deutschland ist vorbei und...
Achenar Myst zu Nils Landgren with Janis Siegel: some other time: Die CD ist ein absoluter Genuss, tolle Auswahl de...
Achim zu Golnar & Mahan – Derakht: Musik, die glücklich macht - Danke !!!...

Meinung

Inkompetenz, Mutlosigkeit, Kungeleien

Drucken
(76 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 18. Oktober 2011 um 10:03 Uhr
Inkompetenz, Mutlosigkeit, Kungeleien 4.5 out of 5 based on 76 votes.
Inkompetenz, Mutlosigkeit, Kungeleien - Stiftung Historische Museen Hamburg

Was sich in und um die Stiftung Historische Museen Hamburg derzeit abspielt, ist so grotesk, dass man es kaum glauben mag.
Der Reihe nach: Im November 2010 erhielt Stiftungs-Vorstand Kirsten Baumann von der Kulturbehörde den Auftrag, ein Konzept zur Weiterentwicklung des Museumsverbundes (Altonaer Museum, Museum für hamburgische Geschichte, Museum der Arbeit, Helms-Museum Harburg) auszuarbeiten. Am 20. September 2011 wurde es im Kulturausschuss der Bürgerschaft mit Vertretern aller Parteien diskutiert und von Kultursenatorin Barbara Kisseler ausdrücklich gelobt und bekräftigt.

Zwei Tage später reichte die Fraktion der alleinregierenden SPD überraschend einen Antrag ein, der die „Verschlankung der Stiftung“ vorsieht, in Wahrheit aber einer Zerschlagung gleichkommt: Das Helms-Museum soll demnach wieder Eigenständigkeit erhalten, das Bergedorfer Schloss (bislang Außenstelle MHG) und das Rieck Haus (bislang Altonaer Museum) zu einer neuen Stiftung zusammengefasst werden. Und das Schönste: Barbara Kisseler begrüßte den Antrag. Kirsten Baumann hingegen erfuhr die Rolle rückwärts aus der Presse und tat das einzig richtige: Sie trat als Stiftungsvorstand zurück (bleibt aber weiterhin Direktorin des Museums der Arbeit).

Die nicht vorhandene Kommunikation zwischen Behörde und Stiftung, die wendehalsige Kultursenatorin, die hier im Handumdrehen auf SPD-Linie getrimmt wurde und eine verbrannte Kirsten Baumann, deren monatelange Konzeptausarbeitung offenbar für die Katz war, sind dabei nur unschöne Aspekte am Rande. Viel schlimmer sind die Auswirkungen auf die Stadtmuseen selbst. Die neuerliche Umstrukturierung bindet wieder auf Monate Kraft, die dringend in Inhalte gesteckt werden müsste. Und sie bindet Geld, das eh nicht vorhanden ist. Hätte die Stadt die Tarifsteigerungen der vergangenen Jahre ausgeglichen, wären die vier Häuser heute schuldenfrei, erklärte unlängst Stiftungs-Geschäftsführer Helmut Sander. Hat die Stadt aber nicht und so krebsen die Museen seit Jahren strukturell unterfinanziert vor sich hin. Der Gipfel der Dauerkrise war vergangenes Jahr die angedrohte Schließung des Altonaer Museums, die Bürgerproteste gerade noch verhindern konnten. Aber gebessert hat sich die Situation seitdem mitnichten. Man muss es auch mal klar sagen: Der 2008 begründete Verbund der Stadtmuseen hat die Erwartungen bislang in keiner Weise erfüllt. Das Kombi-Ticket hätte man auch in der alten Form bewerkstelligen können. Das heißt jedoch noch lange nicht, dass die Idee eines Zusammenschlusses falsch oder schlecht war.

Alle vier Museen sind große, schwerfällige Apparate mit eingefahrenen Strukturen. Die Dauerausstellungen sind veraltet, das Personal ebenso. Der ständige Kampf ums Überleben hat alle Mitarbeiter frustriert und ermüdet. Ein „General“, der mit Blick von außen neu gewichtet, ein einheitliches Marketing installiert und frischen Wind in die Häuser bringt, macht da durchaus Sinn. Dazu braucht er aber nicht nur Phantasie und Durchsetzungskraft – dazu braucht er auch GELD. Die Marschrichtung der SPD „Vorwärts in die Vergangenheit“ ist jedenfalls keine Lösung. Der Rückfall in einzelne „Fürstentümer“ hat keine stärkere Profilierung zur Konsequenz, sondern Provinzialität. Und „kostenneutral“, wie im Antrag formuliert, wird das Ganze auch nicht. Im Gegenteil: Für die beiden eigenständigen Stiftungen werden wieder zwei zusätzliche Geschäftsführer gebraucht. Deshalb wohl auch der Vorschlag, den Ausstellungs-Sondertopf von zwei Millionen Euro zu halbieren und eine Million den Museen direkt zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig will die SPD natürlich noch mehr und noch attraktivere Sonderausstellungen, noch mehr Events, noch mehr interaktive Angebote für Jugendliche. Alles „kostenneutral“, versteht sich. Sander sprach von einem „großen Kuddelmuddel“ bei Annahme des Antrags. Ach was, es wäre der schiere Wahn.

Ihre Isabelle Hofmann


Foto Header: Fotomontage

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > Meinung > Inkompetenz, Mutlosigkeit, Kungeleien

Mehr auf KulturPort.De

„Thietmars Welt. Ein Merseburger Bischof schreibt Geschichte“ – Eine Zeitreise in das Mittelalter
 „Thietmars Welt. Ein Merseburger Bischof schreibt Geschichte“ – Eine Zeitreise in das Mittelalter



Einer der berühmtesten Chronisten des Mittelalters war Thietmar von Merseburg (975-1018). Unter den römisch-deutschen Kaisern Otto III. bis zu Heinrich II. war [ ... ]



Elisabeth Weinek: „Was Sie sah“ – Andalusien, Marokko, Iran
 Elisabeth Weinek: „Was Sie sah“ – Andalusien, Marokko, Iran



Passend zur Festspielzeit werden in der Margarethenkapelle von St. Peter, eine der ältesten Kirchen Salzburgs, Fotografien gezeigt, die sich als „interkulture [ ... ]



Ilse Helbich: Kluge Chronistin des Alters – „Im Gehen“ gefundene Gedichte
 Ilse Helbich: Kluge Chronistin des Alters – „Im Gehen“ gefundene Gedichte



Auch heute noch geschehen beglückende Wunder: Mit 80 Jahren veröffentlichte die 1923 in Wien geborene Ilse Helbich ihren ersten Roman unter dem Titel „Schwal [ ... ]



Thierry van Werveke: Schauspieler, Rockstar, Troublemaker, Thierry National
 Thierry van Werveke: Schauspieler, Rockstar, Troublemaker, Thierry National



Thierry! – allein sein Vorname löst in Luxemburg schon entzücken aus und wird mit der Addition von „National“ zum Kult. In Deutschland und Österreich fr [ ... ]



„Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls
 „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls



Samuel Moaz kreiert mit dem Antikriegsdrama „Foxtrot” einen atemberaubenden ästhetischen Kosmos: zornig, visuell kühn, emotional hochexplosiv, oft grausam, [ ... ]



Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte: „Der Vorname“
 Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte: „Der Vorname“



Das Stück brillant, die Schauspieler große Klasse, die Inszenierung rundum gelungen und der kleine Saal der Komödie Winterhuder Fährhaus restlos ausverkauft. [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.