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Meinung

Musikpreis HANS - der Branchenverstärker

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(216 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 18. November 2010 um 01:27 Uhr
Musikpreis HANS - der Branchenverstärker 4.7 out of 5 based on 216 votes.
Nach diesem Auftritt erfolgte der von Bratze.
Sänger Kevin Hamann nörgelte zunächst ein wenig ins Mikrophon, weil er wohl nicht mit der Wahl der zu fördernden Nachwuchskünstler einverstanden war. Kurz vor Ende ihrer Performance wurden die beiden Bratze-Künstler durch starke Männer von der Bühne entfernt. Das hatte jedoch höchstwahrscheinlich nichts mit dieser Kritik zu tun, es gehörte einfach zur Show.

Auch die Hamburger Afrikanerin Nneka sang zwei besonders schöne Stücke, nur zur Unterhaltung.

“Hamburger Nachwuchs des Jahres” wurde gegen Ende der Veranstaltung, als Höhepunkt, die Gruppe ‚1000 Robota’.
Dieser Preis übrigens war mit 2000 Euro dotiert (gestiftet von der Hamburger Volksbank), und Anton Spielmann verkündete sofort ironisch, man werde die Summe natürlich Bratze überweisen – samt einiger weiterer Freundlichkeiten über ambitionierte Vierzigjährige.
Anschließend haute ‚1000 Robota’ rein, dass die kleinen Umzugskisten, auf denen man direkt vor der Bühne sitzen konnte, hüpften. Spielmann schaffte sich ordentlich und warf vor lauter Leidenschaft das Mikrophon samt Ständer von der Bühne. Als er es für die nächste Strophe brauchte, hatte er dann allerdings einige Probleme damit, es wieder hoch zu angeln.

Alexander Maurus sprach die Abschlussworte. Er betonte, wie beglückt und befriedigt die Veranstalter mit dem Abend wären. Und dann konnte er doch nicht umhin – wie eine Hausfrau, die seit Tagen ihre Wohnung für das große Fest gewienert, vorbereitet, gekocht und gebacken hat und deren Gäste sich gerade in der Gardine die Finger abwischen und vor der Glasvitrine miteinander raufen – mal eben kurz zu versichern, man hätte sich für diesen Preis weiß der Himmel den Arsch aufgerissen, sie würden wirklich von Herzen gern auch Geldpreise vergeben, wenn sie könnten, es sei jedoch nun mal einstweilen keins da!

Da kann man wieder mal sehen: alles ist immer nur eine Sache des Blickwinkels. Wäre kultur-port.de, der Kompass der Künste, zufällig mit dem HANS für die Kategorie ‚Medienformat’ geehrt worden (ich wiederhole, wir gönnen ihn Ina Müller! Zwar ist unser Format auch sehr hübsch und wir sind stolz darauf, aber ihrs ist zweifellos spektakulärer, ich hätte niemals auf so hohen Absätzen derart schnell rennen und hüpfen können und Claus Friede kann nicht so schön singen)
Aber WENN wir nun eben doch gewonnen hätten…
Dann hätte ich vielleicht auch angefangen, darüber nachzudenken, ob die kostenlosen Getränke und das leckere Fingerfood, das dem Publikum von reizenden jungen Damen aufgedrängt wurde, ob das anschließende Buffet und der Auftritt von Nneka, die ja sicher nicht aus reiner Freundlichkeit gesungen hat, eigentlich nötig gewesen wären – oder ob sich die Zuhörer nicht Käsebrote mitbringen könnten und ihre Cola selbst kaufen, wenn dafür alle Preisträger ein kleines Sümmchen erhielten?

Da ich mich jedoch lediglich als Zuhörer im Gruenspan befand, genoss ich den Service ganz außerordentlich und hielt die Verleihung des HANS für eine gelungene Performance…

Ihre Dagmar Seifert

(Dagmar Seifert ist stellvetrende Chefredakteurin von Kultur-Port.De, Autorin zahlreicher Romane, Drehbücher, Rundfunk-Features und Theaterstücke.)
Foto: Thomas Baumgarten

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avatar Lutz
-2
 
 
tja. Die Szene feiert sich mal wieder selbst. Und wo bleibt die Aussage hinter all dem Brimborium?
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avatar Sylvana
+25
 
 
Wo auch immer die Aussage der Musikbranche bleibt, die Aussage der Kolumne finde ich irre komisch. Hab mich scheckig gelacht. Endlich mal wieder ein richtiger Seifert!
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avatar Fox
+31
 
 
Ja, das ist nett geschrieben und mit Nachsicht und Augenzwinkern geschrieben. Aber Fakt ist doch, dies Verhalten der C-Promis auf der Bühne ist leider symptomatisch. Rebellion muss sein, bloß kein braves, bürgerliches Verhalten. Ein Getue wie Marlon Brando, als er seinen Oscar verweigerte, aber ohne das Talent und Format von Marlon Brando. Preiszerhacken, mit Mikrophonen schmeißen - wie wild und sexy. Auf NDR war die Tat zu bewundern, der Künstler ist definitiv handwerklich nicht sehr begabt, es sah nicht wild aus, sondern kläglich.
Was überall fehlt, ist eine so verpönte altmodische Sache wie Respekt. Deshalb können sich die einen dann 'den Arsch aufreißen' und die anderen versuchen verzweifelt, sich durch Undank zu profilieren. Jämmerlich und sehr niedriges Niveau.
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avatar Naklein
+20
 
 
Fünf Sterne - ohne Wenn und Aber! Sehr amüsanter Artikel.
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