Neue Kommentare

Peter Schmidt zu Hamburger Autorenvereinigung: Erinnern und Gedenken – zum 27. Januar 2014: Stadthaus- Gedenkstätte? Da fragt man sich heute...
Lothar Hamann zu „Cold War – Der Breitengrad der Liebe” - Oder die Magie einer schwarzen Leinwand: GEWINNER DES EUROPÄISCHEN FILMPREISES 2018!...
Rafael Gunnarsson zu „Climax”. Die unwiderstehlichen Abgründe des Gaspar Noé: Zeit, Bild und KulturPort sind sich alle einig? D...
Cornelie Müller-Gödecke zu 100 Jahre Lettland: Handschuh-Daumen hoch: Danke für diesen Artikel!
Und Danke für...

Herby Neubacher zu Peter de Vries – Hut- und Urnenhüllen-Macher: Mal auf die Website des Hutmachers geguckt? 500 E...

Meinung

Kulturpolitik in Hamburg: Altonaer Museum, nein - Polizei-Orchester, ja

Drucken
(42 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 24. September 2010 um 10:23 Uhr
Kulturpolitik in Hamburg: Altonaer Museum, nein - Polizei-Orchester, ja 4.6 out of 5 based on 42 votes.
Wir sind das Altonaer Museum

Das Altonaer Museum wird geschlossen, aber das Polizei-Orchester bleibt. Was für eine eklatante Fehlentscheidung!

Und dazu das unsägliche Prozedere: Kultursenator Reinhard Stuth fand vor der Senats-Pressekonferenz nicht die Zeit, Direktor Torkild Hinrichsen vom Aus seines Hauses zu informieren. Er meldete sich erst danach telefonisch. Einen schlechteren Führungsstil kann man sich kaum vorstellen.

Aber das nur am Rande. Die Kulturschaffenden der Stadt fragen sich, was den Ersten Bürgermeister, Christoph Ahlhaus, bewog, sich persönlich für den Erhalt des Polizei-Orchesters einzusetzen, aber das Altonaer Museum sterben zu lassen: Die alten Seilschaften als ehemaliger Innensenator oder kulturpolitische Kurzsicht? Wahrscheinlich beides. In jedem Fall ist die Museumsschließung das falsche Signal.

Natürlich muss gespart werden – mehr als eine halbe Milliarde Euro pro Jahr – da versteht jeder, dass „schmerzliche Eingriffe“ (Ahlhaus) nicht ausbleiben. Doch die Schließung des traditionsreichen Hauses ist ein irreparabler Imageschaden für die Möchtegern-Kunstmetropole. Nicht nur, dass die arme reiche Hansestadt zum ersten Mal in ihrer Geschichte ein städtisches Museum opfert und sich damit heftig blamiert, auch wirkt diese Maßnahme unverständlich und kontraproduktiv in Hinblick auf die neue Kulturtaxe, die nun eingeführt werden soll. Bislang wurden die Touristen nicht per Hotelabgabe zur Kasse gebeten. Nun verringert sich das Angebot, während die Preise steigen. Natürlich geht es nicht um Quantität, es geht um Qualität. Aus diesem Grund ist die Strukturreform, die mit der Zusammenlegung der kulturhistorischen Museen vor zwei Jahren begann, auch dringend notwendig. Aber das 1863 gegründete Altonaer Museum zu zerschlagen, macht aus vielerlei Gründen keinen Sinn - nicht zuletzt aus finanziellen.

Die Einsparungen von 3,5 Millionen Euro jährlich greifen erst in ein paar Jahren, da die 70 Mitarbeiter nicht entlassen, sondern „umgeschichtet“ werden. Und da auch die Sammlung „nicht weggeworfen werden soll“ (Christa Goetsch), sondern weiter betreut, finden im kommenden Jahr wahrscheinlich gar keine nennenswerten Einsparungen statt. Das Polizei-Orchester, das jährlich 1,5 Millionen Euro verschlingt, kann jedoch weiterblasen - den Trauermarsch für Hamburgs Kulturpolitik.

Ihre Isabelle Hofmann

(Isabelle Hofmann ist freischaffende Kulturjournalistin)

Foto: Copyright Altonaer Museum für Kunst und Kulturgeschichte

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

avatar Heiko Langanke
+3
 
 
Den Hinweis, man könne ja auch das Polizeiorchester (hat es jemand eigentlich mal gehört? es ist verdammt gut) abschaffen, finde ich unangemessen.
Doch leider zeigt es, wie sich die Stadt Hamburg eine Spar-Diskussion aufzwingen läßt.
Denn der Neid unter Kulturschaffenden wird ebenso alltäglich wie es völlig normal schien, dass es evtl. gar keinen Kultursenat mehr gegeben hätte oder es fast unbemerkt bleibt, dass von der vermutlich kommenden "Kulturtaxe" "BESONDERS ATTRAKTIVE KULTURVERANSTALTUNGEN mit HOHER QUALITÄT WIE ETWA FESTIVALS ..." gefördert werden sollen.
Was das heißt, dürfte doch klar sein, oder?

Massenevents versus Kultur für die Menschen in Hamburg.
Wir sind auf dem besten Weg Hamburg zu einer Art Disneyland der Möchte-Gerne-Kultur zu machen.
Gratulation!
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Meinen Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > Meinung > Kulturpolitik in Hamburg: Altonaer Museum, ne...

Mehr auf KulturPort.De

Eva Besnyö – Photographin. Budapest, Berlin, Amsterdam
 Eva Besnyö – Photographin. Budapest, Berlin, Amsterdam



„Als vielleicht geschichtlich bedeutendste, sicher professionellste ungarische Fotografin, die in der Weimarer Republik sowohl durch Moholys „Neues Sehen“  [ ... ]



Bernd Meiners – Fotografie und Film
 Bernd Meiners – Fotografie und Film



Wenn man sich die biographischen Daten des Kameramanns und Fotografen Bernd Meiners anschaut, so erhält man schnell ein recht klares und präzises Bild der Pers [ ... ]



Saskia Henning von Lange: „Hier beginnt der Wald“ – ein Roman so mehrdeutig wie das Leben
 Saskia Henning von Lange: „Hier beginnt der Wald“ – ein Roman so mehrdeutig wie das Leben



„Hier sitzt er und würde doch lieber woanders sitzen“, so beginnt das dritte Buch der 42jährigen Autorin Saskia Henning von Lange. Der Mann befindet sich h [ ... ]



„Capernaum – Stadt der Hoffnung”. Nadine Labaki und die Wiederentdeckung der Kompromisslosigkeit
 „Capernaum – Stadt der Hoffnung”. Nadine Labaki und die Wiederentdeckung der Kompromisslosigkeit



Beirut. Das Alter von Zain (Zain al Rafeea) wird auf zwölf Jahre geschätzt, genau weiß es keiner. Der schmächtige magere Junge sieht viel jünger aus, aber d [ ... ]



„Margiana – Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan“
 „Margiana – Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan“



„Margiana“ – hört sich an wie der Titel eines neuen Fantasyfilms. Dabei ist es eine so gut wie unbekannte Zivilisation in Zentralasien 2300-1700 v. Chr.,  [ ... ]



Michael Wolf: Life in Cities
 Michael Wolf: Life in Cities



Kunst oder Dokumentation? Diese Frage erübrigt sich angesichts der fantastischen Fotografien und Installationen von Michael Wolf. Erstmals in Deutschland zeigen [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.