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Kulturpolitik in Hamburg: Altonaer Museum, nein - Polizei-Orchester, ja

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Freitag, den 24. September 2010 um 10:23 Uhr
Kulturpolitik in Hamburg: Altonaer Museum, nein - Polizei-Orchester, ja 4.6 out of 5 based on 42 votes.
Wir sind das Altonaer Museum

Das Altonaer Museum wird geschlossen, aber das Polizei-Orchester bleibt. Was für eine eklatante Fehlentscheidung!

Und dazu das unsägliche Prozedere: Kultursenator Reinhard Stuth fand vor der Senats-Pressekonferenz nicht die Zeit, Direktor Torkild Hinrichsen vom Aus seines Hauses zu informieren. Er meldete sich erst danach telefonisch. Einen schlechteren Führungsstil kann man sich kaum vorstellen.

Aber das nur am Rande. Die Kulturschaffenden der Stadt fragen sich, was den Ersten Bürgermeister, Christoph Ahlhaus, bewog, sich persönlich für den Erhalt des Polizei-Orchesters einzusetzen, aber das Altonaer Museum sterben zu lassen: Die alten Seilschaften als ehemaliger Innensenator oder kulturpolitische Kurzsicht? Wahrscheinlich beides. In jedem Fall ist die Museumsschließung das falsche Signal.

Natürlich muss gespart werden – mehr als eine halbe Milliarde Euro pro Jahr – da versteht jeder, dass „schmerzliche Eingriffe“ (Ahlhaus) nicht ausbleiben. Doch die Schließung des traditionsreichen Hauses ist ein irreparabler Imageschaden für die Möchtegern-Kunstmetropole. Nicht nur, dass die arme reiche Hansestadt zum ersten Mal in ihrer Geschichte ein städtisches Museum opfert und sich damit heftig blamiert, auch wirkt diese Maßnahme unverständlich und kontraproduktiv in Hinblick auf die neue Kulturtaxe, die nun eingeführt werden soll. Bislang wurden die Touristen nicht per Hotelabgabe zur Kasse gebeten. Nun verringert sich das Angebot, während die Preise steigen. Natürlich geht es nicht um Quantität, es geht um Qualität. Aus diesem Grund ist die Strukturreform, die mit der Zusammenlegung der kulturhistorischen Museen vor zwei Jahren begann, auch dringend notwendig. Aber das 1863 gegründete Altonaer Museum zu zerschlagen, macht aus vielerlei Gründen keinen Sinn - nicht zuletzt aus finanziellen.

Die Einsparungen von 3,5 Millionen Euro jährlich greifen erst in ein paar Jahren, da die 70 Mitarbeiter nicht entlassen, sondern „umgeschichtet“ werden. Und da auch die Sammlung „nicht weggeworfen werden soll“ (Christa Goetsch), sondern weiter betreut, finden im kommenden Jahr wahrscheinlich gar keine nennenswerten Einsparungen statt. Das Polizei-Orchester, das jährlich 1,5 Millionen Euro verschlingt, kann jedoch weiterblasen - den Trauermarsch für Hamburgs Kulturpolitik.

Ihre Isabelle Hofmann

(Isabelle Hofmann ist freischaffende Kulturjournalistin)

Foto: Copyright Altonaer Museum für Kunst und Kulturgeschichte

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avatar Heiko Langanke
+3
 
 
Den Hinweis, man könne ja auch das Polizeiorchester (hat es jemand eigentlich mal gehört? es ist verdammt gut) abschaffen, finde ich unangemessen.
Doch leider zeigt es, wie sich die Stadt Hamburg eine Spar-Diskussion aufzwingen läßt.
Denn der Neid unter Kulturschaffenden wird ebenso alltäglich wie es völlig normal schien, dass es evtl. gar keinen Kultursenat mehr gegeben hätte oder es fast unbemerkt bleibt, dass von der vermutlich kommenden "Kulturtaxe" "BESONDERS ATTRAKTIVE KULTURVERANSTALTUNGEN mit HOHER QUALITÄT WIE ETWA FESTIVALS ..." gefördert werden sollen.
Was das heißt, dürfte doch klar sein, oder?

Massenevents versus Kultur für die Menschen in Hamburg.
Wir sind auf dem besten Weg Hamburg zu einer Art Disneyland der Möchte-Gerne-Kultur zu machen.
Gratulation!
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