Neue Kommentare

Ada Rompf zu „The Rider”. Die zärtlich-raue Poesie der Chloé Zhao : Besser kann man meinen Lieblingsfilm dieses Früh...
yolo 456 zu Die Juden vom Altrhein: man sollte einen artikel erst einmal lesen bevor ...
yolo123 zu Die Juden vom Altrhein: Das jüdische Leben in Deutschland ist vorbei und...
Achenar Myst zu Nils Landgren with Janis Siegel: some other time: Die CD ist ein absoluter Genuss, tolle Auswahl de...
Achim zu Golnar & Mahan – Derakht: Musik, die glücklich macht - Danke !!!...

Meinung

Galerie der Gegenwart: Ich bin dann mal geschlossen

Drucken
(163 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Samstag, den 15. Mai 2010 um 08:42 Uhr
Galerie der Gegenwart: Ich bin dann mal geschlossen 4.6 out of 5 based on 163 votes.
Kunsthalle: Ich bin dann mal geschlossen

Zuerst dachte ich, es sei eine Ente. Ungläubig sitze ich vor der Pressemeldung der „Freunde der Hamburger Kunsthalle“, dass die Galerie der Gegenwart, in der so erfolgreich die „PopLife“ gezeigt wurde, bis Oktober 2010 weitgehend geschlossen bleiben soll.
Begründet die Behörde für Kultur, Sport und Medien die zeitlich begrenzte Schließung mit "notwendigen Umbaumaßnahmen" wegen des Brandschutzes, so heißt es aus der Kunsthalle, die Finanznot treibe diese Notwendigkeit an. In der Tat ist die Situation dramatisch - und nicht nur für die Hamburger Kunsthalle. Von Beginn der Überführung zu privaten Stiftungen an, sind das Finanzmodell und die Verwaltungs, Ausstellungs- und Ankaufsbudgets - wenn es letztere überhaupt noch gibt - für die Museen kaum tragbar.

Selbst wenn die Bekanntgabe der vorübergehenden Schließung nur das Rollen der ersten Kanone auf den Zinnenturm wäre, zeigt es die Misere nun deutlich: Schlechtes kulturpolitisches und kulturfinanzielles Management. Dabei sind die Probleme seit langer Zeit bekannt!

Die Finanzkrise und die dürftigen Steuereinnahmen im Jahr 2009 tun sicherlich auch das ihrige dazu. In manchen Kommunen in Deutschland sanken die Einnahmen aus der Gewerbesteuer um 40%. Da sind die Sparfüchse dann ziemlich schnell in der Kultur unterwegs.
Auch das Emil Schumacher-Museum in Hagen, das Museum Alte Post in Mülheim/Ruhr oder die katastrophale Situation in Wuppertal sind nur der Gipfel des Eisbergs. In der Kultur spart man seit langem.
Langsam kommen wir zu amerikanischen Verhältnissen: Der Staat kann immer weniger Kulturfinanzierung übernehmen. Wir haben aber keine amerikanischen Verhältnisse und werden diese im Bereich der Kulturfinanzierung auch nie bekommen. Kein Unternehmen, kein Privatmäzen kann und will in Deutschland vergleichbare Summen aufbringen, um den Kulturbetrieb reibungslos aufrecht zu erhalten. Die Eintrittspreise müssten nun in astronomische Höhen steigen, der Museumsbesuch würde zu einen teuren Vergnügen werden.

Apropos teures Vergnügen: In ein paar Jahren haben wir ja dann in Hamburg die Elbphilharmonie und wehe, wir bekommen wieder eine Finanzkrise oder wir kämpfen noch mit der jetzigen, dann lauten die Meldungen möglicherweise: Großer Saal bleibt aus Kostengründen bis 2019 geschlossen. Wir hätten da noch enen Konzertsaal zu vermieten...

Ihr Claus Friede

(Claus Friede ist Chefredakteur von Kultur-Port.De, Kulturjournalist, Moderator, Ausstellungs- und Filmreihenkurator. Er ist Mitgründer des Kulturklub Hamburg und leitet seit 20 Jahren die Kunstagentur Claus Friede*Contemporary Art)


Foto: Wolfgang Neeb, "Blick auf die Galerie der Gegenwart, Neubau und Altbau mit Blick auf die Alster"
alt

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

avatar David
+4
 
 
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Meinen Kommentar abschicken
Abbrechen
avatar Lia Henneberger
0
 
 
"Kein Unternehmen, kein Privatmäzen kann und will in Deutschland vergleichbare Summen aufbringen, um den Kulturbetrieb reibungslos aufrecht zu erhalten."

Mit dieser Einstellung wären deutsche Kulturinstitutionen dem absoluten, historischen Untergang geweiht. Lieber Herr Friede besinnen Sie sich doch Ihrer eigenen Worte: Es bedarf nämlich umso mehr "(...)kulturpolitische[n] und kulturfinanzielle[n] Management[s]." Um dies zu erreichen hilft keine Resignation über die erschreckende Wirklichkeit, sondern es bedarf innovativer Ideen und Konzepte für eine bessere Zukunft.
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Meinen Kommentar abschicken
Abbrechen
avatar Claus Friede
+2
 
 
Danke für Ihre Reaktion!
Mein von Ihnen zitierter Satz bezieht sich auf die amerikanischen Verhältnisse - die wir eben nicht haben. Ich sehe da gar keine Notwendigkeit, mich meiner Worte in Ihrem Sinn besinnen zu müssen. Sie haben vollkommen recht: Innovation ist gefragt und keine Resignation! Aber die momentane Situation ist so, wie ich sie beschreiben habe und nun sind die Verantwortlichen aller Seiten gefragt, Lösungen zu finden und anzubieten...
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Meinen Kommentar abschicken
Abbrechen
avatar Sonja Ostendorf-Rupp
+3
 
 
Und dabei sind die Buerger und Unternehmen der Hansestadt Hamburg bundesweit mit an der Spitze im Bezug auf buergerschaftliches Engagement! Aber ich stimme Claus Friede zu. Ein Drittel der Betriebskosten durch Spenden und Sponsoring zu decken, so wie hier in den USA ueblich, dazu faellt mir vergleichweise keine Kulturinstitution in Deutschland ein. Aber ich lasse mich gerne belehren! Der deutsche Sozial- und Kulturstaat deckt weitestgehend die Kosten. Das wird weniger und weniger seit vielen Jahren. Unsere Chance, ein Umdenken von oeffentlicher zu privater Foerderung positiv zu beeinflussen!
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Meinen Kommentar abschicken
Abbrechen
avatar Claus Friede
+2
 
 
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Meinen Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > Meinung > Galerie der Gegenwart: Ich bin dann mal gesch...

Mehr auf KulturPort.De

Elisabeth Weinek: „Was Sie sah“ – Andalusien, Marokko, Iran
 Elisabeth Weinek: „Was Sie sah“ – Andalusien, Marokko, Iran



Passend zur Festspielzeit werden in der Margarethenkapelle von St. Peter, eine der ältesten Kirchen Salzburgs, Fotografien gezeigt, die sich als „interkulture [ ... ]



Ilse Helbich: Kluge Chronistin des Alters – „Im Gehen“ gefundene Gedichte
 Ilse Helbich: Kluge Chronistin des Alters – „Im Gehen“ gefundene Gedichte



Auch heute noch geschehen beglückende Wunder: Mit 80 Jahren veröffentlichte die 1923 in Wien geborene Ilse Helbich ihren ersten Roman unter dem Titel „Schwal [ ... ]



Thierry van Werveke: Schauspieler, Rockstar, Troublemaker, Thierry National
 Thierry van Werveke: Schauspieler, Rockstar, Troublemaker, Thierry National



Thierry! – allein sein Vorname löst in Luxemburg schon entzücken aus und wird mit der Addition von „National“ zum Kult. In Deutschland und Österreich fr [ ... ]



„Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls
 „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls



Samuel Moaz kreiert mit dem Antikriegsdrama „Foxtrot” einen atemberaubenden ästhetischen Kosmos: zornig, visuell kühn, emotional hochexplosiv, oft grausam, [ ... ]



Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte: „Der Vorname“
 Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte: „Der Vorname“



Das Stück brillant, die Schauspieler große Klasse, die Inszenierung rundum gelungen und der kleine Saal der Komödie Winterhuder Fährhaus restlos ausverkauft. [ ... ]



Vergessen und wiederentdeckt: „Ludwig Meidner – Im Nacken das Sternemeer“
 Vergessen und wiederentdeckt: „Ludwig Meidner – Im Nacken das Sternemeer“



Der Titel der Ausstellung „Im Nacken das Sternemeer“ verweist auf das Buch mit Texten von Ludwig Meidner, das 1918 in Leipzig erschien. Meidner (1884-1966),  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.