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Meinung

Elena, Marina, Olga oder Natascha

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Freitag, den 19. März 2010 um 13:25 Uhr
Elena, Marina, Olga oder Natascha 4.5 out of 5 based on 213 votes.
Elena, Marina, Olga oder Natascha

Sie heißen Marina, Olga, Elena oder Natascha, zumindest behaupten Sie das in den Mails, die in der Redaktion eintreffen.
Sie schreiben in englischer Sprache, nicht fehlerfrei und manchmal hundsmiserabel, aber der Leser soll ja auch merken, dass diese nicht ihre Muttersprache ist. Sie stammen aus dem Osten Europas...
Sie wollen Brieffreundschaften oder besser Mailfreundschaften und jeder weiß es natürlich sofort: da steckt mehr und da steckt weniger dahinter. Die Absenderadressen sind ‚Fake’ und tragen ru- oder hu-Endungen. Grund genug, den Eingangsordner sofort zu leeren.

Und trotzdem bleibe ich jedes Mal an den Texten hängen – weil ich ein Mann bin und empfänglich sein könnte von dieser Art der „Anmache“? Wenn ich die Mails lese, bin ich eher abgeturned, allein deshalb, weil Elena mir altklug erzählen will, dass Englisch die universale Sprache sei und sie angeblich über mein Profil "gestolpert" wäre.
Trotzdem interessieren mich die Texte und beigefügten Fotos – von den jungen, meist sehr hübschen Frauen. Ich schaue sie mir an und sehe das Ambiente oder Umfeld indem sie fotografiert wurden. Aus welchen Privatalben stammen die wohl? Sind die Fotos gestellt und extra für diesen einen Zweck fotografiert worden. Da posiert Marina irgendwo auf einer Wiese und im Hintergrund sieht man irgendein ukrainisches, weißrussisches oder romänisches Städtchen. Aber könnte das nicht auch in der Eifel oder im Hunsrück aufgenommen sein? Kein Anhaltspunkt!
Ich erliege dann meiner Bandbreite an Phantasien, woher die Mädchen wohl stammen, wer und was dahinter stecken könnte und warum es sich lohnt, solche Mails wahllos und zielungenau zu versenden. Und der Handel mit Mailadressen ist die harmloseste Variante in meinen Überlegungen!

Natascha schaut jedenfalls nicht fröhlich aus auf dem angehängten Foto. Kein Wunder bei der rustikalen Einrichtung, Marke Eigenbau.

Und um ein Beispiel einer solchen Mail dem geneigten Kolumnenleser nicht vorzuenthalten - oder bekommen Sie nicht alle solche Mails?

Hello! How are you doing? I hope that at all of you well. I have met yours profile and have decided to try to write to you. As you have liked me. Probably you also have not paid to me such attention, as I the usual and simple girl. But I would like to try to get acquainted with you. Now I shall not write much about myself. Only I shall inform the small information and I shall send some my photos. My name Elena is or is possible simply Lena, to me 30 years and I live in Russia. If you will be interested in that to try to continue our acquaintance. You can write that to me on mine email.

Please reply only to my personal e-mail: ... @rambler.ru

If you will answer me and acquaintance to me will be interesting to you. In my following letter I already shall try to tell that more to you about myself. That you had an opportunity to learn me little bit better. Excuse that I write only in english but I still yet do not know in what language for you it will be more convenient and easier to communicate. And english is considered universal language in the world. All the best to you.
Will receive pleasantly and interestingly your answer.

Elena

Was für ein grottiges Übersetzungsprogramm war da denn am Werk?
Danke, Elena, Marina, Olga und Natascha!

Ihr Claus Friede

(Claus Friede ist Chefredakteur von Kultur-Port.De, Kulturjournalist, Moderator, Ausstellungs- und Filmreihenkurator. Er ist Mitgründer des Kulturklub Hamburg, leitet die Fokus-Reihe beim Filmfest Hamburg und seit knapp 20 Jahren die Kunstagentur Claus Friede*Contemporary Art)

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