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Meinung

Flaggschiff am Industriegebiet: Die Elbphilharmonie wird durch eine Briefmarke gewürdigt – eine Hamburgensie sieht anders aus!

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Mittwoch, den 04. Januar 2017 um 11:23 Uhr
Flaggschiff am Industriegebiet: Die Elbphilharmonie wird durch eine Briefmarke gewürdigt – eine Hamburgensie sieht anders aus! 3.9 out of 5 based on 56 votes.
Die Elbphilharmonie wird durch eine Briefmarke gewürdigt

Es ist ja nicht ganz üblich, wenn ein Stadt-, Architektur- und Designkritiker gleichzeitig auch Briefmarken sammelt und deswegen in einem Artikel zur Hamburger Elbphilharmonie in der Kunstzeitung schrieb: „Die große Show beginnt also jetzt. Mut wird mehr belohnt als Wut, und der Wunsch mit diesem Haus auf der kulturellen Landkarte ein Zeichen zu setzen, ist erfüllbar. Der Beweis, ob ein Gebäude zur erhofften Landmarke wird, ist für mich immer noch sehr profan, nämlich dann, wenn es als Briefmarke durch die Welt reist – sie erscheint am 2. Januar, 2017.“ Nun ist sie da, Zig Millionen Mal, mit dem Wert von 145 Cent, womit man einen Großbrief versenden darf.

Für den kritischen Philatelisten ist sie eine große Enttäuschung und gleichzeitig ein Abschied von ganz großer Briefmarkengestaltungskunst. Zu Zeiten der Bundepost hatten ihre Marken Weltruf und in einem strengen Procedere entschieden kompetente Juroren über die Motive. Diese Elbphilharmonie-Marke mit ihrem fast kitschigen Abendhimmel ist hingegen ein Schnellschuss. Durch einen Hamburger Bundestagsabgeordneten, der es sicher gut gemeint hatte, wurde sie in harter Lobbyarbeit forciert. Weil die Zeit fehlte, wurde das übliche Wettbewerbsverfahren mit Sach- und Fachrichtern ausgesetzt und so gab auch keine es keine Alternativentwürfe.

Stattdessen wählte man den Weg des geringsten Widerstandes. Die Marke wurde inhouse im Bundesfinanzministerium generiert, das für die Briefmarken der deutschen Post zuständig ist (Entwurf: Thomas Steinacker), Als Grundlage diente eine Drohnenaufnahme des Hamburger Fotografen Thies Rätzke, dessen Rechte (heute die conditio qua non) hundertprozentig geklärt sind und bei der Kulturbehörde liegen. Leider wurde diese Marke zum Ausweis des Gegenteils der Elbphilharmonie, die bei allen Schwierigkeiten mit ausgesprochen viel Geduld, Liebe und Präzision dabei ist, Weltmaßstäbe zu setzen.

So ging ein bisschen viel daneben, weil die Briefmarken-Elbphil im übertrieben romantischen Abendlicht recht hilflos durch den Hafen zu schippern scheint. Das Original ist viel dramatischer inszeniert, zeigt wie das Bauwerk wirklich, wo steht. Weil für die Briefmarke die Baustellencontainer herausschnitten werden mussten, wirkt das eben schief.

Das Elbphilmotiv ist der letzte Beweis dafür, dass es die falsche Entwicklung ist, in diesem kleinen Format nur Fotos zu adaptieren. Denn jede Gebrauchsgrafik sollte zuallererst kreativ, künstlerisch und emotional nach den jeweiligen Spielregeln ihres Genres vorgehen – in diesem Falle vereinfachen denn das Ding ist nur so groß wie ein Daumenabdruck. Was die Architekturdarstellung betrifft, ob Zeichnung, Rendering oder Architekturfotografie, ist diese retuschierte Fotografie nicht gerade State of the Art. Da war die Bundespost schon vor über 30 Jahren viel fortschrittlicher, als sie die Scharoun’sche Philharmonie in Berlin als markante Zeichnung zum Motiv erhob. Die Elbphilharmonie ist das neue Hamburger Wahrzeichen und warum zeigt diese Marke nicht den dramatisch gläsernen Schiffsbug? Die Elbphilharmonie steht auf der Nahtstelle zwischen Stadt und Hafen, Auf der Marke ist keine Spur von der Hamburger Skyline mit ihren markanten Hauptkirchen zu sehen. Elbphi im Industriegebiet?

Generalintendant Lieben-Seutter hat bei der Vorstellung der Briefmarke betont, dass er die Entscheidung, ein Foto als Grundlage zu benutzen, für richtig hält. Später hat er aber bei der persönlichen Präsentation eines plakatgroßen Abzuges der Briefmarke mit einer amüsanten wienerischen Slapstick-Stick-Einlage den Eindruck erweckt, als ob er diese Marke dann doch nicht ganz für vollnehmen kann. Das aber ist nur die Wahrnehmung eines enttäuschten Zuschauers, der glaubt, dass diese Marke kein Weltniveau hat, aber im Zeitalter von SMS und Email, „Whatsapp“ und Skype wir Briefmarkensammler und -gestalter froh sind, dass es uns überhaupt noch gibt. Auch wenn der Marke die Rolle als kleines Kunstwerk immer mehr verloren geht.

Ihr
Dirk Meyhöfer


Hinweis: Die Inhalte der Kolumne geben die Meinung der jeweiligen Autoren wieder. Diese muss nicht im Einklang mit der Meinung der Redaktion stehen.


Abbildungsnachweis:
Header: Collage aus neuem Briefmarkenblock zur Elbphilharmonie der Deutschen Post.
Galerie:

01. Das Originalfoto zeigt mehr Biss, mehr Stand und die Realität! Foto: Thies Rätzke.

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