Neue Kommentare

Herby Neubacher zu Es läuft und läuft und läuft: 15 Jahre „Heiße Ecke“ im Schmidt's Tivoli: Rund 42000 Kondome, 25 000 Würstchen, 16800 Wasc...
Patrick Dissinger zu „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls: Ein exzellenter, sehr kluger Film. Danke für den...
erlenmeier zu Historische Tankstellen – auf Spurensuche in Hamburg : Ich arbeite seit vielen Jahren beim Forum geschic...
Bartholomay zu Berliner Mauer 57. Jahrestag: Gedenkfeier ? Um von ihren Taten gegen die ehemal...
Herby Neubacher zu Eindringlicher Holocaust-Roman von Affinity Konar: „Mischling“ – keine leichte, aber lohnende Lektüre: Das hat uns jetzt eigentlich noch gefehlt - Erinn...

Meinung

Barbara Kisseler. Hamburg ist ihr zu Dank verpflichtet. Und wir haben eine Freundin verloren.

Drucken
(135 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 10. Oktober 2016 um 17:11 Uhr
Barbara Kisseler. Hamburg ist ihr zu Dank verpflichtet. Und wir haben eine Freundin verloren. 4.4 out of 5 based on 135 votes.
Barbara Kisseler Foto I Hofmann

Sie hat gekämpft. Sie wusste schon lange, dass sie unheilbar krank war, doch wollte unbedingt noch die Elbphilharmonie im kommenden Januar einweihen. Der heimtückische Krebs ließ es nicht zu. Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler starb nach langer, schwerer Krankheit am vergangenen Freitag im Alter von 67 Jahren. Kaum jemand in Hamburg kannte Barbara Kisseler so gut wie Helga Schuchardt. Die ehemalige Hamburger Kultursenatorin (1983-1987) war in ihrer Zeit als Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur (1990-1998) Kisselers Chefin. Für KulturPort.de erinnert sich Helga Schuchardt.

Mit Barbara Kisseler verliert die Kulturpolitik eine wichtige durchsetzungsfähige Stimme.
Sie konnte auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen – als Kulturamtsleiterin in der Kommunalpolitik in einem Flächenland, Nordrhein-Westfalen. Als Kulturabteilungsleiterin in der Landespolitik in Niedersachsen. Als Staatssekretärin im Stadtstaat Berlin. Dies konnte sie alles nutzbar machen als Kultursenatorin in Hamburg.
Als Ministerin für Wissenschaft und Kultur in Niedersachsen konnte ich sie 1993 für den Posten der Abteilungsleiterin Kultur gewinnen. Es entwickelte sich eine fruchtbare Zusammenarbeit und die Kultur bekam in Niedersachsen eine starke Stimme. Vieles konnte nachhaltig bewegt werden, sei es bei inhaltlichen Themen oder erst recht bei Personalentscheidungen im Theater- oder Museumsbereich.
Als ich von den Berlinern gefragt wurde, ob ich nicht eine Frau wüsste, die bereit wäre mit einem Senator der PDS zusammenzuarbeiten, musste ich nicht lange nachdenken, natürlich war sie bereit. Berührungsängste kannte sie nicht. Nur meine niedersächsischen Freunde aus dem Kulturbereich haben mir diese Empfehlung sehr übelgenommen. Hatten sie sich doch immer auf sie verlassen können, vieles hatte sie über die Zeit möglich gemacht.
Dass sie den Senator überdauerte und als Staatssekretärin die Leitung der Behörde in Berlin übernahm, hat damals niemanden verwundert. Und auch hier war es wieder so, dass sich die Freude über ihr Fortgehen nach Hamburg im Kulturbereich Berlins in Grenzen hielt.
Barbara Kisseler ist immer parteilos geblieben. Das macht unabhängig und diese Unabhängigkeit hat sie genutzt.
Ihren Ärger über – vorsichtig gesagt – die Kulturferne in der politischen Landschaft der Hansestadt hat sie immer wieder thematisiert. Damit hat sie sich große Achtung erworben.

In den Jahren hat sich zwischen uns eine Freundschaft entwickelt. Wir haben uns regelmäßig, leider in zu großen Abständen, sonntagsfrüh bei uns zum Frühstück getroffen. Es war immer kurzweilig und informativ.
Natürlich war nicht zu übersehen, wie die Krankheit sie in Besitz nahm. Unser letztes Frühstück war Anfang des Jahres. Wir hatten nie über die Krankheit geredet, das war stillschweigende Absprache. Aber dieses Frühstück begann mit dem Satz: „Du Helga, ich werde nicht wieder gesund“.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Gelegenheit zu einem Gespräch darüber hätte nutzen sollen. Ich tat es nicht, weil ich irgendwie schon akzeptiert hatte, dass sie eine ganz eigene Art der Bewältigung für sich gewählt hatte.
Dann kam die Zeit des langen Schweigens. Das nun endgültig ist.
Sie hätte gern die Elbphilharmonie noch eröffnet, dafür hat sie ja auch ein gerüttelt Maß getan.
Man kann sagen, sie kam zur rechten Zeit ins Amt, um die Scherben zusammenzufügen, die sie zu übernehmen hatte. Dabei kam ihr in besonderen Maße ihre Hartnäckigkeit, ihre Zielstrebigkeit und natürlich ein gehörig Maß an Verhandlungsgeschick zur Hilfe.
Hamburg ist ihr zu Dank verpflichtet. Und wir haben eine Freundin verloren.

Helga Schuchardt


Headerfoto: Isabelle Hofmann

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

avatar Katja Schaefer
+27
 
 
Danke, liebe Helga Schuchardt, für die schönen und richtigen Worte!
Die Kultur in der ganzen Bundesrepublik hat eine ihrer wichtigsten, kundigsten und engagiertesten Stimmen verloren. Nur wenige in Barbara Kisselers Position konnten sich zudem so sehr und so authentisch wie sie für die Sache begeistern, die sie vertraten.
Auch mir wird sie unvergessen bleiben.
Katja Schaefer, Generalsekretärin der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Meinen Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > Meinung > Barbara Kisseler. Hamburg ist ihr zu Dank ver...

Mehr auf KulturPort.De

NordArt 2018 – Zum 20. Geburtstag eine spektakuläre Kunstausstellung
 NordArt 2018 – Zum 20. Geburtstag eine spektakuläre Kunstausstellung



Wer die „NordArt 2018“ – die Internationale Kunstausstellung im schleswig-holsteinischen Büdelsdorf – noch nicht gesehen hat, sollte sich beeilen. Nur n [ ... ]



„Doing the Document“: Die Welt durch die Kameralinse
 „Doing the Document“: Die Welt durch die Kameralinse



Von Diane Arbus über Walker Evans und August Sander bis zu Piet Zwart: Über 200 Werke der bekanntesten Fotograf*innen des 20. Jahrhunderts sind dank einer Sche [ ... ]



„Carte Blache“ in der Galerie Hengevoss-Dürkop
 „Carte Blache“ in der Galerie Hengevoss-Dürkop



Wann bekommt man schon mal eine Carte Blache – zumal von einer Galeristin? Doch Kerstin Hengevoss-Dürkop hatte volles Vertrauen zu dem belgischen Künstler Va [ ... ]



Die Stunde der Matrosen – Kiel und die deutsche Revolution 1918
 Die Stunde der Matrosen – Kiel und die deutsche Revolution 1918



Zehn Tage dauerte der Aufstand. Gemeint ist der Matrosenaufstand in Kiel. Der Aufstand brach Ende Oktober 1918 auf den Schiffen der Hochseeflotte vor Wilhelmshav [ ... ]



Es läuft und läuft und läuft: 15 Jahre „Heiße Ecke“ im Schmidt's Tivoli
 Es läuft und läuft und läuft: 15 Jahre „Heiße Ecke“ im Schmidt's Tivoli



Von solchen Zahlen kann man nicht einmal träumen. Rund 42000 Kondome, 25 000 Würstchen, 16800 Waschmaschinenladungen und 12600 Bierdosen wurden in sage und sch [ ... ]



Ludwig und Benyamin Nuss: Songs & Ballads
 Ludwig und Benyamin Nuss: Songs & Ballads



Zwei Instrumente, zwei Musiker – Vater und Sohn – ein Duo-Debüt-Album mit Liedern und Balladen. Zwei die sich verstehen und sich offensichtlich mit musikali [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.