Neue Kommentare

Alex zu Film Festival Cologne - Von starken Spielfilmdebüts und schwächelnden Stars: Wer bist du? Halten Sie Ihre Meinung besser, wenn...
Emanuel Ackermann zu „Werk ohne Autor” – Oder die Alchemie der Kreativität : Bisher habe ich nur Schlimmes über den Film gele...
Richard Voigt zu Offener Brief führender Grafikdesigner*innen fordert die Stiftung Buchkunst heraus: Lehrauftrag verfehlt?
Die Professores such...

Herby Neubacher zu Es läuft und läuft und läuft: 15 Jahre „Heiße Ecke“ im Schmidt's Tivoli: Rund 42000 Kondome, 25 000 Würstchen, 16800 Wasc...
Patrick Dissinger zu „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls: Ein exzellenter, sehr kluger Film. Danke für den...

CDs KlassikKompass

Johannes Brahms: Violin Sonatas – ein warmer, inniger Klang

Drucken
(0 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 28. August 2014 um 12:11 Uhr
Johannes Brahms: Violin Sonatas - Barati-Wuertz

Das Duo Kristóf Baráti (Violine) und Klára Würtz (Klavier) spielte im August 2013 im ob seiner Akustik preisgekrönten Konzertsaal des Kodály Centre im südungarischen Pécs eine komplette Brahms-Edition ein. Als Auszug daraus liegt ab morgen eine Einzel-CD vor, die die Sonaten 1 bis 3 wiedergibt.

Johannes Brahms (1833-1897) taucht mit diesen kammermusikalischen Stücken tief in die Romantik ein, in die Welt der Empfindsamkeit, der Gottgläubigkeit und der Prozesse vom Entstehen und Vergehen. Die Lebenslust hat in der Romantik eben immer auch einen Hang zum Morbiden. Der Mensch ist durch seine Mittlerrolle zwischen Natur und Gott definiert. Er ist demütig und zurückhaltend. Alle drei Sonaten sind autobiographische, ja intime Bekenntnisse und im Kunstlied sah der Komponist den unmittelbarsten Ausdruck seiner selbst.

alt1878 bis 79 schrieb Brahms an seiner ersten Sonate (G-Dur, Op. 78). Sie ist durch und durch dem romantischen Diskurs verpflichtet – mit lyrischer Intonation spiegelt sie das ruhige Innerste wider. Keine widerstrebenden Gefühlsstrudel, kaum Dramatik, etwas Melancholie, nichts, was darauf schließen könnte, dass Brahms bei dieser Komposition nicht in sich gewohnt und doch plausible Momente eines Lebens dargestellt hätte. Max Kalbeck, Biograph von Brahms, hat den Kern der Sonate so getroffen: die Stimmung sei „so eindringlich niemals wieder ausgesprochen worden”.

Wunderbar, wie sich die Führung von Flügel und Violine abwechselt und dann sofort wieder im innigen Gleichklang egalisiert. Harmonische Bilder des Lebens defilieren entspannt vor dem inneren Auge, alles ist im Fluss. Mit dem warmen Klang der Instrumente und dem narrativen Spiel der beiden Musiker in Sachen Fühlung kommt dieses der Intension Brahms’ außerordentlich nahe.

Die zweite Sonate (A-Dur, Op. 100) entstand 1886/87 und ist eine Reminiszenz an Richard Wagner, nimmt sie doch dessen Motiv aus dem 3. Akt der „Meistersinger von Nürnberg“ auf. Während die Violine weite, ruhige musikalische Kreise zieht, stehen die Pianoparts für Virtuosität. Immer wieder zieht sich als Rondo die Lied- und Tanzform durch die drei Sätze. Brahms’ Freund, der Musikkritiker und Ästhetik-Professor Eduard Hanslick (1825-1904), beschrieb die Sonate als einen „feinen, ruhigen, romantischen Sommerabend“. Das technisch feinsinnige Spiel von Klára Würtz erinnert in der Klangfarbe an ihre Aufnahme der acht Impromptus von Franz Schubert aus dem Jahr 2011. Das mag kein Wunder sein, denn Brahms und Schubert liegen hier musikalisch dicht beieinander.

Die dritte Sonate (d-Moll, Op. 108) entstand in den Jahren zwischen 1886 und 1888. Sie ist die empathischste und dramatischste der drei Aufnahmen und beinhaltet als „Grande Sonate“ vier Sätze. Ein Abschied von der Romantik hat nun auch Brahms erreicht, erste modernistische Anzeichen sind hörbar.

Die Sonate d-Moll ist mehr dem Piano als der Violine gewidmet, obwohl es durchaus Wettstreit gibt. Die Textur der musikalischen Interpretation von Baráti und Würtz nimmt das „Ungarische“ dieser Sonate gut auf. Der alternde Brahms besuchte nämlich häufig die Csárdás-Kapellen im Wiener Prater. „Im Duktus und Tonfall seiner 3. Violinsonate hat Brahms die Musik jener Kapellen eingefangen und zugleich überhöht“ heißt es bei Karl Böhmer im Musikportal von Villa Musica und weiter: „Nicht umsonst ist sie die beliebteste der drei Violinsonaten“.


Brahms Violin Sonatas
Kristóf Baráti, Klára Würtz
Brillant Classics
1094824BRC

Live in concert zu hören sind Baráti and Würtz mit den drei Brahms Sonatas am
Samstag, 6. Dezember 2014 um 19:30h
Im Festetics Palace (Pollack Mihály tér 3, in Budapest, 1088, Ungarn)

Und am Samstag, 20. Dezember 2014 um 20:30h
Im Tindalvilla (Nieuwe's Gravelandseweg 21, Bussum, Haarlemmermeer, 1405 HK, Niederlande)

Obwohl es in diesem Interview mit Baráti und Würtz in erster Linie um Beethoven geht, ist dieses Video ausgesprochen sehenswert.

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs KlassikKompass > Johannes Brahms: Violin Sonatas – ein warme...

Mehr auf KulturPort.De

Max Slevogt – eine Retrospektive zum 150. Geburtstag
 Max Slevogt – eine Retrospektive zum 150. Geburtstag



Das Landesmuseum Hannover widmet dem Jubilar, der neben Max Liebermann und Lovis Corinth zum „Dreigestirn des deutschen Impressionismus“ gehört, eine großa [ ... ]



„Dogman” - Matteo Garrone und der gescheiterte Erlöser
 „Dogman” - Matteo Garrone und der gescheiterte Erlöser



Mit seinem hinreißenden Kleingangster-Epos „Dogman” kreiert Regisseur Matteo Garrone einen düster-poetischen Parallelkosmos und den vielleicht berührendst [ ... ]



Theater Festival Hamburg: „Vor Sonnenaufgang“ nach Gerhard Hauptmann
 Theater Festival Hamburg: „Vor Sonnenaufgang“ nach Gerhard Hauptmann



Was für ein Schauspielerfest! „Vor Sonnenaufgang“ nach Gerhard Hauptmann, das von Ewald Palmetshofer in die Gegenwart transportierte Sozialdrama, begeistert [ ... ]



Fay Claassen & WDR Big Band: My Dutch Songbook
 Fay Claassen & WDR Big Band: My Dutch Songbook



Es ist erst ein paar Wochen her, dass Fay Claassen den niederländischen Edison Jazz Award (Vocals) gewann – und zusätzlich den Publikumspreis einheimste.
 [ ... ]



Florian Henckel von Donnersmarck und Sebastian Koch stellen den Film „Werk ohne Autor“ in Lüneburg vor
 Florian Henckel von Donnersmarck und Sebastian Koch stellen den Film „Werk ohne Autor“ in Lüneburg vor



Vorstellung des neuen Films „Werk ohne Autor im ‚Filmpalast‘ in Lüneburg – nach den drei überaus eindrucksvollen Stunden kann das Publikum den Regisseu [ ... ]



Film Festival Cologne - Von starken Spielfilmdebüts und schwächelnden Stars
 Film Festival Cologne - Von starken Spielfilmdebüts und schwächelnden Stars



Nach einem eher dürftigen Festivaljahr 2018 ging schon das Raunen durch die Reihen: Wo sind all die guten Filme hin? Die Antwort ist einfach: Man muss nur richt [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.