Neue Kommentare

Peter Schmidt zu Hamburger Autorenvereinigung: Erinnern und Gedenken – zum 27. Januar 2014: Stadthaus- Gedenkstätte? Da fragt man sich heute...
Lothar Hamann zu „Cold War – Der Breitengrad der Liebe” - Oder die Magie einer schwarzen Leinwand: GEWINNER DES EUROPÄISCHEN FILMPREISES 2018!...
Rafael Gunnarsson zu „Climax”. Die unwiderstehlichen Abgründe des Gaspar Noé: Zeit, Bild und KulturPort sind sich alle einig? D...
Cornelie Müller-Gödecke zu 100 Jahre Lettland: Handschuh-Daumen hoch: Danke für diesen Artikel!
Und Danke für...

Herby Neubacher zu Peter de Vries – Hut- und Urnenhüllen-Macher: Mal auf die Website des Hutmachers geguckt? 500 E...

CDs KlassikKompass

Johannes Brahms: Violin Sonatas – ein warmer, inniger Klang

Drucken
(0 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 28. August 2014 um 11:11 Uhr
Johannes Brahms: Violin Sonatas - Barati-Wuertz

Das Duo Kristóf Baráti (Violine) und Klára Würtz (Klavier) spielte im August 2013 im ob seiner Akustik preisgekrönten Konzertsaal des Kodály Centre im südungarischen Pécs eine komplette Brahms-Edition ein. Als Auszug daraus liegt ab morgen eine Einzel-CD vor, die die Sonaten 1 bis 3 wiedergibt.

Johannes Brahms (1833-1897) taucht mit diesen kammermusikalischen Stücken tief in die Romantik ein, in die Welt der Empfindsamkeit, der Gottgläubigkeit und der Prozesse vom Entstehen und Vergehen. Die Lebenslust hat in der Romantik eben immer auch einen Hang zum Morbiden. Der Mensch ist durch seine Mittlerrolle zwischen Natur und Gott definiert. Er ist demütig und zurückhaltend. Alle drei Sonaten sind autobiographische, ja intime Bekenntnisse und im Kunstlied sah der Komponist den unmittelbarsten Ausdruck seiner selbst.

alt1878 bis 79 schrieb Brahms an seiner ersten Sonate (G-Dur, Op. 78). Sie ist durch und durch dem romantischen Diskurs verpflichtet – mit lyrischer Intonation spiegelt sie das ruhige Innerste wider. Keine widerstrebenden Gefühlsstrudel, kaum Dramatik, etwas Melancholie, nichts, was darauf schließen könnte, dass Brahms bei dieser Komposition nicht in sich gewohnt und doch plausible Momente eines Lebens dargestellt hätte. Max Kalbeck, Biograph von Brahms, hat den Kern der Sonate so getroffen: die Stimmung sei „so eindringlich niemals wieder ausgesprochen worden”.

Wunderbar, wie sich die Führung von Flügel und Violine abwechselt und dann sofort wieder im innigen Gleichklang egalisiert. Harmonische Bilder des Lebens defilieren entspannt vor dem inneren Auge, alles ist im Fluss. Mit dem warmen Klang der Instrumente und dem narrativen Spiel der beiden Musiker in Sachen Fühlung kommt dieses der Intension Brahms’ außerordentlich nahe.

Die zweite Sonate (A-Dur, Op. 100) entstand 1886/87 und ist eine Reminiszenz an Richard Wagner, nimmt sie doch dessen Motiv aus dem 3. Akt der „Meistersinger von Nürnberg“ auf. Während die Violine weite, ruhige musikalische Kreise zieht, stehen die Pianoparts für Virtuosität. Immer wieder zieht sich als Rondo die Lied- und Tanzform durch die drei Sätze. Brahms’ Freund, der Musikkritiker und Ästhetik-Professor Eduard Hanslick (1825-1904), beschrieb die Sonate als einen „feinen, ruhigen, romantischen Sommerabend“. Das technisch feinsinnige Spiel von Klára Würtz erinnert in der Klangfarbe an ihre Aufnahme der acht Impromptus von Franz Schubert aus dem Jahr 2011. Das mag kein Wunder sein, denn Brahms und Schubert liegen hier musikalisch dicht beieinander.

Die dritte Sonate (d-Moll, Op. 108) entstand in den Jahren zwischen 1886 und 1888. Sie ist die empathischste und dramatischste der drei Aufnahmen und beinhaltet als „Grande Sonate“ vier Sätze. Ein Abschied von der Romantik hat nun auch Brahms erreicht, erste modernistische Anzeichen sind hörbar.

Die Sonate d-Moll ist mehr dem Piano als der Violine gewidmet, obwohl es durchaus Wettstreit gibt. Die Textur der musikalischen Interpretation von Baráti und Würtz nimmt das „Ungarische“ dieser Sonate gut auf. Der alternde Brahms besuchte nämlich häufig die Csárdás-Kapellen im Wiener Prater. „Im Duktus und Tonfall seiner 3. Violinsonate hat Brahms die Musik jener Kapellen eingefangen und zugleich überhöht“ heißt es bei Karl Böhmer im Musikportal von Villa Musica und weiter: „Nicht umsonst ist sie die beliebteste der drei Violinsonaten“.


Brahms Violin Sonatas
Kristóf Baráti, Klára Würtz
Brillant Classics
1094824BRC

Live in concert zu hören sind Baráti and Würtz mit den drei Brahms Sonatas am
Samstag, 6. Dezember 2014 um 19:30h
Im Festetics Palace (Pollack Mihály tér 3, in Budapest, 1088, Ungarn)

Und am Samstag, 20. Dezember 2014 um 20:30h
Im Tindalvilla (Nieuwe's Gravelandseweg 21, Bussum, Haarlemmermeer, 1405 HK, Niederlande)

Obwohl es in diesem Interview mit Baráti und Würtz in erster Linie um Beethoven geht, ist dieses Video ausgesprochen sehenswert.

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs KlassikKompass > Johannes Brahms: Violin Sonatas – ein warme...

Mehr auf KulturPort.De

Eva Besnyö – Photographin. Budapest, Berlin, Amsterdam
 Eva Besnyö – Photographin. Budapest, Berlin, Amsterdam



„Als vielleicht geschichtlich bedeutendste, sicher professionellste ungarische Fotografin, die in der Weimarer Republik sowohl durch Moholys „Neues Sehen“  [ ... ]



Bernd Meiners – Fotografie und Film
 Bernd Meiners – Fotografie und Film



Wenn man sich die biographischen Daten des Kameramanns und Fotografen Bernd Meiners anschaut, so erhält man schnell ein recht klares und präzises Bild der Pers [ ... ]



Saskia Henning von Lange: „Hier beginnt der Wald“ – ein Roman so mehrdeutig wie das Leben
 Saskia Henning von Lange: „Hier beginnt der Wald“ – ein Roman so mehrdeutig wie das Leben



„Hier sitzt er und würde doch lieber woanders sitzen“, so beginnt das dritte Buch der 42jährigen Autorin Saskia Henning von Lange. Der Mann befindet sich h [ ... ]



„Capernaum – Stadt der Hoffnung”. Nadine Labaki und die Wiederentdeckung der Kompromisslosigkeit
 „Capernaum – Stadt der Hoffnung”. Nadine Labaki und die Wiederentdeckung der Kompromisslosigkeit



Beirut. Das Alter von Zain (Zain al Rafeea) wird auf zwölf Jahre geschätzt, genau weiß es keiner. Der schmächtige magere Junge sieht viel jünger aus, aber d [ ... ]



„Margiana – Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan“
 „Margiana – Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan“



„Margiana“ – hört sich an wie der Titel eines neuen Fantasyfilms. Dabei ist es eine so gut wie unbekannte Zivilisation in Zentralasien 2300-1700 v. Chr.,  [ ... ]



Michael Wolf: Life in Cities
 Michael Wolf: Life in Cities



Kunst oder Dokumentation? Diese Frage erübrigt sich angesichts der fantastischen Fotografien und Installationen von Michael Wolf. Erstmals in Deutschland zeigen [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.