Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 1065 Gäste online

Neue Kommentare

Wajda Art zu „A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?: Wir suchen nach Enthusiasten der Kinematographie ...
Manfred Köck zu Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali: schade, dass sie nicht mit ihren stammmusikern un...
Helmuth Barth zu Thomas Gainsborough – die moderne Landschaft: Vorausschicken möchte ich, dass ich neben Bilder...
Anna Grillet zu „Call Me by Your Name”. Die Sinnlichkeit des Luca Guadagnino: Leider nein, kann die bitterböse ästhetisch bri...
Fabian Drux zu „Call Me by Your Name”. Die Sinnlichkeit des Luca Guadagnino: Danke für den Hinweis auf einen wunderschönen F...

CDs KlassikKompass

Brahms – Pollini – Thielemann – Staatskapelle Dresden

Drucken
(0 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 24. Juli 2014 um 10:31 Uhr
Thielemann - Pollini

Pianist Maurizio Pollini und die Staatskapelle Dresden sind ein bewährtes Team in der Semperoper. Bereits 2011 beschenkten sie das Publikum mit Brahms' erstem Klavierkonzert und bekamen für die Einspielung 2012 den begehrten „Echo Klassik“. Im Januar 2013 folgte im Rahmen des 6. Symphoniekonzerts mit dem Brahms Zyklus II, die live Einspielung des zweiten Klavierkonzerts des Hamburger Meisters.

Ich war bis 2011 kein wirklich großer Fan von Pollinis Klavierspiel, auch wenn die Kollegen ihn für „seinen“ Mozart und Chopin immer lobten. Ich habe keine Ahnung woher er sein Potential mit über 70 Jahren nimmt, Brahms derartig gut zu spielen und einen Gehörschmaus auf einen Tonträger zu bringen wie „seinen“ Brahms. Pollini wächst hier über sein bisheriges spielerisches Vermögen hinaus, und insbesondere das zweite Klavierkonzert von Johannes Brahms (1833-1897) kulminiert in (m)einer Lobeshymne.

Brahmns - Pollini-ThielemannTexte von Label und Marketing neigen dazu, alles gut zu finden und das Einzigartige, in den noch so verstecktesten Nischen zu finden, um besser ihr Produkt verkaufen zu können. Mit dieser Einspielung verbinden sich die Interessensbereiche und klingen unisono.
Hier ist eine konforme Größe zu hören: Maurizio Pollini hat sein Orchester und seinen Dirigenten gefunden und umgekehrt. „Poetisch“ nannten die Fachkritiker sein Spiel. Zustimmung. Pollinis Spiel ist Poesie, weich und dennoch dezidiert, kraftvoll und dennoch einfühlsam: Horn und Klavier im ersten Satz (Allegro non troppo, B-dur) gehen meisterlich miteinander in den Dialog. Insbesondere das Cello und Piano zu Beginn des dritten Satzes (Andante – più adagio, F-dur) ist genau das, was es bezeichnet: schreitend und überlegt ruhig. Alles wächst ineinander und verbleibt untrennbar verbunden. Zugegeben, die Ausgewogenheit ist in solchen kleinen, kammermusikalischen Besetzungspassagen einfacher zu bewerkstelligen. Wie sich Pollini mit dem Gesamtorchester klanglich abstimmt ist überdies ein weiterer Höhepunkt. Weder drängelt sich der Solist in den Vordergrund, noch geht er im Klangrausch unter. Alles in allem: 47 Minuten Hochgenuss.

Es ist Brahms’ Genialität zu verdanken vier Sätze erleben zu können, die das Werk besonders machen. Auch diese Aufnahme gibt Brahms recht – die Komposition ist eine Sinfonie mit Klaviersolo. Wie kraftvoll letzteres sich gegenüber dem Orchester im zweiten energetischen (Allegro appassionato, d-moll) und vierten (Allegretto grazioso, B-dur) Satz durchklingen kann ist schon beeindruckend. Kritiker meinen das Scherzo (zweiter Satz) hätte Brahms weglassen zu können, doch er bestand auf etwas „Kräftiges und Leidenschaftliches“, auch der Wechsel der Tonart gibt dem Klavierkonzert seine ganz eigene Aura.

„In Dresden“, so schreibt Tobias Niederschlag im Booklet: „hat das B-dur-Konzert eine besondere Historie: Gleich zweimal [...] spielte es der Komponist [...] in der Semperoper. [...] Spätestens seit dieser Zeit gehören Brahms’ Werke zum Kernrepertoire der Dresdner Kapelle, deren Musiker den Komponisten 1884 zum Ehrenmitglied ihres Tonkünstler-Vereins machten.“ Thielemann und Pollini haben sich diese Ehre nun längst auch redlich erarbeitet und verdient.

Eine kleine anekdotische Parallele ist übrigens: Zwischen Brahms erster und zweiter Klavierkonzertkomposition lagen gut 20 Jahre, zwischen der Zusammenarbeit zwischen Pollini und der Staatskapelle Dresden auch.


Brahms: Klavierkonzert Nr. 2 B-dur op. 83
Staatskapelle Dresden, Maurizio Pollini, Christian Thielemann
Deutsche Grammophon (DG)
Nr.: 00028947923848

YouTube-Video


Abbildungsnachweis:
Header: Thielemann (l.) Pollini (r.) Foto: Staaatskapelle Dresden
CD-Cover

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > CDs KlassikKompass > Brahms – Pollini – Thielemann – Staatsk...

Mehr auf KulturPort.De

Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg
 Meine 18. Lange Nacht der Museen in Hamburg



...beginne ich, indem ich mit meinem Navi streite. Das tut so, als wüsste es nicht von der traurigen Tatsache, dass es in dieser Stadt mehr Baustellen als Kultu [ ... ]



Yvonne von Schweinitz: Syrien – Fragmente einer Reise. Fragmente einer Zeit
 Yvonne von Schweinitz: Syrien – Fragmente einer Reise. Fragmente einer Zeit



Wie nähert man sich in einer Fotoausstellung einem Land, deren Menschen tagtäglich durch Gewalt sterben, auf der Flucht, im Exil, traumatisiert sind, deren mat [ ... ]



„A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?
 „A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?



Lynne Ramsay inszeniert ihre virtuosen Thriller-Impressionen als Exkursion in die Abgründe der Seele.
Ein Auftragskiller ist Joe (Joaquin Phoenix) nicht, er t [ ... ]



Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie
 Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie



George Bernard Shaw (1856-1950) ist vor allem bekannt für sein dramatisches Werk, das über 50 Theaterstücke umfasst. Doch der Künstler hat sich zeitlebens in [ ... ]



Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali
 Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali



Wie konnte sich eine 16jährige Kanadierin, die Opernarien singt und klassische Pianistin werden will, zu einer über jeden „No street credibility“-Verdacht  [ ... ]



Aspekte Festival 2018: Der Kopf des Paul Orlac ist das Innenleben des Klaviers
 Aspekte Festival 2018: Der Kopf des Paul Orlac ist das Innenleben des Klaviers



Was für eine Horrorvorstellung: als Schauspieler die Stimme – als Fußballspieler die Füße – als Philosoph den Verstand – als Komponist das Gehör – u [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.