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CDs KlassikKompass

Robert Schumann: Album für die Jugend

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Freitag, den 30. Mai 2014 um 15:42 Uhr
Robert Schumann: Album für die Jugend 4.0 out of 5 based on 1 votes.
Robert Schumann: Album für die Jugend

Pianist Florian Uhlig spielte im Jahr 2013 in London ein Album ein, auf dessen Cover „Für die Jugend“ steht. Es ist die sechste Scheibe von fünfzehn der Gesamtaufnahme der Klavierstücke.
Ein Album für die Jugend? Das ist erklärungsbedürfig, denn die CD ist zudem noch in zwei Abteilungen geteilt: „Für Kleinere“ und „Für Erwachsene“.

altUhlig und seinem Label ging es wohl nicht in erster Linie darum, die Jugend an die Musik zu führen, vielmehr beziehen sie sich auf einen Aphorismus Robert Schumanns (1810-1856), der da lautet: „In jedem Kinde liegt eine wunderbare Tiefe“. Der Komponist und leidenschaftliche Familienvater Schumann fokussierte in seinem Werk neben Natur- und Religionsthemen auch die Kindheit und hier insbesondere die Welt der Märchen und Legenden. Schumanns literarisches Idol, Jean Paul (1763-1825), der in seinen Werken noch den Übergang von Klassizismus zur Romantik mitgestaltete, war einer der ersten, der das Bild vom Erwachsenen hinab auf Kinder schauend, mehr und mehr aufzulösen suchte, um ein neues Verständnis von Kindheit und Jugend festzuschreiben. Der weniger rationale Blick steht bei ihm im Vordergrund.

Schumann erkannte sich wohl selbst darin. Mit einem der Romantik nahestehenden musikalischen Gefühl definierte er seine Beziehung zu begleitender Erziehung und Fürsorge. Im frühen 19. Jahrhundert eine eher ungewöhnliche Haltung, gegenüber Zucht und Strenge. Die 40 Klavierstücke „Für die Jugend“ op. 68 (1848) stehen also nicht nur in ihrer musikalisch-kompositorischen Qualität einzigartig da, sondern auch als veränderte Haltung gegenüber dem konservativ pädagogischem Elan der Zeit. Geradezu liebevoll begleitet Schumann seine Kinder von Wiege bis zu seinem Tod und all das auch in seinen Kompositionen, die er immer wieder einzelnen oder all seinen Töchtern widmete.
Kompromisslos bleibt Schumann bei seiner Qualität und Substanz. Wenn zurückblickend zu Recht im Begleitheft darauf hingewiesen wird, dass die Musikpädagogik der Zeit sich eher im Bereich der „bisweilen erschreckenden Trivialität und Banalität“ aufhielt, so ist auch diese Schumann-Leistung von hohem Wert.

Schon bei der ersten „Melodie“ der CD ist etwas davon zu hören, ein fließendes, romantisches und einfühlsames Begleiten der zwei Hände auf der Klaviatur. Das Kompliment gilt beiden: Komponist wie Interpret. Florian Uhlig springt, hobst und gleitet durch die Verniedlichungsformen: das „Trällerliedchen“, das „Jäger-„ und „Volksliedchen“, er fühlt mit dem „Armen Waisenkind“ und freut sich mit dem „Fröhlichen Landmann“, der lockeren Schrittes von der Arbeit zurückkehrt. Wie schön einfach sich das Leben anhören kann. Zur Ruhe kommt man auch in dieser Empfindung nicht. Die Frühlings- und die Winterzeit durchquert der Hörer in weniger als einer halben Stunde. Aber die lohnen sich, denn am Ende ist er selbst ganz zum Romantiker geworden und kann sich der ansteckenden Idylle kaum noch erwehren. Stille gibt es nur in der Andacht und die treibt auf dieser CD im Klangfluss wie ein Stück Holz hinfort.

Mit der „Kleinen Romanze“, dem 19. von 43 kurzen Werken beginnt der Erwachsenen-Part. Hörbar ist das nicht, Uhlig bleibt in seinem Interpretationsschwung locker. Seine Jugend ist so erwachsen, wie die Erwachsenen noch jugendlich sind.

altSchumann war in seinem „Dresdner Kreis“ gut aufgehoben, er suchte mit den anderen Künstlern: Musikern, Malern, Bildhauern und Dichtern nach einem Ausdruck, der alle Sinne anspricht. So illustrierte der Künstlerfreund Ludwig Richter (1803-1884) mehrere Titelblätter für Schumanns Kompositionen. Kein Wunder also, dass Gemälde vor dem inneren Auge beim Klang der Schumann-Klaviermusik entstehen: Ludwig Richters „Abendlied“ (1871) und „Die Hülsenbeckschen Kinder“ (1806) von Philipp Otto Runge. Richter und Runge malen wie Schumann komponiert – auf gleicher Augenhöhe mit den Kindern.
Schumann macht überdies „Ausflüge“ in die Literatur, wenn er „Sheherazade“ (Nr. 32) und „Mignon“ (Nr. 35) in seinen Werktiteln zitiert und musikalisch einfasst. Auch ist eine Reminiszenz zu anderen Musiker spürbar, insbesondere zu Felix Mendelssohn-Bartholdy. Hier verlässt Robert Schumann dann die Jugend.


Robert Schumann: Album für die Jugend, op. 68
Florian Uhlig, Piano,
hänssler Classic, Nr. 98.013

Hörbeispiele



Abbildungsnachweis:
Header: Robert Schumann, 1839. Detail aus einer Zeichnung von Joseph Kriehuber
CD-Cover und Titelblatt "Für die Jugend"

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