Neue Kommentare

Martin Kostinak zu DFG-Schwerpunktprogramm „Das digitale Bild“: Förderzusage für neues Forschungsprojekt des Fachbereichs Kunstwissen­schaft & Medienphilosophie: Welche Förderzusage für das KIT ist hier gemein...
Miriam Fernandez zu Der öffentliche Raum und seine Nutzungen – Plätze in San Fernando del Valle de Catamarca, Argentinien: Agradezco infinitamente al Señor Stefan Diebitz ...
Peter Schmidt zu Jochen Schäfsmeier wird Intendant der Händel-Festspiele Göttingen: Herzlichen Glückwunsch an den einstigen Geschäf...
Ana María Breppe zu Der öffentliche Raum und seine Nutzungen – Plätze in San Fernando del Valle de Catamarca, Argentinien: The difference between the two cultures is very c...

Hamburger Architektur Sommer 2019


CDs KlassikKompass

Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem

Drucken
(125 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 20. September 2017 um 09:28 Uhr
Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem 4.3 out of 5 based on 125 votes.
Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Julian Riem

Gerade war sie noch beim Schleswig-Holstein-Musikfestival zu hören und debütierte – nun kommt zeitnah dazu ihr Debütalbum auf dem Markt. Gemeinsam mit Pianist Julian Riem stellt sie „Serenata Italiana“ vor, eine Sammlung unbekannter Kompositionswerke des späten 19. – frühen 20. Jahrhunderts.
Die junge aus München stammende Raphaela Gromes gilt als vielversprechende Nachwuchscellistin. Als Vierjährige begann sie mit dem Unterricht – die Eltern, beide selbst Cellisten – ermöglichten ab Lebensalter sieben erste Bühnenerfahrung. Studium an der Mendelssohn-Bartholdy-Hochschule in Leipzig bei Peter Bruns, 2010 der Wechsel an die Musikhochschule in München zu Wen-Sinn Yang und anschließend zu Reinhard Latzko an die Universität für Musik und darstellende Kunst nach Wien.
Julian Riem, ebenfalls gebürtiger Münchner studierte an der Musikhochschule seiner Heimatstadt und danach bei Michel Béroff am Conservatoire National Supérieur in Paris. Er gewann internationale Klavierwettbewerbe und erwarb sich mittlerweile auch viel Bühnenerfahrung.
Das gemeinsame Spiel mit Raphaela Gromes gelingt in einer außerordentlichen Harmonie im Spiel.

Serenata Italiana – Raphaela Gromes - Julian RiemDer Text im Booklet von Christoph Vratz kommt mit einem Vergleich in der Überschrift daher: Diese Entdeckungsleistung in die Kammermusik Italiens des späten 19. Jahrhunderts sei vergleichbar mit einer Trüffelsuche, schreibt er.
In der Tat scheint tatsächlich die Nase der Musiker exzellent zu sein, denn in der romantischen Leichtigkeit und Lebensfreude der sechs, eher unbekannten, Komponist-inn-en Ferruccio Busoni (1866-1924), Guiseppe Martucci (1856-1909), Alfredo Casella (1883-1947), Leone Sinigaglia (1868-1944), Matilde Capuis (1913-2017) und Mario Castelnuovo-Tedesco (1895-1978) liegt ein wundervoller Duft bis hinein in die Anfänge der Moderne.

Ferruccio Busonis „Serenata" (Op. 34) ist das Werk eines „Individualisten und universalen Geistes“. Er, der u.a. Kurt Weill in den frühen 1920er-Jahren in Berlin als Schüler aufnahm, zeigt gleich zu Beginn des Albums, wo die Bruchkanten zwischen Romantik und Moderne, allgemeinen Konsens der Zeit und persönlicher Auffassung liegen. Die Individualisierung hält stärker Einzug denn zuvor.
„Durch die vielen reinen Intervalle" – (auf Terzen verzichtet der Komponist fast vollkommen) – „klingt das Ganze schwebend suchend, unbestimmt, quasi improvisando.“ Dieses Zitat der Musiker lässt sich voll und ganz unterstreichen. Diese Serenata beschreibt seinen Schöpfer als einen kosmopolitischen Menschen mit Sinn und Verstand.

In der Person von Martucci spiegeln sich die bereits erwähnten Bruchkanten ebenfalls deutlich wieder. „Er steht im Zentrum unserer neuen Aufnahme“, sagt Gromes und verschafft dem in seiner Zeit berühmten Wagner-Dirigenten und Brahms-Anhänger Raum mit der viersätzigen „Sonate fis-Moll", Op. 52, für Violoncello und Klavier, die er um 1880 komponierte.

Eine weitere Entdeckung ist die sehr alt gewordene Matilde Capuis. Die Neapolitanerin komponierte 1964 das „Animato con passione“. „Nachdem wir uns im Frankfurter Archiv ‚Frau und Musik’ einige Werke verschiedener italienischer Komponistinnen ausgeliehen und angespielt hatten, entschieden wir uns für Capuis. Ihre Musik hat uns von Anbeginn an sehr berührt“, beschreibt Gromes ihre Entdeckungstour.

Castelnuovo-Tedesco paraphrasiert schließlich zum Ende der CD Rossinis „Figaro“-Arie, die wie ein Feuerwerk daherkommt und die italienische Leidenschaft für Virtuosität und Spritzigkeit aufzeigt. Erstaunlich und jugendlich frisch ist die Reminiszenz zum Jazz bei ihm, was sicherlich seiner Immigration in die USA und den vielen Filmmusikkompositionen geschuldet sein dürfte.

Fundstücke, die sich in dieser Kombination sicherlich einprägen werden. Auffallend ist bei einigen Komponisten die Nähe zu Deutschland. Das spiegelt sich nicht allein in der kompositorischen Bezugnahme auf Beethoven, Brahms, Wagner oder Mahler wider, sondern ist auch darin begründet, dass zwei der Musikerkomponisten freiwillig (Busoni) mit Lebensmittelpunkt in Berlin und unfreiwillig (Sinigaglia) nach Deutschland kamen und letztgenannter gleich nach seiner Verschleppung hier verstarb.

Sehenswert ist übrigens der Musik-Video-Clip, der eher in der Storytelling-Manier von Pop- und Rockmusik erzählt wird: „Cello nightmare".

Serenata Italiana
Raphaela Gromes, Violoncello und Julian Riem, Klavier
Label: Sony Classical
CD mit Booklet (engl./deut.)
EAN: 889854130329

YouTube-Video:
Cello nightmare

Nächste Konzerte im Norden:
05.11.2017, 17:00 Uhr
Schloss Reinbek, Schlossstraße 5, 21465 Reinbek
Telefon: +49 (0)40 - 7273 4611, Preis 20.00 €
10.01.2018, Konzerthaus Berlin
13.01.2018, Elbphilharmonie Hamburg
13.04.2018, WDR Funkhaus, Köln



Abbildungsnachweis:
Headerfoto: Christine Schneider
CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs KlassikKompass > Serenata Italiana – Raphaela Gromes und Jul...

Mehr auf KulturPort.De

„Midsommar”. Die sonnendurchfluteten Abgründe des Ari Aster
 „Midsommar”. Die sonnendurchfluteten Abgründe des Ari Aster



Mit ästhetischer Akribie inszeniert Ari Aster seinen Film „Midsommar” als makabres heidnisches Bacchanal mitten im digitalen Zeitalter. Der anspruchsvolle b [ ... ]



Das 14. Tallinn Design Festival – Future Materials
 Das 14. Tallinn Design Festival – Future Materials



Das 14. Tallinn Design Festival in der estnischen Hauptstadt widmet sich „Future Materials“ (Zukünftigen Materialien). Die Wahl des Themas – so sagt Festi [ ... ]



61. Nordische Filmtage Lübeck: Agenten, Spione und viel Wasser
 61. Nordische Filmtage Lübeck: Agenten, Spione und viel Wasser



„Für viele von uns sind die Nordischen Filmtage Lübeck immer wieder ein Riesenhighlight“, betonte Lübecks Kultursenatorin Kathrin Weiher beim ersten Press [ ... ]



Schöne Scheusale: Jean-Henri Fabre über Insekten
 Schöne Scheusale: Jean-Henri Fabre über Insekten



Wer liebt Insekten? Schmetterlinge mögen schön sein, Bienen nützlich, aber Mücken oder Wespen? Eigentlich sind wir doch froh, dass wir ihnen überhaupt nicht [ ... ]



International Mendelssohn Festival 2019
 International Mendelssohn Festival 2019



Vergleicht man die vielen musikalischen Festivals in Hamburg mit Blumensträußen, dann ist vor anderen, schon länger existierenden oder in den Anfangszeiten de [ ... ]



Ladies Night – mehr als zielsicheres Improvisieren
 Ladies Night – mehr als zielsicheres Improvisieren



Das Stück ist nicht ganz neu. Wer es noch nie sah, hat vermutlich immerhin schon mal davon gehört: eine Handvoll ziemlich erfolgloser, frustrierter Kerle, die  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.