Neue Kommentare

Kentin Abalo zu „Assassination Nation” – Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo : WAS FÜR EIN FOTO!!!
Großartig. Hoffe der...

Sybille zu Das Chinesenviertel auf Hamburg St. Pauli: Danke für den Beitrag. Ich sehe gerade den Film ...
Nikias Geschke zu „The Guilty”. Der beklemmende Minimalismus des Gustav Möller: Das klingt superspannend. Danke für den Tipp. ...
Harry zu „Otto. Die Ausstellung“: OTTO ist großartig. Ich wusste nicht, dass er ei...
Alex zu Film Festival Cologne - Von starken Spielfilmdebüts und schwächelnden Stars: Wer bist du? Halten Sie Ihre Meinung besser, wenn...

CDs KlassikKompass

Kopf-Hörer 10: Teufelstriller und himmlischer Frieden

Drucken
(71 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 15. Dezember 2016 um 10:00 Uhr
Kopf-Hörer 10: Teufelstriller und himmlischer Frieden 4.2 out of 5 based on 71 votes.
Kopfhörer 10: Teufelstriller und himmlischer Frieden

Aufregend meditative Bach-Kantaten, hochvirtuose und verblüffende barocke Violin-Sonaten, Lippenkunst auf Naturtrompeten und -hörnern, ein frisch klingender Mädchenchor und ein Knabenchor, auf dem Jahrhunderte vatikanischer Tradition lasten.

Vox Luminis CoverVox Luminis. Das 2004 gegründete internationale, im Kern aus Belgien stammende Ensemble mit seinem Gründer Lionel Meunier präsentiert vier frühe Kantaten aus Johann Sebastian Bachs ersten Meisterjahren. Sie entstanden zwischen 1706 und 1714 in Arnstadt, Mühlhausen und Weimar und sind hörbar inspiriert von der Kunst eines Buxtehude und Schütz. Die Kantaten fügen sich zu einem meditativen, aufwühlenden und tröstlichen Streifzug durch die großen Glaubensthemen in Bachs Zeit: Tod, Auferstehung, tiefe Lebensängste, die feste Hoffnung auf Gott. Vox Luminis sucht kleinstmögliche Besetzungen – den „Actus tragicus“ BWV 106 musizieren sie mit vier großartigen Stimmen, zwei Blockflöten, zwei Gamben und Orgel so überirdisch, dass man die Kantate in einer Endlosschleife hören möchte. Bei den übrigen drei Kantaten sind die feinen Stimmen doppelt besetzt, die Instrumente einfach. Ein ganz intimer, glasklarer und dabei warmer Klang prägt diese Aufnahmen, auch den chromatisch geprägten Eingangschor von „Weinen, klagen, sorgen, zagen“ BWV 12 – den Bach 35 Jahre später zum „Crucifixus“ seiner h-Moll-Messe umgestaltete.

J.S. Bach: Actus Tragicus und Kantaten BWV 150, 131 und 12.
Vox Luminis, Leitung: Lionel Meunier.
CD alpha
Alpha 258


L'ange et le diable CoverBarocke Revolution. Barocke Violinsonaten waren in der um 1960 anbrechenden „barocken Revolution“ lange Zeit wenig ernst genommen – trotz oder gerade wegen ihrer hoch virtuosen, alle Klangsphären des Instruments erforschenden, mit Witz und vielen Einfällen und teuflischer Technik gespickten Kunst. So beschreibt es Reinhard Goebel in einem engagierten Text für das Album „L’Ange & le Diable“ der jungen französischen Violinistin Chouchane Siranossian, die sich hier mit Tasten-Altmeister Jos van Immerseel (hier am Cembalo) verbündet, um in Violinsonaten von Locatelli, Leclair und Tartini den Komponisten bei ihren Expeditionen zu den ungeahnten Möglichkeiten der Barockvioline nachzueifern. Meisterstücke sind das, wenn man sie so spielt. Mit fingerverdrehenden Doppelgriffen, virtuosem Furor, feinster Bogentechnik, mit Verzierungen, die plötzlich gar nicht manieriert wirken, und natürlich mit Tartinis berühmtem Teufelstriller, den der in einem Traum dem Teufel abgelauscht haben will. Und plötzlich wirken diese Sonaten unfassbar modern und spannend. Dreingabe des Cembalisten: Auszüge aus eine Suite von Forqueray. Das alles kann man nicht nur gut anhören, es ist ein großes Vergnügen!

L’Ange & le Diable. Violinsonaten von Locatelli, Leclair, Forqueray, Tartini.
Chouchane Siranossian, Violine, und Jos van Immerseel, Cembalo.
CD alpha
Alpha 255


Bach Pergolesi Faure CoverChormusik. Der Mädchenchor Hannover mit seiner Leiterin Gudrun Schröfel poliert zwei hörenswerte Perlen des Chorschaffens für Sopran- und Altstimmen auf: Gabriel Faurés im Sommer 1881 während eines Aufenthalts im normannischen Fischerdorf Villerville zusammen mit seinem Schüler André Messager komponierte Messe für zwei Sopranstimmen und Alt. Sowie Bachs wenig bekannte Paraphrase für Sopran und Alt von Pergolesis „Stabat mater“, das 1736 entstanden war und zur Zeit der Bearbeitung durch Bach zehn Jahre später brandheiße zeitgenössische Musik war. Der 1952 gegründete Chor, der mehr als 20 CDs eingesungen hat, wird mit seinem frischen Klang beiden Klangwelten gerecht und ist ein feines Pendant zu den Knabenchören – was wohl auch damit zu tun hat, dass junge singende Frauen nicht vom Stimmbruch außer Gefecht gesetzt werden, sondern stetig dazulernen können.

Fauré: Messe des pêcheurs de Villerville; J.S. Bach/Pergolesi: Tilge, Höchster, meine Sünden.
Mädchenchor Hannover, Fauré Ensemble und Arte Ensemble, Leitung: Gudrun Schröfel.
CD Rondeau
ROP 6119


telemann CoverTrompete und Horn – und zwar in ihren absolut puristischen Ausprägungen, also ohne Grifflöcher und Stopftechniken beim Horn, mit denen man die intonatorischen Klippen der Naturtoninstrumente zu umgehen versucht. So haben die Brüder Jean-François (Naturtrompete und -horn) und Pierre-Yves Madeuf (Naturhorn) Konzerte von Telemann eingespielt, die der wohl für die ambitionierte Hofkapelle Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt komponierte – ungeschönter Blechbläserklang, darunter auch das berühmte TWV 51 mit dem langen, tragenden einleitenden Adagio, das für die damaligen Trompeter eine mörderische Herausforderung gewesen sein muss. Zur Begleitung tritt Sigiswald Kuijken mit seiner La Petite Bande an – solistisch besetzt, was eine eigentümliche kammermusikalische Spannung schafft. Ganz so muss es wohl Telemann und seinen Zeitgenossen in den Ohren geklungen haben.

Telemann: Trumpet- & Horn-Concertos.
Jean-François und Pierre-Yves Madeuf, Naturtrompete und Naturhorn, La Petite Bande, Leitung: Sigiswald Kuijken.
CD Accent
ACC 24318


Palestrina CoverDer älteste Chor der Welt. In der sixtinischen Kapelle muss es wohl so klingen, wenn der älteste Chor der Welt seine Stimmen ertönen lässt: der Päpstliche Chor der Sixtinischen Kapelle wurde im Vatikan schon um 600 nach Christus gegründet. Auf seiner neuen Aufnahme zelebriert man, geleitet von Massimo Palombella, am originalen, etwas jüngeren Ort, Palestrina-Motetten und dessen Missa Papae Marcelli (ein Papst, der 1555 gerade mal 22 Tage lang amtierte und schon damals aavon Palestrina textverständliches Singen seines Chores gefordert haben soll). Die Aufnahme ist in der überhalligen Akustik der Kapelle mit den Michelangelo-Fresken in erster Linie von dokumentarischem Wert, denn ein packender Knabenchorklang geht wahrlich anders. Dieser hier klingt wie ein in Jahrhunderten glattgeschliffenes Statement verträumter Unbeweglichkeit in weichen Wolken gefälligen Wohlklangs.

Palestrina: Missa Papae Marcelli / Motets.
Sistine Chapel Choir, Leitung: Massimo Palombella.
CD Deutsche Grammophon
4 79 6131




Abbildungsnachweis: CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs KlassikKompass > Kopf-Hörer 10: Teufelstriller und himmlische...

Mehr auf KulturPort.De

100 Jahre Lettland: Handschuh-Daumen hoch
 100 Jahre Lettland: Handschuh-Daumen hoch



Eine Handschuh-Aktion passt wie die Faust aufs Auge, wenn die lettische Hauptstadt Riga, der baltische Staat Lettland und der Rest der Welt heute, am 18. Novembe [ ... ]



Peter de Vries – Hut- und Urnenhüllen-Macher
 Peter de Vries – Hut- und Urnenhüllen-Macher



Wie muss man sich eine Person vorstellen, die Freunde und Kollegen als „Naturereignis“ bezeichnen?
In jedem Fall als einen charismatischen Menschen mit üb [ ... ]



Maria Austria. Eine jüdische Fotografin aus Amsterdam in Berlin
 Maria Austria. Eine jüdische Fotografin aus Amsterdam in Berlin



Das Verborgene Museum in Berlin-Charlottenburg präsentiert bis zum 10. März 2019 Fotoarbeiten und Dokumente der niederländischen Fotografin Maria Austria (191 [ ... ]



„Cold War – Der Breitengrad der Liebe” - Oder die Magie einer schwarzen Leinwand
 „Cold War – Der Breitengrad der Liebe” - Oder die Magie einer schwarzen Leinwand



Paweł Pawlikowski hat das schwermütige, visuell atemberaubende Noir-Drama „Cold War” seinen Eltern gewidmet, deren stürmische On- und Off-Beziehung ihn zu [ ... ]



Madeleine Peyroux: Anthem
 Madeleine Peyroux: Anthem



Jazz oder nicht Jazz? – Was Madeleine Peyroux auf ihrem neuen Album präsentiert, ist relaxt und poetisch, warm und subtil, aber auch modern, überraschend luf [ ... ]



68. Pop und Protest
 68. Pop und Protest



APO, Mini, Flower-Power: Mit der glänzend inszenierten Ausstellung „68. Pop und Protest“ verabschiedet sich Sabine Schulze nach zehn Jahren als Direktorin d [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.