Neue Kommentare

Kentin Abalo zu „Assassination Nation” – Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo : WAS FÜR EIN FOTO!!!
Großartig. Hoffe der...

Sybille zu Das Chinesenviertel auf Hamburg St. Pauli: Danke für den Beitrag. Ich sehe gerade den Film ...
Nikias Geschke zu „The Guilty”. Der beklemmende Minimalismus des Gustav Möller: Das klingt superspannend. Danke für den Tipp. ...
Harry zu „Otto. Die Ausstellung“: OTTO ist großartig. Ich wusste nicht, dass er ei...
Alex zu Film Festival Cologne - Von starken Spielfilmdebüts und schwächelnden Stars: Wer bist du? Halten Sie Ihre Meinung besser, wenn...

CDs KlassikKompass

Simone Kermes: „Love“ – Sehnsucht, Liebe Verzweiflung – zum Sterben schön

Drucken
(118 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 05. April 2016 um 12:53 Uhr
Simone Kermes: „Love“ – Sehnsucht, Liebe Verzweiflung – zum Sterben schön 4.4 out of 5 based on 118 votes.
Simone Kermes: „Love“ – Sehnsucht, Liebe Verzweiflung – zum Sterben schön

Nichts lässt sich schöner und gefühlvoller komponieren, singen und musizieren als all die hellen und dunklen Spielarten des immerwährenden Experiments Liebe – von der Sehnsucht, dem Hoffen, der aufgehenden Liebe, erster Eifersucht, dem Verlassensein, Vorwürfen, Streit bis zur Verzweiflung und dem Weg durch sämtliche Höllen der Trennung. Simone Kermes hat einschlägige Songs in einem faszinierenden Konzeptalbum zusammengetragen. Der Titel der CD lässt sich einfach merken: „Love“.

Die gefeierte Koloratursopranistin bedient sich im halb vergessenen, halb schon wieder entdeckten Repertoire der 120 Jahre zwischen 1580 und 1700, in denen sich die Renaissance langsam in den Frühbarock verabschiedet. 17 Madrigale, Songs und Arien hat sie zusammengetragen, darunter Alt-Hits wie Monteverdis „Lamento della Ninfa“ aus seinem „Orfeo“, der allerersten Oper zu Beginn der Liebesreise. Purcells „If love’s a sweet passion“ aus „The Fairy Queen“. Oder – noch einmal Purcell – „Dido’s Lament“: „When I am laid in earth“. Dazwischen gibt es – ganz ohne pädagogischen Zeigefinger Bekannteres und Unbekannteres. Musik aus gleich vier Ländern – Italien, England, Spanien und Frankreich macht deutlich, dass hier ein universelles Thema verhandelt wird.

Simone Kermes setzt nur selten bei dieser Produktion auf frappierende Virtuosität, sie kostet mit ihrem glasklaren Sopran mit einem angenehm winzigen Spürchen Vibrato eher ruhige Melodien aus. Leicht gedämpft wie bei Tarquinio Merula (ein Musiker und Komponist aus Cremona), wo es um zart bebende Erwartung geht. Oder bei Antoine Boëssets „Quelles Beautés“, in das die Viola d’Amore von Jasser Haj Youssef einen feinen Unterton arabischer Sinnlichkeit hineinträgt.

Es gibt spanisches Feuer im Flirt wie bei „Ay amor loco“ von Luis de Briçeño aus Galizien, einem Musiker am Hofe Louis XIII. in Paris. Aber schon bei Nummer 5 beginnt die Reise in die dunkleren Gebiete der Emotionen. Barbara Strozzi, Venezianerin, Komponistin und Sängerin mit einem Hang zum Verlassen ausgetretener Pfade, steuert mit „Che si può fare?“ ein Stück über die innere Unruhe, in die Liebende gestürzt werden.

Über vergangene Liebe wurden schon immer die besseren Lieder gemacht
Und dann geht es nach und nach ans Eingemachte. Verlassen sein, Verlassen fühlen, Trübsal, Weltschmerz, Eifersucht, schwarzer Wahnsinn – da tut sich ein weites Feld auf für eine Sängerin, die zu aller Liedhaftigkeit gern auch mal ins dramatische Repertoire opernhafter Gestaltung greift und ihr virtuoses Können aufblitzen lässt wie in John Eccles „I burn, I burn“. Eccles war nach dem frühen Tod Purcells Englands führender Bühnenkomponist und ab 1700 Master of the King’s Musick, er wurde dann 1711 von Händels kometenhaften erfolgen in den Schatten gestellt. „My brain consumes to ashes, each eye-ball too, like lightning flashes, within my breast there glows a solid fire, which in a thousand, thousand ages can’t expire.“ Was für Texte – die Liebesqualen wenden sich zur Verzweiflung, Abgründe tun sich auf. Über vergangene Liebe wurden schon immer die besseren Liedern gemacht.

Simone Kermes: Love – CoverSimone Kermes nimmt uns mit bis zum bitteren Ende, dem Liebestod. Begleitet wird sie vom italienischen Originalklang-Ensemble „La Magnifica comunità“ unter Enrico Casazza, der auch an der Violine aktiv ist. Knapp ein dutzend herausragende Musiker – ein vibrierendes Energiebündel mit viel Freude an frisch rekonstruierten Instrumentalparts und Transkriptionen, die feintariert die nuancenfreudige Luxusstimme von Kermes auf Samt und Seide betten. Jedes Ornament sitzt perfekt, gemeinsam mit der Sängerin sorgen sie dafür, dass das Programm dieser CD, mit wenigen kleinen emotionalen Ausbrüchen, fast schon zu glatt, zu lieblich, zu gleichschwebend daherkommt.
Ein gelungenes CD-Projekt dennoch, mit einem Booklet, das so informativ ist, dass man sogar das kitschige Cover (Diva in Weiß mit Schattenrand, hingegossen auf Altrosa) in Kauf nimmt.

Simone Kermes: Love
Mit dem Ensemble „La magnifica comunità” unter Enrico Casazza.
CD Sony Classical,
8887 5111 382
Video zum Tour-Auftakt in Bremen


Abbildungsnachweis:
Header: Simone Kermes. Foto: Sandra Ludewig (c) Sony
CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs KlassikKompass > Simone Kermes: „Love“ – Sehnsucht, Lieb...

Mehr auf KulturPort.De

Thomas Mann Preis 2018 für Mircea Cărtărescu:
 Thomas Mann Preis 2018 für Mircea Cărtărescu:



Mit dem Thomas Mann Preis 2018 wurde am 17. November der rumänische Schriftsteller Mircea Cărtărescu ausgezeichnet. Den Akt der Preisverleihung in den Kammers [ ... ]



„add art 2018 – Hamburgs Wirtschaft öffnet Türen für Kunst"
 „add art 2018 – Hamburgs Wirtschaft öffnet Türen für Kunst



„Zu einem attraktiven Arbeitsplatz gehört auch eine ästhetische Umgebung“, sagt Caspar Philipp Woermann, Geschäftsführer von ims, Internationaler Medien  [ ... ]



100 Jahre Lettland: Handschuh-Daumen hoch
 100 Jahre Lettland: Handschuh-Daumen hoch



Eine Handschuh-Aktion passt wie die Faust aufs Auge, wenn die lettische Hauptstadt Riga, der baltische Staat Lettland und der Rest der Welt heute, am 18. Novembe [ ... ]



Peter de Vries – Hut- und Urnenhüllen-Macher
 Peter de Vries – Hut- und Urnenhüllen-Macher



Wie muss man sich eine Person vorstellen, die Freunde und Kollegen als „Naturereignis“ bezeichnen?
In jedem Fall als einen charismatischen Menschen mit üb [ ... ]



Maria Austria. Eine jüdische Fotografin aus Amsterdam in Berlin
 Maria Austria. Eine jüdische Fotografin aus Amsterdam in Berlin



Das Verborgene Museum in Berlin-Charlottenburg präsentiert bis zum 10. März 2019 Fotoarbeiten und Dokumente der niederländischen Fotografin Maria Austria (191 [ ... ]



„Cold War – Der Breitengrad der Liebe” - Oder die Magie einer schwarzen Leinwand
 „Cold War – Der Breitengrad der Liebe” - Oder die Magie einer schwarzen Leinwand



Paweł Pawlikowski hat das schwermütige, visuell atemberaubende Noir-Drama „Cold War” seinen Eltern gewidmet, deren stürmische On- und Off-Beziehung ihn zu [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.