Neue Kommentare

Karin zu „La Vérité” Hirokazu Kore-eda und der Mythos Familie : Der Mann/die Frau (?) spricht wahr. Ich vermisse ...
rene füsli zu Thomas Gainsborough – die moderne Landschaft: vergleiche fördern bewusstsein und wahrnehmung. ...
Eva zu Kunst oder Pornographie? "Die nackte Wahrheit und anderes" Aktfotografie um 1900: Das Wort Knaben trifft auch für männliche Jugen...
Herbert Klimmesch zu Kunst oder Pornographie? "Die nackte Wahrheit und anderes" Aktfotografie um 1900: "Zudem entstanden Kinder- und Knabenakte in unsch...
Nora Seibert zu Thomas Gainsborough – die moderne Landschaft: Man muss nicht immer Dinge vergleichen, die nicht...

Hamburger Architektur Sommer 2019


CDs KlassikKompass

Charles Camilleri: Mediterranean

Drucken
(102 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 29. September 2015 um 10:10 Uhr
Charles Camilleri: Mediterranean 4.6 out of 5 based on 102 votes.
Charlene Farrugia / Mario Mintoff

Charles Camilleri (1931-2009) gehört zu den wichtigsten Komponisten der Mittelmeerinsel Malta.
1931 in Hamrun, südwestlich von Valletta geboren verschrieb er sich bereits als Kind dem Akkordeon und dem Piano, komponiert mit elf Jahren bereits seine ersten Stücke, die ganz in der Musiktradition des Landes und in der Folklore beheimatet sind. Als Achtzehnjähriger verlässt er – wie so viele – Malta (damals noch britische Kolonie) und emigriert zunächst nach Australien, dann nach London, verdient sein Geld mit dem Arrangieren von Popularmusik, dirigiert und komponiert. Bei einem seiner Aufträge assistierte er Sir Malcom Arnold bei der Filmmusik zum Oscar-gekrönten Spielfilm „Die Brücke am Kwai“. 1958 zieht es ihn in die USA, dann weiter nach Kanada. Er studiert Komposition und arbeitet als Dirigent bei der „Canadian Broadcasting Corporation“. 1965 folgt die Rückkehr nach London und eine erfolgreiche Zeit setzt ein. 1977 wird er im kanadischen Toronto Professor für Komposition, gibt Unterrichtseinheiten an der Buffalo State University im Staat New York und lernt dort John Cage kennen und die experimentelle Musik, die schließlich ihn beeinflusst und 1981 in der Komposition „Organ Concerto“ mündet. Trotz des Lebens im Ausland und voller Reisen – Malteser bleibt man im Herzen – und so kehrt er 1983 zurück auf seine geliebte Insel. Eine äußerst inspirierende Zeit beginnt und er komponiert Stücke, die seine Heimat huldigen.

Wie kann man einen solchen Komponisten kategorisieren? Nur schwerlich, denn sein Lebenswerk weist sehr unterschiedliche und äußerst komplexe Profile auf. Da ist der frühe traditionelle Komponist, der sich streng an die Volksmusik des Landes hält, da sind danach die Orientierungen an der Weltmusik eine Art „Afro-Arabisch-Hindu-Phase“, in der Rhythmus und Tonalität Nordafrikas ebenso zu hören sind wie die der Levante und des Mittleren Ostens. Und schließlich wird er zum universellen Zusammenbringer seines biographisch geprägten kompositorischen Kosmos’, was man insbesondere in seinem Spätwerk hören kann.

Das soeben erschienene Album „Charles Camilleri – Mediterranean“ fokussiert eher die ersten beiden Phasen. Da ist sein erstes großes Werk, das Klavierkonzert Nr. 1 aus dem Jahr 1948, welches 1978 neu orchestriert und überarbeitet wird. Die dreisätzige Komposition (schnell-langsam-schnell) ist mit unterschiedlichen Themen ausgestattet und führt nach einer lebhaften Anfangsphase (Allegro moderato) zum Adagio mit einen herrlichen, zarten und sensiblen Solorezitativ für Waldhorn, gespielt von Mario Cola.
Die wundervolle Pianistin Charlene Farrugia (ebenfalls Malteserin) spielt dieses Klavierkonzert so einfühlsam und gleichzeitig spannungsreich, dass der Hörer regelrecht in die Welt des Mittelmeeres eintaucht und kaum mehr davon loskommt.
Mal expressiv und intensiv – gerade die Stellen, die an Rachmaninow erinnern, dann gleitet die Musik ruhig und sanft beim Hören sowohl durch die eigene Phantasie als auch durch die herausgehobenen Bilder hinter den geschlossenen Augen. Im letzten Satz, Allegro molto vivace, ist man dann wieder in den wechselnden schnellen Läufen, in Arabesken, spanisch-mediterranen Tanzversatzstücken und großen melodischen Gesten.

Die promovierte Pianistin hat einen ganz persönlichen und einen musikalischen Bezug zu Camilleri, denn ihr Großvater, Salvatore Farrugia, war sein Klavierpartner im Hamrum in dessen frühen Jahren. Im Jahr 2000 traf Charlene Farrugia dann Charles Camilleri erstmals bei einer ihrer Performances persönlich. Das führte zu weiteren Treffen und dem Austausch über allerlei Fragen der Musik. Noch heute schwärmt sie von seinem Humor und der lebensfrohen Art. Sie betrachtet ihn als einen ihrer Mentoren. Während ihres Studiums an der Royal Academy of Music in London starb Camilleri 2009 in Malta. Für sie ist diese CD somit nicht nur die offizielle Vorstellung Vallettas als kommende Kulturhauptstadt Europas 2018, sondern überdies ihre individuelle Hommage an den Komponisten.

Das Konzert für Akkordeon und Streichorchester (1968) fängt merkwürdig traditionell, wie eine Sonate des 19. Jahrhunderts an und entwickelt sich im Laufe der drei Sätze zu einem modernen, zeitgenössischen Stück, das schon viel von dem vorweg nimmt was auch später, nach 1990 seine Kompositionen auszeichnet. Modernistische Fragmente sorgen für einen spannungsgeladenen zweiten und dritten Satz. Franko Božacs Akkordeon klingt zwischenzeitlich wie eine Orgel und Camilleris Humor mag auch hier eine Rolle gespielt haben, wenn er zum Ende eine „manisch“ atonale Toccata zitiert.

Bei der Malta Suite (1946) ist Charles Camilleri ganz der Nationalkomponist seines Heimatlandes. Hier eint er die volksmusikalische wie klassische Seele, vergleichbar mit Bela Bartók, der dies für Ungarn tat. In ausgelassenen Tanzmotiven (Country Dance, Waltz und Village Festa) kommt die fröhliche, leichtfüßige und unbeschwerte Seite Maltas zu Ausdruck. Im Nocturne aber auch die der Mühsal, der Schwere und der Nacht.

Charles Camilleris „Mediterranean“ ist mit jeder Note und zudem diesen ausgezeichneten Interpreten die Reise in die Welt der Musik Maltas wert.

Charles Camilleri: Mediterranean
Piano Concerto No. 1 ‘Mediterranean’, Accordion Concerto, Malta Suite
Charlene Farrugia, Piano; Franko Božac, Akkordeon. Dirigent: Miran Vaupotić
Malta Philharmonic Orchestra
Naxos
EAN: 747313337378
Weitere Informationen und Hörprobe


Abbildungsnachweis:
Header: Charlene Farrugia. Foto: Mario Mintoff
Galerie:
01. CD-Cover
02. Charlene Farrugia und Franko Bo
žac. © Naxos
03. Charlene Farrugia und das Malta Philharmonic Orchestra im Teatru Manoel, Valletta/Malta. Foto: Andrew Rizzo
alt

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs KlassikKompass > Charles Camilleri: Mediterranean

Mehr auf KulturPort.De

Aktualität einer alten Studie: „Macht und Masse“
 Aktualität einer alten Studie: „Macht und Masse“



Eine unerwartete Aktualität hat in diesen Tagen die Studie „Masse und Macht“ gewonnen, die der spätere Nobelpreisträger Elias Canetti 1960 erscheinen lie [ ... ]



Axel Simon: Eisenblut
 Axel Simon: Eisenblut



Das alles für was?
„Eisenblut“ ist der erste Band einer Reihe, in der Gabriel Landow, gefallener Sohn einer ostpreußischen Getreidejunker-Dynastie, als Er [ ... ]



The Henry Girls: Shout, Sister Shout
 The Henry Girls: Shout, Sister Shout



Sie sind Irish, sie sind Geschwister, sie sind gut!
In dem Dreihundert-Seelen-Nest Malin (Irish: Málainn), in der Grafschaft Donegal, ganz im äußersten Norde [ ... ]



Meine kleine Schwester im Herzen, Regy Clasen. Ein persönlicher Nachruf von Purple Schulz
 Meine kleine Schwester im Herzen, Regy Clasen. Ein persönlicher Nachruf von Purple Schulz



Meine kleine Schwester im Herzen, Regy Clasen, hat am vergangenen Samstag ihre Flügel ausgebreitet und ist davongeflogen wie das Rotkehlchen vor ihrem Fenster,  [ ... ]



Anime: Psycho Pass – Sinners of the System
 Anime: Psycho Pass – Sinners of the System



Ein spannender Cyperpunk-Thriller, angesiedelt im 21ten Jahrhundert und gepaart mit actiongeladener Science-Fiction erzählt von drei verschiedenen Fällen rund  [ ... ]



Die letzten zehn Tage im Leben einer Ikone: „Ach, Virginia“. Ein Roman über Virginia Woolf
 Die letzten zehn Tage im Leben einer Ikone: „Ach, Virginia“. Ein Roman über Virginia Woolf



Virginia Woolf (1882-1941) ist eine Ikone der literarischen Moderne. Wie kaum eine andere Frau ihrer Zeit steht sie für das Ringen um Eigenständigkeit und Raum [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.