Werbung

Neue Kommentare

Martin Zopick zu „Nocturnal Animals” – Rachethriller als bittere Selbsterkenntnis : Der zweite Film von Tom Ford und der ist gar nich...
Michaela zu „Midsommar”. Die sonnendurchfluteten Abgründe des Ari Aster: Einer der magnetisierendsten Filme, die ich seit ...
Hampus Jeppsson zu „Der Distelfink“. Kühle Eleganz als Metapher für Schmerz: Interessant. Ein sehr guter Roman, dessen Verfilm...
Elvana Indergand zu Snøhetta: Architektur – Landschaft – Interieur: Ich bin begeistert von der Biblioteca Alexandrina...

Hamburger Architektur Sommer 2019


CDs KlassikKompass

Emma Kirkby – ein klingendes Portrait in fünf Alben

Drucken
(129 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 17. Juli 2015 um 12:21 Uhr
Emma Kirkby – ein klingendes Portrait in fünf Alben 4.9 out of 5 based on 129 votes.
Emma Kirkby – ein klingendes Portrait in fünf Alben

Die englische Sopranistin Emma Kirkby ist seit zwanzig Jahren eine der überragenden Interpretinnen nordeuropäischer Renaissance- und Barockmusik.
Dabei fing sie zunächst gar nicht mit dem Wunsch an, eine der bekanntesten Sängerinnen in historischer Aufführungspraxis zu werden. Sie studierte Klassik an der Universität von Oxford, arbeitete anschließend als Schullehrerin und sang zum Vergnügen in verschiedenen Chören. Anfang der 1970er-Jahre als sie im Taverner Choir sang und ein paar Jahre später durch die Kollaboration mit dem Consort of Musicke fing sie intensiv an für ihre Stimme jene Klangfarbe zu suchen, die zu historischen Instrumenten der Renaissance und des Barocks passt. Mit Hilfe ihrer Gesangslehrerin, der Koloratursopranistin Jessica Cash, formte die 2007 geadelte Dame Emma Kirkby ihre Stimme an der Guildhall-School of Music in London.

Die Stimme der Renaissance und des Barocks
Die Qualität ihrer Stimme liegt in der Natürlichkeit des Ausdrucks, im sparsamen Vibrato und in der Fähigkeit sehr sensibel mit der Modellierung von Worten und Sätzen umzugehen. In nahezu genialer Weise passt dies zu den historischen Instrumenten, zum Resonanzraum eines Klosters und besonders zur Periode des Spätbarocks, in der regionale Einflüsse die italienische und französische Dominanz durchbrachen. Stimme, Instrumente, Ort und Stil finden sich in einer Sammelbox mit fünf Alben und Aufnahmen aus vergangenen Jahrzehnten wieder: Interpretationen von Giaches de Wert, Georg Friedrich Händel, Carl Friedrich Abel, John Dowland, Robert Jones und William Boyce.

Emma Kirkby – 5 Classic AlbumsGesungen von Dame Emma Kirkby und aufgenommen zwischen 1985 und 1989, verpackt in Einzelhüllen, die die Farbigkeit, die Druckqualität und den Charme der späten 1970er-Jahre versprühen. Das Ganze Können der Sopranistin kompakt versammelt und zu einem unglaublichen Niedrigpreis angeboten. Das Reihenkonzept, das wie eine Retrospektive daherkommt, präsentiert fünf singuläre Aufnahmen als klingendes Porträt: Im Falle von Emma Kirkby sind das vor allem eben große Momente der englischen Barockmusik. Warner Classics legt bereits seit einiger Zeit Serien beliebter Künstler wieder auf und huldigt sie so, aber auch das Publikum und die Komponisten.

Und bei so geringem Kaufpreis war dann leider kein Platz für ein Booklet – ich zumindest vermisse das schwermütig, denn es gibt jeweils so viel zu erzählen zur Sängerin, zur Auswahl ihrer Stücke, zu den Aufnahmeorten und zu den Interpreten.

Die Wiederentdeckung Giaches de Wert
Verlieren kann man sich in CD 3 mit Werken des eher unbekannten Belgiers Giaches de Wert (1535-1596), es sind die ältesten Kompositionen in der Sammelbox und sind begnadet gut! Kirkbys Erfahrung mit Chormusik im Zusammensang mit den Kollegen und Zusammenspiel mit dem Consort of Musicke gibt „Il settimo libro de madrigali“, dem siebten Madrigalbuch aus der Zeit des Komponisten in Venedig aus dem Jahr 1581 eine unglaublich Schönheit, Kraft und Leidenschaft. Obwohl ursprünglich für fünf Stimmen geschrieben (Sopran, Alt, Countertenor, Tenor und Bass) sind die bis zu acht Stimmen (dazu kommen bis zu zwei weitere Sopranistinnen: Evelyn Tubb und Suzie LeBlanc und ein Tenor). Eine wahre Bereicherung, denn sie legen den klanglichen Schwerpunkt auf die Frauenstimmen. Neben Emma Kirkby singen Mary Nichols (Alt), Michael Chance (Countertenor), Andrew King und Rufus Müller (Tenor) und Alan Ewing (Bass). Der Raum des ehemaligen Zisterzienserklosters Forde Abbey, einem Kloster in Dorset, gibt den hörbaren geistigen und großen Klang. Giaches de Wert selbst wird auch wiederentdeckt, er, der als Chorknabe ausgebildet wurde und seinen Feinschliff von Cyprian de Rore am Hofe in Ferrara erhielt hat mit seinen Chorwerken großes geschaffen.

Die Kontrastierung ist Teil des Konzepts
Geradezu legendär ist Emma Kirkbys Album mit den Deutschen Arien des Wahlengländers Georg Friedrich Händel (1685-1759). Silbern-klar die Stimme, jedes Wort verständlich und mit der Hingabe an die Zeit erlebt. Ebenfalls berühmte Kirkby-Aufnahmen: die beiden Alben mit melancholischen Songs der Renaissance-Komponisten John Dowland (1563-1626) und Robert Jones (um 1597-1615), zusammen mit dem Lautenisten Anthony Rooley. Auf A Vauxhall Gardens Entertainment bringen Emma Kirkby und das Ensemble London Baroque ein buntes historisches Programm aus Kantaten, Arien, Konzerten und Sonaten auf die Hörbühne, wie es im 18. Jahrhundert in dem berühmten englischen Vergnügungspark tatsächlich erklungen sein könnte. Das mag wie eine Ablenkung gewesen sein nach dem elisabethanischen Zeitalter in der Regentschaft King George II und seinen Konflikten, innerfamiliären Streitereien und Auseinandersetzungen und Kriegen auf dem Kontinent.

Heute erleben wir die Popularität des empfindsamen und des galanten Stils neu – auch durch diese Sammlung.

Emma Kirkby – 5 Classic Albums
Emma Kirkby (Sopran) mit Anthony Rooley (Laute, Orpharion) Evelyn Tubb (Sopran) London Baroque, u.a.
CD, Erato, Warner Classics
ISBN-13: 825646112265

Konzertermine in Deutschland:

Emma Kirkby - The English Muse
Mi. 19.08.15, 20:00 Uhr
Mainz; Seminarkirche mit Jakob Lindberg, Laute
anl. des Mainzer Musiksommers

Sa. 19.09.15, 17:00 Uhr
Burgpreppach; mit London Baroque
Musik in Fränkischen Schlössern


Abbildungsnachweis:
Header: Emma Kirkby. PR/Rayfield Allies
CD-Box-Cover
alt

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs KlassikKompass > Emma Kirkby – ein klingendes Portrait in f...

Mehr auf KulturPort.De

Still in the Woods: Flying Waves
 Still in the Woods: Flying Waves



Schon in einer vorangegangenen KulturPort.De-Besprechung zum ersten Album (Rootless Tree) von „Still in the Woods“ kam das bemerkenswerte Potential der Band  [ ... ]



„Halloween“-Opern-Slam im Opernloft Altona
 „Halloween“-Opern-Slam im Opernloft Altona



Ein ungewöhnlich schönes Ambiente, ganz erstaunliche Stimmen und ein Spaßfaktor, wie er in der klassischen Musik wohl einmalig ist: Der „Halloween“-Sänge [ ... ]



Gottes Wort oder Menschenwerk? Zwei Bücher über die Geschichte der Bibel
 Gottes Wort oder Menschenwerk? Zwei Bücher über die Geschichte der Bibel



Die Bibel, sagt Arno Schmidt irgendwo, sei „ein unordentliches Buch mit 50.000 Textvarianten“. Auch wenn diese Zahl groß klingt – damit hat er gewiss noch [ ... ]



Die jungen Jahre der Alten Meister – Baselitz, Richter, Polke, Kiefer
 Die jungen Jahre der Alten Meister – Baselitz, Richter, Polke, Kiefer



Es war die Zeit, in der die Malerei totgesagt war. Jeder, der sich zur Avantgarde zählte, suchte den Ausstieg aus dem Bild. Jeder? Nein. Vier junge Maler dachte [ ... ]



Christian Frentzen: First Encounter
 Christian Frentzen: First Encounter



Hat Modern Jazz noch eine Zukunft? Oder ist seine Wiederbelebung ein Griff in die Mottenkiste? Nein: Der Kölner Pianist Christian Frentzen zeigt auf seinem Deb [ ... ]



„Alles fließt“ – Oliver Mark, Sibylle Springer und Sonja Ofen in der Gallery Lazarus Hamburg
 „Alles fließt“ – Oliver Mark, Sibylle Springer und Sonja Ofen in der Gallery Lazarus Hamburg



Mia Farrow, Ben Kingsley, Anthony Hopkins – Oliver Mark hat sie alle vor der Kamera gehabt. Jetzt stellt der international renommierte Fotograf mit Sibylle Spr [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.