Werbung

Neue Kommentare

Claus Friede zu „Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns: Nein, nur eine kurze Pause......
Kalle mit der Kelle zu „Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns: Seit November nichts Neues. Ist der Film-Blog ges...
Geli zu Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard: Mal eine nette Eigenwerbung zur Abwechslung... gl...
Rudi Arendt zu Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard: Reflexion der Landschaft - aktuelle impressionist...
Ulrike Tempel zu Adventsmessen und Handwerkermärkte in Hamburg – Alle Jahre wieder...: Leider sind die Termine veraltet 2017 / 2018...

Hamburger Architektur Sommer 2019


CDs KlassikKompass

Lorin Maazel: Verdi Requiem

Drucken
(94 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 09. Juli 2015 um 13:44 Uhr
Lorin Maazel: Verdi Requiem 4.7 out of 5 based on 94 votes.
Lorin Maazel: Verdi Requiem

Verdis „Messa da Requiem“, weit mehr als ein Gesang von Tod und Trauer, wurde 2014 unter der Leitung von Lorin Maazel in München aufgeführt. Zwei CDs dokumentieren dieses Konzert, das zu den letzten des amerikanischen Dirigenten gehört. Er starb im Juli 2014 im Alter von 84 Jahren. Ein bewegender Abschied.

Es war ein etwas verspäteter Beitrag zum 200. Geburtstag von Giuseppe Verdi, als Lorin Maazel Anfang Februar 2014 in der Münchner Philharmonie im Gasteig dessen „Requiem“ aufführte. Dass es dann auch ein Abschied von diesem wunderbaren Dirigenten würde, ahnte niemand. Maazel starb im Juli desselben Jahres, kurz nachdem er sein Amt als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt hatte. Maazel selbst hatte es zur Saison 2012/13 von Christian Thielemann übernommen. Verdis gut anderthalbstündige „Messa da Requiem“ war eines der letzten Konzerte des Maestro. Jetzt liegt dieses musikalische Vermächtnis auf 2 CDs von Sony Classical als Live-Mitschnitt aus den drei Konzerten vor.

Noch einmal hört man hier, was die Kunst von Maazel ausgemacht hat: Quasi aus dem Nichts steigen vom allerleisesten Piano die Celli zum Requiem & Kyrie auf, langsam ausgespielt, tiefste Konzentration ausstrahlend. Maazel lässt es zudem außerordentlich langsam angehen, gibt den Klängen viel Raum, sich zu entfalten. Und macht – in höchster Präzision auswendig dirigierend, Ehrensache – von Anfang an klar: Hier werden letzte Dinge verhandelt, ganz egal, ob in zartesten Tönen oder in opernhafter Klanggewalt. Nichts wirkt forciert, alles ist ein großes Aufblühen und Vergehen, das in aller Ruhe in unterschiedlichen Beleuchtungen betrachtet werden darf, das Höllenfeuer ebenso wie der sehnsüchtig erhpffte Frieden.

Verdi selbst hat so komponiert, dass das Werk nicht eindeutig im sakralen oder weltlichen Konzertraum verortet werden kann – beide Lesarten sind denkbar und in der Musik angelegt. Spielt man es so wie unter Maazel, wird der sakrale Hintergrund trotz des ganz weltlichen Ambientes hörbar. Sein Interpretation ist erfüllt von tiefer Innerlichkeit, von Abschied und Hoffnung auf den großen Frieden. Jenseits von religiösen Denksystemen – Verdis Wahrheiten über den Tod liegen tiefer.

Geschrieben hatte er die „Messa da Requiem“ ausgehend von einem Gemeinschaftsprojekt, das er zum Tode Rossinis angestoßen hatte. Die bedeutendsten Komponisten Italiens sollten Musik beisteuern. Diese „Messa per Rossini“ wurde auch fertig gestellt, allerdings dann nicht aufgeführt. Ausgehend von seinem dafür komponierten „Libera me“ griff Verdi nach dem Erfolg von „Aida“ 1871 die Idee eines Requiems wieder auf – diesmal 1873, zum Tod des Dichters Alessandro Manzoni. Und er schrieb alles selbst. An Manzonis erstem Todestag 1874 wurde das neue „Requiem“ in Mailand uraufgeführt. Verdi hatte es aus der Keimzelle seines „Libera me“ entwickelt, in dem Ideen wie das „Dies irae“ oder der erste „Requiem“-Satz schon angelegt waren, die nun zu eigenständigen Stücken ausgeformt wurden.

Keine Effekthascherei – Maazel suchte die Essenz der Musik
Maazel dirigiert Verdi CD-CoverSein „Requiem“ steht fast am Ende der großen Opernkompositionen Verdis – nur „Otello“ und „Falstaff“ sollten noch folgen. Und Verdi hatte, sieht man von ganz frühen Versuchen ab, an die 30 Jahre lang keine sakrale Musik komponiert. Nimmt es da wunder, dass ein naheliegendes Bonmot das „Requiem“ als Verdis beste Oper bezeichnet? Und dass es noch im Monat der Uraufführung drei weitere Aufführungen in Mailand erlebte – im Teatro alla Scala? Und schon im Jahr 1875 einen für ein geistliches Werk einen unglaublichen Siegeszug durch die Konzertsäle der ganzen Welt antrat.

Lorin Maazel hebt Verdis Musik nicht ins pompös Dramatische, sondern lässt sich durch die Klangschönheit von Verdis Musik leiten. Zur Seite steht ihm „sein“ Orchester, die Münchner Philharmoniker. Samt dem Philharmonischen Chor München, wohl balanciert, der Chor auch in den Fortissimo-Passagen des „Dies irae“ bestens verständlich, die Solisten nirgendwo fahrlässig übertönt. Unter denen ist die Sopranistin Anja Harteros eine sichere Bank; sie fügt ihre klare, strahlende Stimme fein abgestimmt in Maazels Konzept ein – höchster Wohlklang und keine übertriebene Dramatik. Großartig auch Georg Zeppenfeld mit einem vollen, warmen Bass und Wookyung Kim mit einem feinen, schlanken Tenor. Schwächstes Glied im Solistenquartett ist Daniela Barcellona (Mezzosopran), deren Vibrato hin und wieder unhomogen aus dem Rahmen fällt.

Doch kann das den positiven Gesamteindruck nicht trüben – zu sehr profitiert der Hörer von den viele Nuancen, die Maazels sehr bedächtiges Musizieren aus den Tiefen der Partitur heraus aufstrahlen lässt. Wer Maazel in seinen letzten Lebensjahren erleben durfte, hat gespürt, dass er – der auf eine 75 Jahre während Arbeit am Dirigentpult zurückblicken konnte – keine Kraft mehr an vordergründige Effekte verschwenden wollte. Er hat die Essenz der Musik gesucht. Und letzte Geheimnisse. Er hat sie, wie dieses „Requiem“ seiner mutmaßlich letzten Aufnahme beweist, immer wieder gefunden, weil er ihnen viel Zeit lassen konnte.

Giuseppe Verdi: Messa da Requiem
Münchner Philharmoniker und Philharmonischer Chor München, Leitung: Lorin Maazel.
2 CDs, Sony Classical
88875083 302

Hörbeispiele


Abbildungsnachweis:
Header: Lorin Maazel. PR/Sony Classical
CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs KlassikKompass > Lorin Maazel: Verdi Requiem

Mehr auf KulturPort.De

Aspekte Festival 2020 – Die Programmatik
 Aspekte Festival 2020 – Die Programmatik



Woraus besteht die Musik unserer Zeit, was macht sie aus? Und überhaupt: Ist es die, die wir hören, ist es die, die komponiert wird oder die, die zeitgenössis [ ... ]



Über die Mathematik des Wassers
 Über die Mathematik des Wassers



Pascal Dusapin, 1955 in Nancy geboren, ist einer der wichtigsten Impulsgeber der Gegenwartsmusik.
Im Gespräch zum 5. Philharmonischen Konzert des Philharmonis [ ... ]



Paolo Pellegrin. Un’Antologia
 Paolo Pellegrin. Un’Antologia



„Fotografie ist wie schreiben für mich“, sagt Paolo Pellegrin. „Es ist eine Stimme.“
Diese „Stimme“ ist extrem berührend, mitunter fast unerträg [ ... ]



Silvan Joray Trio: cluster
 Silvan Joray Trio: cluster



Als Student der Gitarristen Wolfgang Muthspiel und Lionel Loueke hat sich Silvan Joray zwei Schwergewichte als Musiker und Lehrer ausgesucht. Seinen Bachelor hat [ ... ]



Jürgen Habermas: Auch eine Geschichte der Philosophie.
 Jürgen Habermas: Auch eine Geschichte der Philosophie.



Ganz zweifellos war es die Sensation des Buchherbstes 2019: Endlich erschien die Philosophiegeschichte, an der Jürgen Habermas mehr als zehn Jahre gearbeitet ha [ ... ]



500 Jahre Havanna 2019 – Kuba tanzt in die Zukunft
 500 Jahre Havanna 2019 – Kuba tanzt in die Zukunft



2019 hat die Hauptstadt Havanna ihren 500-jährigen Geburtstag gefeiert. 1519 gegründet, ist die strategisch gelegene Hafenstadt auch ein halbes Jahrtausend dan [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.