Neue Kommentare

bbk berlin zu Dortmund geht neue Wege bei der Kunst-Förderung: Die Berliner Künstler*innen freut es sehr, dass ...
Markus Semm zu Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition: Sehen Sie: Der Unterschied zw. Heidegger und Cass...
Karin Schneider zu Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition: Ein großartiger Artikel! Stefan Diebitz schafft ...
S.Scheunemann-Eichner ,Silke zu Mühlenpfordt – Neue Zeitkunst. Reformarchitektur und Hochschullehre: Eine wunderbare Einführung zu der Ausstellung im...
Roman Brock zu „Intrige”. Roman Polański und das Recht auf Genie: Ein interessanter Standpunkt zum Thema Polanski ...

Hamburger Architektur Sommer 2019


CDs KlassikKompass

Sol Gabetta und Bertrand Chamayou: The Chopin Album

Drucken
(90 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 26. Februar 2015 um 13:54 Uhr
Sol Gabetta und Bertrand Chamayou: The Chopin Album 4.8 out of 5 based on 90 votes.
Sol Gabetta und Bertrand Chamayou The Chopin Album

Es sind nicht viele Werke, für die Frédéric Chopin (1810-1849) das sichere Terrain des Klaviers verlassen hat.
Die Cellistin Sol Gabetta hat jetzt mit ihrem langjährigen Freund und Duo-Partner Bertrand Chamayou für „The Chopin Album“ die drei großen und etliche kleinere Werke des Komponisten für Cello und Klavier eingespielt. Eine überraschende Entdeckungsreise zur Seele von Chopins Musik.

Und eine große biographische Bandbreite, die da aufgefächert wird: Die Polonaise brillante op.3 ist eines der ersten gedruckten Werke des jungen Chopin, geschrieben in Polen für den Cello spielenden Prinzen Radziwill. Die große Sonate in g-Moll op. 65 ist die letzte zu Lebzeiten Chopins publizierte Komposition – in ihr klingen vielfach auch die dunklen und zerrissenen Seiten von Chopins Tonsprache an.

The Chopin Album1847/48 entstanden, ist sie das wohl bedeutendste Dokument einer außergewöhnlichen Musikerfreundschaft, die Chopin mit dem französischen Meistercellisten Auguste-Joseph Franchomme (1808-1884) verband. Sie geht zurück in die Anfänge der 30er-Jahre des 19. Jahrhunderts, als Chopin in Paris endgültig seinen festen Wohnsitz genommen hatte. 1833 entstand das Grand Duo Concertant, das beide Freunde als Autoren nennt – eine Komposition nach Themen aus Meyerbeers „Robert le Diable“.

Franchomme arbeitete etliche Klavierwerke Chopins für die Duobesetzung um, die beiden haben mehrfach gemeinsam konzertiert und auch Ferien gemeinsam verbracht. Musikalisch verband die beiden eine ähnliche Auffassung: So wie Chopins Klavierspiel dezente Leichtigkeit ausstrahlte, nur selten die extrovertierte Kraft eines Franz Liszt erreichte und großen Wert auf die Melodien legte, die aus dem Geist der Singstimme geboren sind, so wurde Franchomme für seinen singenden Cello-Ton und eleganten, leichten Bogenstrich verehrt, den er mit einer selten gehörten Reinheit der Intonation verband.

Chopin schrieb dem Cellisten glühende Freundschaftsbriefe
Franchomme, seit 1846 Cello-Professor am Pariser Konservatorium, bearbeitete den Cellopart der Polonaise brillante neu, aus seiner Feder stammen Bearbeitungen wie die des bekannten Chopin-Nocturnes op.15, Nr.1. Ein eigenes Nocturne Franchommes schließt die Gabetta/Chamayou-CD ab.
Der Meistercellist, der das Duport-Stradivari-Cello spielte, das später Mstislav Rostropowitsch erwarb, war auch in Chopins letztem öffentlichen Konzert im Februar 1848 dabei, wo sie gemeinsam die Cello-Sonate spielten. Chopin schrieb ihm bis kurz vor seinem Tod glühende Freundschaftsbriefe.

Eine ähnlich enge Freundschaft verbindet Sol Gabetta und Bertrand Chamayou, die sich, beide 33 Jahre jung, seit 20 Jahren kennen. Die beiden spielen seit fast zehn Jahren gemeinsam Kammermusik und gehen oft damit auf Tournee. Beide betonen das intuitive Verstehen, aus dem ihr Spiel entsteht – es ist eine musikalische Praxis, in der keiner von beiden die Nase vorn haben muss. „Wir sind praktisch eine Person mit zwei Köpfen“, sagt Chamayou, wobei man es schon sehr deutlich sagen muss, denn zuhören ist kam, dass Gabetta im Duo von Chamayou Sinn für Struktur und Ordnung profitiert und er die „irrationaleren Momente, das ‚Unzivilisierte’ der Musik Chopins“ schätzt, das sie in diese musikalische Beziehung einbringt. So sucht jeder beim anderen das, was er selbst weiterentwickeln will – eine äußerst fruchtbare Zusammenarbeit.

Sie macht die Interpretation der mehr als halbstündigen großen Cello-Sonate zu einem bewegenden Dokument aus dem Seelenleben des Komponisten. Dicht und komplex gepackt, kontrapunktisch vielfach verwoben – Chopin übte nahezu täglich Bachs Präludien und Fugen aus Bachs ‚Wohltemperiertem Klavier’ – weist sie unvermittelt, manchmal fast schroff eher in die Tongemälde der Spätromantik, in denen dunkle Abgründe selten weiter als einen Schritt entfernt sind. Brahms etwa steht dieser Musik oft viel näher ist als der Rückblick auf die Welt der Etüden, Walzer und Polonaisen Chopins.

Sol Gabettas Cello macht einfach süchtig
Gabetta und Chamayou agieren auf ihrer ersten Duo-CD perfekt aus demselben musikalischen Geist. Sol Gabetta holt mit dem hellen, klaren Klang ihres Guadagnini-Cellos die sanglichen Elemente und Melodien nach vorn, Chamayou lässt dazu das Klavier gleichfalls singen. Wie perfekt und selbstverständlich das ineinandergreift, ist gut zu hören im dritten Satz der Cello-Sonate, dem wunderbar melancholisch abgeklärten Largo, wo sich Klavier und Cello nahtlos in der Gestaltung der Melodie abwechseln und ergänzen.

Und wer Alexander Glasunows Bearbeitung der Etude op.25, Nr.7 in cis-Moll gehört hat, in der das Cello den tiefen Part der linken Hand übernimmt und die Sopranlagen der rechten Hand auf dem Klavier den Duo-Partner spielen, der wird den sämigen Klang von Sol Gabettas traumhaften, in sich gekehrten Kantilenen nicht mehr aus dem Ohr bekommen, selbst wenn Chopin demnächst wieder „nur“ auf dem Klavier gespielt wird. Ihr Cello macht einfach süchtig.

Sol Gabetta/Bertrand Chamayou: The Chopin Album.
Sony Classical, CD
8884 3093 012


Abbildungsnachweis:
Header Sony Classical CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs KlassikKompass > Sol Gabetta und Bertrand Chamayou: The Chopin...

Mehr auf KulturPort.De

„The Gentlemen”. Guy Ritchie und die Akribie des Skurrilen
 „The Gentlemen”. Guy Ritchie und die Akribie des Skurrilen



Mit „The Gentlemen”, einem raffiniert schrägen Film-im-Film kehrt Guy Ritchie zurück zu seinen Wurzeln: Absurde, herrlich bösartige Gangsterkomödien wie  [ ... ]



Nils Landgren & Jan Lundgren: Kristallen
 Nils Landgren & Jan Lundgren: Kristallen



Gerade wurde Nils Landgren für „4WheelDrive“ (zusammen mit Michael Wollny, Lars Daniellson, Wolfgang Haffner) als erfolgreichstes Jazzalbum des Jahres 2019  [ ... ]



„Willkommen! Bienvenue! Welcome!“ – Cabaret
 „Willkommen! Bienvenue! Welcome!“ – Cabaret



Hansa Theater ade, am Steindamm steht jetzt der Berliner Kit Kat Club.
Vergangenes Wochenende feierte das Erfolgsmusical „Cabaret“ in Deutschlands älteste [ ... ]



Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition
 Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition



In einer ziemlich rabiaten Kritik demontiert Frank-Peter Hansen den berühmtesten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts.

Die letzten Jahre müssen schwer [ ... ]



„Bombshell”- Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo
 „Bombshell”- Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo



In „Bombshell - Das Ende des Schweigens” rekonstruiert Regisseur Jay Roach den Missbrauchsskandal beim rechtskonservativen US-Sender Fox News. Ein brisantes  [ ... ]



Johannes und Hanna Jäger. Ein Künstlerpaar auf Reisen
 Johannes und Hanna Jäger. Ein Künstlerpaar auf Reisen



Seinen neunzigsten Geburtstag feiert noch im Februar Johannes Jäger, langjähriger Kunstlehrer am Lübecker Johanneum und dazu ein renommierter Maler. Anlässli [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.