Neue Kommentare

S.Scheunemann-Eichner ,Silke zu Mühlenpfordt – Neue Zeitkunst. Reformarchitektur und Hochschullehre: Eine wunderbare Einführung zu der Ausstellung im...
Roman Brock zu „Intrige”. Roman Polański und das Recht auf Genie: Ein interessanter Standpunkt zum Thema Polanski ...
Sebastian Lande zu Vittorio Hösle: Globale Fliehkräfte. Eine geschichtsphilosophische Kartierung der Gegenwart. : Es gehört zum Begriff der Demokratie, dass besti...
Dr. Antje-Britt Mählmann zu Frischer Wind aus dem Norden – Naturmotive in der Helsinki School: Guten Abend,
kuratiert wurde die Ausstellu...

Jose Oliva zu Weihnachtsoratorium. A Ballet by John Neumeier: Es wäre eine gute Idee gewesen, während des Bal...

Hamburger Architektur Sommer 2019


CDs KlassikKompass

Felix Mendelssohn: „Elias“ – Herreweghe und die feine Transparenz

Drucken
(16 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 22. Dezember 2014 um 13:04 Uhr
Felix Mendelssohn: „Elias“ – Herreweghe und die feine Transparenz 4.4 out of 5 based on 16 votes.
Collegium Vocale Gent by Michiel Hendrickx

Für gewaltige Klangkörper geschrieben, offenbart das Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn in der Aufführung durch deutlich verschlankten Chor und Orchester viele feine Nuancen in Philippe Herreweghes klarer Interpretation für das Label „harmonia mundi“.

400 Musiker wirkten mit, als Felix Mendelssohn im August 1846, ein Jahr vor seinem frühen Tod, im englischen Birmingham die Uraufführung seines eben fertig gestellten op.70 dirigierte. 300 von ihnen waren mit einem Sonderzug von London nach Birmingham gefahren worden. Das Oratorium „Elias“ unter Leitung des Komponisten wurde nicht zuletzt wegen der „recht dicken, schweren und vollen Chöre“ ein gewaltiger Erfolg. Das Publikum liebt aber bis heut auch die lyrischeren Partien, die choralartigen Stücke und die dramatische Handlung, die Szenen aus dem Leben des Propheten Elias vorstellt.

Eine hochaktuelle Angelegenheit damals: „Ich hatte mir eigentlich beim Elias einen rechten durch und durch Propheten gedacht, wie wir ihn etwa heut zu Tage wieder brauchen könnten, stark, eifrig, auch wohl bös und zornig und finster, im Gegensatz zum Hofgesindel und Volksgesindel, und fast zur ganzen Welt im Gegensatz, und doch getragen wie auf Engelsflügeln.“
So erzählt Mendelssohn die Geschichte eines Kämpfers für den alttestamentarischen Gott. Einer, der das Volk zum rechten Glauben zwingt, die Priester des Baal in einem Opferwettstreit erst lächerlich macht und dann sämtlich erschlagen lässt. Aber auch den Mann Gottes, der den Sohn einer Witwe mit Gottes Hilfe wieder zu Leben erweckt. Und der schließlich in den Himmel auffährt.
Beinahe eine große Oper und gerade in den Volksszenen prädestiniert für gewaltige Chormassen – wie kürzlich beim großartigen Abschlusskonzert des Schleswig-Holstein Musik Festivals unter Thomas Hengelbrock.

Cover Mendelssohn ELIASDie nun wiederveröffentlichte Aufnahme unter der Leitung des Dirigenten, Originalklang-Experten und passionierten Chorleiters Philippe Herreweghe aus dem Jahr 1993 kommt mit gerade mal 40 Sängerinnen und Sängern seines Collegium Vocale Gent und der Chapelle Royale aus, es musiziert dazu das Orchestre des Champs-Élysées auf Instrumenten aus der Entstehungszeit des Oratoriums.
Auch hier wird gewaltige Chorwirkung erzielt („Das Feuer fiel herab“), noch mehr Effekt aber macht diese mittelgroße Besetzung durch ihre faszinierende Akuratessse und den ausbalancierten Zusammenklang mit dem Orchester, was Transparenz und Durchblick schafft für die hohe Instrumentierungskunst Mendelssohns. Was anderswo breit ausgewalzt klingt, wird hier zum packenden Drama, das sich in all seinen Nuancen und vielen Details offenbart, die in großer Besetzung leicht untergehen. Das hat nicht immer alttestamentarische Wucht, aber es hat Ecken und Kanten, an denen sich die Konfliktlinien klar offenbaren. Auch sind große dynamische Kontraste viel leichter zu handhaben, wenn nicht ganze Chorhundertschaften bewegt werden müssen.
So gelingt der Spagat zwischen den handlungsorientierten Dramatik und den glaubensinnigen, hochromantischen Stücken wie dem Doppelquartett „Denn er hat seinen Engeln befohlen“, den Chorälen „Wirf dein Anliegen auf den Herrn“ und „Wer bis an das Ende beharrt“ oder das Terzett „Hebe deine Augen auf“, ohne dass zu opernhaft oder sentimental musiziert wird; es ist eine große, sehr lebendige erzählerische Klarheit, manchmal fast Strenge, die sich als roter Faden durch Herreweghes Sicht auf Mendelssohns Oratorium zieht.

Ganz in dieses Konzept passt auch die Solistenauswahl, allen voran der Elias von Petteri Salomaa. Er hat zwar nicht das brutale Volumen, das der zornige Gotteskämpfer manchmal brauchen könnte; dafür kommen bei seiner hoch timbrierten Stimme die zweifelnden und zagenden Passagen vorzüglich zu Geltung. Auch die anderen Solisten – Soile Isokoski, Sopran; Monica Groop, Alt, und John Mark Ainsley, Tenor) – setzen stärker auf Klangschönheit als auf hörbare Rollendifferenzierung.

Wer eine schlanke, fein gewoben durchsichtige Interpretation von Mendelssohns Erfolgsoratorium mag, ist bei Herreweghe goldrichtig. Die harmonia-mundi-Edition „heritage“ hat leider auf den Abdruck des Textes verzichtet – den aber findet man unschwer im Internet.

Felix Mendelssohn: Elias
Collegium Vocale Gent, La Chapelle Royale, Orchestre des Champs-Élysées, Leitung: Philippe Herreweghe.
2 CDs, harmonia mundi
2921463.64

Hörbeispiel


Abbildungsnachweis:
Header: Collegium Vocale Gent by Michiel Hendrickx
CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs KlassikKompass > Felix Mendelssohn: „Elias“ – Herreweghe...

Mehr auf KulturPort.De

„Willkommen! Bienvenue! Welcome!“ – Cabaret
 „Willkommen! Bienvenue! Welcome!“ – Cabaret



Hansa Theater ade, am Steindamm steht jetzt der Berliner Kit Kat Club.
Vergangenes Wochenende feierte das Erfolgsmusical „Cabaret“ in Deutschlands älteste [ ... ]



Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition
 Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition



In einer ziemlich rabiaten Kritik demontiert Frank-Peter Hansen den berühmtesten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts.

Die letzten Jahre müssen schwer [ ... ]



„Bombshell”- Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo
 „Bombshell”- Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo



In „Bombshell - Das Ende des Schweigens” rekonstruiert Regisseur Jay Roach den Missbrauchsskandal beim rechtskonservativen US-Sender Fox News. Ein brisantes  [ ... ]



Johannes und Hanna Jäger. Ein Künstlerpaar auf Reisen
 Johannes und Hanna Jäger. Ein Künstlerpaar auf Reisen



Seinen neunzigsten Geburtstag feiert noch im Februar Johannes Jäger, langjähriger Kunstlehrer am Lübecker Johanneum und dazu ein renommierter Maler. Anlässli [ ... ]



„Goya, Fragonard, Tiepolo – die Freiheit der Malerei“
 „Goya, Fragonard, Tiepolo – die Freiheit der Malerei“



„Herzlich willkommen in der Hamburger Kunsthalle in unserer Ausstellung „Goya, Fragonard, Tiepolo – die Freiheit der Malerei“. Mit diesen Worten beginnt  [ ... ]



Annika Treutler – „Viktor Ullmann: Klavierkonzert, Op. 25 und Klaviersonaten Nr. 3 & 7"
 Annika Treutler – „Viktor Ullmann: Klavierkonzert, Op. 25 und Klaviersonaten Nr. 3 & 7



Man wüsste gern, wie diese Musik geklungen hat. „Huttens letzte Tage“ zum Beispiel, eine lyrische Symphonie für Tenor, Bariton und Orchester, op. 12. Vikto [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.