Neue Kommentare

Kentin Abalo zu „Assassination Nation” – Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo : WAS FÜR EIN FOTO!!!
Großartig. Hoffe der...

Sybille zu Das Chinesenviertel auf Hamburg St. Pauli: Danke für den Beitrag. Ich sehe gerade den Film ...
Nikias Geschke zu „The Guilty”. Der beklemmende Minimalismus des Gustav Möller: Das klingt superspannend. Danke für den Tipp. ...
Harry zu „Otto. Die Ausstellung“: OTTO ist großartig. Ich wusste nicht, dass er ei...
Alex zu Film Festival Cologne - Von starken Spielfilmdebüts und schwächelnden Stars: Wer bist du? Halten Sie Ihre Meinung besser, wenn...

CDs KlassikKompass

Metamorfosi – Impressions Baroques

Drucken
(14 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 18. Dezember 2014 um 12:53 Uhr
Metamorfosi – Impressions Baroques 4.6 out of 5 based on 14 votes.
Metamorfosi – Impressions Baroques

Der Titel des neuen Albums des franco-kanadischen Ensembles „Constantinople“ gibt schon einen Hinweis auf das was es ist: Eine Umwandlung oder Anpassung – „Metamorfosi“ (italienisch) – „Impressions Baroque“ (französisch).
Die CD ist eine Mischung aus unterschiedlichen Kultureinflüssen unterschiedlicher Epochen. Konstantinopel – das heutige Istanbul – war und ist für die Musiker des Ensembles ein Schmelztiegel von Ost und West mit einer Historie und der bis heute andauernden übergreifenden Verbindungen von Orient und Okzident. Das wollen sie vermitteln und so spürt der Hörer einerseits die Verbundenheit zur Herkunft der Musiker und andererseits die Leidenschaft für die klassische westliche Musik.

1998 in Montreal von den beiden aus Teheran stammenden Brüdern Kiya (Sitar) und Ziya (Perkussion) Tabassian gegründet, ergänzt seit 2008 der Gambist Pierre-Yves Martel das Ensemble „Constantinople“. Für diese CD-Einspielung holte sich das Trio die kanadisch-akadische Sopranistin Suzie Leblanc sowie zwei spanische Barockmusiker Enrique Solinis, (Barockgitarre) und Miren Zeberio, (Barockvioline) hinzu.

constantinople-metamorfosi-baroque-impressionsAuch an dieser Zusammensetzung ist die musikalische und stilistische Bandbreite ablesbar. Für mich geht das Fusionskonzept allerdings nur bedingt auf. Zwar ist die Kombination aus italienischer Renaissance- und Barockmusik und orientalischen Instrumenten und Interpretationen durchaus reizvoll, aber parallel zum positiv überraschenden Klang und die Erinnerungsmomente an das maurische Spanien vor 1490, an den orientalischen Einfluss des Mittelmeerraums per se, verfällt ein anderer Teil der eigenen Interpretationen in eine Art austauschbare Beliebigkeit. Wenn man bei Claudio Monteverdi plötzlich eine Sequenz orientalischen Bauchtanz präsentiert bekommt wird das weder dem Komponisten, noch dem Hörer gerecht. Es wirkt lediglich artifiziell bis belustigend. Und es bedient zumeist eine zeitgenössische und modische Erscheinung von vermeintlicher Interkulturalität. Die Zeit, in der alles an Kombination möglich ist, ist eben auch immer der Beliebigkeit ausgesetzt. Der Grat auf dem sich das Ensemble musikalisch bewegt ist relativ schmal und ab und zu ruscht es ab.

Die vom Ensemble außerdem gewählte Bezeichnung „New World Baroque“ ist in diesem Zusammenhang ein Anachronismus und auch die Verortung überzeugt nicht. Sie lässt sich mindestens zweifach auslegen: „Barock der Neuen Welt“ – aber die Bezüge sind rein italienisch-orientalisch und haben außer der Tatsache, dass die Musiker in der „Neuen Welt“ leben und arbeiten wenig bis nichts mit dem nordamerikanischen Kontinent zu tun – oder der Begriff bedeutet „Neue Welt Barock“ und bezieht sich auf das besagte zeitgenössische Musikfusionsphänomen, das sich jedoch hier überwiegend mit italienischen Frühbarockkompositionen der Jahre 1550 bis 1680 beschäftigt und das „neue“ im Namen nicht wirklich verdient. Dennoch ist allein der Versuch verdienstvoll und mutig, Antworten auf selbstgestellte Fragen zu generieren und die Grundsatzdebatte – was kulturell zu verbinden wäre oder was für sich stehen sollte – wird beflügelt.

Positiv erwähnenswert ist ein Auszug aus der „Sinfonia quinta“ des Frühbarock-Komponisten und Geigers Salamone Rossi (um 1570-1630). Grazil und ruhig, als ob das erweiterte Ensemble von „Constantinople“ einer Abfolge von festgelegten Tanzschritten nachspürt, gleitet die Musik dahin. Hier bleiben die Musiker eng an der Vorgabe und es tut gut, nicht noch eigene Interpretationen zu hören, die die eigentliche Komposition wie aufsteigende Blasen verlassen.
Auch Stefano Landis (1587-1639) konservative Komposition „Marillide deh vieni“ ist überzeugend vorgetragen, die geschmeidige Stimme von Suzie Leblanc fügt sich hier angenehm in Stück und Zeit ein.

Metamorfosi – Impressions Baroques
Constantinople, Suzie Leblanc (Sopran)
Komponisten: Claudio Monteverdi, Marco Uccellini, Salamone Rossi, Barbara Strozzi, Andrea Falconieri, Tarquinio Merula, Giovanni Girolamo Kapsberger; Stefano Landi
Analekta
774204914226

Hörprobe


Abbildungsnachweis:
Header: Ensemble Constantinople. Foto: Jocelyn Michel
CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs KlassikKompass > Metamorfosi – Impressions Baroques

Mehr auf KulturPort.De

ALLE. Künstlerinnen und Künstler in der Overbeck-Gesellschaft Lübeck 1918-2018
 ALLE. Künstlerinnen und Künstler in der Overbeck-Gesellschaft Lübeck 1918-2018



Wie feiert man seinen 100. Geburtstag? Mit Feuerwerk, Champagner und Häppchen? Nein. Mit einer spektakulären Ausstellung feiert der Lübecker Kunstverein, die  [ ... ]



Thomas Mann Preis 2018 für Mircea Cărtărescu:
 Thomas Mann Preis 2018 für Mircea Cărtărescu:



Mit dem Thomas Mann Preis 2018 wurde am 17. November der rumänische Schriftsteller Mircea Cărtărescu ausgezeichnet. Den Akt der Preisverleihung in den Kammers [ ... ]



„add art 2018 – Hamburgs Wirtschaft öffnet Türen für Kunst"
 „add art 2018 – Hamburgs Wirtschaft öffnet Türen für Kunst



„Zu einem attraktiven Arbeitsplatz gehört auch eine ästhetische Umgebung“, sagt Caspar Philipp Woermann, Geschäftsführer von ims, Internationaler Medien  [ ... ]



100 Jahre Lettland: Handschuh-Daumen hoch
 100 Jahre Lettland: Handschuh-Daumen hoch



Eine Handschuh-Aktion passt wie die Faust aufs Auge, wenn die lettische Hauptstadt Riga, der baltische Staat Lettland und der Rest der Welt heute, am 18. Novembe [ ... ]



Peter de Vries – Hut- und Urnenhüllen-Macher
 Peter de Vries – Hut- und Urnenhüllen-Macher



Wie muss man sich eine Person vorstellen, die Freunde und Kollegen als „Naturereignis“ bezeichnen?
In jedem Fall als einen charismatischen Menschen mit üb [ ... ]



Maria Austria. Eine jüdische Fotografin aus Amsterdam in Berlin
 Maria Austria. Eine jüdische Fotografin aus Amsterdam in Berlin



Das Verborgene Museum in Berlin-Charlottenburg präsentiert bis zum 10. März 2019 Fotoarbeiten und Dokumente der niederländischen Fotografin Maria Austria (191 [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.