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Gaetano Donizetti: „Lucia di Lammermoor“

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Dienstag, den 02. Dezember 2014 um 13:10 Uhr
Gaetano Donizetti: „Lucia di Lammermoor“ 5.0 out of 5 based on 1 votes.
Damrau und Calleja. Foto: Verena Gremmer Warner Classical

Der Roman „The Bride of Lammermoor“ (1819) aus der Reihe „Tales of My Landlord“ des schottischen Schriftstellers Sir Walter Scott (1771-1832) diente als Vorlage für die Oper „Lucia di Lammermoor“ des Belcanto-Komponisten Gaetano Donizetti (1797-1848).
Sie wurde – wie häufig damals – durch Überarbeitung, gleich zwei Mal uraufgeführt: 1835 im Teatro San Carlo in Neapel als auch 1839 als französische Version in Paris. Das Libretto stammt von Salvadore Cammarano (1801-1852), der ebenfalls in Neapel arbeitete und der in glücklich fügender Weise immer wieder mit dem Schnell- und Vielkomponisten Donizetti kooperierte. Letzterer brachte es in seiner überschaubaren Schaffensperiode von 30 Jahren auf nachweislich 71 Opern!

Die Handlung der Oper – personell abgewandelt vom literarischen Vorbild – spielt in Schottland gegen Ende des 16. Jahrhunderts vor dem Hintergrund der Religionskriege zwischen Katholiken und Protestanten, zwischen dem Hause Stuart und Tudor. Die protestantische Familie Lammermoor Ashton hat seit einiger Zeit die gegnerische katholische Familie Ravenswood verdrängt und ihr in der Gegend des Dorfes Lammermoor gelegenes Schloss eingenommen.
Edgar Ravenswood und Lucia Lammermoor Ashton lieben sich, obwohl ihre Häuser einander feindlich gegenüberstehen. Als Lucias Bruder Henry Asthon, das Haupt der Familie, dies erfährt, versucht er diese Liebe umgehend zu löschen. Durch ein falsches Schreiben sucht er Lucia von der Untreue ihres Geliebten zu überzeugen und macht ihr zugleich die Mitteilung, dass ihr Haus nur durch ihre Vermählung mit Lord Artur gerettet werden könnte. Lucia ergibt sich zwar dem Zwang, als aber Edgar nach längerer Abwesenheit zu ihr zurückkehrt und sie wegen ihrer Untreue verflucht, den Ring der Treue von ihrem Finger reißt und zertritt, wird sie wahnsinnig, tötet Artur im Brautgemacht und stirbt an Verzweiflung. Als Edgar den Tod Lucias vernimmt, tötet er sich auf dem Kirchhof, wo er Henry Asthon zum Zweikampf erwartet. Ein blutiges Drama also um Liebe, Eifersucht und Wahnsinn, um politische Intrigen.

Donizetti - Lucia di LammermoorObwohl die nun veröffentlichte Doppel-CD live aufgenommen wurde, ist alles entfernt worden, was aus dem Publikum zu hören wäre – kein Applaus, keinerlei Nebengeräusche – sozusagen sterilisiert. Das mutet in dem Wissen eigenartig an, denn auf Grund der Geschwindigkeit in der das Orchester spielt, ist die live-Atomsphäre durchaus präsent.
Stimmlich ist dieses Album der reine Genuss und die Erwartungen, die nicht nur in München vor der Aufnahmezeit im Gasteig geschürt wurden, sondern auch auf der Operntour in andere Städte, werden voll erfüllt. Mit welcher durchgängigen, langsam steigernden Kraft und Intensität Diana Damrau (Lucia) ihre Rolle ausfüllt ist beeindruckend, auch wenn es für mein Gefühl hier und da eine Spur zu viel Tremolo gibt. Besonders grandios singt die Sopranistin die Wahnsinnsarie, schwebend, sphärisch im Klang der Glasharmonika und verstört, infantil, hineinsteigernd zugleich.
Die Auswahl der Gesangsgrößen bedient die emotionalen Konflikte von Gaetano Donizettis Oper in nahezu perfekter Weise. Der warme Tenor des Maltesers Joseph Calleja (Edgardo) ist ein ebensolcher Genuss und ein wundervoller Gesangspartner der Damrau. Er schafft im Laufe der Aufführung die notwendigen Nuancen in seinem stimmlichen Repertoire, die noch bei einer Aufführung vor der Aufnahme im Juli 2013 fehlten. Erwähnenswert ist außerdem Ludovic Tézier (Enrico), dessen verführerischer, plastischer Bariton der unsympathischen Rolle des Henry Ashton und Widersachers einen ganz eigenen Charakter und Profil gibt. Auch Damrau-Ehemann, der hier noch eher unbekannte Bassbariton Nicolas Testé (Raimondo) fügt sich gut in das wechselvolle, tödlich endende Intrigenspiel.

Vollkommen verständlich ist der Jubel über diese Aufnahme und die Aufführungen und die Freude der Musikwelt, sich doch noch überraschen lassen zu können.

Gaetano Donizetti: Lucia di Lammermoor
Mit: Diana Damrau, Joseph Calleja, Ludovic Tézier, Nicolas Testé u. a.
Münchner Opernorchester und -Chor Leitung: Jesús López Cobos Live
Erato, 2 CDs
0825646219018

Hörbeispiele

Videos:
Diana Damrau singt Lucia Di Lammermoor („Wahnsinnsarie“)
Nicolas Testé singt "Ah! cedi, cedi" (Lucia di Lammermoor)
Lucia Di Lammermoor Aufnahme vom 10.07.2013


Abbildungsnachweis:
Header: Damrau und Calleja. Foto: Verena Gremmer Warner Classical
CD-Cover

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