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Quadriga Consort: 14 Mystery Tales

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Donnerstag, den 23. Oktober 2014 um 12:09 Uhr
Quadriga Consort: 14 Mystery Tales 4.0 out of 5 based on 2 votes.
Quadriga Consort 14 Mystery Tales

Manchmal passiert das in Städten, die man sich neu erobert: Man biegt aus bekanntem Gebiet um eine Ecke, erwartet wieder Unbekanntes, findet aber überrascht ein gut erkundetes Gebiet – nur der Link zwischen beiden hatte bisher gefehlt.

14 Tales of MysterySo wird es manchem Hörer gehen, der die neue CD „14 Mystery Tales“ des österreichischen Quadriga Consorts auflegt: Ein paar Töne nur, und aus der Tiefe der Erinnerung steigt der Name der irischen Gruppe „Clannad“ auf, die seit Mitte der 1970er-Jahre die irische Folk-Szene bereichert: eine klare, leicht melancholisch gefärbte Singstimme (bei „Clannad“ war das Máire Brennan aus Donegal, beim „Quadriga Consort“ ist es Elisabeth Kaplan aus Südafrika. Der Klang zweier Flöten, die immer wieder traumtänzerisch improvisierend eine Melodie umspielen, der tiefe Trommel-Klang der Bodhran, die langen Balladen mit acht, zehn oder mehr Strophen. Wobei „Clannad“ anfangs häufig in ihrer gälischen Muttersprache sangen, dabei aber ungewöhnliche Ausflüge in polyphonen Gesang unternahmen.

Doch das Quadriga Consort kommt nicht aus der irisch-schottisch-britischen Folk-Tradition, sondern hat sich aus der Alten Musik dorthin entwickelt. Deshalb spielen auch andere Instrumente mit: Blockflöten, eine hohe Diskant-Gambe, eine Alt/Tenor-Gambe, die Bass-Geige und das Cembalo, dazu Percussion wie die irische Bodhran und ein moderner Klang vom Melodica-ähnlichen Vibrandoneon. Die Arrangements und zum Teil Kompositionen stammen aus der Feder des Mit-Gründers und Leiters Nikolaus Newerkla.

Das Quadriga Consort, 2001 in Graz gegründet, spielte bei Alte-Musik-Festivals und wendete sich immer stärker den alten Volksliedern der Renaissance- und Barockzeit aus dem englisch-gälischen Sprachraum zu. Ihre neue CD ist perfekt geeignet für Herbstabende, bei denen der Wind ums Haus heult und den Regen gegen die Fenster peitscht. Dann passen die schaurig-schönen Mystery Tales zum prasselnden Kaminfeuer. Sie handeln von verratener Liebe, Eifersucht, Mord, von Toten, die noch etwas zu sagen haben – großartige Gruselgeschichten und Einblicke in die dunklen Seiten der menschlichen Seele. Da gibt es einen toten Geliebten, der seine verbannte Braut heimholt, einen heimtückischen Mord am Weihnachtsabend, einen Schwestermord aus Eifersucht, der ans Licht kommt, als ein Spielmann seine Fiddle mit Haarsträhnen des Opfers anspielt. Oder einen listigen Ehemann, der dem Mordanschlag seiner Gattin klug entkommt, indem er zur Seite tritt, als sie ihn in die Themse stoßen will - da verliert sie selbst das Gleichgewicht.

Mit dem Reel „Poison Ivy Leaf“ würde das Quadriga Consort sich in keinem irischen Pub jemals wieder um seine Pints of Guinness sorgen müssen, und „Nobody’s Jig“ im ungewöhnlichen 2/4-Takt schlägt eine verblüffende gedankliche Brücke zu ähnlichen Parforce-Stückchen, die im barocken Italien gern unter „à la Bergamasca“ laufen.

Die personifizierte Verbindung zwischen Folk und klassischer Musik stellt dabei der irische Harfenspieler Turlough O’Carolan (1670-1738) dar, der mit drei Instrumentalstücken vertreten ist, die seine umfassenden Kenntnisse der höfischen Musik belegen. „Mr. O’Connor“ ist eine schwermütige Meditation, die in der Klangwelt der Renaissance wurzelt; die beiden Laments nehmen den Klang des irischen Dudelsacks auf mit einem Bordun, über dem sich die Melodien entfalten.

„14 Mystery Tales“ ist so etwas wie ein Missing Link, das explizit hinweist darauf, wie stark sich Folk und Kunstmusik gegenseitig befruchtet haben. Und natürlich sind längst nicht alle Schauergeschichten schwermütig erzählt, sondern kommen auch mal mit ausgesprochen skurrilem Humor daher. Die Musiker schreiben: „Die Tatsachen sind schrecklich genug, da muss nicht auch noch das Lied darüber traurig sein.“


Quadriga Consort: 14 Mystery Tales.
CD deutsche harmonia mundi
8887 5003 312

Hörprobe
Quadriga Consort

Abbildungsnachweis: Header Quadriga Consort. Foto: Jonas Niederstadt
CD Cover

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