Werbung

Neue Kommentare

Claus Friede zu „Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns: Nein, nur eine kurze Pause......
Kalle mit der Kelle zu „Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns: Seit November nichts Neues. Ist der Film-Blog ges...
Geli zu Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard: Mal eine nette Eigenwerbung zur Abwechslung... gl...
Rudi Arendt zu Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard: Reflexion der Landschaft - aktuelle impressionist...
Ulrike Tempel zu Adventsmessen und Handwerkermärkte in Hamburg – Alle Jahre wieder...: Leider sind die Termine veraltet 2017 / 2018...

Hamburger Architektur Sommer 2019


CDs KlassikKompass

Quadriga Consort: 14 Mystery Tales

Drucken
(2 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Donnerstag, den 23. Oktober 2014 um 12:09 Uhr
Quadriga Consort: 14 Mystery Tales 4.0 out of 5 based on 2 votes.
Quadriga Consort 14 Mystery Tales

Manchmal passiert das in Städten, die man sich neu erobert: Man biegt aus bekanntem Gebiet um eine Ecke, erwartet wieder Unbekanntes, findet aber überrascht ein gut erkundetes Gebiet – nur der Link zwischen beiden hatte bisher gefehlt.

14 Tales of MysterySo wird es manchem Hörer gehen, der die neue CD „14 Mystery Tales“ des österreichischen Quadriga Consorts auflegt: Ein paar Töne nur, und aus der Tiefe der Erinnerung steigt der Name der irischen Gruppe „Clannad“ auf, die seit Mitte der 1970er-Jahre die irische Folk-Szene bereichert: eine klare, leicht melancholisch gefärbte Singstimme (bei „Clannad“ war das Máire Brennan aus Donegal, beim „Quadriga Consort“ ist es Elisabeth Kaplan aus Südafrika. Der Klang zweier Flöten, die immer wieder traumtänzerisch improvisierend eine Melodie umspielen, der tiefe Trommel-Klang der Bodhran, die langen Balladen mit acht, zehn oder mehr Strophen. Wobei „Clannad“ anfangs häufig in ihrer gälischen Muttersprache sangen, dabei aber ungewöhnliche Ausflüge in polyphonen Gesang unternahmen.

Doch das Quadriga Consort kommt nicht aus der irisch-schottisch-britischen Folk-Tradition, sondern hat sich aus der Alten Musik dorthin entwickelt. Deshalb spielen auch andere Instrumente mit: Blockflöten, eine hohe Diskant-Gambe, eine Alt/Tenor-Gambe, die Bass-Geige und das Cembalo, dazu Percussion wie die irische Bodhran und ein moderner Klang vom Melodica-ähnlichen Vibrandoneon. Die Arrangements und zum Teil Kompositionen stammen aus der Feder des Mit-Gründers und Leiters Nikolaus Newerkla.

Das Quadriga Consort, 2001 in Graz gegründet, spielte bei Alte-Musik-Festivals und wendete sich immer stärker den alten Volksliedern der Renaissance- und Barockzeit aus dem englisch-gälischen Sprachraum zu. Ihre neue CD ist perfekt geeignet für Herbstabende, bei denen der Wind ums Haus heult und den Regen gegen die Fenster peitscht. Dann passen die schaurig-schönen Mystery Tales zum prasselnden Kaminfeuer. Sie handeln von verratener Liebe, Eifersucht, Mord, von Toten, die noch etwas zu sagen haben – großartige Gruselgeschichten und Einblicke in die dunklen Seiten der menschlichen Seele. Da gibt es einen toten Geliebten, der seine verbannte Braut heimholt, einen heimtückischen Mord am Weihnachtsabend, einen Schwestermord aus Eifersucht, der ans Licht kommt, als ein Spielmann seine Fiddle mit Haarsträhnen des Opfers anspielt. Oder einen listigen Ehemann, der dem Mordanschlag seiner Gattin klug entkommt, indem er zur Seite tritt, als sie ihn in die Themse stoßen will - da verliert sie selbst das Gleichgewicht.

Mit dem Reel „Poison Ivy Leaf“ würde das Quadriga Consort sich in keinem irischen Pub jemals wieder um seine Pints of Guinness sorgen müssen, und „Nobody’s Jig“ im ungewöhnlichen 2/4-Takt schlägt eine verblüffende gedankliche Brücke zu ähnlichen Parforce-Stückchen, die im barocken Italien gern unter „à la Bergamasca“ laufen.

Die personifizierte Verbindung zwischen Folk und klassischer Musik stellt dabei der irische Harfenspieler Turlough O’Carolan (1670-1738) dar, der mit drei Instrumentalstücken vertreten ist, die seine umfassenden Kenntnisse der höfischen Musik belegen. „Mr. O’Connor“ ist eine schwermütige Meditation, die in der Klangwelt der Renaissance wurzelt; die beiden Laments nehmen den Klang des irischen Dudelsacks auf mit einem Bordun, über dem sich die Melodien entfalten.

„14 Mystery Tales“ ist so etwas wie ein Missing Link, das explizit hinweist darauf, wie stark sich Folk und Kunstmusik gegenseitig befruchtet haben. Und natürlich sind längst nicht alle Schauergeschichten schwermütig erzählt, sondern kommen auch mal mit ausgesprochen skurrilem Humor daher. Die Musiker schreiben: „Die Tatsachen sind schrecklich genug, da muss nicht auch noch das Lied darüber traurig sein.“


Quadriga Consort: 14 Mystery Tales.
CD deutsche harmonia mundi
8887 5003 312

Hörprobe
Quadriga Consort

Abbildungsnachweis: Header Quadriga Consort. Foto: Jonas Niederstadt
CD Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs KlassikKompass > Quadriga Consort: 14 Mystery Tales

Mehr auf KulturPort.De

Buddenbrook-Debütpreis 2019: „Otto“, ein tragisch-komischer Roman von Dana von Suffrin
 Buddenbrook-Debütpreis 2019: „Otto“, ein tragisch-komischer Roman von Dana von Suffrin



Die Gewinnerin des Debütpreises des Buddenbrookhauses und des Lions Clubs Lübeck-Hanse für 2019 steht fest: Dana von Suffrin erhielt den mit 2.000 Euro dotier [ ... ]



Aspekte Festival 2020 – Die Programmatik
 Aspekte Festival 2020 – Die Programmatik



Woraus besteht die Musik unserer Zeit, was macht sie aus? Und überhaupt: Ist es die, die wir hören, ist es die, die komponiert wird oder die, die zeitgenössis [ ... ]



Über die Mathematik des Wassers
 Über die Mathematik des Wassers



Pascal Dusapin, 1955 in Nancy geboren, ist einer der wichtigsten Impulsgeber der Gegenwartsmusik.
Im Gespräch zum 5. Philharmonischen Konzert des Philharmonis [ ... ]



Paolo Pellegrin. Un’Antologia
 Paolo Pellegrin. Un’Antologia



„Fotografie ist wie schreiben für mich“, sagt Paolo Pellegrin. „Es ist eine Stimme.“
Diese „Stimme“ ist extrem berührend, mitunter fast unerträg [ ... ]



Silvan Joray Trio: cluster
 Silvan Joray Trio: cluster



Als Student der Gitarristen Wolfgang Muthspiel und Lionel Loueke hat sich Silvan Joray zwei Schwergewichte als Musiker und Lehrer ausgesucht. Seinen Bachelor hat [ ... ]



Jürgen Habermas: Auch eine Geschichte der Philosophie.
 Jürgen Habermas: Auch eine Geschichte der Philosophie.



Ganz zweifellos war es die Sensation des Buchherbstes 2019: Endlich erschien die Philosophiegeschichte, an der Jürgen Habermas mehr als zehn Jahre gearbeitet ha [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.