Neue Kommentare

Ada Rompf zu „The Rider”. Die zärtlich-raue Poesie der Chloé Zhao : Besser kann man meinen Lieblingsfilm dieses Früh...
yolo 456 zu Die Juden vom Altrhein: man sollte einen artikel erst einmal lesen bevor ...
yolo123 zu Die Juden vom Altrhein: Das jüdische Leben in Deutschland ist vorbei und...
Achenar Myst zu Nils Landgren with Janis Siegel: some other time: Die CD ist ein absoluter Genuss, tolle Auswahl de...
Achim zu Golnar & Mahan – Derakht: Musik, die glücklich macht - Danke !!!...

CDs KlassikKompass

Andreas Martin Hofmeir - mit der Tuba on the way

Drucken
(0 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 26. September 2014 um 15:23 Uhr
Andreas Martin Hofmeir

So ist das mit den Dicken – sie werden gern unterschätzt, und dann wundert man sich. Zum Beispiel über das Klangspektrum, das Andreas Martin Hofmeir seiner Tuba entlockt. Ganz entgegen dem Humpta-Image entlockt er dem glänzenden Fünfeinhalb-Meter-Blechrohr einen angenehmen, fast verträumten Ton. Eine Mischung aus dem Verführerischen eines tiefen Saxophons, dem Sonoren der Posaune und dem weichen Timbre des Horns.

Sehr gut zu hören ist das auf seiner dritten Tuba-CD, der ersten bei einem Major Label, eingespielt mit den Münchner Philharmonikern unter Andrew Manze. Wissen hätte man’s können. Schon viele Jahre stellt Hofmeir – ein quirliges Multitalent aus Bayern – das Instrument, zu dem er eher zufällig gekommen ist und das er seit 2006 am Salzburger Mozarteum als Tuba-Professor unterrichtet, in den unterschiedlichsten Klang-Kombinationen vor. Im Blas-Musik-Rock-Bereich, wo er seit 2007 mit der Formation LaBrassBanda zu den Abräumern der Szene gehört hat. Mit ihnen wäre er 2013 beinah zum Eurovision Song Contest nach Malmö gefahren. Oder er musiziert in einem Kammermusik-Duo mit der ungewöhnlichen Besetzung Harfe und Tuba – „zwei Außenseiter tun sich zusammen, des passt scho.“
In mehr als 30 Symphonieorchester hat er gespielt – aber die Herausforderungen für eine Tuba sind dort eher überschaubar. Da ist es schon ein Festtag, wenn bei Berlioz’ „Symphonie fantastique“ oder Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ überhaupt mal zwei Tuba-Spieler aufeinandertreffen.

Orchester ist seit 2008 für ihn passé, für LaBrassBanda fehlt inzwischen auch die Zeit. Denn seit sich Hofmeir vorgenommen hat, die Tuba aus ihrem Dornröschenschlaf zu küssen, verzeichnet er erheblich gestiegene öffentliche Aufmerksamkeit. Schuld daran ist bestimmt auch der Echo-Klassik, den er 2013 als „Instrumentalist des Jahres“ für sein erstes Soloalbum „Uraufnahmen“ entgegen nehmen konnte. Von der CD waren gerade mal 137 Stück verkauft, „also muss es wohl eher an der Qualität gelegen haben.“

Hofmeir - on the wayDer kleine Junge von einst, der im Schulbus immer hinten saß und der in der Blaskapelle am liebsten die große Trommel schlagen wollte, ist heute passionierter Tuba-Solist: „Eine Tuba kann locker über ein volles Orchester hinwegspielen, eignet sich also prima als Soloinstrument. Im Endeffekt ist die Tuba eines der besten Soloinstrumente überhaupt, sie hat den weichsten Klang aller Blasinstrumente, man wird danach süchtig. Viele Leut’ könnten sich ihre Klangschalentherapien sparen, wenn sie Tuba lernten. Man kann sogar sehr gut schlafen, wenn jemand Tuba übt.“

Es gibt nur ein kleines Problem: „Wir haben leider kein Tuba-Konzert von Mozart oder Beethoven. Wir haben keine Gassenhauer.“ Das liegt daran, dass die Tuba erst 1835 erfunden wurde und dann erst mal als Bassinstrument im Orchester unauffällig blieb. Die Pflege und den Aufbau eines herausfordernden Repertoires für Tuba als konzertantes Soloinstrument und gleichberechtigtem Partner in der Kammermusik nimmt Hofmeir deshalb selbst in die Hand, vergibt Kompositionsaufträge, führt die neuen Werke auf.

So wie auf „On the way“, wo zwei Werke von Jörg Duda zu hören sind, der als Kirchenmusiker in Hofmeirs Heimatort Geisenfeld in der Hallertau arbeitet und fast schon sein Hauskomponist geworden ist. Hier zu hören mit einem Tuba-Konzert und mit „Matkalla“, was auf Finnisch „on the way“ heißt. Perfekt auf die Tuba zugeschnitten, hier kann sie zeigen, was in ihr steckt. Aberwitzig schnelle Läufe, verspielte Träumereien, dramatisch Abstiege ins ganz tiefe Register, sie harmoniert großartig mit den anderen Orchesterinstrumenten und kann sich mühelos als Solostimme durchsetzen. Duda bettet das ein in spätromantische Klangwelten, die manchmal an Richard Strauss erinnert, manchmal auch wieder an Filmmusik, großes Klangkino eben und Musik, die glücklich macht.

Apropos Kino: Der Filmkomponist John Willams ist ebenfalls zu hören auf „On the way“ – mit einem Tuba-Konzert, geschrieben 1984, das um einiges moderner daher kommt. Es verlangt Hofmeir schon im Allegro moderato höllisch schnelle Läufe ab, geht im Andante auch eine sehr emotionale, atmosphärische Klangreise und endet mit einem äußerst munteren, mit etlichen Strawinsky-Anklängen gewürzten Allegro molto. Und man fragt sich, warum man so lange auf einen Tuba-Spieler warten musste, der diese Sachen ins wohlverdiente Rampenlicht stellt.
Rausschmeißer auf der CD ist „Very Good Morning“ von Roland Szentpali – eine orchestral instrumentierte Reminiszenz an die andere Seite von Hofmeir, der gern auch Jazz und Rock spielt.

Kabarett ist eine weitere Leidenschaft von Hofmeir, die er sich seit dem Studium bewahrt hat. Mit den Münchner Philharmonikern, dem Orchester auf seiner CD, hat er übrigens auch einen kabarettistischen Theaterabend für und über das Orchester geschrieben und aufgeführt.
In diesem Jahr absolviert er neben seiner internationalen Lehrtätigkeit, mehr als 100 Auftritte. Dabei sind, so wie am 2. Oktober in Hamburg, auch musikalisch-kabarettistische Lesungen, ein wunderbar trocken-humoriges Programm mit wahren und abgefahrenen Geschichten aus seinem Leben als weltreisender Weltklasse-Tubist – darin gibt’s brasilianischen Duo-Jazz in der Kombination Tuba (Hofmeir) und E-Gitarre (Guto Brinholi). Die Idee dazu ist ihm auf der Welt-Tuba-Konferenz in Riva del Garda. Beim Schleswig-Holstein Musik Festival waren seine beiden Auftritte, erzählt er, die schnellstverkauften nach Elton John. Es ist so inzwischen erfolgreich, dass er bereits an einem zweiten Teil schreibt.


Andreas Martin Hofmeir: On the way. CD
Sony Classical
Bestellnummer: 8884 3047 082

Andreas Martin Hofmeir: „Kein Aufwand“. kabarettistisch-musikalische Lesung.
Geplant für Donnerstag, 2.10., Laeiszhalle Hamburg,
KONZERT entfällt. Wird vorraussichtlic im Januar  2015 stattinden.


Hörbeispiele aus „On the way“
Videos:
Hofmeir (Tuba) und Guto Brinholi (E-Gitarre)
Mit der Tuba im Flugzeug – Hofmeir liest


Abbildungsnachweis:
Headerfoto: Philippe Gerlach
CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs KlassikKompass > Andreas Martin Hofmeir - mit der Tuba on the ...

Mehr auf KulturPort.De

„Thietmars Welt. Ein Merseburger Bischof schreibt Geschichte“ – Eine Zeitreise in das Mittelalter
 „Thietmars Welt. Ein Merseburger Bischof schreibt Geschichte“ – Eine Zeitreise in das Mittelalter



Einer der berühmtesten Chronisten des Mittelalters war Thietmar von Merseburg (975-1018). Unter den römisch-deutschen Kaisern Otto III. bis zu Heinrich II. war [ ... ]



Elisabeth Weinek: „Was Sie sah“ – Andalusien, Marokko, Iran
 Elisabeth Weinek: „Was Sie sah“ – Andalusien, Marokko, Iran



Passend zur Festspielzeit werden in der Margarethenkapelle von St. Peter, eine der ältesten Kirchen Salzburgs, Fotografien gezeigt, die sich als „interkulture [ ... ]



Ilse Helbich: Kluge Chronistin des Alters – „Im Gehen“ gefundene Gedichte
 Ilse Helbich: Kluge Chronistin des Alters – „Im Gehen“ gefundene Gedichte



Auch heute noch geschehen beglückende Wunder: Mit 80 Jahren veröffentlichte die 1923 in Wien geborene Ilse Helbich ihren ersten Roman unter dem Titel „Schwal [ ... ]



Thierry van Werveke: Schauspieler, Rockstar, Troublemaker, Thierry National
 Thierry van Werveke: Schauspieler, Rockstar, Troublemaker, Thierry National



Thierry! – allein sein Vorname löst in Luxemburg schon entzücken aus und wird mit der Addition von „National“ zum Kult. In Deutschland und Österreich fr [ ... ]



„Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls
 „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls



Samuel Moaz kreiert mit dem Antikriegsdrama „Foxtrot” einen atemberaubenden ästhetischen Kosmos: zornig, visuell kühn, emotional hochexplosiv, oft grausam, [ ... ]



Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte: „Der Vorname“
 Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte: „Der Vorname“



Das Stück brillant, die Schauspieler große Klasse, die Inszenierung rundum gelungen und der kleine Saal der Komödie Winterhuder Fährhaus restlos ausverkauft. [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.