Neue Kommentare

yolo 456 zu Die Juden vom Altrhein: man sollte einen artikel erst einmal lesen bevor ...
yolo123 zu Die Juden vom Altrhein: Das jüdische Leben in Deutschland ist vorbei und...
Achenar Myst zu Nils Landgren with Janis Siegel: some other time: Die CD ist ein absoluter Genuss, tolle Auswahl de...
Achim zu Golnar & Mahan – Derakht: Musik, die glücklich macht - Danke !!!...
Frederik Meester zu Weltmusikalisches Crossover – fließende Gefühle. Etta Scollo zum 60. Geburtstag: tanti auguri, etta scollo!!!...

CDs KlassikKompass

Traumfabrik Berlin – Jonas Kaufmann singt Operette

Drucken
(0 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 30. September 2014 um 12:14 Uhr
Traumfabrik Berlin – Jonas Kaufmann

Ist es Anachronismus in eine Vergangenheit musikalisch einzutauchen, die von einer schönen und heiteren Welt erzählt, während um dieselbe herum zwei Kriege tobten? „Du bist die Welt für mich“ heißt eine soeben erschienene CD, auf der von Jonas Kaufmann, dem Tenor „mit der goldfarbenen Honigstimme“ (The Sydney Morning Herald), Evergreens der Ära zwischen 1925 und 1935 erklingen. Begleitet vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Jochen Rieder und bei drei Stücken begleitet von der Sopranistin Julia Kleiter, genießt der wohl eher ältere Hörer Lehár, Tauber, Benatzsky, Stolz, Abraham und andere.

Kaufmann - Du bist die Welt für michLaufen die sechzehn Stücke hintereinander durch, ist es als ob ich im Wohnzimmer meiner Großeltern in Berlin säße, die die Musikhits aus Operette und Tonfilm ihrer Jugendzeit genießen. Unwillkürlich werde ich zurückversetzt und erinnere mich an deren Erinnerungen und Erzählungen: „ja – damals“. Altersheime sind voll von der Musik jener Zeit.

Nur irgendetwas ist anders. Klar, die Qualität der Aufnahme, kein Lagerfeuerknacken, kein rauschender Tonträger, alles digitale Qualität aus dem Jahr 2014. Nein, anders ist, dass eine einzige Stimme, so viel Variabilität hat. Jonas Kaufmann schafft den Spagat von Leichtfüßigkeit bis zum Heldenton. Er macht weder den Fehler all die Stücke in einer stringenten Weise und damit gleichklingend abzuliefern, noch die Hitparade der Zeit nachzuahmen. Anders ist auch, dass das Publikum seiner Live-Auftritte durchaus jünger ist.
Die Stücke sind wohlbedacht und die Choreographie macht Sinn, denn sie ist ein Zeitzeugnis, ein Kulturdokument einer vermeintlichen, jedoch herbei gesehnten „Leichtigkeit“, sie ist Charakterisierung eines gemeinsamen Geschmacks, der offensichtlich bis heute Bestand hat. Und unschlagbar ist auch der augenzwinkernde, teils sarkastische Humor der Zwanziger.

Das große Erfolgsduo in Berlin (jedoch nicht in Wien!) waren Komponist Franz Lehár und Tenor Richard Tauber. In der deutschen Hauptstadt hatten sie den großen Erfolg mit ihren Werken, die in Wien eher mit Spott von Kritikern und Kabarettisten zerpflückt wurden. Im dreisprachigen Begleitheft ist dann auch ein herrliches Spottgedicht von Friedrich Hollaender abgedruckt, das nicht Tauben, sondern Tauber vergiftet haben könnte:
„Fleck auf der Schleife?
Nimm Tauber-Seife.
Kleine Erfrischung?
Nimm Tauber-Mischung.
Tauber als Gatten,
Tauber auf Platten,
Tauber zum Nachtisch,
Tauber im Nachttisch,
des Stimme so lind strömt wie lenzliche Luft
des Name verfolgt dich bis noch in die Gruft.“

Bissig gut! Omnipräsenz eines Sängers, die verdächtig erschien. Jemand der so bei den Massen ankommt, der kann ja keine hohe, wahre, gute Kunst hervorbringen. Die Geschichte lehrt uns, dass wir mit jedem einzelnen Urteil auch daneben liegen können. Humor sei davon ausgeschlossen.
Das Begleitheft widmet sich der Dekade ausführlich und verbindet diese gut mit CD und Inhalten.

Was jeder einzelne über sein Gehör und atmosphärisch entdecken kann ist die Freude, mit der Kaufmann singt, er taucht tief in die Gefühlswelt der ewigen Liebe und des Glücks und interpretiert sie nicht wie ein Opernsänger, sondern wie ein überzeugter Unterhaltungsfütternder. Selbst bei den ausgesprochen schwierigen Stücken wie Eduard Künnekes „Das Lied vom Leben des Schrenk“ aus „Die große Sünderin“. Er macht das gut, er macht das intelligent, er macht das überzeugend. Da steht er auf dem CD-Cover und im Trailer abgelichtet vor einem historischen Mikrophon und die Frage: „wieso Operette?“ – erübrigt sich alsbald.

Wortwitz und positives Lebensgefühl sind eine unschlagbare Rezeptur. Und Achtung! Ansteckungsgefahr!


Jonas Kaufmann – Du bist die Welt für mich
Sony Classical
Bestellnummer: 88883757412
Deluxe Version mit Bonus-DVD: 88883757422

Homepage von Jonas Kaufmann mit Video zur CD
Hörproben bei Sony Classical
Video: Jonas Kaufmann: Du bist die Welt für mich Published on Mar 1, 2013
R. Tauber: Der singende Traum
Prager Philharmonie, Marco Armiliato
Waldbühne, Berlin, 16. August 2011

Konzerte mit CD-Programm:
15.4.2015 Köln, Philharmonie
17.4.2015 Dortmund, Konzerthaus
22.4.2015 Hamburg, Laeiszhalle
18.5.2015 Berlin, Philharmonie
20.5.2015 Hannover, Kuppelsaal

Abbildungsnachweis:
Header Sony Classical
CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

avatar Koneczny Lucien
+2
 
 
Hallo aus Luxembourg!! Einfach Genial die LP. Frage gibt es diese wunderbare Musik auch als Notenheft zum Singen???
Wäre sehr froh wenn ihr mir weiterhelfen könntet
Mit Lieben Grüssen !!!
Lucien Koneczny
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Meinen Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs KlassikKompass > Traumfabrik Berlin – Jonas Kaufmann singt O...

Mehr auf KulturPort.De

„The Rider”. Die zärtlich-raue Poesie der Chloé Zhao
 „The Rider”. Die zärtlich-raue Poesie der Chloé Zhao



Im Pine Ridge Reservat von South Dakota lernen Cowboys reiten, bevor sie krabbeln können. Brady Jandreau war gerade fünfzehn Tage alt, als er das erste Mal auf [ ... ]



Die Juden vom Altrhein
 Die Juden vom Altrhein



Biografische Text- und Bilddokumentation von den Anfängen bis zum Holocaust und dem Weiterleben in der Emigration, von Gabriele Hannah, Martina Graf und Hans-Di [ ... ]



„Wenn man Mozart kann, dann kann man alles andere auch.“
 „Wenn man Mozart kann, dann kann man alles andere auch.“



Die sich zum Ende neigende Spielzeit in der Staatsoper Hamburg könnte man leicht unter folgendes Motto stellen: Ehemalige Mitglieder des Hamburger Opernstudios, [ ... ]



Triennale der Photographie: „WILL – The Livesaving Machines“ von Reiner Riedler in der Galerie Hengevoss-Dürkop
 Triennale der Photographie: „WILL – The Livesaving Machines“ von Reiner Riedler in der Galerie Hengevoss-Dürkop



Hochästhetisch, artifiziell, und immer etwas irritierend. Die Serie „Will – The Livesaving Machines“ des Wiener Fotografen Reiner Riedler in der Galerie H [ ... ]



Eurasians Unity. Das Debüt-Album
 Eurasians Unity. Das Debüt-Album



5 Sprachen, 7 Länder, 8 Musiker und Musikerinnen

Sie kommen aus Deutschland, der Ukraine, Bulgarien, Aserbaidschan, Usbekistan, Polen und aus dem Iran und be [ ... ]



„Hereditary – Das Vermächtnis”. Horror als Gesamtkunstwerk
 „Hereditary – Das Vermächtnis”. Horror als Gesamtkunstwerk



Während Krisenzeiten lechzt das Kino-Publikum nach Schauder und Schrecken besonderer Art, der US-amerikanische Regisseur Ari Aster ist ein Meister darin.
Sein [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.