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Concerto Köln


Concerto Köln kann im kommenden Jahr seinen 30. Geburtstag feiern.
Bekannt durch akribische Recherchen, mit denen es seine inzwischen mehr als 60 CD-Einspielungen begleitet hat, gehört das Ensemble zu den führenden deutschen Musikgruppen auf dem Gebiet der historischen Aufführungspraxis.
Erstaunlich eigentlich, dass es so lange brauchte, bis sich Concerto Köln Bachs Brandenburgischer Konzerte angenommen hat. Sie wollten, heißt es im Booklet zur neuen Doppel-CD, das nur dann anpacken, wenn sie zu bestehenden Sichtweisen Neues hinzufügen könnten. Nicht einfach bei diesen Werken, die sicher mit zu den populärsten Kompositionen der Barockmusik gehören.

Sicher, man kann auch da noch Spezialfragen stellen: Wie will man in den sechs Konzerten die Continuo-Gruppen besetzen? Welche Trompete soll den vertrackten Solopart im zweiten Brandenburgischen spielen? Wie sahen wohl die Fiauti d’Echo aus, deren Einsatz Bach für das vierte Konzert vorschreibt? Welche Gamben sollen im sechsten Konzert verwendet werden? Und auf welchen Kammerton wird das Ensemble eingestimmt?

Da hat sich Concerto Köln auf ein A von 392 Hertz festgelegt – die tiefe Stimmung des französischen Barock. Damit integriert sich die F-Trompete des zweiten Brandenburgischen weicher in den Klang des Solistenquartetts, zu dem noch Blockflöte, Violine und Oboe gehören.

Die geheimnisvollen Fiauti d’Echo? Wurden rekonstruiert nach ausgiebigem Quellenstudium – als Instrument, das aus zwei Blockflöten in einem Stück Holz besteht, von denen die eine für die Forte-, die andere für die Pianopassagen ausgelegt ist. Sicher eine hübsche Fußnote der Instrumentengeschichte. Der Unterschied zu laut und leise gespielten Einzelflöten ist allerdings in der Praxis nicht wirklich bemerkbar.

Dort, wo das Cembalo nur als Continuo-Instrument eingesetzt ist, nutzt Concerto Köln ein einmanualiges Instrument, für die konzertierenden Cembaloparts im vierten und vor allem im fünften Brandenburgischen wird ein zweimanualiges genutzt.
Dies alles wären mehr oder weniger akademische Überlegungen, wenn es die einzigen Neuerungen dieser Neuaufnahme blieben.

Concerto Köln Brandenburgische KonzerteAufeinander hören, einander zur Geltung kommen lassen
Die eigentliche Sensation ist jedoch das ausgefeilte Ensemblespiel, das einen warmen Klang mit einer großartigen Transparenz verbindet, was der Eigenart der Brandenburgischen Konzerte gut tut, die auf der Grenzlinie zwischen Orchester- und Kammermusik balancieren.

Concerto Köln schlägt durchgängig zügige Tempi an, auch wenn der halsbrecherische Weltrekord von Reinhard Goebels Musica Antiqua (3. Satz des Dritten Brandenburgischen in 3 Minuten 50 Sekunden) bei weitem nicht erreicht wird – Concerto Köln nimmt sich dafür elegant dahineilende 4:21.

Mehr als auf Tempo setzen die Musiker auf die Eigenarten der unterschiedlichen Instrumente, die sie – besonders in den langsamen Sätzen – aufblühen lassen. Es ist eine unspektakuläre Sensation, wie sie aufeinander hören und einander zur Geltung kommen lassen, was im Ergebnis eine in tiefen Farben leuchtende Intensität bedeutet.

Besonders deutlich und verblüffend hörbar wird das im Sechsten, dem Kellerkind der Brandenburgischen, in dem Bach „nur“ die tiefen Streicher einsetzt und das eigentlich immer etwas im Schatten glänzender instrumentierter Konzerte wie des Zweiten oder Fünften steht. Concerto Köln besetzt es mit zwei Bratschen, statt der tieferen Tenor-Bass-Gamben mit zwei Alt-Tenor-Gamben, die einen helleren, klareren Klang mitbringen, sowie mit einem Cello und einem Violone nebst Cembalo. Das Ergebnis ist extrem durchsichtig, melodisch und knackig zupackend – und es kann stellvertretend für den Hörwert der gesamten Neuaufnahme gelten: Sie bringt so konsequent wie behutsam die sattsam bekannten Noten zu neuem, funkelndem Glanz.


Johann Sebastian Bach: Brandenburgische Konzerte. Concerto Köln.
2 CDs
Berlin Classics
Nr. 0300593BC

Promotion-Clip von Berlin Classics
Hörbeispiele


Abbildungsnachweis:
Header: Concerto Köln
CD-Cover

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