Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 2438 Gäste online

Neue Kommentare

Manfred Köck zu Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali: schade, dass sie nicht mit ihren stammmusikern un...
Helmuth Barth zu Thomas Gainsborough – die moderne Landschaft: Vorausschicken möchte ich, dass ich neben Bilder...
Anna Grillet zu „Call Me by Your Name”. Die Sinnlichkeit des Luca Guadagnino: Leider nein, kann die bitterböse ästhetisch bri...
Fabian Drux zu „Call Me by Your Name”. Die Sinnlichkeit des Luca Guadagnino: Danke für den Hinweis auf einen wunderschönen F...
Wolfdietrich Arndt zu Weimarer Musikwissenschaftlerin Prof. Dr. Helen Geyer erhält das Bundesverdienstkreuz am Bande: Gestern war ich im Tietz in Chemnitz zu einem Vor...

Klartext

Klartext: Heiko Langanke

Drucken
(190 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 12. September 2012 um 13:00 Uhr
Klartext: Heiko Langanke 4.3 out of 5 based on 190 votes.

alt

Wer zahlt bestimmt die Musik
oder Der Paradigmenwechsel eröffnet neue Chancen, über eine Kultur von Hamburgern und für Hamburger zu beschließen
Im Januar 2013 soll sie kommen: die sogenannte Kulturtaxe. Manche nennen Sie „Bettensteuer“ oder „Matratzen-Maut“, andere schlicht Touristensteuer. Der Senat hat sie bereits beschlossen. Im Dezember 2012 soll sie dann durch die SPD-dominierte Bürgerschaft durch gewunken werden.


Schaut man sich den „Entwurf eines Hamburgischen Kultur- und Tourismustaxengesetzes“ mal etwas genauer an, erschließt sich der größere Zusammenhang und sein Bruch mit bisherigen Kultur-Paradigmen erst auf den zweiten Blick. Denn entgegen allen Unkenrufen gegen diese Steuer – sie weist auch neue Wege in eine längst fällige Kulturdebatte auf, frei nach dem Motto: „Wer zahlt, bestimmt die Musik!“

Im Gesetzentwurf wird die Steuer „als Sicherung der Zukunftsperspektiven der Hamburger Kultur, aber auch der Steigerung der Attraktivität Hamburgs als Wirtschafts- und Tourismusstandort“ verstanden. Denn „die kulturelle und touristische Anziehungskraft einer Stadt zählen zu den zentralen und weiter an Bedeutung gewinnenden Wettbewerbsfaktoren.“ Demnach soll auch eine Hälfte der zu erwartenden 8 bis 20 Millionen jährlichen Steuereinahmen der Hamburg Markting- und Tourismus-Wirtschaft zugute kommen. Die andere Hälfte der Kultur. Genauer gesagt der Kultur mit „touristischer Anziehungskraft“. So die Perspektive der zur Zeit regierenden SPD.

Das Geld würde ohne konkrete Verwendungsbindung zunächst in den allgemeinen Haushalt fließen, von wo es verteilt werden oder eben auch den Sparträumen des Regierenden Bürgermeisters Scholz dienen könnte. Die Entscheidungen träfe letztlich der Senat. Im untergeordneten Gremium wird quasi folgerichtig der Aufsichtsrat der Hamburg Tourismus GmbH beteiligt sein und eine gewichtige Stimme haben. Die Stimme der Kultursenatorin hingegen dürfte real betrachtet dabei als eine unter vielen und somit erheblich weniger prägnant ausfallen.

Klar, dass in einer Stadt, in der Sparen zum allumfassenden Glücksbringer erklärt wird, der Unmut vorprogrammiert ist. Warum aber beispielsweise hört man in der Kulturtaxen-Diskussion keine Empörung all der von den Sparzwängen betroffenen Stadtteilzentren, Bürgerhäuser, Geschichtswerkstätten?

Für uns im Süden Hamburgs – aber auch den anderen, mit weniger Strahlkraft versehenen „Außenbezirken" – stellt sich die Situation doch im Grunde noch absurder dar: Wir kommen in der Diskussion über die Kulturtaxe gar nicht erst vor!
Klar, es geht wie erwähnt um Kultur mit touristischer Strahlkraft und eben nicht um Kultur per se. Um es mal im hanseatischen Sprachgebrauch zu formulieren: um Kultur in den „üblichen Vierteln“: dem Hafen, der City, evtl. noch Ottensen, Schanze und Eppendorf. Der „Rest“ der Stadt dürfte bei all dem Glanzlicht eher schattig daher kommen. Demnach und im Grunde völlig konsequent wird in der Gesetzesvorlage auch benannt, welche Kultur im Konkreten „Leuchtturmcharakter“ habe: „z.B. große Kulturfestivals wie u. a. das Reeperbahnfestival, Elbjazz, Dockville oder die Lessingtage, Sonderausstellungen der Hamburger Museen oder große Theaterproduktionen (…) ebenso wie Sportgroßveranstaltungen und Events“.

Und hier offenbart sich der Paradigmenwechsel in der Hamburgischen Kulturdiskussion. Wurde bisher – wenn auch mit abnehmender Ernsthaftigkeit – dem Begriff der „Hochkultur“ die Begriffe „Stadtteil-, Sozio- und Subkultur“ gegenüber gestellt, ist nun eine weitere Dimension der Kulturdifferenzierung zur Staatsräson erklärt worden. Kultur für Auswärtige auf der einen und Kultur für „Einwohner“ auf der anderen Seite. Das birgt eine neue Denkrichtung.

Während der Hochkultur-Begriff dazu diente, Oper, Staatstheater, Elbphilharmonie oder Kunsthalle aus der unheilvollen Debatte um Budgets heraushalten zu können, wird mit der Kategorisierung in „Kultur für Hamburger versus Kultur für Auswärtige“ eine neue Ebene erreicht, deren Folgen weitreichender kaum sein könnten. Der Stadtbesucher wird dem Einheimischen gegenübergestellt.
Genau dieser Aspekt der Kulturunterscheidung findet sich in der bisherigen Debatte nicht. Sollte er aber! Denn im Grunde bringt er eine längst fällige Unterscheidung bei der Mittelverwendung öffentlicher Gelder gleich mit.

Steuern von Hamburgern für Hamburg! Steuern von Touristen für Touristen!
Fairer ginge es kaum.
Als Hamburger Steuerzahler hat man mehr als ein Recht auf eine (auch kulturell) lebenswerte Stadt. Jene Budgets, die von Hamburgern Steuerzahlern bislang für Kultur und Events von Touristen verwandt wurden, könnten nun aus dem Topf der Touristen-Steuer bedient werden. Im Umkehrzug aber auch jene Steuern von Hamburgern eben auch für Angebote für seine Kulturbedürfnisse. Die Unterscheidung dürfte dabei nicht mal allzu schwer fallen. Gleicht man nun aber die bisherigen Etats ab und würde dadurch die bisherigen Kulturausgaben um den „touristischen Faktor“ bereinigen, werden voraussichtlich mehrere Millionen Euro an Kulturgeldern nun für Hamburger Kulturangebote frei. Geld, das zum einen dringend fehlt, aber auch für weitere Investitionen in einen lebenswerte (Außen-)Bezirke führt.
Daher muss konsequenterweise die Forderung aller Hamburger Steuerzahler sein: Steuern aus der Region – für die Region! Auch für die Kultur!

Ihr Heiko Langanke


Heiko Langanke ist 1968 in Dortmund geboren, lernte später Gitarre bei u.a. Thomas Brill. War als Ehrenamtlicher tätig im Dortmunder „Jazzclub domicil“. Nach dem Abitur freier Journalist bei den Ruhr-Nachrichten, dann Studium der Politologie in Bonn und Hamburg.
Seit 1992 in Hamburg. Wirkt im JazzHaus Hamburg e.V. und dem Hamburger Jazzbüro mit. 2002 Gründung des Fördervereins Jazzclub Hamburg e.V., um den Weg zu einem neuen Jazzclub zu ebnen. 2005 Initiator des Jazzclubs im Stellwerk. Seither in einigen Projekten und u.a. im Vorstand des Berufsverbandes Clubkombinat HH tätig. Beruflich Inhaber der Marketing- und Beratungsfirma Langanke & Partner.

Hinweis: Die Inhalte von "Klartext" geben die Meinung der jeweiligen Autoren wieder. Diese muss nicht im Einklang mit der Meinung der Redaktion stehen.

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > Klartext > Klartext: Heiko Langanke

Mehr auf KulturPort.De

„A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?
 „A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?



Lynne Ramsay inszeniert ihre virtuosen Thriller-Impressionen als Exkursion in die Abgründe der Seele.
Ein Auftragskiller ist Joe (Joaquin Phoenix) nicht, er t [ ... ]



Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie
 Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie



George Bernard Shaw (1856-1950) ist vor allem bekannt für sein dramatisches Werk, das über 50 Theaterstücke umfasst. Doch der Künstler hat sich zeitlebens in [ ... ]



Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali
 Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali



Wie konnte sich eine 16jährige Kanadierin, die Opernarien singt und klassische Pianistin werden will, zu einer über jeden „No street credibility“-Verdacht  [ ... ]



Aspekte Festival 2018: Der Kopf des Paul Orlac ist das Innenleben des Klaviers
 Aspekte Festival 2018: Der Kopf des Paul Orlac ist das Innenleben des Klaviers



Was für eine Horrorvorstellung: als Schauspieler die Stimme – als Fußballspieler die Füße – als Philosoph den Verstand – als Komponist das Gehör – u [ ... ]



Poetische Erkundung der Welt: Nico Bleutge: „Nachts leuchten die Schiffe“
 Poetische Erkundung der Welt: Nico Bleutge: „Nachts leuchten die Schiffe“



In seinem vierten Gedichtband „nachts leuchten die schiffe" beschäftigt sich Nico Bleutge mit unserer realen Welt in sieben Zyklen. Wie ein Jongleur wirft der [ ... ]



Aspekte Festival 2018: Different Trains. Eine Zeitreise zwischen Klängen, Bildern und historischen Filmschichtungen
 Aspekte Festival 2018: Different Trains. Eine Zeitreise zwischen Klängen, Bildern und historischen Filmschichtungen



Das 1988 vom amerikanischen Minimalmusiker Steve Reich komponierte Werk „Different Trains“ bildet den Ausgangspunkt einer Aufführung des London Contemporary [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.