Neue Kommentare

Kentin Abalo zu „Assassination Nation” – Leinwandheldinnen in Zeiten von #MeToo : WAS FÜR EIN FOTO!!!
Großartig. Hoffe der...

Sybille zu Das Chinesenviertel auf Hamburg St. Pauli: Danke für den Beitrag. Ich sehe gerade den Film ...
Nikias Geschke zu „The Guilty”. Der beklemmende Minimalismus des Gustav Möller: Das klingt superspannend. Danke für den Tipp. ...
Harry zu „Otto. Die Ausstellung“: OTTO ist großartig. Ich wusste nicht, dass er ei...
Alex zu Film Festival Cologne - Von starken Spielfilmdebüts und schwächelnden Stars: Wer bist du? Halten Sie Ihre Meinung besser, wenn...

Klartext

Klartext: Stephan von Löwis of Menar

Drucken
(182 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 21. August 2012 um 08:20 Uhr
Klartext: Stephan von Löwis of Menar 4.5 out of 5 based on 182 votes.
Klartext: Stephan von Löwis of Menar

Schrille Schreie und die Kinder- und Jugendkultur.
Neulich war ich im Konzert: „Embryo“. Für alle Nachgeborenen: das war eine Krautrock-Band mit Weltmusik-Gelüsten in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Dass es die noch gibt, wusste ich auch nicht. Der Sänger kauerte auf dem Fußboden, schüttelte seine langen Haare und gab – in den Momenten höchster Erregung – merkwürdige Mundgeräusche von sich. Selten wurde der Mut zum künstlerischen Scheitern so unüberhörbar vorgezeigt... aber, es gab auch einige Momente großer Schönheit.

Eigentlich wollte ich hier über die Kinder- und Jugendkultur und die „Kultur- und Tourismus-Taxe“ schreiben. Aber was hat der „Embryo“-Vokalist damit zu tun? Uns droht der Zangengriff von Pädagogisierung und Event-Meierei. Ekstatische Laute und – mitunter notwendiges – künstlerisches Scheitern haben bei beiden keinen Platz.

Im Rahmen der Ganztagsschule gibt es noch keine Antworten darauf, wie aus dem Kleingarten des Regelunterrichts (notwendig, oft hervorragend gestaltet aber nicht das ganze Leben) in den Urwald der Welt drumherum aufgebrochen werden kann. Die „kulturellen-Bildungs-Premiumpartner“ der Schulen sollen verlässlich und langfristig ästhetisch bilden. Merkwürdige Mundgeräusche – Fehlanzeige. Schon außerschulische Lernorte sind für viele Schulen eine echte Herausforderung, erst recht das Abenteuer künstlerischer Prozesse. Hier ist dringend ein Blick der Schulbehörde über ihren Tellerrand nötig. Die LAG Kinder- und Jugendkultur steht zum Dialog bereit.

Die Kinder- und Jugendkultur ist aus dem Fokus der Politik geraten. Etliche private Spender, die u.a. von Hamburgs ehemaliger Kultursenatorin Karin von Welck motiviert werden konnten, haben sich zurückgezogen. Der Etat der Kulturbehörde gibt kaum etwas her. Auf einer Veranstaltung vor der Bürgerschaftswahl stellte Dorothee Stapelfeldt (SPD) eine Verdoppelung des Kinder-und-Jugendkultur-Haushaltsansatzes in Aussicht, dazu ist es bekanntlich nicht gekommen. Eine ganze Reihe wichtiger Projekte ist existenziell gefährdet, viele sind heftig unterfinanziert und für die Realisierung neuer Ideen gibt es kaum Ressourcen.

Auch unsere Szene hat Hoffnung in Hamburgs „Betten-Steuer“ gesetzt. Jetzt deutet sich an, dass letztlich der Senat über das Geld verfügen wird und damit touristische Events und möglicherweise sogar notwendige Gebäudesanierungen finanzieren wird. Noch gibt es die Chance, umzulenken. Das Geld muss der Kultur und Kunst unmittelbar – in all ihren Farben und Schattierungen – zu Gute kommen. So wird Hamburg auf- und anregend!

Wenn die Zange aus Pädagogisierung und Event-Meierei noch mehr kneift, werde ich mich auch auf den Boden kauern, die Haare schütteln und schreien!

P.S. Aber vielleicht erkennt Hamburg ja noch rechtzeitig, welcher Reichtum (Potenzial, Vielfalt und Ideen – nicht Geld) in unserer Szene steckt. Man kann es sogar in einer Senatsdrucksache nachlesen.

Ihr Stephan v. Löwis of Menar


Stephan von Löwis of Menar studierte in Hamburg und arbeitete nach dem Referendariat nicht als Lehrer für Englisch und Geschichte (Lehrerarbeitslosigkeit), sondern vergnügte sich eine Weile als Saxofonist, bevor er anfing Kultur zu organisieren. Besonders gern denkt er an die weltweiten Reisen mit der Gruppe „Ashkhabad“. Seit 1987 ist Stephan von Löwis, Gründer und Geschäftsführer des Vereins KinderKinder, Organisator von Kinderfestivals und vielen anderen kulturellen Ereignissen für Kinder und produziert Produzent von Musik und Theater. Als Vorstandsmitglied der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendkultur versucht er unermüdlich das Augenmerk auf die Förderung und Nachwuchsarbeit in Sachen Kultur für Kinder und jugendliche zu lenken. Und er will ganz einfach auch, dass Kinder ihre Lebensfreude über die Lust am Spiel über das Zuschauen und Zuhören in den Bereichen Theater, Musik, Kunst bewahren.

Hinweis: Die Inhalte von "Klartext" geben die Meinung der jeweiligen Autoren wieder. Diese muss nicht im Einklang mit der Meinung der Redaktion stehen.

Foto: Claus Friede

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > Klartext > Klartext: Stephan von Löwis of Menar

Mehr auf KulturPort.De

Thomas Mann Preis 2018 für Mircea Cărtărescu:
 Thomas Mann Preis 2018 für Mircea Cărtărescu:



Mit dem Thomas Mann Preis 2018 wurde am 17. November der rumänische Schriftsteller Mircea Cărtărescu ausgezeichnet. Den Akt der Preisverleihung in den Kammers [ ... ]



„add art 2018 – Hamburgs Wirtschaft öffnet Türen für Kunst"
 „add art 2018 – Hamburgs Wirtschaft öffnet Türen für Kunst



„Zu einem attraktiven Arbeitsplatz gehört auch eine ästhetische Umgebung“, sagt Caspar Philipp Woermann, Geschäftsführer von ims, Internationaler Medien  [ ... ]



100 Jahre Lettland: Handschuh-Daumen hoch
 100 Jahre Lettland: Handschuh-Daumen hoch



Eine Handschuh-Aktion passt wie die Faust aufs Auge, wenn die lettische Hauptstadt Riga, der baltische Staat Lettland und der Rest der Welt heute, am 18. Novembe [ ... ]



Peter de Vries – Hut- und Urnenhüllen-Macher
 Peter de Vries – Hut- und Urnenhüllen-Macher



Wie muss man sich eine Person vorstellen, die Freunde und Kollegen als „Naturereignis“ bezeichnen?
In jedem Fall als einen charismatischen Menschen mit üb [ ... ]



Maria Austria. Eine jüdische Fotografin aus Amsterdam in Berlin
 Maria Austria. Eine jüdische Fotografin aus Amsterdam in Berlin



Das Verborgene Museum in Berlin-Charlottenburg präsentiert bis zum 10. März 2019 Fotoarbeiten und Dokumente der niederländischen Fotografin Maria Austria (191 [ ... ]



„Cold War – Der Breitengrad der Liebe” - Oder die Magie einer schwarzen Leinwand
 „Cold War – Der Breitengrad der Liebe” - Oder die Magie einer schwarzen Leinwand



Paweł Pawlikowski hat das schwermütige, visuell atemberaubende Noir-Drama „Cold War” seinen Eltern gewidmet, deren stürmische On- und Off-Beziehung ihn zu [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.