Neue Kommentare

Peter Schmidt zu Hamburger Autorenvereinigung: Erinnern und Gedenken – zum 27. Januar 2014: Stadthaus- Gedenkstätte? Da fragt man sich heute...
Lothar Hamann zu „Cold War – Der Breitengrad der Liebe” - Oder die Magie einer schwarzen Leinwand: GEWINNER DES EUROPÄISCHEN FILMPREISES 2018!...
Rafael Gunnarsson zu „Climax”. Die unwiderstehlichen Abgründe des Gaspar Noé: Zeit, Bild und KulturPort sind sich alle einig? D...
Cornelie Müller-Gödecke zu 100 Jahre Lettland: Handschuh-Daumen hoch: Danke für diesen Artikel!
Und Danke für...

Herby Neubacher zu Peter de Vries – Hut- und Urnenhüllen-Macher: Mal auf die Website des Hutmachers geguckt? 500 E...

Klartext

Klartext: Herby Neubacher

Drucken
(185 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 24. Juli 2012 um 08:20 Uhr
Klartext: Herby Neubacher 4.3 out of 5 based on 185 votes.
Klartext: Herby Neubacher

Das Dauergespenst von Bayreuth: Rune gefunden! Onkel Adolf lässt grüßen.

"Wegen Tätowierungen mit nationalsozialistischen Symbolen hat der „Holländer”-Sänger Evgeny Nikitin seinen Auftritt bei den Bayreuther Festspielen abgesagt – nur wenige Tage vor der Eröffnungspremiere.
„Mir war die Tragweite der Irritationen und Verletzungen nicht bewusst, die diese Zeichen und Symbole besonders in Bayreuth und im Kontext der Festspielgeschichte auslösen”, teilte der Russe am Samstag mit.

Die Festspiele müssen sich nun binnen weniger Tage einen anderen Sänger für die Neuinszenierung suchen.
Die Festspielleitung und der Regisseur seien durch Filmaufnahmen der ZDF-Kultursendung „Aspekte” am Freitagabend auf eine Tätowierung am Oberkörper aufmerksam geworden, sagte Festspielsprecher Peter Emmerich der Nachrichtenagentur dpa. Oberhalb der Brust habe man ein Hakenkreuz erkennen können. Darüber sei zwar ein anderes Motiv gestochen worden. Dennoch betonte Emmerich: „Dazu muss man Haltung beziehen. Da kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.” So stand es bei Bild-Online am 22.7.2012.

Alberner geht es nicht mehr. Da wird ein Sänger wegen seiner Brusttätowierung (Bitte: nicht Nazi-Symbol, sondern Germanisch!), die er sich als Heavy-Metal-Rocker in seiner Jugend hat stechen lassen abgesetzt. Setzt sich sogar selber ab. Hoffentlich weigert er sich in Zukunft in Bayreuth generell zu singen und lässt seine Stimme besser in toleranteren Opernhäusern erklingen.

Nicht nur, dass Bayreuth unter der neuen Leitung der Wagner-Urenkelinnen künstlerisch völlig versagt, nun holen sie auch noch das Dauergespenst aus der Kiste „Onkel Adolf – war ja ein Wagner-Fan.
Ob er deshalb mehr Horror angerichtet hat weiß keiner. Hat eigentlich mal jemand darüber nachgedacht, ob Stalin vielleicht Tschaikowsky gut fand und zuhause auf seiner Datscha gehört hat? Oder ob der Rote Zar öfter mal das Bolschoi-Ballett besuchte, das seither mit der schweren Bürde herumtanzt, das „Väterchen“ Stalin dort regelmäßig in der Fürstenloge gesessen hat?

Sind wir Deutschen eigentlich kulturell immer noch so suizidbereit und diskussionsunterbelichtet, wenn es um unsere Vergangenheit geht, dass wir einen russischen Bassisten wegen einer dämlichen Runen-Tätowierung auf seiner linken Brust nicht erlauben den Holländer zu geben?

Der Holländer ist auch ein Gespenst, der über die Meere geschickt wird, weil er seine Vergangenheit nicht loswerden kann. Das hätte doch wundervoll gepasst. Aber so weit denkt Bayreuth nicht. Da fehlt es „im Gopp“, wie der Sachse sagt.
Es siegt irgendeine idiotische „Political Correctness“ – wessen Correctness ist das eigentlich?

Wagner ist ein Kind des 19. Jahrhunderts. Herr Hitler hat sein Unwesen von 1933 bis 1945 getrieben und hat Wagner geliebt. Mao hat vielleicht auch irgendeinen westlichen Musiker gehört – vielleicht sogar Mozart – und hat ohne mit der Wimper zu zucken für 36 Millionen verhungerte Chinesen gesorgt. Musik macht keine Massenmörder – Massenmörder machen sich selbst. Mit oder ohne Wagner. Und sagenhafte 67 Jahre nach Ende des Nazi-Reiches sich noch einen Kopf über einen Sänger mit germanischer Runen-Tätowierung zu machen ist einfach dämlich und peinlich zugleich. Und – leider typisch deutsch und typisch Bayreuth 2012. Wir wollen korrekte Gut-Menschen sein!

„The Past is in the Past“ sagen die Buddhisten – die haben auch ein Hakenkreuz das die Sonne symbolisiert! Wir lernen daraus und gehen weiter. Ins Licht. Und sollten keine rückwärtigen Bodychecks an Opernsänger verteilen.

Ihr Herby Neubacher


Herby Neubacher stammt aus Wuppertal und wurde in Salzburg zum Musikliebhaber: Mit sieben Jahren hat er als Sopranist im Salzburger Dom Bach-Kantaten aufgeführt. Nach einem Kunststudium arbeitere er 20 Jahre in der Musikindustrie. Heute ist er als Journalist und PR-Experte tätig. Seit 2012 schreibt er regelmäßig für Kultur-Port.De über Alte Musik, Barock bis zur Romantik. Er lebt und arbeitet in Vietnam.


Hinweis: Die Inhalte von "Klartext" geben die Meinung der jeweiligen Autoren wieder. Diese muss nicht im Einklang mit der Meinung der Redaktion stehen.

Abb.: Claus Friede

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > Klartext > Klartext: Herby Neubacher

Mehr auf KulturPort.De

Bernd Meiners – Fotografie und Film
 Bernd Meiners – Fotografie und Film



Wenn man sich die biographischen Daten des Kameramanns und Fotografen Bernd Meiners anschaut, so erhält man schnell ein recht klares und präzises Bild der Pers [ ... ]



Saskia Henning von Lange: „Hier beginnt der Wald“ – ein Roman so mehrdeutig wie das Leben
 Saskia Henning von Lange: „Hier beginnt der Wald“ – ein Roman so mehrdeutig wie das Leben



„Hier sitzt er und würde doch lieber woanders sitzen“, so beginnt das dritte Buch der 42jährigen Autorin Saskia Henning von Lange. Der Mann befindet sich h [ ... ]



„Capernaum – Stadt der Hoffnung”. Nadine Labaki und die Wiederentdeckung der Kompromisslosigkeit
 „Capernaum – Stadt der Hoffnung”. Nadine Labaki und die Wiederentdeckung der Kompromisslosigkeit



Beirut. Das Alter von Zain (Zain al Rafeea) wird auf zwölf Jahre geschätzt, genau weiß es keiner. Der schmächtige magere Junge sieht viel jünger aus, aber d [ ... ]



„Margiana – Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan“
 „Margiana – Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan“



„Margiana“ – hört sich an wie der Titel eines neuen Fantasyfilms. Dabei ist es eine so gut wie unbekannte Zivilisation in Zentralasien 2300-1700 v. Chr.,  [ ... ]



Michael Wolf: Life in Cities
 Michael Wolf: Life in Cities



Kunst oder Dokumentation? Diese Frage erübrigt sich angesichts der fantastischen Fotografien und Installationen von Michael Wolf. Erstmals in Deutschland zeigen [ ... ]



„Shoplifters – Familienbande”. Der sanfte Zorn des Hirokazu Kore-eda
 „Shoplifters – Familienbande”. Der sanfte Zorn des Hirokazu Kore-eda



„Shoplifters” ist Hirokazu Kore-edas radikalster Film, die Familie bleibt zentrales Thema seines Werks, in ihr spiegelt sich die Kälte einer gnadenlos Konsu [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.