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Chris Gall Trio – Cosmic Playground

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Mittwoch, den 24. Januar 2018 um 09:18 Uhr
Chris Gall Trio – Cosmic Playground 4.0 out of 5 based on 147 votes.
Chris Gall Trio Foto Franz Heller

„There's something a cosmic playground and jazz have in common!"
Dieser Satz ist dynamisch-kursiv auf die Rückseite der neuen CD gedruckt und kann als Handlungsanleitung für Zuhörer des Chris Gall Trios gelten. Was aber in aller Welt ist ein kosmischer Spielplatz? Was können wir uns darunter vorstellen, was hat sich das Trio darunter vorgestellt?
Um kosmisch spielerisch werden zu können müssten wir reisen, wir müssen unsere Welt verlassen, wir müssen vielleicht sogar unser System verlassen oder gar jedwedes System. Oder wir müssen das Kosmische und die Gemeinsamkeit zum Jazz in uns selbst finden!
Ein Gleichnis an dem man sich abarbeiten kann. Und weil der Vergleich so vage ist, gibt es keine verlässlichen Antworten, keinen Erfahrungsbericht und kein Vorbild. Was jedoch erfahrbar ist, ist der Wille nach Unabhängigleit.
Darüber hinaus verheißt ein kosmischer Spielplatz in der Vorstellung Losgelöstheit und Freiheit – grenzenlose Freiheit. Der Vergleich mit dem Genre Jazz funktioniert dann, wenn man weiß, was Freiheit ist, wenn man Grenzenlosigkeit in sich spürt, wenn man sich lösen und die Konventionen über Bord werfen kann. Ich stelle mir dieses Gefühl wundervoll vor – zumindest für eine gewisse Zeit.

Chris Gall Trio Cosmic Playground COVERWie nah die drei Musiker des Chris Gall Trios dem „kosmischen Spielplatz“ kommen und ob sie darauf spielen, lässt sich überprüfen. „Cosmic Playground“ ist ein narratives Album von neun Erzählungen. Bis auf eineinhalb Kompositionen sind alle aus des Feder von Chris Gall. Wie schon bei seinem Soloalbum (Chris Gall Solo, 2015) schafft er nun gemeinsam mit Bruder Peter am Schlagzeug und Henning Sieverts am Bass erneut eines, dass an Vielseitigkeit und Präzision ungeahnten Ausmaßes zu bieten hat.
Rhythmisch beginnt es mit dem Album-Titelgebenden ersten Stück. Die Motoren katapultieren uns stetig und gleichmäßig hinauf, schon hier wirkt alles spielerisch leicht und richtungsweisend.
Bei „Arthur Dent Knows“ wird es zudem galaktisch. Die Figur aus dem Sience-Fiction-Film “The Hitchhiker's Guide to the Galaxy” (Per Anhalter durch die Galaxie, 2005), die es wissen soll – aber was eigentlich? Dass es wie im Film reproduzierbare Welten gibt? Oder dass alles auf dem Weg „Restaurant am Ende des Universums“ endet? Der Sound verspricht eine gute Reise.
Besonders gelungen ist das durch Nina Simone interpretierte Traditional „Sea Lion Woman“ (aaka See-Lines Woman). Blues ist es beim Chris Gall Trio nicht mehr, sondern pure Dynamik.
Quer durch das Universum geht es sachte, nachdenklich mit John Lennons und Paul McCartneys Ballade „Across the Universe“ (aus. „Let it Be“) im Stil eines New Yorker Nightclub Stücks, dass in den frühen Morgenstunden zur Heimkehr drängt. Das kann hier locker mithalten mit Interpretationen von Roger Hodgson (Supertramp),Curt Cobain, Rufus Wainwright oder den Scorpions. Es ist sogar noch eigener und entschleunigter als die David Bowie-Version und genügt sich selbst rein instrumental.
Jeder Reise sollte eine Hymne haben, eine die zufällig im richtigen Moment daher kommt, im Radio läuft und einen besonderen Augenblick betont. Eine an die man sich erinnern immer wieder kann, wenn man nostalgisch unterwegs ist. Oder alternativ eine eigene kreieren – „Hymn“ – so wie es die drei Musiker tun, auf der Suche nach dem fiktiven kosmischen Spielplatz.
„Follow the Milky Way, Then Turn Left“ ist eine Navigationsangabe, ohne das Ziel verraten zu bekommen. Wie weit man der Milchstraße folgen soll? Genau fünfeinhalb Minuten... und das Abbiegen nicht vergessen bis der spontane Entschluss behutsam ausgeführt werden kann: „Gentle Snap“. Ab diesem Stück und für die drei restlichent durfte sich der Schlagzeuger austoben, sagt Chris Gall, und damit es gerecht zugeht, bekommt der Bassist fairerweise auch sein Solo. Spätestens jetzt versteht man ein wenig, was der kosmische Spielplatz mit Jazz gemeinsam haben könnte.

Chris Gall: Cosmic Playground

Chris Gall, Piano – Henning Sieverts, Bass – Peter Gall, Drums
Label: GLM Music
CD, 49:40 min.
EAN: 4014063157829

Hörprobe
YouTube-Videos:
- Nina Simone's Sea Lion Woman - Chris Gall Trio Studio Version

- Chris Gall Trio feat. Frank Möbus - Munich Summer Jazz Week 2016, Jazzclub Unterfahrt (Trailer)

Konzerte:
28.12.2017 Weiden i.d.Oberpfalz, Das Sündikat
02.02.2018 München, Jazzclub Unterfahrt
07.02.2018 Rosenheim, Le Pirat
09.02.2018 Bad Aibling, Buchhandlung Librano
08.02.2018 Weinstadt, Weinstadt Jazztage
10.02.2018 Rohrbach, Incontri


Abbildungsnachweis:
Header: Chris Gall Trio. Foto:
CD-Cover

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