Werbung

Neue Kommentare

Ulrike Tempel zu Adventsmessen und Handwerkermärkte in Hamburg – Alle Jahre wieder...: Leider sind die Termine veraltet 2017 / 2018...
Irmgard Gottschlich zu 50 Jahre Sammlung Ulla und Heinz Lohmann: Herzliche Gratulation zu diesem Ereignis, nicht n...
Dr. Carola Siepmann zu Flucht ins Ungewisse - Ausstellung im Hamburger Rathaus: Hallo, gern hätte ich die Ausstellung heute ange...
Claus Friede zu „The Irishman”. Martin Scorsese und die Demaskierung des Gangsterfilms : Danke für Ihren Kommentar, Herr Zurch.
We...

Bernd Zurch zu „The Irishman”. Martin Scorsese und die Demaskierung des Gangsterfilms : Vielen Dank. Warum gibt es keine Sternchen mehr? ...

Hamburger Architektur Sommer 2019


CDs JazzMe

Chip Wickham: Shamal Wind

Drucken
(171 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 01. Juni 2018 um 07:34 Uhr
Chip Wickham: Shamal Wind 3.8 out of 5 based on 171 votes.
Chip Wickham: Shamal Wind

Musik wie eine Fata Morgana: Man glaubt die säuselnden heißen Winde auf der Haut zu spüren, die mit dem trockenen Wüstensand spielen und ihn in schmalen Fontänen zum Himmel steigen lassen.
Chip Wickham komponierte die Titel für sein zweites Album „Shamal Wind“ am Persischen Golf – genau genommen in Doha. Dort, in der Hauptstsadt von Katar, herrscht meistens Wüstenklima. Die Temperatur steigt auf mehr als 50 Grad, sogar im Winter wird es nie kälter als 20 Grad.

Für mehrere Monate besuchte der Saxophonist und Flötist aus dem kalten England, der seit Jahrzehnten zum Inner Circle der Manchester-Jazzszene gehört, die arabische Halbinsel. Kann man sich einen größeren Kontrast zwischen zwei Orten vorstellen? Auf der einen Seite die verrußte und trübe Industriemetropole im Nordwesten Englands und auf der anderen Seite der sonnendurchflutete Wüstenstaat? Nein. Doch Manchester war anscheinend eine Art Katalysator für dieses ausgereifte, begeisternde Album.

Anders als auf Wickhams Frühwerken (diverse Singles, die von den megatanzbaren Sounds der Manchester-Rave-Szene geprägt wurden) stehen nicht mehr danceflooraffine Funkrhythmen im Vordergrund. Jetzt werden die Arrangements von orchestralen Klangteppichen dominiert, in denen Saxophon und Querflöte mit dem Vibraphon um die Wette tanzen. Dass dieser Vollblutjazzer mit so unterschiedlichen Musikern wie Nightmares On Wax und Roy Ayers zusammenarbeitete, hat sein rhythmisches Fundament verbreitert,.ihn aber nie in die musikalische Beliebigkeit abdriften lassen.

Chip Wickham: Shamal Wind COVERKlar, auch auf Album Nummer Zwei (es wurde wie der Vorgänger „La Sombra“ in Madrid aufgenommen), sind Wickhams große Vorbilder Yusef Lateef and Sahib Shihab deutlich erkennbar. Faszinierende, fast magische Querflötenklänge flattern wie Flaschengeister aus „!000 und einer Nacht“ durch die sparsam hingeworfenen Harmonietupfer der Band. Aber auch satte Orchesterklänge gehören zum Repertoire.
Vom titelgebenden Opener, der auch den Soundtrack eines Wüstenfiilms einleiten könnte über das treibend-modale. „Snake Eyes“ mit seinen – wie Wirbelwinde durch die Harmonien tobenden – Flöten- und Vibraphon-Soli klingt hier alles wie aus einem Guss. Sogar das Modern-Jazz-angehauchte superkurze „Soho-Strut“ oder das geheimnisvoll zerdehnte„ The Mirage“ passen sich in die homogene Konzeptstruktur ein. Bis hin zum eilig-hektischen 6/8-Takt bei „Barrio 71“ und dem eher kommerziellen „Rebel No. 23“ präsentiert dieser wandlungsfähige Virtuose ein Meisterwerk an harmonischer Geschlossenheit.

Funktionale Sound-Teppiche oszillieren zwischen orchestral wirkenden Passagen aus traditionellen Jazz-Harmonien und funkigen Querflöten-Figuren: ein faszinierendes meist straightes aber immer wieder sich an tonale Brüche herantastendes Kompositions-Konglomerat. Obwohl man sich ständig an Evergreen-Melodiebögen erinnert fühlt, fügen sich die Solisten (meistens Wickham) aber auch der phantasievoll-filigrane Pianist Phil Wilkinson oder der Modern-Jazz-geprägte Vibraphonist Ton Risco mit ihren perlenden Akkord-Sturzbächen und halsbrecherischen Ton-Achterbahnen traumhaft sicher in die melodisch klaren Harmoniestrukturen ein.

Also – hier gibt es nur eins: kaufen, streamen, klauen – was auch immer. Dieses Album sollte in keiner guten Jazz-Sammlung fehlen.

Chip Wickham: Shamal Wind

Chip Wickham: flute, alto flute & baritone saxophone / Ton Risco: vibraphone / Phil Wilkinson: piano / David Salvador: double bass / Antonio Alvarez Pax: drums / David el Indio: congas, bongos, bell and percussion
Matthew Halsall: trumpet on The Mirage / Gabri Casanova: Wurlitzer piano on Rebel No.23
All tracks written by Chip Wickham
Label: LoveMonk Records
Record/Vinyl, CD, Digital Album

Homepage Chip Wickham
YouTube-Video:
- Chip Wickham - Barrio 71
- Chip Wickham - Soho Strut


JazzMe – In Kooperation mit Christoph Forsthoff, Sabine Meinert, Sven Sorgenfrey und Willy Theobald. Weitere CD-Kritiken, Interviews und Informationen aus der Welt des Jazz unter www.aboutjazz.de.


Abbildungsnachweis.
Foto: Chip Wickham/PR
CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs JazzMe > Chip Wickham: Shamal Wind

Mehr auf KulturPort.De

Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard
 Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard



Zum zweiten Mal zeigt die Hamburger Kunsthalle Meisterwerke aus dem dänischen Museum Ordrupgaard. Erst im Frühjahr war „Im Licht des Nordens“ zu Gast. Nun  [ ... ]



Kunstbetriebe3 – Skulptur verändert.
 Kunstbetriebe3 – Skulptur verändert.



11 Künstlerinnen und Künstler – 11 Betriebe: Künstler und Betriebe der Region Lübeck zusammenzubringen, ist das Vorhaben der „KunstBetriebe“, das in di [ ... ]



„Das unverlierbare Leben“ von Marion Tauschwitz – Unvergessliche Erinnerungen an Hilde Domin
 „Das unverlierbare Leben“ von Marion Tauschwitz – Unvergessliche Erinnerungen an Hilde Domin



„Hilde Domins Dichtung ist Spiegelbild ihres Lebens. Werk und Leben sind eng miteinander verknüpft. Das eine ohne das andere nicht denkbar“, schreibt Marion [ ... ]



Les Passions de l'Ame: Variety – The Art of Variation
 Les Passions de l'Ame: Variety – The Art of Variation



Johann Heinrich Schmelzer (1623-1680), Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704) und Johann Joseph Fux (um 1660-1741) gehören nicht zu den österreichischen Kompon [ ... ]



„Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns
 „Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns



Der US-amerikanische Regisseur Robert Eggers inszeniert seinen Film „Der Leuchtturm” ästhetisch virtuos als expressionistische finstere Horror-Mär zwischen [ ... ]



Add art – zum 7. Mal Einblicke in die vielfältige unternehmerische Beschäftigung mit Kunst
 Add art – zum 7. Mal Einblicke in die vielfältige unternehmerische Beschäftigung mit Kunst



Hamburgs Unternehmen können sich der Öffentlichkeit als Kunstförderer vorstellen, die Öffentlichkeit hat die einmalige Chance, Sammlungen kennenzulernen, zu  [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.