Neue Kommentare

Ada Rompf zu „The Rider”. Die zärtlich-raue Poesie der Chloé Zhao : Besser kann man meinen Lieblingsfilm dieses Früh...
yolo 456 zu Die Juden vom Altrhein: man sollte einen artikel erst einmal lesen bevor ...
yolo123 zu Die Juden vom Altrhein: Das jüdische Leben in Deutschland ist vorbei und...
Achenar Myst zu Nils Landgren with Janis Siegel: some other time: Die CD ist ein absoluter Genuss, tolle Auswahl de...
Achim zu Golnar & Mahan – Derakht: Musik, die glücklich macht - Danke !!!...

CDs JazzMe

Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali

Drucken
(121 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 18. April 2018 um 08:53 Uhr
Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali 4.0 out of 5 based on 121 votes.
alt

Wie konnte sich eine 16jährige Kanadierin, die Opernarien singt und klassische Pianistin werden will, zu einer über jeden „No street credibility“-Verdacht erhabenen Hyperaktivistin der U-Musik entwickeln, die vor Konzerten bis zur letzten Minute Lieblingssongs ihrer Fans arrangiert?

„Wer hätt's gedacht! Ich sitze im Flieger nach Saskatchewan und habe gerade ein Arrangement für „Yellow“ von Coldplay fertig gekriegt.“ Eine eigene Requestomatic-Abteilung hat Laila Biali auf ihrer Facebook-Seite eingerichtet. Fans können sich Lieblingssongs wünschen, die Premiere haben, wenn Lailas Band in ihre Stadt kommt. Dank solcher „musikalischer Liebesbriefe“ an einzelne Zuschauer können alle im Saal Premieren erwarten. Eventuell werden diese nie wieder gespielt, manche gehen aber auch dauerhaft ins Repertoire ein. Es gibt sogar Songs wie „Yellow“ (Coldplay) oder „Let’s Dance“ (Bowie), die es auf ihre neue CD geschafft haben.

„Als Jazzmusiker sollten wir flexibel genug sein, weit über den gewohnten Horizont hinaus zu gehen“, sagt die ungekrönte Königin im Crowdsearching von Setlists. Dabei hat bis zum Ende ihrer Teenagerzeit weder Jazz gespielt noch jene Popsongs aus ihrem heutigen Repertoire gehört, die damals im Radio liefen. „Als ich drei war, habe ich mich auf den Klavierschemel gemogelt und versucht den Titelsong der 'Sesamstraße' zu spielen. Wenig später habe ich vor allem klassische Klaviermusik gehört und mir vorgestellt, ICH würde da vor großem Publikum den Beifall kriegen.“ Also hat sie geübt und geübt, die Chancen sahen gar nicht so schlecht aus – bis sie als Fünfzehnjährige in einen Autounfall verwickelt wurde. Ihr rechter Arm war so deutlich verletzt, dass ksich absehen liess: Laila würde mit den Anforderungen bei klassischen Wettbewerben nicht mehr zurecht kommen.

Just dieses Manko sollte für sie positive Folgen haben. Als die 1980 in Vancouver Geborene in Toronto ans Humber College ging, landete sie dort schon bald in der Bigband. Sie hörte Kenny Wheeler und vor allem Keith Jarrett, dessen Solokonzerte ihr den „change of plan“ erleichterten. „Langsam, aber sicher hat diese Musik bei mir die Hauptrolle eingenommen.“ Laila fing an, Joni Mitchell zu hören und Sting. Und sie fing an, zu singen. „Meine ersten Kompositionen waren rein instrumental. Aber ich habe gelernt, wie wichtig Lyrics sind für Leute, bei denen ich Background Vocals gesungen habe, wie Sting, Suzane oder Paula Cole.“ Auf Tour mit der Singer-Songwriterin lernte sie übrigens ihren Mann kennen. Ben Wittman saß am Schlagzeug, was er später häufig auch fürs Biali-Trio tun sollte.

Dass Laila Biali einigen Nachholbedarf in Sachen Pop und Rock hatte, wurde ihr spätestens klar, als sich im Vorfeld ihrer CD „From Sea to Sky“ (2007) Repertoire aus dem „Canadian Songbook“ auswählen sollte, dabei nur in Ausnahmefällen Kompositionen kanadischer Jazzmusiker. „Ich habe viel recherchiert und Sachen entdeckt, die ich eigentlich längst hätte kennen sollen: Leonard Cohen, Feist, Sarah McLachlan, Bruce Cockburn, k.d. Lang, Ron Sexsmith, Jane Siberry.“ Umso bemerkenswerter ist, dass ihr ein vielfach bewundertes Musterbeispiel dafür gelungen ist, wie kreativ Coverversionen sein können.

2014 hat sie ihr mittlerweile fünftes Album „House of Many Rooms“ dann mit lauter eigenen Songs bestritten. Und die gingen deutlich mehr in Richtung Rock und Pop. Als Laila 2013 im Rahmen eines von der Canadian Independent Music Association im Club „Moments“ veranstalteten Showcase-Konzerts auftrat, standen fürs Deutschlanddebüt im Rahmen der „jazzahead“ in Bremen noch Cover-Versionen im Vordergrund. Sie kam bei einem Management für Touren in Großbritannien unter. Außerdem dürfte ihr Erfolg eine Rolle dabei gespielt haben, dass sie 2016 auf der großen jazzahead-Bühne im Schlachthof landete.

Laila Biali COVERIm Umfeld dieser „Overseas Night“ wurde sie nicht nur für Schweden und Borneo (!) gebucht, sondern auch von Siggi Loch angesprochen. Und siehe da, man vereinbarte, ihre nächste CD („selbstbetitelt“, ein hässlicher Fachbegriff, der wörtlich ja nur sagt, dass jemand die Titelfindung nicht anderen überlassen hat, nun gut, das Opus heißt „Laila Biali“) bei dessen Label ACT zu veröffentlichen. Was gar nicht so selbstverständlich war, wie Laila erzählt: „Ich hatte anfangs ziemliche Bedenken, weil Siggi unmissverständlich klargestellt hat, dass er gerne mitredet bei der Musik. Oh oh, sagte ich mir, weil das Ding schon fertig produziert war. Nun gut, wenn er die Mixtur aus neun eigenen Songs und drei Cover-Versionen nicht gut finden sollte, können wir leider keinen Vertrag unterschreiben. Zum Glück hat Siggi die Zusammenstellung gemocht! Bin mal gespannt, wie es bei der nächsten CD aussehen wird...“

Educated guess des Autors: Vielleicht schlägt ihr Siggi Loch ein Konzept vor. Da wäre er bei Laila an der richtigen Adresse: „Sowas ist für mich völlig okay! Freiheit innerhalb gewisser Vorgaben, definitiv mehr Freiheit als beim Requestomat, und selbst mit der bin ich glücklich.“ Man darf gespannt sein, welche Requests es in Bremen und Berlin, Kiel oder Hannover auf die Bühne schaffen werden.

Laila Biali

George Koller, bass / Larnell Lewis, drums / Ben Wittman, drums, percussion
Label: ACT
CD
EAN: 614427904126

Hörprobe
YouTube-Videos:
- LAILA BIALI - Yellow (Coldplay cover) - live acoustic version
- Laila Biali - Let's Dance (David Bowie), live at Jazz Bistro

Tourdaten:
28.04. Bremen, Kito
30.04. Hannover, Jazzclub
03.05. Köln, Eden River Records
04.05. Kiel, Kulturforum
05.05. Dresden, Tonne
09.05. Berlin, A-Trane
10.05. Berlin, A-Trane


Abbildungsnachweis:
Headerfoto Leila Biali: Paquin Artist Agency
CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

avatar Manfred Köck
+5
 
 
schade, dass sie nicht mit ihren stammmusikern unterwegs ist. bei der deutschen besetzung klappt nicht wirklich alles gut. am ende der tour sollten sie aber eingespielt sein.
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Meinen Kommentar abschicken
Abbrechen
avatar Peter Watzen
+2
 
 
Kommentar vom 18.4. und das erste Konzert ist am 28.04. aber vorher schon wissen das die deutsche Besetzung schlecht ist!?
Habe das konzert in bremen live miterlebt und die deutsche Besetzung war überragend, voller Spielfreude und stand der Stammbesetzung in nichts nach!
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Meinen Kommentar abschicken
Abbrechen
avatar Manfred Köck
+7
 
 
falsch, das erste Konzert der Tour hatte lange vor dem 28.4. stattgefunden, wird hier aber gar nicht erwähnt. Umso schöner zu lesen, dass die deutsche besetzung schnell hervorragend wurde, Herr Watzen...
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Meinen Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs JazzMe > Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali

Mehr auf KulturPort.De

Inge Dick: „licht weiss“ – Konzeptfotografie
 Inge Dick: „licht weiss“ – Konzeptfotografie



Jahrzehntelang hat sich die aus Wien stammende Fotokünstlerin Inge Dick (*1941) mit den Themen Licht, Zeit, Raum und deren permanente Veränderung auseinanderge [ ... ]



„Thietmars Welt. Ein Merseburger Bischof schreibt Geschichte“ – Eine Zeitreise in das Mittelalter
 „Thietmars Welt. Ein Merseburger Bischof schreibt Geschichte“ – Eine Zeitreise in das Mittelalter



Einer der berühmtesten Chronisten des Mittelalters war Thietmar von Merseburg (975-1018). Unter den römisch-deutschen Kaisern Otto III. bis zu Heinrich II. war [ ... ]



Elisabeth Weinek: „Was Sie sah“ – Andalusien, Marokko, Iran
 Elisabeth Weinek: „Was Sie sah“ – Andalusien, Marokko, Iran



Passend zur Festspielzeit werden in der Margarethenkapelle von St. Peter, eine der ältesten Kirchen Salzburgs, Fotografien gezeigt, die sich als „interkulture [ ... ]



Ilse Helbich: Kluge Chronistin des Alters – „Im Gehen“ gefundene Gedichte
 Ilse Helbich: Kluge Chronistin des Alters – „Im Gehen“ gefundene Gedichte



Auch heute noch geschehen beglückende Wunder: Mit 80 Jahren veröffentlichte die 1923 in Wien geborene Ilse Helbich ihren ersten Roman unter dem Titel „Schwal [ ... ]



Thierry van Werveke: Schauspieler, Rockstar, Troublemaker, Thierry National
 Thierry van Werveke: Schauspieler, Rockstar, Troublemaker, Thierry National



Thierry! – allein sein Vorname löst in Luxemburg schon entzücken aus und wird mit der Addition von „National“ zum Kult. In Deutschland und Österreich fr [ ... ]



„Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls
 „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls



Samuel Moaz kreiert mit dem Antikriegsdrama „Foxtrot” einen atemberaubenden ästhetischen Kosmos: zornig, visuell kühn, emotional hochexplosiv, oft grausam, [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.