Werbung

Neue Kommentare

Martin Zopick zu „Nocturnal Animals” – Rachethriller als bittere Selbsterkenntnis : Der zweite Film von Tom Ford und der ist gar nich...
Michaela zu „Midsommar”. Die sonnendurchfluteten Abgründe des Ari Aster: Einer der magnetisierendsten Filme, die ich seit ...
Hampus Jeppsson zu „Der Distelfink“. Kühle Eleganz als Metapher für Schmerz: Interessant. Ein sehr guter Roman, dessen Verfilm...
Elvana Indergand zu Snøhetta: Architektur – Landschaft – Interieur: Ich bin begeistert von der Biblioteca Alexandrina...

Hamburger Architektur Sommer 2019


CDs JazzMe

Pascal Schumacher, Maxime Delpierre: Drops & Points

Drucken
(198 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Montag, den 19. Juni 2017 um 08:46 Uhr
Pascal Schumacher, Maxime Delpierre: Drops & Points 4.1 out of 5 based on 198 votes.
Pascal Schumacher, Maxime Delpierre: Drops & Points

Keine Linie in Sicht – weit und breit. Dafür Tropfen, Punkte, Flecken, Tupfen und Blasen.
„Drops & Points“ heißt das neue Album des Luxemburger Vibraphonisten Pascal Schumacher (*1979), das er gemeinsam mit dem Französischen Gitarristen Maxime Delpierre (*1975) soeben in den Handel gebracht hat. Ein ungewöhnliches Album, zumindest musikalisch, ist Schumacher doch eher im Jazz und in der Klassik beheimatet als in der elektronischen Minimalmusik. Die zieht sich jedoch wie ein Roter Punktefaden durch den dreiviertelstündigen Hörgenuss.

Orientierungswechsel
Steve Reich und Philip Glass finden im Duo Schumacher/Delpierre würdige Nachfolger und damit verlassen die beiden Musiker auch ihre europäisch-orientierte kulturelle Heimat ein Stück. Bisher war nämlich die Verbundenheit mit der europäischen Musik bei allen Vorgängeralben klar und eindeutig. Doch nun der Wechsel, die der Suche nach neuen Feldern gerecht wird. Schumacher verwendete zuvor nämlich immer weniger Zeit mit der Aufnahme von Alben als mit der Postproduktion. Die Digitalisierung ist in diesem Fall ein Ermöglicher von Klangwelten und Kombinationen, die nicht nur ohne viel Personal auskommen, sondern auch inhaltliches Neuland betreten lassen. Nun gehört die Wiederholung von musikalischen Themen und Sequenzen seit langen nicht mehr dazu, aber doch der elektronische Raum: Durch Klangverschiebungen, verschiedenerlei Effekte, Verzerrungen und Unschärfen entsteht Neues, Ungewohntes. Zwar unterliegen die meisten der sieben Stücke von „Drops & Points“ melodischen, wohlklingenden Kompositionen (z.B. „Dots“ und „Drop my Mind“) – die meisten davon aus der Feder von Pascal Schumacher – jedoch ist dies kein dogmatisches Prinzip und macht das Album vielseitig (z.B. „Bubbles“ und „Tango of Points“). Besonders hervorzuheben ist die extrem spannende Kombination der beiden Instrumente Gitarre und Vibraphon, die sich ergänzen, bekämpfen, austarieren und sich in ihrer Vieldeutigkeit durchaus auch klar positionieren müssen. Das wird beispielsweise bei „Drop my Mind“ durch den Western-Style-Gitarrensound verdeutlicht, der sich später in E-Riffs-Verlängerungen ergießt. Oder dem orientalischen Tango-Start des letzten Stücks der CD. Im Nu wird dieser zu einem sich rhythmisch festen und sich wiederholenden, dann zu einem saltatorischen Führungspositionsklang.

Feinsinniges Ergebnis
COVER Drops - Points P SchumacherDie Entwicklung dieser Sound-Sprache lässt Kategorisierungen zur Unbedeutsamkeit werden. Schumacher bezeichnet die Entwicklung zu den Aufnahmen zurecht als ein Abenteuer, das aus einer gewissen Unzufriedenheit geboren wurde. Das kann ein guter Entfaltungsantrieb sein – zumal wenn man auf einen Gleichsuchenden wie Delpierre trifft. Jeder Künstler steht irgendwann vor der Frage wohin die Reise weitergehen soll und dann sind andere kreative Synapsen gefragt als im Zustand der Routine und des Zelebrierens von bereits Bewährtem.

„Drops & Points“ ist ein wundervoll feingliedriges Ergebnis, dass sich einerseits historischer Vorbilder bewusst ist, anderseits aber auch notwendige Distanzen kultiviert – ja, kultivieren muss. Heute gilt der Spruch „sich selbst immer wieder neu erfinden“ zu müssen mehr denn je, bringt man damit nicht nur sich selbst, sondern das ganze Genre voran.
Die Mitnahme des Publikums folgt dann hoffentlich auch!

Pascal Schumacher feat. Maxime Delpierre: Drops & Points

Pascal Schumacher (Vibraphon, Piano, Synthesizer) Maxim Delpierre (Gitarre, Synthesizer), Martha Khadem-Missagh (Violine), Pierre Laurent (Violine), Jean-Francois Mein (Viola), Raju Vidali (Cello)
Label: Modulating Music
EAN: 3614595705164

YouTube-Videos:
Pascal Schumacher feat. Maxime Delpierre: Drops & Points (Official Album Teaser)
Pascal Schumacher feat. Maxime Delpierre: Drops & Points (The Live-Show)


Abbildungsnachweis:
Headerfoto: © Pascal Schumacher
CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs JazzMe > Pascal Schumacher, Maxime Delpierre: Drops &a...

Mehr auf KulturPort.De

Still in the Woods: Flying Waves
 Still in the Woods: Flying Waves



Schon in einer vorangegangenen KulturPort.De-Besprechung zum ersten Album (Rootless Tree) von „Still in the Woods“ kam das bemerkenswerte Potential der Band  [ ... ]



„Halloween“-Opern-Slam im Opernloft Altona
 „Halloween“-Opern-Slam im Opernloft Altona



Ein ungewöhnlich schönes Ambiente, ganz erstaunliche Stimmen und ein Spaßfaktor, wie er in der klassischen Musik wohl einmalig ist: Der „Halloween“-Sänge [ ... ]



Gottes Wort oder Menschenwerk? Zwei Bücher über die Geschichte der Bibel
 Gottes Wort oder Menschenwerk? Zwei Bücher über die Geschichte der Bibel



Die Bibel, sagt Arno Schmidt irgendwo, sei „ein unordentliches Buch mit 50.000 Textvarianten“. Auch wenn diese Zahl groß klingt – damit hat er gewiss noch [ ... ]



Die jungen Jahre der Alten Meister – Baselitz, Richter, Polke, Kiefer
 Die jungen Jahre der Alten Meister – Baselitz, Richter, Polke, Kiefer



Es war die Zeit, in der die Malerei totgesagt war. Jeder, der sich zur Avantgarde zählte, suchte den Ausstieg aus dem Bild. Jeder? Nein. Vier junge Maler dachte [ ... ]



Christian Frentzen: First Encounter
 Christian Frentzen: First Encounter



Hat Modern Jazz noch eine Zukunft? Oder ist seine Wiederbelebung ein Griff in die Mottenkiste? Nein: Der Kölner Pianist Christian Frentzen zeigt auf seinem Deb [ ... ]



„Alles fließt“ – Oliver Mark, Sibylle Springer und Sonja Ofen in der Gallery Lazarus Hamburg
 „Alles fließt“ – Oliver Mark, Sibylle Springer und Sonja Ofen in der Gallery Lazarus Hamburg



Mia Farrow, Ben Kingsley, Anthony Hopkins – Oliver Mark hat sie alle vor der Kamera gehabt. Jetzt stellt der international renommierte Fotograf mit Sibylle Spr [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.