Neue Kommentare

Stipe Gojun zu „La Vérité” Hirokazu Kore-eda und der Mythos Familie : Ach, wie gern würde ich heute ins Kino gehen. Ob...
Frank-Peter Hansen zu Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition: Im Spätherbst letzten Jahres anlässlich einer S...
bbk berlin zu Dortmund geht neue Wege bei der Kunst-Förderung: Die Berliner Künstler*innen freut es sehr, dass ...
Markus Semm zu Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition: Sehen Sie: Der Unterschied zw. Heidegger und Cass...
Karin Schneider zu Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition: Ein großartiger Artikel! Stefan Diebitz schafft ...

Hamburger Architektur Sommer 2019


CDs JazzMe

Ulita Knaus: „Love In This Time”

Drucken
(180 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 07. Juni 2017 um 13:40 Uhr
Ulita Knaus: „Love In This Time” 4.3 out of 5 based on 180 votes.
Ulita Knaus: „Love In This Time”

„Love In This Time“ ist ein phantastisches Stück Musik im besten Sinn des Wortes: Ulita Knaus macht auch auf ihrem siebten Longplayer mal wieder alles richtig.
Sämtliche Songs (bis auf Stevie Wonders „Visions“) sind selbst komponiert und absolut hochklassig. Harmonien, Texte und Arrangements wirken wie aus einem Guss und – zirkulieren in einem meist perfekten Wechselspiel.

Auch über eine eigene Handschrift verfügt das Album. Und das, obwohl die Genres aus denen sich Knaus bedient mehr als vielseitig sind. Fusion-Jazz-Rock aber auch Pop der Siebziger, Funk, Latin, Blues – es gibt kaum einen Jazzbereich der nicht auftaucht. „Wer erwartet hat, dass es bei mir immer sanft und jazzy weitergeht hat mich einfach nicht begriffen“, erklärte sie in einem Interview.

Cover Ulita Knaus: Love In This TimeLos geht es mit 70er-Jahre Cocktail-Fusion-Pop-Jazz („Zero Days“) samt passendem Öko-Text. Schon zu Beginn zeigt die Wahlhamburgerin spotlightartig, wie großartig sie ihre phrasierungs- und obertonreiche Stimme beherrscht. Auch beim Arrangement stimmt alles. Man glaubt die Geister von George Duke am Piano klimpern und Volker Kriegel auf der Gitarre spielen zu hören. Nahezu perfekt dieser Opener! Einzige Kritik: irgendwie mit angezogener Handbremse. Aber, wenn sie mehr Gas gegeben hätte, wäre wahrscheinlich auch diese unglaubliche unterschwellige Power weg.

„Invader“ klingt eher standardmäßig: sehr kalkuliert und auf den Punkt arrangiert – aber immer noch keine Entladung. Der atmosphärische Druck steigt, wird durch spielerische Pianopassagen wieder `rausgenommen.

„One Note“ kommt ebenfalls mit wenig Tempo aus – zerdehnt die Harmonien und überführt die Instrumente in sphärische Klänge: ein funktionaler Soundteppich, der den Hintergrund für diese unter die Haut gehende Komposition liefert. Man kann nur ahnen, um was es sich wirklich handelt: ein melancholischer Moment in der Abendsonne, der Morgen nach der Party, entrückte Versunkenheit alleine an der Bar („In our second hand universe, we’re spinning around...“). Oder geht es doch nur um ein missglücktes Liebesabenteuer?! (Oder – wie im Beipackzettel behauptet um gerade verstorbene Kollegen??) Wunderschön – und viel mehr als nur eine Note!
Das Gefühl für Stimmungen wurde der studierten Jazzsängerin anscheinend in die Wiege gelegt. Die aus Venezuela stammende Mutter und der als Opernsänger ausgebildete bulgarische Vater unterstützten nicht nur ihre ersten Gehversuche am Klavier, sondern auch ihren Traum Musikerin zu werden.

Zwölf Jahre tourte die in Salzgitter geborene Sängerin mit dem Orchester Havana durch die halbe Welt bevor sie ihre Solokarriere startete. Eine unschätzbare Erfahrung, die man in fast jeder Note spürt. Auch ihr erklärtes Vorbild Dianne Reeves hat hörbare Spuren hinterlassen.

Bei so viel Routine kommt natürlich das Gespür für Dramaturgie nicht zu kurz! „Forever Seven“ zieht das Tempo endlich an, kommt akzentuiert funky daher. Immer noch ein hochklassiges Stück Musik – aber mit deutlich weniger Ausstrahlung als seine Vorgänger.

„Mammoth Tree“ klingt wie ein klassischer Blues und ist eine Verbeugung vor der Tradition. Sehr gelungen, sehr schön – aber auch ein bisschen erwartbar. Trotzdem: wunderbarer Cocktail-Jazz und viel zu schade für den Aufzug. Klar – ihre Sidewoman-Qualitäten bei Stars wie Udo Lindenberg, Peter Fox oder Bobby McFerrin haben auch im Repertoire Wirkung gezeigt.

„White Signs On Black Flags“ ist ein Anti-Kriegs/Terror-Song der lautmalerisch fast alles umsetzt, was der Text verlangt ohne in musikalischen Agitprop abzugleiten: Düstere Moll-Atmosphäre mit schrill warnenden Dur-Harmonien, sägende Gitarrenriffs ganz im Hintergrund – ein überzeugendes Sound-Schlachtengemälde.

„The Nothingness Of Today“ (Nomen Est Omen) ist zwar nett anzuhören, klingt aber eher nach l’art pour l’art. Textmäßig dreht sich auf diesem Album vieles um das immergrüne Auf- und-ab der Liebe. „In meinem privaten Leben herrscht ziemlich viel Drama und Leidenschaft“, erklärt sie lächelnd. Na gut – irgendwie ist das natürlich ein Thema, das uns niemals loslässt!

„Quantum Physics Of Love“ (mit Scat-Latin-Anleihen) ist dann passenderweise der optimistische aber auch sehr konventionelle Ausklang – könnte auch das Happy End eines Hollywood-Films sein. Aber okay. Und Wonders „Visions“ (den eigentlichen Schluss) ignorieren wir einfach: Hier wurde weder an Phlanger- noch Sitar-Effekten gespart.

Ein wunderschönes Album, das große Momente des elektrifizierten Siebziger-Jahre Jazz` zusammenfast und mit großer handwerklicher Präzision auf den Punkt bringt: Klasse.

 


Ulita Knaus: „Love In This Time”

Label: Must Have Jazz/Membran
CD, MP3
EAN: 885150343746


JazzMe - In Kooperation mit Christoph Forsthoff, Sabine Meinert, Sven Sorgenfrey und Willy Theobald. Weitere CD-Kritiken, Interviews und Informationen aus der Welt des Jazz unter www.aboutjazz.de.


Abbildungsnachweis:
CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs JazzMe > Ulita Knaus: „Love In This Time”

Mehr auf KulturPort.De

The Henry Girls: Shout, Sister Shout
 The Henry Girls: Shout, Sister Shout



Sie sind Irish, sie sind Geschwister, sie sind gut!
In dem Dreihundert-Seelen-Nest Malin (Irish: Málainn), in der Grafschaft Donegal, ganz im äußersten Norde [ ... ]



Meine kleine Schwester im Herzen, Regy Clasen. Ein persönlicher Nachruf von Purple Schulz
 Meine kleine Schwester im Herzen, Regy Clasen. Ein persönlicher Nachruf von Purple Schulz



Meine kleine Schwester im Herzen, Regy Clasen, hat am vergangenen Samstag ihre Flügel ausgebreitet und ist davongeflogen wie das Rotkehlchen vor ihrem Fenster,  [ ... ]



Anime: Psycho Pass – Sinners of the System
 Anime: Psycho Pass – Sinners of the System



Ein spannender Cyperpunk-Thriller, angesiedelt im 21ten Jahrhundert und gepaart mit actiongeladener Science-Fiction erzählt von drei verschiedenen Fällen rund  [ ... ]



Die letzten zehn Tage im Leben einer Ikone: „Ach, Virginia“. Ein Roman über Virginia Woolf
 Die letzten zehn Tage im Leben einer Ikone: „Ach, Virginia“. Ein Roman über Virginia Woolf



Virginia Woolf (1882-1941) ist eine Ikone der literarischen Moderne. Wie kaum eine andere Frau ihrer Zeit steht sie für das Ringen um Eigenständigkeit und Raum [ ... ]



BuchDruckKunst 2020 – Das Magazin
 BuchDruckKunst 2020 – Das Magazin



Menschen, Bücher, Sensationen: An diesem Wochenende, vom 27. bis 29. März 2020, sollte die renommierte BuchDruckKunst im Museum der Arbeit stattfinden. Ein Hig [ ... ]



Eoin Moore und Anika Wangard – eine Begegnung
 Eoin Moore und Anika Wangard – eine Begegnung



Eigentlich bin ich nicht besonders scharf auf Krimis. Wenn sie allerdings sehr gut sind, relativiert sich das. Wahrscheinlich befinde ich mich tief im Mainstream [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.