Neue Kommentare

Herby Neubacher zu Es läuft und läuft und läuft: 15 Jahre „Heiße Ecke“ im Schmidt's Tivoli: Rund 42000 Kondome, 25 000 Würstchen, 16800 Wasc...
Patrick Dissinger zu „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls: Ein exzellenter, sehr kluger Film. Danke für den...
erlenmeier zu Historische Tankstellen – auf Spurensuche in Hamburg : Ich arbeite seit vielen Jahren beim Forum geschic...
Bartholomay zu Berliner Mauer 57. Jahrestag: Gedenkfeier ? Um von ihren Taten gegen die ehemal...
Herby Neubacher zu Eindringlicher Holocaust-Roman von Affinity Konar: „Mischling“ – keine leichte, aber lohnende Lektüre: Das hat uns jetzt eigentlich noch gefehlt - Erinn...

CDs JazzMe

Ulita Knaus: „Love In This Time”

Drucken
(140 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 07. Juni 2017 um 14:40 Uhr
Ulita Knaus: „Love In This Time” 4.2 out of 5 based on 140 votes.
Ulita Knaus: „Love In This Time”

„Love In This Time“ ist ein phantastisches Stück Musik im besten Sinn des Wortes: Ulita Knaus macht auch auf ihrem siebten Longplayer mal wieder alles richtig.
Sämtliche Songs (bis auf Stevie Wonders „Visions“) sind selbst komponiert und absolut hochklassig. Harmonien, Texte und Arrangements wirken wie aus einem Guss und – zirkulieren in einem meist perfekten Wechselspiel.

Auch über eine eigene Handschrift verfügt das Album. Und das, obwohl die Genres aus denen sich Knaus bedient mehr als vielseitig sind. Fusion-Jazz-Rock aber auch Pop der Siebziger, Funk, Latin, Blues – es gibt kaum einen Jazzbereich der nicht auftaucht. „Wer erwartet hat, dass es bei mir immer sanft und jazzy weitergeht hat mich einfach nicht begriffen“, erklärte sie in einem Interview.

Cover Ulita Knaus: Love In This TimeLos geht es mit 70er-Jahre Cocktail-Fusion-Pop-Jazz („Zero Days“) samt passendem Öko-Text. Schon zu Beginn zeigt die Wahlhamburgerin spotlightartig, wie großartig sie ihre phrasierungs- und obertonreiche Stimme beherrscht. Auch beim Arrangement stimmt alles. Man glaubt die Geister von George Duke am Piano klimpern und Volker Kriegel auf der Gitarre spielen zu hören. Nahezu perfekt dieser Opener! Einzige Kritik: irgendwie mit angezogener Handbremse. Aber, wenn sie mehr Gas gegeben hätte, wäre wahrscheinlich auch diese unglaubliche unterschwellige Power weg.

„Invader“ klingt eher standardmäßig: sehr kalkuliert und auf den Punkt arrangiert – aber immer noch keine Entladung. Der atmosphärische Druck steigt, wird durch spielerische Pianopassagen wieder `rausgenommen.

„One Note“ kommt ebenfalls mit wenig Tempo aus – zerdehnt die Harmonien und überführt die Instrumente in sphärische Klänge: ein funktionaler Soundteppich, der den Hintergrund für diese unter die Haut gehende Komposition liefert. Man kann nur ahnen, um was es sich wirklich handelt: ein melancholischer Moment in der Abendsonne, der Morgen nach der Party, entrückte Versunkenheit alleine an der Bar („In our second hand universe, we’re spinning around...“). Oder geht es doch nur um ein missglücktes Liebesabenteuer?! (Oder – wie im Beipackzettel behauptet um gerade verstorbene Kollegen??) Wunderschön – und viel mehr als nur eine Note!
Das Gefühl für Stimmungen wurde der studierten Jazzsängerin anscheinend in die Wiege gelegt. Die aus Venezuela stammende Mutter und der als Opernsänger ausgebildete bulgarische Vater unterstützten nicht nur ihre ersten Gehversuche am Klavier, sondern auch ihren Traum Musikerin zu werden.

Zwölf Jahre tourte die in Salzgitter geborene Sängerin mit dem Orchester Havana durch die halbe Welt bevor sie ihre Solokarriere startete. Eine unschätzbare Erfahrung, die man in fast jeder Note spürt. Auch ihr erklärtes Vorbild Dianne Reeves hat hörbare Spuren hinterlassen.

Bei so viel Routine kommt natürlich das Gespür für Dramaturgie nicht zu kurz! „Forever Seven“ zieht das Tempo endlich an, kommt akzentuiert funky daher. Immer noch ein hochklassiges Stück Musik – aber mit deutlich weniger Ausstrahlung als seine Vorgänger.

„Mammoth Tree“ klingt wie ein klassischer Blues und ist eine Verbeugung vor der Tradition. Sehr gelungen, sehr schön – aber auch ein bisschen erwartbar. Trotzdem: wunderbarer Cocktail-Jazz und viel zu schade für den Aufzug. Klar – ihre Sidewoman-Qualitäten bei Stars wie Udo Lindenberg, Peter Fox oder Bobby McFerrin haben auch im Repertoire Wirkung gezeigt.

„White Signs On Black Flags“ ist ein Anti-Kriegs/Terror-Song der lautmalerisch fast alles umsetzt, was der Text verlangt ohne in musikalischen Agitprop abzugleiten: Düstere Moll-Atmosphäre mit schrill warnenden Dur-Harmonien, sägende Gitarrenriffs ganz im Hintergrund – ein überzeugendes Sound-Schlachtengemälde.

„The Nothingness Of Today“ (Nomen Est Omen) ist zwar nett anzuhören, klingt aber eher nach l’art pour l’art. Textmäßig dreht sich auf diesem Album vieles um das immergrüne Auf- und-ab der Liebe. „In meinem privaten Leben herrscht ziemlich viel Drama und Leidenschaft“, erklärt sie lächelnd. Na gut – irgendwie ist das natürlich ein Thema, das uns niemals loslässt!

„Quantum Physics Of Love“ (mit Scat-Latin-Anleihen) ist dann passenderweise der optimistische aber auch sehr konventionelle Ausklang – könnte auch das Happy End eines Hollywood-Films sein. Aber okay. Und Wonders „Visions“ (den eigentlichen Schluss) ignorieren wir einfach: Hier wurde weder an Phlanger- noch Sitar-Effekten gespart.

Ein wunderschönes Album, das große Momente des elektrifizierten Siebziger-Jahre Jazz` zusammenfast und mit großer handwerklicher Präzision auf den Punkt bringt: Klasse.

 


Ulita Knaus: „Love In This Time”

Label: Must Have Jazz/Membran
CD, MP3
EAN: 885150343746


JazzMe - In Kooperation mit Christoph Forsthoff, Sabine Meinert, Sven Sorgenfrey und Willy Theobald. Weitere CD-Kritiken, Interviews und Informationen aus der Welt des Jazz unter www.aboutjazz.de.


Abbildungsnachweis:
CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs JazzMe > Ulita Knaus: „Love In This Time”

Mehr auf KulturPort.De

NordArt 2018 – Zum 20. Geburtstag eine spektakuläre Kunstausstellung
 NordArt 2018 – Zum 20. Geburtstag eine spektakuläre Kunstausstellung



Wer die „NordArt 2018“ – die Internationale Kunstausstellung im schleswig-holsteinischen Büdelsdorf – noch nicht gesehen hat, sollte sich beeilen. Nur n [ ... ]



„Doing the Document“: Die Welt durch die Kameralinse
 „Doing the Document“: Die Welt durch die Kameralinse



Von Diane Arbus über Walker Evans und August Sander bis zu Piet Zwart: Über 200 Werke der bekanntesten Fotograf*innen des 20. Jahrhunderts sind dank einer Sche [ ... ]



„Carte Blache“ in der Galerie Hengevoss-Dürkop
 „Carte Blache“ in der Galerie Hengevoss-Dürkop



Wann bekommt man schon mal eine Carte Blache – zumal von einer Galeristin? Doch Kerstin Hengevoss-Dürkop hatte volles Vertrauen zu dem belgischen Künstler Va [ ... ]



Die Stunde der Matrosen – Kiel und die deutsche Revolution 1918
 Die Stunde der Matrosen – Kiel und die deutsche Revolution 1918



Zehn Tage dauerte der Aufstand. Gemeint ist der Matrosenaufstand in Kiel. Der Aufstand brach Ende Oktober 1918 auf den Schiffen der Hochseeflotte vor Wilhelmshav [ ... ]



Es läuft und läuft und läuft: 15 Jahre „Heiße Ecke“ im Schmidt's Tivoli
 Es läuft und läuft und läuft: 15 Jahre „Heiße Ecke“ im Schmidt's Tivoli



Von solchen Zahlen kann man nicht einmal träumen. Rund 42000 Kondome, 25 000 Würstchen, 16800 Waschmaschinenladungen und 12600 Bierdosen wurden in sage und sch [ ... ]



Ludwig und Benyamin Nuss: Songs & Ballads
 Ludwig und Benyamin Nuss: Songs & Ballads



Zwei Instrumente, zwei Musiker – Vater und Sohn – ein Duo-Debüt-Album mit Liedern und Balladen. Zwei die sich verstehen und sich offensichtlich mit musikali [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.