Werbung

Neue Kommentare

Claus Friede zu „Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns: Nein, nur eine kurze Pause......
Kalle mit der Kelle zu „Der Leuchtturm” – Robert Eggers und die Metaphorik des Wahnsinns: Seit November nichts Neues. Ist der Film-Blog ges...
Geli zu Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard: Mal eine nette Eigenwerbung zur Abwechslung... gl...
Rudi Arendt zu Impressionismus – Meisterwerke aus der Sammlung Ordrupgaard: Reflexion der Landschaft - aktuelle impressionist...
Ulrike Tempel zu Adventsmessen und Handwerkermärkte in Hamburg – Alle Jahre wieder...: Leider sind die Termine veraltet 2017 / 2018...

Hamburger Architektur Sommer 2019


CDs JazzMe

China Moses: Nightintales

Drucken
(168 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 19. April 2017 um 09:02 Uhr
China Moses: Nightintales 4.3 out of 5 based on 168 votes.
China Moses Nightintales

Der britische Pianist John Taylor behauptete einmal: „Was die Leute dafürhalten, ist meistens gar kein Jazz.“ Er hatte ja so recht! Und das gilt auch für das neue Album „Nightintales“ von China Moses.
Aber: es ist richtig gut. Und wenn wir verhindern wollen, dass Frank Zappas Prophezeiung: „Der Jazz ist noch nicht tot, aber er riecht schon ein bisschen!“ seine olfaktorische Wirkung voll entfaltet, müssen wir akzeptieren, dass sich der Jazz verändert.

Bei China Moses – immerhin der Tochter von Jazz-Legende Dee Dee Bridgewater – hat der Jazz gute Chancen sich in die richtige Richtung zu entwickeln. Nightintales ist im besten Sinne traditionell – sprengt diesen Rahmen aber durch Funk-, Soul- und Popversatzstücke. Schon der Opener Running könnte von Neneh Cherry, Norah Jones oder irgendeiner anderen Wanderin zwischen Pop und Jazz stammen.

China Moses: Nightintales CoverViel Zeit ist vergangen seit China Moses 1996 ihre erste Single „Time“ herausgebracht hatte: Ein harmonisch abgerundetes Stückchen Soul-Pop mit viel Frische und Pepp – und trotzdem ganz viel Retro. Ihre Stimme verriet schon damals: Das ist kein nettes unbedarftes Glamour-Sternchen, sondern eine wirklich talentierte Sängerin. Obwohl sie dann auch mit Guru, Étienne de Crécy und anderen Trendstars aus ihrer Wahlheimat Frankreich zusammenarbeitete, ging sie immer mehr in Richtung Jazz und legte 2009 mit „This One’s For Dinah“ eine gelungenes Tribute-Album mit Musik der unvergessenen Jazz-Pop-Lady Dinah Washington vor. Mit „Crazy Blues“ verneigte sich China Moses 2012 vor fast allen großen Blues-Heroinen von Mamie Smith und Helen Humes über Ma Rainey und Esther Phillips bis zu Nina Simone und Janis Joplin – schreckte auch nicht vor Donna Summer zurück.

Aber zurück zum aktuellen Album, das echte Highlights im Angebot hat. Elegant düster und finster (aber jazzig im besten Sinne des Wortes) kommt „Whatever” daher. Und „Hungover” ist fast ein brachialer Rocker, der richtig nach vorne losgeht! Put It On The Line klingt ziemlich bluesig aber auch sehr adult-music-mäßig.

Disconnected” ist immergrüner Pop-Funk-Jazz, sehr unterkühlt aber kurz vor Schluss fast ‚freejazzig’ gegen den Strich gebürstet. „Ticking Boxes” könnte man als wohltemperierten Balladen-Pop bezeichnen – wirkt aber mit seinem wunderschönen wenn auch sehr kalkuliert arrangierten Trompeten-Ausklang ziemlich erwachsenentauglich: etwas für die Generation, die schon mit Nordic-Walking-Stöcken unterwegs ist.

Bevor ich es aber vergesse: Blame Jerry – das ist nun verständlicherweise kein Lob – könnte auch bei jeder ARD-Silvesterparty laufen. Irgendwie scheinen dabei dem Produzenten Anthony Marshall die Harmonie-Pferde durchgegangen zu sein.

Ist der Weg schon das Ziel? Kann man so sehen: Muss man aber nicht! Nightintales ist ein wirklich gutes Album mit einigen überragenden Songs – aber auch ein Versprechen an die Zukunft des Jazz. Und China Moses wird uns bestimmt noch viele gute LPs bescheren: Sie ist auf dem richtigen Weg!

China Moses: Nightintales
Drums – Jerry Brown (tracks: Jerome "Jerry" Brown) / Electric Bass, Upright Bass – "Level" Neville Malcolm / Piano, Organ, Rhodes – Luke Smith / Producer – Anthony "You Better Sing" Marshall
Label: MPS Musik Produktion Schwarzwald New (Edel)
CD, Vinyl
EAN: 4029759117353
YouTube-Video:
Running - China Moses - Nightintales
China Moses - Nightintales - The Studio Sessions


JazzMe - In Kooperation mit Christoph Forsthoff, Sabine Meinert, Sven Sorgenfrey und Willy Theobald. Weitere CD-Kritiken, Interviews und Informationen aus der Welt des Jazz unter AboutJazz.


Abbildungsnachweis:
Headerfoto: Sylvain Norget/PR
CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs JazzMe > China Moses: Nightintales

Mehr auf KulturPort.De

Aspekte Festival 2020 – Die Programmatik
 Aspekte Festival 2020 – Die Programmatik



Woraus besteht die Musik unserer Zeit, was macht sie aus? Und überhaupt: Ist es die, die wir hören, ist es die, die komponiert wird oder die, die zeitgenössis [ ... ]



Über die Mathematik des Wassers
 Über die Mathematik des Wassers



Pascal Dusapin, 1955 in Nancy geboren, ist einer der wichtigsten Impulsgeber der Gegenwartsmusik.
Im Gespräch zum 5. Philharmonischen Konzert des Philharmonis [ ... ]



Paolo Pellegrin. Un’Antologia
 Paolo Pellegrin. Un’Antologia



„Fotografie ist wie schreiben für mich“, sagt Paolo Pellegrin. „Es ist eine Stimme.“
Diese „Stimme“ ist extrem berührend, mitunter fast unerträg [ ... ]



Silvan Joray Trio: cluster
 Silvan Joray Trio: cluster



Als Student der Gitarristen Wolfgang Muthspiel und Lionel Loueke hat sich Silvan Joray zwei Schwergewichte als Musiker und Lehrer ausgesucht. Seinen Bachelor hat [ ... ]



Jürgen Habermas: Auch eine Geschichte der Philosophie.
 Jürgen Habermas: Auch eine Geschichte der Philosophie.



Ganz zweifellos war es die Sensation des Buchherbstes 2019: Endlich erschien die Philosophiegeschichte, an der Jürgen Habermas mehr als zehn Jahre gearbeitet ha [ ... ]



500 Jahre Havanna 2019 – Kuba tanzt in die Zukunft
 500 Jahre Havanna 2019 – Kuba tanzt in die Zukunft



2019 hat die Hauptstadt Havanna ihren 500-jährigen Geburtstag gefeiert. 1519 gegründet, ist die strategisch gelegene Hafenstadt auch ein halbes Jahrtausend dan [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.