Neue Kommentare

Achenar Myst zu Nils Landgren with Janis Siegel: some other time: Die CD ist ein absoluter Genuss, tolle Auswahl de...
Achim zu Golnar & Mahan – Derakht: Musik, die glücklich macht - Danke !!!...
Frederik Meester zu Weltmusikalisches Crossover – fließende Gefühle. Etta Scollo zum 60. Geburtstag: tanti auguri, etta scollo!!!...
ede und andrea zu Weltmusikalisches Crossover – fließende Gefühle. Etta Scollo zum 60. Geburtstag: Auguri di buon compleanno, liebste Etta! lass es ...
Marion Hinz zu Dorothy Parker: „Denn mein Herz ist frisch gebrochen“ – Zwischen Sehnsucht und Satire: Lieber Herr Blumenbach, Ihr Kommentar freut mich ...

CDs JazzMe

Melt Trio: Stroy

Drucken
(200 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 26. August 2016 um 10:08 Uhr
Melt Trio: Stroy 4.2 out of 5 based on 200 votes.
Melt Trio Stroy

Die beiden Brüder Peter (Gitarre) und Bernhard Meyer (Bass) sowie Moritz Baumgärtner (Drums) bringen ihr drittes Album heraus: Stroy.
Die archaische Variante des englischen Wortes destroy (zerstören) erklärt nicht unbedingt dieses melodische und oft harmonisch klingende, elfteilige Kunstwerk. Dann schon eher der Begriff „melt“, denn die Verflüssigung oder Einweichung der Gefühle funktioniert.


„Stroy“ fällt musikalisch auf, weil die Stücke einfach und allesamt gut sind. Dominant ist der Klang der E-Gitarre mit gerade zu Beginn kurzen, melodisch-rhythmischen Motiven. Diese Riffs sind prägnantes Mittel und führen oftmals in die Nähe des Rocks. Das bedeutet nicht, dass es Solotendenzen eines der Musiker gäbe, vielmehr ist das ausgewogene Zusammenspiel, eines der Qualitätsmerkmale.
Man könnte meinen, das Berliner Trio stellt sich die Welt schwebend vor, so ist es auch erklärbar, dass komponierte fließende Passagen sich mit Improvisationen abwechseln und sich regelrecht auflösen.

Melt Trio Stry Cover„Crescending“ und „Cassandra Complex“ geben gleich zu Beginn einen Einstieg in die Klangwelt, nehmen die Hörer mit auf den Stunden-Ritt durch das bemerkenswerte musikalische Terrain des Trios. Besonders bei „Congo Square“ zeigt Drummer Moritz Baumgärtner, dass er nicht nur Rhythmus kann, sein Schlagwerk ist räumliche Kreation. Wunderbar, wie er hier klangliche physische Kontinuen schafft und in der Kombination mit einem spacigem Sound der Gitarre und dem reduzierten parallelen Bass. Anzunehmen, dass sich die Künstler inhaltlich auf den berühmten Congo Square in New Orleans beziehen. Er hat in der Stadt, die als „Wiege des Jazz“ bezeichnet wird, historische Bedeutung als ehemaliger Treffpunkt der Sklaven (zumeist aus dem Kongo) in spanischen und französischen Kolonialzeiten und danach, die dort am sonntäglichen Ruhetag zu Musik tanzten.

„Snow Down“ knüpft dort weiter an, wo die ersten beiden Stücke aufgehört haben: unaufgeregt und dennoch spannungsgeladen.
Übermütig wird es gleich doppelt, allerdings bleibt das Ausmaß begrenzt. In langsamer Taktung strömt zunächst „Hybris I“ dahin, bevor „Hybris II“ sich aufschwingt und fast hysterisch werden kann, doch nach fast zwei Minuten erkaltet ein kosmisches Strahlen die Aufgeregtheit und beruhigt jedes Gemüt und die Anmaßung bleibt nur noch als Gerücht übrig.

„Stroy“, Titelgeber der CD ist ein gerader Fluss, der ruhig dahintreibt. Vielleicht ist nur in der Potenz als zerstörerisch denkbar.
Nachahmung ist bei „Mimikry“ höchstens als musikalischer Selbstreflex verborgen. Melt ahmt Melt nach.

„Bica“ und „Nexus“, der Sound einer verlorengegangenen Welt, der Sound scheint sich in diesen beiden Stücken erst seinen Weg erst suchen zu müssen, nichts ist wirklich vorgegeben. Neben dem dahinströmenden Klang gibt es hier und da ein paar Schärfen und Spitzen, bis sich die Brillanz erneut in der melodischen Erkenntnis beweist.

Und dann schließt „Heiliger Dankgesang“ das Album ab. Das Extro ist mit einem sehr entfernt zu erkennenden Zitat aus Ludwig van Beethovens „Streichquartett Nr. 15, in a-Moll op. 132 (Dritter Satz)“ versehen und so arrangiert, dass der Dankgesang an uns alle gerichtet ist. Beethoven versah seinen dritten Satz mit dem Zusatz „Heiliger Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit, in der lydischen Tonart“. Die Dankbarkeit über seine Genesung, die Beethoven in dem Kanon noch scherzhaft ausgedrückt hatte, fand nun auf ernsthafte Weise Eingang in das a-Moll-Quartett.
Weiterhin gute Genesung dem Melt Trio.

Melt Trio: Stroy
Peter Meyer: guitar, Bernhard Meyer: bass, Moritz Baumgärtner: drums
CD
Label: Traumton Records
EAN: 705304463529
VÖ: 26.08.2016
Hörprobe
YouTube-Videos:
Melt Trio – "Crescending" live | Arte TRACKS
Melt Trio – "Congo Square" live | Arte TRACKS


Tourdaten
18.10.2016 Berlin, A-Trane : Records Release Konzert
19.10.2016 Hamburg, Golem - fat jazz
21.10.2016 Bremen, Römer : tbc
22.10.2016 Dithmarschen, jazzcoast
29.10.2016 Detmold/Bad Meinberg, Red Horn District
30.10.2016 Aachen, dumont
31.10.2016 Köln, Heimathirsch
03.11.2016 Leipzig, Telegraf
04.11.2016 Dresden, Kukulida
05.11.2016 Berlin, West Germany
18.01.2017 Hamburg, Birdland
19.01.2017 Flensburg, Orpheus Theater
20.01.2017 Lübeck, CVJM
21.01.2017 Kiel, Kulturforum


Abbildungsnachweis:
Header: Melt Trio Foto: © Stefanie Marcus
CD-Cover
alt

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs JazzMe > Melt Trio: Stroy

Mehr auf KulturPort.De

„Wenn man Mozart kann, dann kann man alles andere auch.“
 „Wenn man Mozart kann, dann kann man alles andere auch.“



Die sich zum Ende neigende Spielzeit in der Staatsoper Hamburg könnte man leicht unter folgendes Motto stellen: Ehemalige Mitglieder des Hamburger Opernstudios, [ ... ]



Triennale der Photographie: „WILL – The Livesaving Machines“ von Reiner Riedler in der Galerie Hengevoss-Dürkop
 Triennale der Photographie: „WILL – The Livesaving Machines“ von Reiner Riedler in der Galerie Hengevoss-Dürkop



Hochästhetisch, artifiziell, und immer etwas irritierend. Die Serie „Will – The Livesaving Machines“ des Wiener Fotografen Reiner Riedler in der Galerie H [ ... ]



Eurasians Unity. Das Debüt-Album
 Eurasians Unity. Das Debüt-Album



5 Sprachen, 7 Länder, 8 Musiker und Musikerinnen

Sie kommen aus Deutschland, der Ukraine, Bulgarien, Aserbaidschan, Usbekistan, Polen und aus dem Iran und be [ ... ]



„Hereditary – Das Vermächtnis”. Horror als Gesamtkunstwerk
 „Hereditary – Das Vermächtnis”. Horror als Gesamtkunstwerk



Während Krisenzeiten lechzt das Kino-Publikum nach Schauder und Schrecken besonderer Art, der US-amerikanische Regisseur Ari Aster ist ein Meister darin.
Sein [ ... ]



Manfred Otto: Stein auf Stein dem Himmel entgegen.
 Manfred Otto: Stein auf Stein dem Himmel entgegen.



Ein DDR-Arbeiter gibt zu Protokoll: Mit Presslufthammer und Maurerkelle
Manfred Otto: Stein auf Stein dem Himmel entgegen. Aus dem Arbeitsleben eines Schornstei [ ... ]



„Together // Zusammen“ – Internationales Flair. Ausstellung im K 70
 „Together // Zusammen“ – Internationales Flair. Ausstellung im K 70



Was verbindet die Künstlerin Janine Gerber aus dem schleswig-holsteinischen Barnitz mit der Künstlerin Merav Shinn Ben-Alon aus der Weltstadt Tel Aviv? Abgeseh [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.