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Olivier Le Goas: Reciprocity

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Freitag, den 19. August 2016 um 09:12 Uhr
Olivier Le Goas: Reciprocity 4.4 out of 5 based on 259 votes.
Olivier Le Goas Reciprocity

Eine ganz starke Besetzung.
Mit Kevin Hays am Piano, Nir Felder an der Gitarre und Phil Donkin am Kontrabass spielt sich Schlagzeuger Olivier Le Goas in die Wechselseitigkeit der Musikeinflüsse und seiner Musiker.

Es ist eines dieser Jazzalben, die man einfach lieben muss, weil es so zielgenau auf den Punkt gebracht wurde. Die Präzision der Kompositionen von Le Goas, die warmen Klänge, die Freiheiten auf dem musikalischen Gerüst seiner Partner, stehen für die grundsätzliche Haltung des Franzosen. Diverse musikalische Genre-Elemente zeugen von Reife. Le Goas hat in unzählig vielen verschiedenen Formationen gespielt. Als er 1995 in Kanada auf Kenny Wheeler trift, ist das wie eine Offenbarung und die Verbundenheit zieht sich durch sein späteres Werk.
„Reciprocity“ – was man mit Gegenseitigleit oder Wechselseitigkeit übersetzen kann – ist eben auch künstlerisches Programm. Le Goas spielt sich nicht in den Vordergrund, er interagiert auf Augenhöhe. Dass er sämtliche Kompositionen auf dem Album zu verantworten hat wird dadurch fast zu einer Randnotiz.

Olivier Le Goas Reciprocity CoverGefüllt wird die Sphäre gemeinsam
Zugegeben, ich bin zudem seit langem Fan von Nir Felder, dem New Yorker Gitarristen – der lange in Deutschland unbekannt war – und gleich bei „Corners“, dem ersten Stück der CD zeigt, was er kann und anschließend bei „Main Street“, gemeinsam mit Kevin Hays und Le Goas excellente Führungsaufgaben übernimmt. Der elektronische Gitarren-Sound hat bei Felder immer etwas paradoxes. Sein Klang ist einerseits geprägt von liquider Indifferenz, andererseits von großer Präzison im Ablauf der Notation. Das wird gerade im Zusammenspiel mit Hays deutlich, dessen Pianoanschläge klar und eindeutig sind. Die Taktparallelität bei „Curves and Colors“ kennt Konsequenz und Beirrbarkeit zugleich. Das Schlagzeug agiert mal Takt-unterstützend, mal verliert es den gemeinsamen Rhythmus aus den Augen. „Day Home“ ist in der Tat ein freier Tag, ruhig und entspannt, das Leben genießend.
Mit „Call“ kehrt zunächst eine gelassene Spannung zurück, bis wir wieder ins trubelige Leben abberufen werden und den gewohnten Dingen folgen. Es ist wie ein Uhrwerk, dessem Lauf wir uns nicht entziehen können und das „nimm uns mit“ aussagt.
„Cécile“ ist Hommage – mindestens an den weiblichen Vornamen – und darüberhinaus selbstbewußte Freiheit. Hier zeigen die Musiker ihr ganzes Können, begegenen sich, verlassen sich, individualieren sich und sind doch gemeinsam unterwegs.
Schließlich kehrt im letzten Stück „Evision“ (welche Bedeutung hier auch immer gemeint sein mag) der Gleichklang zurück, bevor sich das Quartett in immer wiederkehrenden Reimen verabschiedet. Fast minimalistisch.

Olivier Le Goas: Reciprocity
Olivier Le Goas (drums) Kevin Hays (piano), Nir Felder (guitar) und Phil Donkin (doublebass)
Label: Neuklang, Bauer Studios
Vertrieb: Edel
NCD4139
VÖ: 2.9.2016


Abbildungsdnachweis:
Header: Olivier Le Goas. Foto: Sophie Le Roux
CD-Cover
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