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Nils Landgren with Janis Siegel: some other time

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(231 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 27. Januar 2016 um 11:01 Uhr
Nils Landgren with Janis Siegel: some other time 4.4 out of 5 based on 231 votes.
Nils Landgren with Janis Siegel: some other time

Es ist ein ambitioniertes und aufwendiges Projekt, das sich der schwedische Posaunist Nils Landgren für einen der großen amerikanischen Fürsprecher des Jazz vorgenommen hat. Die Rede ist von Leonard Bernstein (1918-1990).
Zwar stammt die Idee eine Hommage dem großen Musiker des 20. Jahrhunderts zu widmen von ACT-Chef Siggi Loch, doch sie hätte nach eigenen Aussagen auch von Landgren selbst kommen können. Pünktlich zum 60. Geburtstag von Landgren, im Februar, erscheint am kommenden Freitag in Deutschland eine CD, zu der sich der „Mann mit der roten Posaune“ die in New York lebende Sängerin Janis Siegel an die Seite geholt hat. Siegel – 1972 Gründungsmitglied der Vokalgruppe „The Manhattan Transfer“ und parallel mit beeindruckender Solokarriere und Grammy-Auszeichnungen, ist das gesangliche Rückgrat des Albums.

Cover Landgren - SiegelArrangiert wurde das ganze vom 54 Jahre alten US-amerikanischen Jazzmusiker und Komponisten Vince Mendoza. Mitglieder der Bochumer Symphoniker und das „All-Star-Trio“ mit Wolfgang Hafner, Dieter Ilg und dem schwedischen Pianisten Jan Lundgren bilden das Gehäuse der 2015 aufgenommenen Produktion.

Trotz all der Stars und der hochkarätigen Besetzung überzeugt das Album nicht – und das liegt leider an Nils Landgren selbst. Landgren fehlt die Stimme und die Gestaltung und Vielfalt ihrer und kommt letztlich langweilig daher. Auch musikalisch überzeugt der Schwede auf diesem Album nicht, er wirkt irgendwie inspirationslos, ohne den Biss, den er einst einmal hatte und ihm fehlt hier, was Bernstein auszeichnete, die adäquate und immer wieder sich selbsterfindende Vermittlung. Dieses Album zeigt etwas deutlich, was schon seit einigen Jahren sicht- und hörbar wurde: Landgren scheint alles zu machen und machen zu wollen. Er ist ein notorischer Ja-Sager und verzettelt sich. Ihm fehlt offensichtlich eine Atem- und Nachdenkpause, ein In-sich-kehren und das überdenken des Ist-Zustandes in Hinblick auf seine Vergangenheit. Der Begriff Vielseitigkeit mündet in einer tragischen Durchschnittlichkeit und einem Manierismus.

Da kann die Verehrung für Bernstein noch so groß sein – wenn Landgren „A Quiet Girl“ und „Somewhere“ zu Einschlafliedern werden lässt, liegt da ein vehementes Missverständnis vor. Denn nicht der gesangliche Interpret soll „quiet“ – zurückgenommen sein, sondern die beschriebene. Das spannende wäre gewesen, wenn zwei unterschiedliche Charaktere und Temperamente aufeinander gestoßen wären und nicht zwei Schlaftabletten. „Sorry, but there is no time for us“, dear Nils Landgren.

Schon beim zweiten Stück des Albums „Some Other Time“ klafft die vokale Ebene zwischen Janis Siegel und Nils Landgren auseinander. Abgesehen davon, dass der Schwede hier und da Schwierigkeiten hat den Ton sauber zu halten – was hier durchaus notwendig gewesen wäre, formt seine Stimme nicht den Inhalt über den er singt, noch trägt sie.
Da ist es gleich eine Wohltat, wenn Landgren zur Posaune greift und routiniert das macht, was er nun wirklich kann. Könnte Landgren das mit der Stimme was er mit der Posaune vermag, wäre diese Rezension eine andere, auch wenn mich sein immer wiederkehrender routinierter Posaunen-Ansatz hier und da stört, ja sogar ärgert, weil ich weiß, er kann es anders und besser.

Cool ist „Cool“ – Stück Nummer drei – leider zu Beginn auch nicht. Erst in den reinen instrumentalen Passagen ist das Stück soetwas wie Genuss.

„The Story of My Life“ – gesungen von Janis Siegel – ist hingegen wie von einem anderen Stern. Sie setzt Akzente, pointiert den Gesang, ist in der Langsamkeit alles andere als ermüdend – sie wird selbst zum Poem.

„Maria“ aus der „West Side Story“ überzeugt hingegen und endlich. Der Bigband-Sound der ausgewählten Musiker der Bochumer Symphoniker, des Nils Landgren Quartets und das Arrangement von Mendoza zeigen eine spannende Dramaturgie und resultierend, ungewöhnliche Klangbilder. Aber das allein ist eben zu wenig.

Nils Landgren with Janis Siegel: some other time
Nils Langren: Posaune, Gesang; Janis Siegel: Gesang; Jan Lundgren: Piano; Dieter Ilg: Bass; Wolfgang Hafner: Schlagzeug; Mitglieder der Bochumer Symphoniker; Arrangement: Vince Mendoza
CD und LP inkl. Downloadcode (mp3)
ACT
EAN: 614427981325
Hörprobe
YouTube-Video: Nils Landgren with Janis Siegel "Some Other Time - A Tribute To Leonard Bernstein"


Abbildungsnachweis:
Header: v.l.n.r.: Vince Mendoza, Janis Siegel & Nils Landgren © ACT / Lutz Voigtländer
CD-Cover

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avatar marion Vogel
+7
 
 
Ich kann dem nur zustimmen, denn das Lifekonzert in Berlin ( 19.01.2016 ) war absolut ein Highlight,
was man auf dem Album leider nicht merkt. Ich war sehr enttäuscht und hätte mir die Ausgabe sparen könne.
also, am besten nur life zuhören.
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avatar Achenar Myst
+1
 
 
Die CD ist ein absoluter Genuss, tolle Auswahl der Bernstein-Titel unter Beteiligung von dessen Tochter, herrliche Arrangements, exzellente Ausführung und tolle Akustik. Natürlich hat Landgren keine ausgebildete Jazzstimme, aber er lebt in den Songs und fesselt mit einem sanft-rauhen Timbre, das entfernt an Chet Baker erinnert. Das Projekt ist eine hochwillkommene Abwechslung zu Landgrens Funk Unit, zu deren kerniger High-Voltage es einen mehr als reizvollen Kontrast bietet.
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