Anzeige

Wer ist online?

Wir haben 740 Gäste online

Neue Kommentare

Wajda Art zu „A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?: Wir suchen nach Enthusiasten der Kinematographie ...
Manfred Köck zu Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali: schade, dass sie nicht mit ihren stammmusikern un...
Helmuth Barth zu Thomas Gainsborough – die moderne Landschaft: Vorausschicken möchte ich, dass ich neben Bilder...
Anna Grillet zu „Call Me by Your Name”. Die Sinnlichkeit des Luca Guadagnino: Leider nein, kann die bitterböse ästhetisch bri...
Fabian Drux zu „Call Me by Your Name”. Die Sinnlichkeit des Luca Guadagnino: Danke für den Hinweis auf einen wunderschönen F...

CDs JazzMe

Nils Landgren with Janis Siegel: some other time

Drucken
(200 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Mittwoch, den 27. Januar 2016 um 11:01 Uhr
Nils Landgren with Janis Siegel: some other time 4.3 out of 5 based on 200 votes.
Nils Landgren with Janis Siegel: some other time

Es ist ein ambitioniertes und aufwendiges Projekt, das sich der schwedische Posaunist Nils Landgren für einen der großen amerikanischen Fürsprecher des Jazz vorgenommen hat. Die Rede ist von Leonard Bernstein (1918-1990).
Zwar stammt die Idee eine Hommage dem großen Musiker des 20. Jahrhunderts zu widmen von ACT-Chef Siggi Loch, doch sie hätte nach eigenen Aussagen auch von Landgren selbst kommen können. Pünktlich zum 60. Geburtstag von Landgren, im Februar, erscheint am kommenden Freitag in Deutschland eine CD, zu der sich der „Mann mit der roten Posaune“ die in New York lebende Sängerin Janis Siegel an die Seite geholt hat. Siegel – 1972 Gründungsmitglied der Vokalgruppe „The Manhattan Transfer“ und parallel mit beeindruckender Solokarriere und Grammy-Auszeichnungen, ist das gesangliche Rückgrat des Albums.

Cover Landgren - SiegelArrangiert wurde das ganze vom 54 Jahre alten US-amerikanischen Jazzmusiker und Komponisten Vince Mendoza. Mitglieder der Bochumer Symphoniker und das „All-Star-Trio“ mit Wolfgang Hafner, Dieter Ilg und dem schwedischen Pianisten Jan Lundgren bilden das Gehäuse der 2015 aufgenommenen Produktion.

Trotz all der Stars und der hochkarätigen Besetzung überzeugt das Album nicht – und das liegt leider an Nils Landgren selbst. Landgren fehlt die Stimme und die Gestaltung und Vielfalt ihrer und kommt letztlich langweilig daher. Auch musikalisch überzeugt der Schwede auf diesem Album nicht, er wirkt irgendwie inspirationslos, ohne den Biss, den er einst einmal hatte und ihm fehlt hier, was Bernstein auszeichnete, die adäquate und immer wieder sich selbsterfindende Vermittlung. Dieses Album zeigt etwas deutlich, was schon seit einigen Jahren sicht- und hörbar wurde: Landgren scheint alles zu machen und machen zu wollen. Er ist ein notorischer Ja-Sager und verzettelt sich. Ihm fehlt offensichtlich eine Atem- und Nachdenkpause, ein In-sich-kehren und das überdenken des Ist-Zustandes in Hinblick auf seine Vergangenheit. Der Begriff Vielseitigkeit mündet in einer tragischen Durchschnittlichkeit und einem Manierismus.

Da kann die Verehrung für Bernstein noch so groß sein – wenn Landgren „A Quiet Girl“ und „Somewhere“ zu Einschlafliedern werden lässt, liegt da ein vehementes Missverständnis vor. Denn nicht der gesangliche Interpret soll „quiet“ – zurückgenommen sein, sondern die beschriebene. Das spannende wäre gewesen, wenn zwei unterschiedliche Charaktere und Temperamente aufeinander gestoßen wären und nicht zwei Schlaftabletten. „Sorry, but there is no time for us“, dear Nils Landgren.

Schon beim zweiten Stück des Albums „Some Other Time“ klafft die vokale Ebene zwischen Janis Siegel und Nils Landgren auseinander. Abgesehen davon, dass der Schwede hier und da Schwierigkeiten hat den Ton sauber zu halten – was hier durchaus notwendig gewesen wäre, formt seine Stimme nicht den Inhalt über den er singt, noch trägt sie.
Da ist es gleich eine Wohltat, wenn Landgren zur Posaune greift und routiniert das macht, was er nun wirklich kann. Könnte Landgren das mit der Stimme was er mit der Posaune vermag, wäre diese Rezension eine andere, auch wenn mich sein immer wiederkehrender routinierter Posaunen-Ansatz hier und da stört, ja sogar ärgert, weil ich weiß, er kann es anders und besser.

Cool ist „Cool“ – Stück Nummer drei – leider zu Beginn auch nicht. Erst in den reinen instrumentalen Passagen ist das Stück soetwas wie Genuss.

„The Story of My Life“ – gesungen von Janis Siegel – ist hingegen wie von einem anderen Stern. Sie setzt Akzente, pointiert den Gesang, ist in der Langsamkeit alles andere als ermüdend – sie wird selbst zum Poem.

„Maria“ aus der „West Side Story“ überzeugt hingegen und endlich. Der Bigband-Sound der ausgewählten Musiker der Bochumer Symphoniker, des Nils Landgren Quartets und das Arrangement von Mendoza zeigen eine spannende Dramaturgie und resultierend, ungewöhnliche Klangbilder. Aber das allein ist eben zu wenig.

Nils Landgren with Janis Siegel: some other time
Nils Langren: Posaune, Gesang; Janis Siegel: Gesang; Jan Lundgren: Piano; Dieter Ilg: Bass; Wolfgang Hafner: Schlagzeug; Mitglieder der Bochumer Symphoniker; Arrangement: Vince Mendoza
CD und LP inkl. Downloadcode (mp3)
ACT
EAN: 614427981325
Hörprobe
YouTube-Video: Nils Landgren with Janis Siegel "Some Other Time - A Tribute To Leonard Bernstein"


Abbildungsnachweis:
Header: v.l.n.r.: Vince Mendoza, Janis Siegel & Nils Landgren © ACT / Lutz Voigtländer
CD-Cover

Eigenen Kommentar verfassen (Gasteintrag möglich - Bitte achten Sie auf unsere Email ggf. in Ihrem Spam-Order und klicken den Bestätigungslink)

avatar marion Vogel
+7
 
 
Ich kann dem nur zustimmen, denn das Lifekonzert in Berlin ( 19.01.2016 ) war absolut ein Highlight,
was man auf dem Album leider nicht merkt. Ich war sehr enttäuscht und hätte mir die Ausgabe sparen könne.
also, am besten nur life zuhören.
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit dem Kommentar) *
E-Mail (Nur für Bestätigungslink & Antworten)
Code   
Kommentar abschicken
 

Home > Kolumne > CDs JazzMe > Nils Landgren with Janis Siegel: some other t...

Mehr auf KulturPort.De

„A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?
 „A Beautiful Day”. Joaquin Phoenix- Racheengel oder Erlöser?



Lynne Ramsay inszeniert ihre virtuosen Thriller-Impressionen als Exkursion in die Abgründe der Seele.
Ein Auftragskiller ist Joe (Joaquin Phoenix) nicht, er t [ ... ]



Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie
 Günter Grass-Haus Lübeck: George Bernard Shaw und die Fotografie



George Bernard Shaw (1856-1950) ist vor allem bekannt für sein dramatisches Werk, das über 50 Theaterstücke umfasst. Doch der Künstler hat sich zeitlebens in [ ... ]



Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali
 Im Wunderland der Wünsche. Laila Biali



Wie konnte sich eine 16jährige Kanadierin, die Opernarien singt und klassische Pianistin werden will, zu einer über jeden „No street credibility“-Verdacht  [ ... ]



Aspekte Festival 2018: Der Kopf des Paul Orlac ist das Innenleben des Klaviers
 Aspekte Festival 2018: Der Kopf des Paul Orlac ist das Innenleben des Klaviers



Was für eine Horrorvorstellung: als Schauspieler die Stimme – als Fußballspieler die Füße – als Philosoph den Verstand – als Komponist das Gehör – u [ ... ]



Poetische Erkundung der Welt: Nico Bleutge: „Nachts leuchten die Schiffe“
 Poetische Erkundung der Welt: Nico Bleutge: „Nachts leuchten die Schiffe“



In seinem vierten Gedichtband „nachts leuchten die schiffe" beschäftigt sich Nico Bleutge mit unserer realen Welt in sieben Zyklen. Wie ein Jongleur wirft der [ ... ]



Aspekte Festival 2018: Different Trains. Eine Zeitreise zwischen Klängen, Bildern und historischen Filmschichtungen
 Aspekte Festival 2018: Different Trains. Eine Zeitreise zwischen Klängen, Bildern und historischen Filmschichtungen



Das 1988 vom amerikanischen Minimalmusiker Steve Reich komponierte Werk „Different Trains“ bildet den Ausgangspunkt einer Aufführung des London Contemporary [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Anzeige


Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.