Neue Kommentare

Ada Rompf zu „The Rider”. Die zärtlich-raue Poesie der Chloé Zhao : Besser kann man meinen Lieblingsfilm dieses Früh...
yolo 456 zu Die Juden vom Altrhein: man sollte einen artikel erst einmal lesen bevor ...
yolo123 zu Die Juden vom Altrhein: Das jüdische Leben in Deutschland ist vorbei und...
Achenar Myst zu Nils Landgren with Janis Siegel: some other time: Die CD ist ein absoluter Genuss, tolle Auswahl de...
Achim zu Golnar & Mahan – Derakht: Musik, die glücklich macht - Danke !!!...

CDs JazzMe

Diana Krall: Wallflower

Drucken
(291 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 20. März 2015 um 17:52 Uhr
Diana Krall: Wallflower 4.8 out of 5 based on 291 votes.
Diana Krall: Wallflower

Wallflower – Mauerblümchen. Das wäre ganz sicher nicht die erste Beschreibung, die mir zu Diana Krall eingefallen wäre. Und die Songs ihres neuen Albums?
Irgendwie auch nicht so recht. Sie kommen nach einer Lungenentzündung Kralls Monate später als geplant heraus, müssen sich aber in ihrem poppigen Gewand keinesfalls Mauerblümchen-like verstecken: “California dreaming”, “I can`t tell you why”, “Sorry seems to be the hardest word”… – Bekanntes aus Funk und Fernsehen, wenn auch großenteils schon 30, 40 Jahre alt.

Wallflower CoverWas Krall in zwölf Titeln rauchig und angenehm zurückhaltend anklingen lässt, sind keine krachigen oder ultra-modernen Versionen ihrer Kindheits- und Jugenderinnerungen. Vielmehr ist jedes Stück ein vorsichtiges Tasten zurück bis in die 60er und 70er. Dabei wird manches erst auf den zweiten Blick oder dritten Ton erkennbar. Kralls dunkle Stimme gibt aber den Titeln Echtheit und Klarheit. Und was aus den Boxen kommt, überzeugt in stiller Kraft. Auch wenn manchmal ein klitzekleines Prickeln im ruhigen Sound gut täte – aber ich will nicht meckern.
Denn Krall schafft es, eine andere Zeit wiederzubeleben, ohne nostalgisch zu werden. Eine Zeit, als auf Hinterhöfen tatsächlich noch Mauerblümchen ihre Köpfe durch steinerne Ritzen drückten und als Accessoire weitaus beliebter waren als Baggypants und Nasenring. Die Stimmung des Albums ist dennoch nicht wehmütig, eher erdig, freundlich, warm. Michael Bublé tut da gern sein Scherflein dazu – “Alone again”. Bryan Adams, der im 80er-Duett “Feels like home” auftaucht, passt da auch gut rein. Ebenso wie der Titel “Don`t dream its over” aus den 90ern.

Nein, ein Mauerblümchen ist Frau Krall gewiss nicht. Wird sie wohl auch nie werden. Ihre CD ist auch kein bescheiden zurücktretendes CD-hen. Eher ein klingendes Fotoalbum dieser Zeit. Eines, das man gern hervorholt, ohne das Damals wiederhaben zu wollen. Und auch wenn die von ihr präsentierten Titel sicher keine Epoche-prägenden Knaller-Neuauflagen sind – einen relaxten, schönen Nachmittag mit ein paar echten Highlights bescheren sie auf jeden Fall. Die von Krall ausgewählten Titel sind markant genug, um Erinnerungen zu wecken, um Gedanken in Fluss zu bringen, um ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Alles in allem: Reduziert, in sich stimmig, jazzig nur in Ansätzen. Beflügelt durch die ruhige, rauchige Stimme von Diana Krall, ihr Piano und ein wenig Begleitung.

Diana Krall: Wallflower
Verve Forecast (Universal)
EAN 602547018618

Hörprobe
Video - Diana Krall - Wallflower (Session Off TV)

JazzMe - In Kooperation mit Christoph Forsthoff, Sabine Meinert, Sven Sorgenfrey und Willy Theobald. Weitere CD-Kritiken, Interviews und Informationen aus der Welt des Jazz unter AboutJazz.


Abbildungsnachweis:
Header: PR/Bryan Adams (jawohl, DER Bryan Adams)
CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs JazzMe > Diana Krall: Wallflower

Mehr auf KulturPort.De

Ilse Helbich: Kluge Chronistin des Alters – „Im Gehen“ gefundene Gedichte
 Ilse Helbich: Kluge Chronistin des Alters – „Im Gehen“ gefundene Gedichte



Auch heute noch geschehen beglückende Wunder: Mit 80 Jahren veröffentlichte die 1923 in Wien geborene Ilse Helbich ihren ersten Roman unter dem Titel „Schwal [ ... ]



Thierry van Werveke: Schauspieler, Rockstar, Troublemaker, Thierry National
 Thierry van Werveke: Schauspieler, Rockstar, Troublemaker, Thierry National



Thierry! – allein sein Vorname löst in Luxemburg schon entzücken aus und wird mit der Addition von „National“ zum Kult. In Deutschland und Österreich fr [ ... ]



„Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls
 „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls



Samuel Moaz kreiert mit dem Antikriegsdrama „Foxtrot” einen atemberaubenden ästhetischen Kosmos: zornig, visuell kühn, emotional hochexplosiv, oft grausam, [ ... ]



Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte: „Der Vorname“
 Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte: „Der Vorname“



Das Stück brillant, die Schauspieler große Klasse, die Inszenierung rundum gelungen und der kleine Saal der Komödie Winterhuder Fährhaus restlos ausverkauft. [ ... ]



Vergessen und wiederentdeckt: „Ludwig Meidner – Im Nacken das Sternemeer“
 Vergessen und wiederentdeckt: „Ludwig Meidner – Im Nacken das Sternemeer“



Der Titel der Ausstellung „Im Nacken das Sternemeer“ verweist auf das Buch mit Texten von Ludwig Meidner, das 1918 in Leipzig erschien. Meidner (1884-1966),  [ ... ]



Trio Elf & Marco Lobo – und die „Música Popular Brasileira“
 Trio Elf & Marco Lobo – und die „Música Popular Brasileira“



Die brasilianische Liedkunst – die dort den Status von Popmusik hat – nennt sich pragmatisch „Música Popular Brasileira“. Den Musikern des Trio Elf, Wal [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.