Neue Kommentare

Patrick Dissinger zu „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls: Ein exzellenter, sehr kluger Film. Danke für den...
erlenmeier zu Historische Tankstellen – auf Spurensuche in Hamburg : Ich arbeite seit vielen Jahren beim Forum geschic...
Bartholomay zu Berliner Mauer 57. Jahrestag: Gedenkfeier ? Um von ihren Taten gegen die ehemal...
Herby Neubacher zu Eindringlicher Holocaust-Roman von Affinity Konar: „Mischling“ – keine leichte, aber lohnende Lektüre: Das hat uns jetzt eigentlich noch gefehlt - Erinn...
Ada Rompf zu „The Rider”. Die zärtlich-raue Poesie der Chloé Zhao : Besser kann man meinen Lieblingsfilm dieses Früh...

CDs JazzMe

Omer Klein: Fearless Friday

Drucken
(239 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 20. Februar 2015 um 14:25 Uhr
Omer Klein: Fearless Friday 4.3 out of 5 based on 239 votes.
Omer Klein: Fearless Friday

„Fearless Friday - Angstfreier Freitag“ klingt ein wenig wie aus der Rubrik „Autofreier Sonntag“, nur lässt sich nicht eindeutig entschlüsseln, warum der Freitag angstfrei sein soll und warum nicht auch alle anderen Tage der Woche es sein sollten.
Omer Klein gibt verbal darüber keine zufriedenstellende Auskunft, er delegiert die Interpretation seines Albumtitels lieber an den Zuhörer. „Fearless Friday“ ist hingegen musikalisch von Beginn an spannungsaufbauend, oft rhythmisch schnell, drei aneinandergereihte Fragmente aus fliegenden Fingerbewegungen auf Klaviatur, Percussions-Instrumenten und Kontrabasshals.

Omer Klein, ein 1982 nördlich von Tel Aviv in Israel geborener, und mittlerweile in Deutschland lebender Pianist, stellt mit diesem Album sein neues Trio vor. Um genau zu sein – neu ist der junge Schlagzeuger Amir Bresler, denn mit dem in New York lebenden Bassisten Haggai Cohen-Milo spielte Klein bereits viele Konzerte und ist auf früheren CDs zu hören.

Omer Klein TrioDas Album ist in vielen Tracks hoch energetisch und der Muskelkater in den Beinen vom rhythmisch-zuckenden 65-minütigen Aktivzuhören wird frei Haus mitgeliefert. Manche Stücke sind aber auch ganz ruhig, wirken durchdacht, durchlebt und geradezu errungen. „Fearless Friday“ ist irgendwie anders, als die letzten fünf Alben von Klein und das kann durchaus auch am neuen Drummer liegen. Omer Klein dazu: „I feel that this trio, on this record, has reached the climax of what I’ve been trying to achieve with my music in the recent years [...] being open, fearless, daring, taking chances, embracing mystery and surprise.“

„Niggun“ ist so eines dieser wunderbaren überraschenden Stücke. Es verbindet den jüdischen Orient mit dem christlichen Abendland. Der Zuhörer erhält das Gefühl der Melodie überall begegnen zu können, in der Folklore und in der religiösen Liturgie – in Israel, in Osteuropa, in der rumänischen Doina, im sephardischen Süden des Mittelmeerraums oder auch in den jüdischen Vierteln New Yorks. „Niggunim“ sind Lieder, Melodien ohne jedweden Text, meist religiös, laden zur Improvisation ein, denn deren Basis sind kurze Themen mit Variationsspielräumen. Es beginnt und endet als Lied.

Sechs Minuten später steht man dann eindeutig in einem der US-Jazzclubs. „Azure“ ist eine weich fließend-ruhige Hommage an Duke Ellington und Irving Mills. Omer Klein wollte eine eher intime Atmosphäre schaffen: inspiriert dazu wurde er von einer „Azure“-Interpretation von Ella Fitzgerald, die das Stück lediglich in Gitarrenbegleitung vortrug.

Ruhig ist auch „Calla Lily“. Die Beschreibung dieser afrikanischen, wunderschönen und besonders bei Hochzeitsdekorationen beliebten Pflanze ist mit wenigen Akkorden getan. Im Detail steckt jedoch mehr als es zunächst scheint. Klein spielt dieses Stück oft bei Konzerten und genießt den Stimmungswechsel im Raum – alles erscheint dann entspannt und sanft.

Erinnerungen an früher: „Turquoise Memories“ musste 16 (!) Jahre lang wachsen, um seine Vollendung zu erhalten. Es gibt Dinge, die brauchen einfach ihre Zeit, „man trägt sie mit sich herum, es sind Momente des konkreten und ausdruckstarken Gefühls der Jugend. Was ist Erinnerung, was wurde später addiert, was ist der Unterschied zwischen Erinnerung und Fiktion". Und resultierend daraus, was ist Wahrheit? Ein immenser Fundus an Antworten den sich das Trio schafft, nicht nur verbal hier zu beschreiben, sondern vor allem musikalisch zu umspielen – Erinnerung ist ein Ort wie für den Jazz geschaffen.

Omer Klein: Fearless Friday
Omer Klein - piano; Haggai Cohen-Milo - double bass; Amir Bresler – drums
Neuklang / Bauer Studios Ludwigsburg
NCD4113
VÖ: 27.2.2015


Abbildungsnachweis:
Header. Omer Klein Trio. Foto: Simon Hengenberg
CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs JazzMe > Omer Klein: Fearless Friday

Mehr auf KulturPort.De

Heiße Ecke 15 Jahre
 Heiße Ecke 15 Jahre



Von solchen Zahlen kann man nicht einmal träumen. Rund 42000 Kondome, 25 000 Würstchen, 16800 Waschmaschinenladungen und 12600 Bierdosen wurden in sage und sch [ ... ]



Ludwig und Benyamin Nuss: Songs & Ballads
 Ludwig und Benyamin Nuss: Songs & Ballads



Zwei Instrumente, zwei Musiker – Vater und Sohn – ein Duo-Debüt-Album mit Liedern und Balladen. Zwei die sich verstehen und sich offensichtlich mit musikali [ ... ]



„Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm”. Dialektik für Genießer
 „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm”. Dialektik für Genießer



In „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm” schildert Regisseur Joachim A. Lang die Querelen um jenes nie gedrehte Leinwand-Epos, während er es zugleich [ ... ]



Lana Cenčić: Sama
 Lana Cenčić: Sama



Ein Soloalbum, dass vom ersten Song an besticht. Die Kroatin Lana Cenčić, mit Wohnsitz in New York und beeindruckender Stimme nennt ihre neue Platte „Sama“ [ ... ]



Die Liebe stirbt zuletzt. „Orpheus – eine musische Bastardtragödie“ begeistert im Hamburger Thalia Theater
 Die Liebe stirbt zuletzt. „Orpheus – eine musische Bastardtragödie“ begeistert im Hamburger Thalia Theater



Mit einem berauschend sinnlichen, wunderbar poetischen und philosophischen, dabei total abgedrehten Pop-Techno-Bühnenmärchen begeistert Theatermagier Antú Rom [ ... ]



Anton Corbijn – „The Living and the Dead“
 Anton Corbijn – „The Living and the Dead“



Wenn man diese Hängung in Noten übersetzen könnte, käme zweifellos Punk heraus. Anders ist der rhythmische, hochdynamische Wechsel von kleinen und großen Po [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.