Neue Kommentare

Stipe Gojun zu „La Vérité” Hirokazu Kore-eda und der Mythos Familie : Ach, wie gern würde ich heute ins Kino gehen. Ob...
Frank-Peter Hansen zu Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition: Im Spätherbst letzten Jahres anlässlich einer S...
bbk berlin zu Dortmund geht neue Wege bei der Kunst-Förderung: Die Berliner Künstler*innen freut es sehr, dass ...
Markus Semm zu Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition: Sehen Sie: Der Unterschied zw. Heidegger und Cass...
Karin Schneider zu Frank-Peter Hansen: Die Heidegger-Dekomposition: Ein großartiger Artikel! Stefan Diebitz schafft ...

Hamburger Architektur Sommer 2019


CDs JazzMe

Chris Gall – Piano Solo

Drucken
(299 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 30. Januar 2015 um 11:04 Uhr
Chris Gall – Piano Solo 4.4 out of 5 based on 299 votes.
Chris Gall – Piano Solo (c) Mike Meyer

Chris Gall ist ein deutscher Pianist, aus Bad Aibling, Jahrgang 1975, mit einer fundierten Klassik- und Jazz-Ausbildung am renommierten Berklee College of Music in Boston.
Sein Spiel, seine Arrangements und seine Kompositionen sind gekennzeichnet von genreübergreifenden Elementen: Er ist zwar im Jazz zuhause, aber Klassik, Minimal Music, Tango und Indie-Rock sind wichtige musikalische Energiequellen.

Sein Anschlag ist präzise, im forte wie im pianissimo, er ist zuweilen leicht, selten wirklich hart und im Ton überwiegend warm. Das liegt nicht allein am Klang des Steinway-Flügels auf dem er seine erste Solo-CD eingespielt hat „Piano Solo“.
Schon nach den ersten Stücken des Albums ist der Hörer in der klanglichen Welt Galls aus Impressionismus (My Waltz), romantischen Passagen (Yorke’s Guitar), minimalistischer bis bluesiger Ruhe (Empty, Pale Blue Paper) und expressiven, zuweilen südamerikanischem Temperament (Boedo).

altDie Solo-CD ist der pure Genuss und die Spielfreude, einmal allein und nicht im Duo oder Trio zu spielen, ist dem Pianisten anzumerken. Das von Label und Kritik bereits im Vorfeld der Release in dieser Woche herausgehobene Stück „Yorke’s Guitar“ gehört nicht wirklich zu meinen Favoriten. Es bedient eher den Standard und eine wohlklingende Gefälligkeit aus „déjà entendu“. Möglicherweise verständlich, wenn sich Gall auf einen gewissen "Pete" Yorke bezieht und dessen hypnotisierenden Gitarrenklang. Ich kenne zumindest keinen Gitaristen/Sänger des Namens, lediglich andere Instrumentalisten, die sich so rufen lassen...
Herausgehoben gehört vielmehr „Empty, Pale Blue Paper“. Der Klangteppich, den der Pianist hier anbietet steht für seine Fähigkeiten aus einem einfachen Stück eine immense Vielseitigkeit und Variabilität herauszuholen. Das entstandene Konzentrat ist minimal, intensiv, jazzig, innig und expressiv zugleich. Das blasse Stück Papier wird von Gall beschrieben und zu einem hervorragenden Stück Kunst.

Chris Gall steht aber auch dafür, europäisch zu sein. Vielleicht ist er in seinen meisten Eigenkompositionen am weitesten entfernt von der amerikanischen Auffassung des Jazz und nahe an den europäischen Komponisten der Moderne und des Minimal.

„Boedo, Cuarto dia“ ist eine Reminiszenz an das Arbeiterviertel in Buenos Aires und entstand während seiner Tour-Begleitung für das Weltmusik- und Jazz-Quartett „Quadro Nuevo“. Die vier Tage in Argentiniens Hauptstadt hatten es wohl auch schöpferisch in sich. Es ist ein fließendes Stück von etwas mehr als zwei Minuten. Schon früher widmeten Tango-Komponisten dem Viertel, in dem eine der bekanntesten Literatengruppen der 1920er-Jahre agierte, viele Lieder.
„Forró“ ist der Name eines äußerst beliebten brasilianischen Musik- und Tanzstils. Auch die Tanzfeste, bei denen diese Musik gespielt wird, werden als Forró bezeichnet. Chris Gall fasziniert die Leichtigkeit dieser Musik, deren Feste die ganze Nacht dauern können. Diese “lebensfrohe Wucht“ (Gall) überträgt sich in seiner Komposition.
„A Roundabout’s Diary“ ist der Kreisverkehr unserer Zeit mit Wiederholungen, die im Detail keine identischen sind.
Nicht nur der klassischen Musik von Claude Debussy auch der Hommage ist viel Platz gewidmet: Yann Tiersens Filmtitelmelodie „La Valse a’Amélie“ ist eine Widmung an Amélie Poulain (aus dem Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“), sie ist schwebend – gar eine Liebeserklärung. Für den New Yorker Jazz-Pianisten Jason Moran ist ein eigenes, gleichnamiges Stück auf der CD zu finden sowie für den bereits erwähnten – who ever it is – "Pete" Yorke.

Chris Gall Piano Solo
Label: GLM Music, München / Edition Collage
4014063156129

Tourdaten
Video: Chris Gall Piano Solo – „Empty, Pale Blue Paper"
Video BR Klassik: Jazzpianist Chris Gall präsentiert live im U21-Studio sein neues Album "Piano Solo" und "Forró"


Abbildungsnachweis:
Header: Chris Gall. Foto: Mike Meyer
CD-Cover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

avatar Chris Gall
+9
 
 
Lieber Claus Friede,
herzlichen Dank für den tollen Beitrag! Das Rätsel um den mysteriösen Peter Yorke möchte ich aber noch gern auflösen: natürlich handelt es sich um den Radiohead-Sänger und Gitarristen Thom Yorke!
Wie sich der Name "Pete" in den eigenen Liner Notes - Freud lässt grüßen - nach all dem Korrekturlesen bis zum Druck fälschlicherweise behaupten konnte ist mir selbst ein Rätsel... Google wird sich mittlerweile wahrscheinlich auch schon wundern;)
Viele Grüße, Chris Gall
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Meinen Kommentar abschicken
Abbrechen
Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs JazzMe > Chris Gall – Piano Solo

Mehr auf KulturPort.De

BuchDruckKunst 2020 – Das Magazin
 BuchDruckKunst 2020 – Das Magazin



Menschen, Bücher, Sensationen: An diesem Wochenende, vom 27. bis 29. März 2020, sollte die renommierte BuchDruckKunst im Museum der Arbeit stattfinden. Ein Hig [ ... ]



Eoin Moore und Anika Wangard – eine Begegnung
 Eoin Moore und Anika Wangard – eine Begegnung



Eigentlich bin ich nicht besonders scharf auf Krimis. Wenn sie allerdings sehr gut sind, relativiert sich das. Wahrscheinlich befinde ich mich tief im Mainstream [ ... ]



„Waves” – Trey Edward Shults’ Opulenz der Emotionen
 „Waves” – Trey Edward Shults’ Opulenz der Emotionen



„Waves” ist ein visuell waghalsiger Kraftakt, überwältigend, mitreißend, voller Zärtlichkeit, trügerischer Hoffnungen und zerborstener Träume. US-Regis [ ... ]



Egon Friedell: Der Schatten der Antike
 Egon Friedell: Der Schatten der Antike



82 Jahre nach dem Freitod Egon Friedells liegt – endlich! – das letzte Kapitel seiner „Kulturgeschichte des Altertums“ vor, und jeder, dem die Gedanken d [ ... ]



Horst Hansen Trio: Live in Japan
 Horst Hansen Trio: Live in Japan



Nix da Japan – Krefeld (クレーフェルト). In solchen pandemischen Zeiten reist man nicht und wenn, dann nur virtuell. Spielerisch, alles ist spielerisch  [ ... ]



Literarische Neuentdeckung aus alter lettischer Zeit: Das Prosapoem „Straumēni“
 Literarische Neuentdeckung aus alter lettischer Zeit: Das Prosapoem „Straumēni“



Was für ein Glücksfall: Ein Antiquariatsfund in Rīga führte 2018 dazu, dass das Prosapoem „Straumēni“ von Edvarts Virza nun auch für deutschsprachige L [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.