Neue Kommentare

Alex zu Film Festival Cologne - Von starken Spielfilmdebüts und schwächelnden Stars: Wer bist du? Halten Sie Ihre Meinung besser, wenn...
Emanuel Ackermann zu „Werk ohne Autor” – Oder die Alchemie der Kreativität : Bisher habe ich nur Schlimmes über den Film gele...
Richard Voigt zu Offener Brief führender Grafikdesigner*innen fordert die Stiftung Buchkunst heraus: Lehrauftrag verfehlt?
Die Professores such...

Herby Neubacher zu Es läuft und läuft und läuft: 15 Jahre „Heiße Ecke“ im Schmidt's Tivoli: Rund 42000 Kondome, 25 000 Würstchen, 16800 Wasc...
Patrick Dissinger zu „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls: Ein exzellenter, sehr kluger Film. Danke für den...

CDs JazzMe

Annie Lennox: Nostalgia

Drucken
Montag, den 27. Oktober 2014 um 15:28 Uhr

Annie Lennox: Nostalgia

Unverkennbar – das ist sie! Auch wenn der erste Titel sich erstmal aus leisem Tongemurmel empordrängeln muss. Wenn Annie Lennox’ Stimme dann erklingt, ist nach wenigen Takten klar: Sie ist wieder da, einzigartig wie immer. Nach ihrem Weihnachtsalbum vor vier Jahren setzt sie nun auf das „Great American Songbook“, belebt Jazz und Blues der 30er und 40er. Sie hat sich 12 Titel von Größen wie Billie Holiday, Ella Fitzgerald, Louis Armstrong oder Duke Ellington ausgesucht, die – zwar immer als Klassiker erkennbar – durch ihre Stimme und Interpretation einen neuen, coolen, modernen Touch bekommen.

 

Annie Lennox bekennt, sie habe diese Stücke in ihrer Jugend auf dem Plattenteller zuhause kennengelernt. Begeistert sei sie noch heute davon. Spezielles Augenmerk habe sie auf Titel mit Wurzeln im frühen Blues gelegt. Das ist hör- und fühlbar mit jedem Ton. Anfangs habe sie sich gefragt, ob ihre Stimme zu den Songs passt, sagt sie. Doch diese Selbstzweifel sind unbegründet. Man hört ihren Spaß an den Songs, ist von der neuen Färbung dieser altbekannten, zeitlosen Titel berührt und erkennt bei allen immer auch Annie Lennox. Wunderbar!
 

Annie Lennox: NostalgiaUnd nicht nur für einen Badewannen-Abend. Denn was am meisten überzeugt: Lennox gibt diesen Titeln neben ihrer charakteristischen Stimme leichte und relaxte Momente wie nie zuvor. Lyrisch, manchmal melancholisch, leise entführt sie in andere Zeiten. An vielen Stellen gibt sie dem Ganzen (ihre) Seele, ja Intimität. Bei „Summertime“ sieht man sich quasi auf der Veranda einer Südstaaten-Villa in der Hängematte liegen, spürt die Hitze, sieht die flirrende Luft über weiten Baumwollfeldern. Und doch versinkt nicht alles in Nostalgie – man könnte auch sein Notebook auf dem Schoß haben und der/dem Liebsten ein paar Zeilen dichten. Offensichtlich war gerade dieser Titel der Sängerin auch wichtig. Wohl Tausende Interpretationen gibt es davon, doch diese ist ganz Annie Lennox und damit einzigartig. Mit jedem Ton, jeder Silbe wird spürbar, wie lange der Song sie begleitet und wie sie ihn über die Jahre zu „ihrem“ Stück formte.
 

Das siebte Soloalbum der Schottin ist deshalb etwas Besonderes. Nostalgie kommt dabei eher selten auf. Viel öfter die Freude, dass Lennox an vielen Stellen zeigt, wie heutig manche Melodien und Themen noch immer sind, wie modern man sie interpretieren kann. Und die feine Instrumentierung ist ein Glücksfall (produziert wurde das Album von Eurithmix-Musiker Mike Stevens und Blue-Note-Präsident Don Was). Kein Orchesterpomp, kein Geschmalze großer Streichergruppen – frei nach dem Motto: Less is more.
 

Lennox packt zu jedem der Klassiker noch ein Häppchen Coolness und Frische – unaufgeregt und doch anregend, ohne sich von Tradition und musikalischen Standards abzuwenden. Sie macht jeden einzelnen Song damit erneut unverwechselbar, vor allem auch mit ihrer ungewöhnlichen Stimme.
 


 

Foto: © Universal/Robert Sebree
Label: Island (Universal Music)


JazzMe - In Kooperation mit Christoph Forsthoff, Sabine Meinert, Sven Sorgenfrey und Willy Theobald. Weitere CD-Kritiken, Interviews und Informationen aus der Welt des Jazz unter AboutJazz.

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > CDs JazzMe > Annie Lennox: Nostalgia

Mehr auf KulturPort.De

Max Slevogt – eine Retrospektive zum 150. Geburtstag
 Max Slevogt – eine Retrospektive zum 150. Geburtstag



Das Landesmuseum Hannover widmet dem Jubilar, der neben Max Liebermann und Lovis Corinth zum „Dreigestirn des deutschen Impressionismus“ gehört, eine großa [ ... ]



„Dogman” - Matteo Garrone und der gescheiterte Erlöser
 „Dogman” - Matteo Garrone und der gescheiterte Erlöser



Mit seinem hinreißenden Kleingangster-Epos „Dogman” kreiert Regisseur Matteo Garrone einen düster-poetischen Parallelkosmos und den vielleicht berührendst [ ... ]



Theater Festival Hamburg: „Vor Sonnenaufgang“ nach Gerhard Hauptmann
 Theater Festival Hamburg: „Vor Sonnenaufgang“ nach Gerhard Hauptmann



Was für ein Schauspielerfest! „Vor Sonnenaufgang“ nach Gerhard Hauptmann, das von Ewald Palmetshofer in die Gegenwart transportierte Sozialdrama, begeistert [ ... ]



Fay Claassen & WDR Big Band: My Dutch Songbook
 Fay Claassen & WDR Big Band: My Dutch Songbook



Es ist erst ein paar Wochen her, dass Fay Claassen den niederländischen Edison Jazz Award (Vocals) gewann – und zusätzlich den Publikumspreis einheimste.
 [ ... ]



Florian Henckel von Donnersmarck und Sebastian Koch stellen den Film „Werk ohne Autor“ in Lüneburg vor
 Florian Henckel von Donnersmarck und Sebastian Koch stellen den Film „Werk ohne Autor“ in Lüneburg vor



Vorstellung des neuen Films „Werk ohne Autor im ‚Filmpalast‘ in Lüneburg – nach den drei überaus eindrucksvollen Stunden kann das Publikum den Regisseu [ ... ]



Film Festival Cologne - Von starken Spielfilmdebüts und schwächelnden Stars
 Film Festival Cologne - Von starken Spielfilmdebüts und schwächelnden Stars



Nach einem eher dürftigen Festivaljahr 2018 ging schon das Raunen durch die Reihen: Wo sind all die guten Filme hin? Die Antwort ist einfach: Man muss nur richt [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.