Werbung

Neue Kommentare

Claus Friede zu „The Irishman”. Martin Scorsese und die Demaskierung des Gangsterfilms : Danke für Ihren Kommentar, Herr Zurch.
We...

Bernd Zurch zu „The Irishman”. Martin Scorsese und die Demaskierung des Gangsterfilms : Vielen Dank. Warum gibt es keine Sternchen mehr? ...
Martin Zopick zu „Nocturnal Animals” – Rachethriller als bittere Selbsterkenntnis : Der zweite Film von Tom Ford und der ist gar nich...
Michaela zu „Midsommar”. Die sonnendurchfluteten Abgründe des Ari Aster: Einer der magnetisierendsten Filme, die ich seit ...

Hamburger Architektur Sommer 2019


Follow Book

Schwarzer Kater auf Ermittlerpfoten: Commissaire Mazan und die Erben des Marquis

Drucken
(183 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Freitag, den 10. Januar 2014 um 09:52 Uhr
Schwarzer Kater auf Ermittlerpfoten: Commissaire Mazan und die Erben des Marquis 4.6 out of 5 based on 183 votes.
Schwarzer Kater auf Ermittlerpfoten: Commissaire Mazan und die Erben des Marquis

Vier Frauenmorde in einem französischen Städtchen, vom Täter fehlt jede Spur – soweit strickt sich der bewährte Krimi-Stoff von selbst.
Allerdings ist es diesmal ein schwarzer Kater, der in die Ermittler-Rolle schlüpft und als „Commissaire Mazan“ an der Seite von Polizistin Zadira Matéo auf Verbrecherjagd geht.

Ein schwarzer Kater, noch symbolträchtiger geht es wohl kaum: Der miauzende Unglücksbote läuft der jungen Drogenfahnderin Zadira Matéo kurz nach ihrer Strafversetzung ins französische Provinznest Mazan über den Weg. Tatsächlich folgt das Unheil auf dem Fuß: In dem idyllischen Winzerdorf ereignen sich Frauenmorde, einer nach dem anderen. Die Opfer sind jung und schön, ihre Ermordung bleibt jedoch rätselhaft – nur Polizistin Zadira Matéo glaubt an einen Zusammenhang. Dabei ist es der herrenlose schwarze Kater, der sie mit seinem übersinnlichen Spürsinn bei der Suche nach dem Täter unterstützt.

Denn er kann dorthin gelangen, wo Zadira keinen Zutritt hat und hören, was anderen verborgen bleibt. Nicht ganz ohne Eigeninteresse wird der gewiefte Samtpföter zu Commissaire Mazan: Immerhin hat es der Mörder nicht nur auf junge Frauen, sondern auch auf Katzen abgesehen, die er tötet, weil sie ihm die Zuneigung der Frauen stehlen und weil er ihren wissenden Blick fürchtet. Kater und Polizistin machen sich also als Ermittlerpaar auf die Jagd nach dem „dunklen Engel“, der das Dorf mit seinen blutrünstigen Taten heimsucht.

Das in Hamburg lebende Autorenehepaar Nina George und Jo Kramer, die zusammen unter dem Pseudonym Jean Bagnol schreiben, hat sich mit ihrem ersten gemeinsamen Thriller-Roman „Commissaire Mazan und die Erben des Marquis“ in die dunkelste Ecke der südfranzösischen Provinz vorgewagt. Dafür wurde der Pinsel tief in die Genre-Palette getunkt: In pittoresk-anmutigen Strich wird das beschauliche Dorfleben in romantisch-schillernden Farben und mit viel Lokalkolorit geschildert, in das sich aber schnell der brutal-dunkle Ton der nächtlichen Gräueltaten mischt. An Klischees wird dabei nicht gespart: Die ebenso hübsche wie kluge Polizistin, die sich in der chauvinistischen Männerdomäne ihres Berufs und gegen die Halsstarrigkeit ihrer Provinz-Kollegen behaupten muss und dennoch als Einzige den richtigen Riecher hat. Eine düstere Geheimgesellschaft, die „Erben des Marquis“, die sich das Dörfchen als Austragungsort für ihre erotischen Spiele à la Marquis de Sade auserkoren haben – Schnitzlers Traumnovelle lässt grüßen. Eine Dorfidylle, die nur auf den ersten Blick harmlos erscheint. Und natürlich ein treuer Vierbeiner, der die Ermittlungsarbeiten maßgeblich vorantreibt, nur dass es sich hier eben nicht um einen Lassie oder Rex handelt, sondern um einen Kater. Ein Mensch-Tier-Duo im Strudel von Gewalt, Erotik und geheimnisvolle Triebtaten: Man könnte meinen, die Autoren hätten bei ihrem Roman alle Zutaten für eine spannende Unterhaltungslektüre zusammen.

Leider bleibt „Commissaire Mazan und die Erben des Marquis“ bei vielem in Oberflächlichkeiten und Plattitüden stecken. Die Charaktere sind schablonenhaft entworfen, angefangen bei der Hauptprotagonistin mit ihrem starken Moral-Kodex und unterschwellig depressiven Zügen, die aber in ihren emotionalen Abgründen und sexuellen Ausflügen gleichsam ungreifbar wie facettenlos bleibt. Darum gruppieren sich eine Reihe typisierter Figuren, der obelixhafte Sergeant, die schrullige Dorf-Tratschtante, das Hotelmädchen, das vom besseren Leben träumt, oder der tollpatschige Hilfskoch. Dem tierischen Titelhelden bleiben dankenswerterweise erzählerische Albernheiten wie die menschliche Sprachfähigkeit erspart, er wird aber von den Autoren dennoch mit übernatürlichen sensorischen Sinnen ausgestattet: In einer Art transzendentalen Zustand kann er sich von Ort und Zeit lösen so fast hellseherisch vergangene Taten und drohende Unglücksfälle kommen sehen. Zum konsequenten Mystery-Roman fehlt der Geschichte aber doch der Durchhaltewille, zu sehr ergötzt er sich in detailreichen Beschreibungen von Land und Leuten, inklusive diverser Dorfkatzen, die in ihren Persönlichkeiten ihren menschlichen Konterparts gleichwertig beigeordnet sind und das an sich schon bunte Figurenensemble um weitere Charaktere ergänzen. Das ist nett zu lesen, verpasst dem Grusel-Faktor aber immer wieder einen entscheidenden Niedlichkeitsdämpfer.

Überhaupt der Thrill: Handwerklich ist bei „Commissaire Mazan und die Erben des Marquis“ mit eingestreuten Passagen aus der Sicht des Mörders alles richtig gemacht, der aber mit der Adressierung seiner Obsession als „Engel“ schon arg an der Kitschkante entlang schrabbt. Wirklich spannend ist die Geschichte erst einmal lange Strecken nicht, nur im letzten Drittel der Erzählung kann die Dorf-Katzenbande dann doch noch den Tag retten. Keine Frage, der Kriminalroman wird TierliebhaberInnen, die frankophile Romantizismen mögen und sich bei der Lektüre von „Shades of Grey“ angesprochen gefühlt haben, begeistern. Für hartgesottene Thriller-Fans dürfte der Roman dann aber doch eine Spur zu seicht sein.


Es ist ihr erster gemeinsamer Thriller-Roman: Unter dem Pseudonym Jean Bagnol hat das Hamburger Autoren-Ehepaar Nina George und Jo Kramer mit „Commissaire Mazan und die Erben des Marquis“.

Jean Bagnol: „Commissaire Mazan und die Erben des Marquis“

Kriminalroman,
München: Knaur 2013,
431 Seiten | E-Book

ISBN 978-3-426-21378-0.


Fotonachweis:
Header: Detail aus Buchcover
Galerie:
01. Jean Bagnol, Nina George und Jo Kramer. Foto: Maurice Kohl. © Nina George
02. Buchcover

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > Follow Book > Schwarzer Kater auf Ermittlerpfoten: Commissa...

Mehr auf KulturPort.De

Katrin Bethge: Lichtdurchflutet
 Katrin Bethge: Lichtdurchflutet



Seit Ende der 1990er Jahre inszeniert die in Hamburg lebende Künstlerin Katrin Bethge mit Licht – Innen- und Außenräume.
Seit dem Wochenende und noch bis z [ ... ]



„The Irishman”. Martin Scorsese und die Demaskierung des Gangsterfilms
 „The Irishman”. Martin Scorsese und die Demaskierung des Gangsterfilms



Vorbei der fiebrige Glamour und die trügerische Romantisierung von „Goodfellas”, Verbrechen ist in „The Irishman” ein eher eintönig sorgenvolles Metier [ ... ]



Still in the Woods: Flying Waves
 Still in the Woods: Flying Waves



Schon in einer vorangegangenen KulturPort.De-Besprechung zum ersten Album (Rootless Tree) von „Still in the Woods“ kam das bemerkenswerte Potential der Band  [ ... ]



„Halloween“-Opern-Slam im Opernloft Altona
 „Halloween“-Opern-Slam im Opernloft Altona



Ein ungewöhnlich schönes Ambiente, ganz erstaunliche Stimmen und ein Spaßfaktor, wie er in der klassischen Musik wohl einmalig ist: Der „Halloween“-Sänge [ ... ]



Gottes Wort oder Menschenwerk? Zwei Bücher über die Geschichte der Bibel
 Gottes Wort oder Menschenwerk? Zwei Bücher über die Geschichte der Bibel



Die Bibel, sagt Arno Schmidt, sei „ein unordentliches Buch mit 50.000 Textvarianten“. Auch wenn diese Zahl groß klingt – damit hat er gewiss noch heftig u [ ... ]



Die jungen Jahre der Alten Meister – Baselitz, Richter, Polke, Kiefer
 Die jungen Jahre der Alten Meister – Baselitz, Richter, Polke, Kiefer



Es war die Zeit, in der die Malerei totgesagt war. Jeder, der sich zur Avantgarde zählte, suchte den Ausstieg aus dem Bild. Jeder? Nein. Vier junge Maler dachte [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.