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Biografischer Roman von Jana Revedin: „Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus – das Leben der Ise Frank“

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Montag, den 17. Dezember 2018 um 09:45 Uhr
Biografischer Roman von Jana Revedin: „Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus – das Leben der Ise Frank“ 4.1 out of 5 based on 113 votes.
Biografischer Roman von Jana Revedin Jeder nennt mich Frau Bauhaus – das Leben der Ise Frank

1919 hat Walter Gropius die Kunstschule „Staatliches Bauhaus in Weimar“ gegründet. Obwohl die Bauhaus-Schule nur 14 Jahre bestand, wirkt sie bis in die heutige Zeit.
Jetzt ist ein Buch über Walter Gropius zweite Frau Ise Frank erschienen, die bisher in der Bauhaus-Geschichtsschreibung eher eine Unbekannte war. Doch sie spielte nicht nur eine wichtige Rolle im Leben des Bauhaus-Gründers, sondern auch eine wichtige Rolle an dieser revolutionären Kunst-, Design- und Architekturschule. In erster Ehe war Walter Gropius bekanntlich mit Alma Mahler verheiratet. Der Architektin und Autorin Jana Revedin ist es zu verdanken, dass nun endlich ein erhellender Blick auf die bis zum Lebensende andauernde Beziehung zwischen Ise Frank und Walter Gropius geworfen wird. Rechtzeitig also vor dem großen Jubiläum, das im April 2019 ansteht. Dann jährt sich die Gründung des Bauhauses zum 100. Mal.

jana revedin Foto Gernot GleissDer im DuMont Buchverlag Köln erschienene biografische Roman „Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus“ von Jana Revedin ist auf Fakten begründet, angereichert mit fiktiven Elementen. Fakt ist beispielsweise: Kennengelernt haben sich die Journalistin und Buchhändlerin Ise Frank während eines Vortrags von Walter Gropius, den er am 28. Mai 1923 an der Technischen Universität Hannover hielt. Damals reiste Gropius quer durch Deutschland, um für seine revolutionäre Bauhaus-Idee zu werben und Mitstreiter zu gewinnen. „Diese Schule war eine politische Bewegung. Das Bauhaus war eine Haltung und keine Ästhetik oder kein Design“, so die Autorin Jana Revedin im Interview (WDR3, Kultur am Mittag, 30.11.2018).

Aufmerksam wurde die Autorin und Architekturprofessorin für Architektur und Städtebau in Lyon und Paris auf Ise Frank, als sie mit ihrer Meisterklasse Texte von Bruno Taut las, dem großen Reformarchitekten der Weimarer Republik. Insbesondere dessen Veröffentlichung „Die neue Wohnung: Die Frau als Schöpferin“ von 1924 lenkte ihr Augenmerk auf die Frau an Walter Gropius Seite. Ise Gropius, die u.a. das Meisterhaus in Dessau nach Grundsätzen der aus Amerika importierten Ergonomie-Lehre einrichtete: ausklappbare Schreibtische, Teleskoplampen, elektrische Teekocher und vollautomatische Spülmaschine. Das Meisterhaus wurde somit zum Musterhaus bahnbrechender Rationalisierung der Hausarbeit.
Ise Gropius war ausgebildete Buchhändlerin, Journalistin, Rezensentin. Dies ermöglichte ihr, die Vorträge ihres Gatten bis zur Perfektion aufzubereiten. Dass die schriftliche Veröffentlichung jedoch nur dann mit Erfolg gekrönt war, wenn Gropius persönlich die Vorträge signierte, bevor diese an Zeitungen und Zeitschriften geschickt wurden, ist dem Bild der Frau in der damaligen Gesellschaft zuzuschreiben. Die Rolle der damaligen Frau wird auch im Roman deutlich, in der Geschichte des Bauhauses: Zwar gab es durchaus Frauen, die Architektur studieren wollten, aber keine Lehrmeister. Das änderte sich nicht gleich, aber doch immerhin noch während der Bauhauszeit.

Jeder nennt mich Frau Bauhaus – das Leben der Ise Frank COVERIse Frank wurde rasch zur Mitschöpferin und Mitstreiterin der rebellischen Bauhaus-Idee. Der Weg dorthin war kurz: Beim ersten Bankrott-Geständnis des genialen Gropius waren Ise und Walter noch nicht einmal verlobt. Zu dem Zeitpunkt siezten sie sich noch, erzählt uns Jana Revedin. Und doch ist schon vom Vermissen die Rede, fallen Sätze wie „Ilse, ich brauche Sie“, fehlt Ise nach kürzester Trennung „Das Verstehen, das beinahe wortlose, selbstverständliche Verstehen in dem kurzen Gespräch mit diesem Mann. Und sein Humor“ (S. 42). „Dieser Mann konnte einen entwaffnen“ (S. 81). Und weil das so ist, wurde bereits im Herbst 1923 geheiratet, nur wenige Monate nachdem sich die beiden kennengelernt und Ise ihre Verlobung mit Cousin Hermann aufgelöst hatte.

Von nun an bestimmte Ise den Bauhaus-Kurs entscheidend mit. „Seit dem zweiten Samstag mit Gropius hatte sie begonnen, auf ihren üblichen weißen Blättern zu protokollieren, was er in ihren Gesprächen über seine Schule und Lehre von sich gab“ (S. 87). Als das Weimarer Bauhaus nach seiner ersten Werkschau finanziell am Boden lag, verstand sie es, eine Neuansiedlung in Köln einzufädeln. Immer wieder gelang es ihr, neue Mäzene für das Bauhaus zu finden – bis zum endgültigen Aus. Ihr größter Verdienst aber war es sicherzustellen, dass Walter Gropius revolutionäre Gestaltungs- und Lehrideen weder während der Nazizeit noch danach in Vergessenheit gerieten. Dass auch die Frau an seiner Seite nicht in Vergessenheit gerät, dafür sorgt dieser biografische Roman über das Leben der Ise Frank.
Dieses Buch will laut Autorin kein Geschichtsbuch über das Bauhauszeitalter sein. Dieses Buch will auch Geschichten erzählen - Geschichten über die Protagonisten der Bauhauszeit. Es erzählt von Liebe und Schuld, von Sehnsucht und Träumen, von Zweifeln und Ängsten, von Freundschaft und Familie, von Treue und Untreue. Dieses Buch ist anrührend erzählte Geschichte, angefüllt mit möglichen Geschichten.

Jana Revedin: Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus – Das Leben der Ise Frank

DuMont Buchverlag Köln 2018
ISBN 978-3-8321-8354-7
mit zahlreichen s/w-Abbildungen, gebunden mit Lesebändchen, bedrucktes Vorsatzpapier, 304 Seiten, 22,00 EUR
E-Book: ISBN 978-3-8321-8435-3


Abbildungsnachweis:
Header: Detail aus Buchumschlag
Portrait Jana Revedin: Gernot Gleiss
Buchumschlag.

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