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Ray Celestin: „Höllenjazz in New Orleans“

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Montag, den 26. Februar 2018 um 10:05 Uhr
Ray Celestin: „Höllenjazz in New Orleans“ 4.1 out of 5 based on 78 votes.
Ray Celestin: „Höllenjazz in New Orleans“

New Orleans, 1919: Der mysteriöse „Axeman-Mörder“ versetzt die Stadt in Angst und Schrecken. Seine Waffe ist eine Axt, sein Markenzeichen sind Tarot-Spielkarten, die er bei den ermordeten Opfern hinterlässt. Diesen sogenannten Axeman hat es tatsächlich gegeben: inmitten der Stadt des Blues, in der Wiege des Jazz, in der Stadt der Schwarzen, die unter der Macht der Weißen leben und leiden.
Um die realen, nie aufgeklärten Morde des Axeman spinnt Ray Celestin gekonnt seinen Roman aus Fakten und Fiktion. Einer der Protagonisten ist die Jazzlegende Louis Armstrong kurz vor Beginn seiner großen Karriere, die ihn zum bekanntesten Jazzmusiker aller Zeiten machte. Schon deshalb ist dieser Roman ein Muss für alle Jazzfans. Doch nicht nur deshalb trägt der Roman den Titel „Höllenjazz in New Orleans“.

Ein Tipp vorab: Leser dieses Krimis sollten sich nicht entmutigen lassen durch das umfangreiche Personenverzeichnis, das dem Buch vorangestellt ist: Die Hauptfiguren kristallisieren sich schnell heraus. Und noch ein Tipp: Was Leser entgegen sonstiger Ratschläge und Gepflogenheiten unbedingt tun sollten: zuallererst die letzte Seite aufschlagen! Hier findet man eine Karte von New Orleans, die hilfreich durch den Dschungel der Stadtviertel führt, die allesamt im Roman eine Rolle spielen. Umso leichter wird es beim Lesen sein, sich in die atmosphärisch dichten Beschreibungen dieser Viertel hineinzubegeben und buchstäblich in ihnen zu versinken.

Letzter Tipp: Vor Beginn der eigentlichen Lektüre sollte der Leser das Glossar am Ende des Buches aufschlagen. Hier wird eine Reihe eher weniger bekannter Begriffe erklärt. Auch wenn so manche Erklärung überflüssig zu sein scheint, dürfte ein derart aufgeklärter Leser mehr Spaß am Buch haben. Wobei Spaß nicht das richtige Wort ist. Bei so viel Mord und Totschlag kommt kaum Vergnügen auf. Zugegebenermaßen muss man schon ein wenig hartgesotten sein, um all das Blut und die perfide Gewalt im verregneten, sturmgepeitschten New Orleans auszuhalten.

Höllenjazz in New Orleans BuchumschlagWer dranbleibt, wird feststellen: Ray Celestin bietet mit seinem Debütroman eine gekonnte Mischung aus Fakten und Fiktion rund um einen der spannendsten und geheimnisvollsten Mordfälle der nordamerikanischen Geschichte. Denn nicht nur im Roman herrschten in New Orleans im Jahr 1919 Chaos und Korruption: Gerade erst wurde hier das berühmte Vergnügungsviertel Storyville geschlossen, die Prohibition verabschiedet, und die Mafia gewann an Macht. Die Menschen fürchten sich – auch und vor allem vor dem sogenannten „Axeman“, der in der Stadt sein Unwesen treibt. Der geheimnisvolle Killer mordet scheinbar willkürlich und bewegt sich dabei wie ein Phantom durch die Straßen.

Detective Michael Talbot, der mit dem Fall betraut ist, ist dem Killer dicht auf den Fersen. Der ehemalige Polizist Luca D'Andrea sucht ebenfalls nach dem Axeman – im Auftrag der Mafia. Und zufällig stolpert Ida, die Sekretärin der 1850 gegründeten, bis heute bestehenden Pinkerton Detektivagentur, über einen Hinweis, der sie und ihren besten Freund Louis Armstrong mitten in den Fall hineinzieht. Als Michael, Luca, Ida und Louis der Identität des Axeman immer näherkommen, fordert der Killer die Bewohner von New Orleans heraus: „Spielt Jazz – sonst komme ich, um euch zu holen.“

Jazz spielt auf vielfältige Weise einen wichtigen Part in diesem Krimi. Schon die Tatsache, dass der große Musiker Louis Armstrong als Romanfigur mit realem Background dient, spricht dafür. Und gleich zu Beginn des Buches wird eine Beerdigungsprozession so detailgenau beschrieben, dass man Mitswingen möchte. Mitswingen kann und darf der Leser bei vielen Gelegenheiten. Die Bewohner der Stadt hingegen müssen am Abend der großen Party, die vom Mörder anberaumt wurde, entweder mitswingen oder aber selbst Jazzmusik machen. Dazu fordert der Axeman die Bewohner von New Orleans ohne Wenn und Aber auf. Sonst kann diese Nacht für sie tödlich enden. Um das zu verhindern und die tödliche Bedrohung zu stoppen, machen sich Ida, Michael und Luca auf die Suche nach dem Serienmörder. Ist der Mörder eine reale Person? Oder etwa ein Geist? Die Gerüchteküche brodelt…

Fakt ist, die Geschichte beruht auf wahren Ereignissen. Zwischen 1918 und 1919 tötete der Axeman von New Orleans sechs Menschen. So ist es nur folgerichtig, dass Autor Ray Celestin in seinem Roman die Abschrift eines Original-Axeman-Briefes verwendet hat (S. 16 und 317). „Man hat mich nicht erwischt und man wird mich nicht erwischen“, prognostizierte der unbekannte Serienmörder in diesem Brief. Und weiter heißt es dort: „Niemand hat mich je gesehen, denn ich bin unsichtbar, flüchtig wie der Äther, der Eure Erde umgibt.“ Im Roman ist der Axeman am Ende nicht so flüchtig, wie er es gerne wäre. Ergo ist er wohl doch von dieser Welt…

Anders als in Wirklichkeit – der Axeman wurde nie gefasst, es ranken sich auch heute noch Gerüchte um seine wahre Existenz – wird die Mordserie im Roman aufgeklärt und mündet in ein packendes Finale. Der fulminante Showdown ist eine gekonnte Mischung aus atemberaubender Spannung und atmosphärischer Dichte. Am Ende schließt sich der Kreis. Übrig bleiben viele Tote. Zum Glück viel mehr Überlebende.

Ray Celestin, Höllenjazz in New Orleans

Piper Verlag, München 2017
Paperback: ISBN 9783492060868, 512 Seiten, 16,00 Euro
E-Book: ISBN 9783492990035, 13,99 Euro
Übersetzt von: Elvira Willems
Leseprobe

Vita
Ray Celestin studierte Asiatische Kunstgeschichte und Sprachen in Großbritannien. Er ist Drehbuchautor für Film und Fernsehen und veröffentlichte bereits mehrere Kurzgeschichten.
„Höllenjazz in New Orleans" ist sein erster Roman, für den er den John-Creasey-Award der Crime Writer's Association erhielt und der die britischen Bestsellerlisten und Feuilletons im Sturm eroberte. Derzeit schreibt er an seinem dritten Roman, der im Frühjahr 2019 erscheinen soll. Quelle: Piper Verlag


Abbildungsnachweis:
Buchmotiv, Buchumschlag; Piper Verlag

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avatar Karin Braun
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Das macht aber Appetit. Buch muss ich mir sofort besorgen. Danke für die feine Rezension
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