Neue Kommentare

Alex zu Film Festival Cologne - Von starken Spielfilmdebüts und schwächelnden Stars: Wer bist du? Halten Sie Ihre Meinung besser, wenn...
Emanuel Ackermann zu „Werk ohne Autor” – Oder die Alchemie der Kreativität : Bisher habe ich nur Schlimmes über den Film gele...
Richard Voigt zu Offener Brief führender Grafikdesigner*innen fordert die Stiftung Buchkunst heraus: Lehrauftrag verfehlt?
Die Professores such...

Herby Neubacher zu Es läuft und läuft und läuft: 15 Jahre „Heiße Ecke“ im Schmidt's Tivoli: Rund 42000 Kondome, 25 000 Würstchen, 16800 Wasc...
Patrick Dissinger zu „Foxtrot”. Samuel Moaz und das Konzept des Zufalls: Ein exzellenter, sehr kluger Film. Danke für den...

Follow Book

Hamburg.Licht.Kunst – Der Lichtkünstler Michael Batz

Drucken
(124 Bewertungen - Wie es Euch gefällt!)
Dienstag, den 23. Februar 2016 um 10:52 Uhr
Hamburg.Licht.Kunst – Der Lichtkünstler Michael Batz 4.8 out of 5 based on 124 votes.
Michael Batz

Alles auf Blau. Die kühle Farbe des Geistes scheint Programm bei dem 1951 aus Hannover stammenden Lichtkünstler, Autor, Theatermacher und Dramaturg zu sein. Sein „Blue Port“, die „Blue Goals“ sind beliebte und mediale Hervorhebungen, im Vergleich zu dem, was Michael Batz eigentlich ausmacht. Und das soeben erschienene Buch „Hamburg.Licht.Kunst“ mit Texten von Matthias Gretzschel und Fotografien von Michael Zapf ist lediglich eine Facette des Inter-Kultur-Schöpfers – zugegeben eine weithin sichtbare.

Hamburg.Licht.Kunst - CoverAls vor siebzehn Jahren, 1999, erstmalig die Hamburger Speicherstadt von Batz illuminiert wurde, war diese weit entfernt vom Weltkulturerbe. Das Gesicht dieses im späten 19. Jahrhundert aus dem Boden regelrecht gestampften Lager-Quartiers mit seiner heute so überaus wertvollen touristischen Anziehung, wurde für die Nacht vollkommen erneuert. Nicht ohne Widerstand und bissigen Kommentaren der Kritiker natürlich. Buntes Lichtdesign, Zirkusatmo, ästhetischer Kitsch und und und. Scharfe Kritik der Gedanken- und Kulturpolizei – auch darin hat man hier geschichtlich Tradition – hat es im damals intoleranten Hamburg seit Jahrhunderten gegeben. So fürchtete die klerikale Obrigkeit noch im 18. Jahrhundert die Gaslaterne sei ein Eingriff in die Göttlich Ordnung und rief „Stop“.

Die Geschichte des nächtlichen, künstlichen Lichts in Hamburg ist der kundige Einstieg in das über 170 Seiten starke Fotobuch. Michael Zapf, einer der visuellen Dokumentaristen der Hansestadt, war, gleichnishaft Hase und Igel, immer zur Stelle, ob bei den Vorbereitungen, den Installationen oder der Ergebnispräsentation von Batz’ Projekten.

Als Theatermacher, Stückedenker und Dramaturg weiß Michael Batz um die Inszenierung und er tut dies wohlüberlegt, mit klarer Haltung – auch mit politischer. Und ohne jemals die Bodenhaftung zu verlieren oder das/sein Publikum aus dem Auge zu verlieren. Seine Haltung, demokratische und diskursive Elemente nicht außer Acht zu lassen, ergeben bei ihm keine Aneinanderreihung von Kompromissen, sondern letztlich das Beste aus einer Sache und einem Vorgang. Sein Engagement gegen die Todesstrafe, 2012: „Du sollst nicht töten“, prangte in luftiger Höhe als Neonschriftzug am Turm der Hauptkirche St. Michaelis. Die „Woche der Engel“ in Lübeck oder die Inszenierung zum „Gedenken zum 9. November" am Hamburger Rathausmarkt, die „4 Propheten“ auf dem Kleinen Kiel des HSH-Nordbank-Gebäudes in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt gehören auch in die Kategorie einer klaren Stellungnahme.

Der Lichtkünstler ist kein bloßer Illuminator, der Effekte beherrscht, er ist ein empathischer und sensibler Lichterzähler, dem nichts grusliger erscheint als die nächtliche Lichtverschmutzung in vielen Metropolen dieser Welt. Diesen Unterschied muss man erst einmal den vielen, die die Schule des Sehens noch nicht hinter sich gebracht haben, verdeutlichen – eine Sisyphus-Arbeit. Dass sich eine Stadt nachts ganz anders kleidet als tagsüber ist nicht jedem sofort klar und dass man Orte einer Stadt zum Hingucker machen kann, während tagsüber aber auch niemand den Ort überhaupt beachten würde, ebenfalls.

Michael Batz ist in seinen Erläuterungen und Antworten auf die vielen Fragen, die zu seinen Intentionen gestellt werden sehr dezidiert. Für ihn sind selbst kleine Unterschiede von Bedeutung und so lässt er sich selbst von bürokratischen Normen wenig schrecken. Gegen das von Marketing und Werbeindustrie ebenfalls weit und intensiv genutzte Licht eine andere Position, ein anderes Zeichen zu etablieren, sieht er als herausfordernde Aufgabe an, der er sich immer wieder stellt.
Darüber hinaus finanziert er große Teile seiner Projekte selbst – auch auf die Gefahr hin, dass er auf Kosten sitzen bleibt.

Wer erleben, will wie vielseitig Lichtkunst sein kann, nimmt sich das Buch zur Hand, taucht in die oft blaue Tiefsee der Hamburger Lichtgeschichte, liest die kundigen Texte und lässt sich auf all die fotografierten ästhetischen Reize der Hafenstadt ein – und kommt dem Künstler Michael Batz ein Stück näher.

Hamburg.Licht.Kunst – Der Lichtkünstler Michael Batz
Mit Texten von Matthias Gretzschel und Fotografien von Michael Zapf
Koehlers Verlagsgesellschaft Hamburg
171 Seiten, Hardcover
ISBN 978-3-7822-1229-8

YouTube-Video: Blue Port Hamburg 2014 von Michael Batz
Das von KulturPort.De
am 28.05.2011 auf der Barkasse Adele im Hamburger Hafen geführte WebTV-Interview mit Michael Batz
Moderation: Isabelle Hofmann.
Michael Batz schrieb das Buch für „Hiev Op!", einem Requiem für Krane. Mit den Kranen verschwand auch ein Stück Seele aus dem Hafen. Das Gastspiel des Theaters in der Speicherstadt, nach Musik von Markus Voigt, ist eine Hommage an die klassischen Hebezeuge der Stückgutzeit. Als Oratorium für Sprecher, Chor und Brass-Quartett lässt es die Zeit der klassischen Krane noch einmal aufleben. Michael Batz spricht über das Theater-, Musik- und Lichtprojekt und über seinen Werdegang.


Abbildungsnachweis:
Header: Michael Batz auf der Baustelle der Elbphilharmonie mit Blick auf den „Blue Port“. Foto: Michael Zapf.
Buchumschlag

Kommentar verfassen
(Ich bin damit einverstanden, dass mein Beitrag veröffentlicht wird. Mein Name und Text werden mit Datum/Uhrzeit für jeden lesbar. Mehr Infos: Datenschutz)

Ihr Name (erscheint mit ihrem Kommentar) *
Ihre Email (Nur für unseren Bestätigungslink)
Code (Hier eintragen)   
Meinen Kommentar abschicken
 
Home > Kolumne > Follow Book > Hamburg.Licht.Kunst – Der Lichtkünstler Mi...

Mehr auf KulturPort.De

Max Slevogt – eine Retrospektive zum 150. Geburtstag
 Max Slevogt – eine Retrospektive zum 150. Geburtstag



Das Landesmuseum Hannover widmet dem Jubilar, der neben Max Liebermann und Lovis Corinth zum „Dreigestirn des deutschen Impressionismus“ gehört, eine großa [ ... ]



„Dogman” - Matteo Garrone und der gescheiterte Erlöser
 „Dogman” - Matteo Garrone und der gescheiterte Erlöser



Mit seinem hinreißenden Kleingangster-Epos „Dogman” kreiert Regisseur Matteo Garrone einen düster-poetischen Parallelkosmos und den vielleicht berührendst [ ... ]



Theater Festival Hamburg: „Vor Sonnenaufgang“ nach Gerhard Hauptmann
 Theater Festival Hamburg: „Vor Sonnenaufgang“ nach Gerhard Hauptmann



Was für ein Schauspielerfest! „Vor Sonnenaufgang“ nach Gerhard Hauptmann, das von Ewald Palmetshofer in die Gegenwart transportierte Sozialdrama, begeistert [ ... ]



Fay Claassen & WDR Big Band: My Dutch Songbook
 Fay Claassen & WDR Big Band: My Dutch Songbook



Es ist erst ein paar Wochen her, dass Fay Claassen den niederländischen Edison Jazz Award (Vocals) gewann – und zusätzlich den Publikumspreis einheimste.
 [ ... ]



Florian Henckel von Donnersmarck und Sebastian Koch stellen den Film „Werk ohne Autor“ in Lüneburg vor
 Florian Henckel von Donnersmarck und Sebastian Koch stellen den Film „Werk ohne Autor“ in Lüneburg vor



Vorstellung des neuen Films „Werk ohne Autor im ‚Filmpalast‘ in Lüneburg – nach den drei überaus eindrucksvollen Stunden kann das Publikum den Regisseu [ ... ]



Film Festival Cologne - Von starken Spielfilmdebüts und schwächelnden Stars
 Film Festival Cologne - Von starken Spielfilmdebüts und schwächelnden Stars



Nach einem eher dürftigen Festivaljahr 2018 ging schon das Raunen durch die Reihen: Wo sind all die guten Filme hin? Die Antwort ist einfach: Man muss nur richt [ ... ]



Weitere aktuelle Magazin Artikel

Home     Blog     WebTV     Kolumne     NewsPort     Live

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr Infos.